Kulturbeutel April 2012

Marc-Oliver Olschewski:

“Es kamen Nachfragen, ob meine Köpfe etwas mit Voodoo zu tun haben“

HANIX — Reden wir über deine Kunst. Seit wann arbeitest Du künstlerisch?

Marc-Oliver Olschewski— Ich habe als Kind immer sehr viel gemalt, dass hat aber dann in der Jugend erst mal aufgehört. Irgendwie hat sich dann zunächst mein erlernter Beruf aufgedrängt. Mein Onkel arbeitete damals bei Läpple und ich fing dort eine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker an. Ich kann nicht sagen, dass diese dreieinhalb Jahre viel Spaß gemacht haben, aber ich habe viel gelernt. Die Kunst war damals nicht mein Hauptinteresse, ich ging zwar nachwievor auf Ausstellungen, wollte aber lieber reisen und habe somit nicht gemalt oder sonst eine Art von Kunst betrieben. Vor fünf Jahren hat sich dies aber geändert. Ich ging nicht mehr so viel aus, hatte einfach wieder mehr Zeit und begann damit Köpfe zu gestalten.

HANIX — Warum ausgerechnet Köpfe?

Marc-Oliver Olschewski— Jeder der irgendetwas kreativ-künstlerisches macht, erfindet die Welt nicht neu und ist immer von jemand anderem zumindest teilweise beeinflusst. So auch bei mir, wobei dies eher Zufall war. Ein Freund von mir erwähnte mal in irgendeinem Zusammenhang den Namen Ücker über den ich mich dann informiert und dessen Werke ich mir angeschaut habe. Generell kann man sagen unsere Kunst hat nicht viel gemeinsam bis auf die Verwendung der Nägel, die allerdings wesentlicher Bestandteil meiner Köpfe ist. Nebenbei erwähnt, es kamen auch einige Nachfragen ob denn meine Köpfe was mit Voodoo zu tun haben und nach näherer Betrachtung kann ich das mit ja beantworten. Nicht im allgemein gültigem Sinne. Voodoo wird in unseren Gefilden ja für etwas Böses gehalten. Voodoo war aber früher eher etwas Heilendes und Beruhigendes, was auch von den sogenannten Ätzmännern in Europa betrieben wurde. Diese heilende und beruhigende Wirkung verspüre ich auch bei meinem Schaffen. Diese Arbeiten waren aber nur der Vorbote der darauf folgenden Röntgenwerke. Ich überlegte mir wie ich das Innere der Köpfe zeigen konnte. Schneiden ging beim von mir verwendeten Material nicht. Als dann eine Bekannte half, einen Arzt in Neckarsulm zu finden, der von Kunst und der Idee, die Köpfe zu röntgen begeistert war, war es bis zur Umsetzung nur noch ein kleiner Schritt.

HANIX — Konnte man deine Köpfe auch schon auf Ausstellungen bewundern? Und wie viele Köpfe hast Du überhaupt hergestellt?

Marc-Oliver Olschewski—Ich habe nach sieben Köpfen aufgehört und diese ausgestellt. Ein Freund von mir, der Bildhauer Ralf Krämer, sollte mit einer Gruppe anlässlich der Veranstaltung «Beuys für alle« im Fleischhaus ausstellen, konnte dann aber aus terminlichen Gründen nicht. Somit war ich dann derjenige, der ausstellen durfte. Das war meine erste richtige Ausstellung. Das war damals im Fleischhaus.

HANIX — Sicherlich ein gutes Gefühl, seine Kunst auch ausstellen zu können und dürfen. Warst Du zufrieden mit deiner Ausstellung?

Marc-Oliver Olschewski—Das war natürlich eher laienhaft gemacht. So hingen meine Köpfe beispielsweise nicht optimal. Das Problem war, dass ich vorher ein Bild im Kopf hatte, wie die Stücke präsentiert werden sollten. Ich habe aber leider den Ausstellungsraum nicht mit einbezogen. Das passiert mir mit Sicherheit nicht mehr.

HANIX — Und die Resonanz auf deine Ausstellung im Fleischaus? Warst Du damals auch selbst vor Ort?

Marc-Oliver Olschewski—Ich war na klar auch selbst vor Ort. Nur dadurch, dass ja ganz Heilbronn mit Ausstellungen voll war, ist natürlich jede einzelne etwas untergegangen. Ich kam allerdings mit vielen Menschen ins Gespräch, wobei sich unter anderem eine Ausstellung im B27 ergab.

HANIX — Gibt es bereits Termine für eine weitere Ausstellung von dir?

Marc-Oliver Olschewski—Die Köpfe werde ich auf öffentlichen Ausstellungen nicht mehr präsentieren, es gibt aber demnächst eine sehr kleine Ausstellung in der Nähe von Heilbronn für einen guten Zweck. Hier wird man auch meine Köpfe nochmals zu sehen bekommen. Auf weiteren Ausstellungen, für die ich Anfragen laufen habe, wird es dann aber meine Hexaeder und vielleicht auch Bilder zu sehen geben.

HANIX —Erzähl uns von deinen Würfeln.

Marc-Oliver Olschewski—Ursprünglich waren 22 Würfel geplant, frag mich nicht warum, es war einfach so. Mittlerweile sind 19 Würfel fertig und voraussichtlich werden es auch in paar mehr als 22 Hexaeder werden. Das Gerüst der Würfel ist ein Holzkern und auch hier arbeite ich mit Polsternägeln, die ich über eine gute Freundin beziehe, die tolles Material liefert. Hier wird auch der Vorteil von Heilbronn sichtbar. Man kennt hier so viele Leute, die einem weiterhelfen können. Sowas wie Facebook wäre hier eigentlich nicht nötig.

HANIX —Denkst Du auch ans verkaufen deiner Kunst?

Marc-Oliver Olschewski—Na klar. Alle Exponate stehen zum Verkauf. Erstens weil ich nicht so sehr daran hänge und zweitens weil es einfach neue Möglichkeiten für neue Projekte eröffnet.

HANIX —Momentan produzierst du deine Werke zu Hause. Das sind nicht die optimalsten Bedingungen, um Kunst zu machen, oder?

Marc-Oliver Olschewski—Ja, momentan schon, weil es einfach das Günstigste ist. Allerdings bin ich auf der Suche nach einem Atelier. Ich benötige nicht unbedingt das tolle Loft, mir ist es wichtiger dass mehrere Räume existieren.

HANIX —Kann dein Drang Kunst zu machen auch irgendwann wieder weg sein? Es ist sicherlich auch eine Geldfrage?

Marc-Oliver Olschewski—Eine Geldfrage ist es auf keinen Fall. Ich mach es so oder so und habe auch schon viel Zeit und Geld reingesteckt, dass ich bis jetzt noch nicht durch Verkäufe drin habe. Der finanzielle Aspekt ist also nicht ausschlaggebend.

HANIX —Bestärkt dich dein Umfeld bei deinem Schaffen?

Marc-Oliver Olschewski—Ja schon, aber das hilft oder beeinflusst mich eher weniger. Es muss aus meinem Inneren kommen. Auch mit Kritik gehe ich zwar um, aber meine Entscheidung weiterzumachen, wird dadurch nicht beeinflusst, da dies auch nur Meinungen sind.

HANIX —Hast Du nach den Köpfen und Würfeln schon neue Ideen?

Marc-Oliver Olschewski—Als nächstes werden großformatige, gemalte und konstruierte Bilder kommen, bei denen ich mit sehr großen Farbflächen arbeiten werde. Dies scheitert aber momentan am nicht vorhandenen Beamer und an einer geeigneten großen Wand um das Bild aufzustellen, womit wir wieder beim Thema Atelier wären.

HANIX —Hört sich nach viel Improvisation an, die Du an den Tag legen musst.

Marc-Oliver Olschewski—Momentan ist Improvisation bei mir absolut gefragt, das ist richtig. Manchmal muss ich sogar richtig umbauen und viele Kompromisse eingehen.

HANIX —Wie empfindest du Heilbronn als Kulturstadt?

Marc-Oliver Olschewski—Ich möchte dazu eigentlich gar nichts Schlechtes sagen. Möglicherweise liegt es an der Größe der Stadt, dass ich einige Dinge vermisse. Beispielsweise ist hier nicht der Durchlauf an Menschen vorhanden, die ihre Ideen in Heilbronn lassen, wie in Uni-Städten. Heilbronn ist wohl in dem Bereich eher sowas wie ein liegendes Gewässer. Dies könnten aber nur die jungen Menschen ändern.

HANIX — Hoffst du das Heilbronn durch die neuen Studenten des Bildungscampus etwas offener und beweglicher wird?

Marc-Oliver Olschewski—Warten wir doch einfach mal die Entwicklung ab. Letztendlich muss jemand eben die Stadt verlassen, wenn er es hier nicht mehr aushält. Positiv in der Stadt ist einfach, dass man mit wenigen Mitteln ein großes Netzwerk aufbauen kann. Wie vorhin schon erwähnt, kann man hier einfach Leute schneller und auf der persönlichen Ebene kennenlernen. Man kann auch in Heilbronn Spaß haben. Wenn man aber natürlich Sonntag Mittag auf die Straße schaut, sieht man maximal ein paar Spaziergänger und von lauen Sommernächten mit Menschenmassen auf den Straßen, möchte ich gar nicht anfangen.

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