Kulturbeutel August 2012

Ralf Stegmann:»Das Open-Air-Kino ist ungezwungen!«

Ralf Stegmann veranstaltet mit seiner Agentur xmedia seit zehn Jahren das Open-Air-Kino in Heilbronn. Wir sprachen mit dem Macher der Filmfreilichtspiele über tagelange Autofahrten durch Heilbronn, die Auswahl des Filmprogramms und über Profibesucher, die bestens ausgerüstet für jedes Wetter das Gelände der Heilbronner Weingenossenschaft aufsuchen, um Kino unter freiem Himmel zu genießen.

HANIX — Herr Stegmann, seit einer Dekade veranstalten Sie das Heilbronner Open-Air-Kino auf dem Gelände der Heilbronner Genossenschaftskellerei. Erzählen Sie mal, wie hat damals alles angefangen?

Ralf Stegmann — Um das zu beantworten muss man bis ins Jahr 2000 zurückgehen. Es fand in diesem Jahr die erste Frisbee-WM in Heilbronn statt, die wir von der kommerziellen Seite her begleitet haben. Wobei ich an diesem Thema ungefähr drei Jahre lang gearbeitet habe. Nach so einem Event herrscht natürlich erst mal Leere. Wir haben dann überlegt was man in Heilbronn machen kann. Es musste selbstverständlich etwas Neues für Heilbronn sein. Nachdem wir uns dann mal verschiedene Städte wie Stuttgart, Heidelberg, Ludwigsburg und Würzburg angeschaut hatten, stellten wir fest, dass es überall ein Open-Air-Kino gab, nur eben nicht in Heilbronn. Die Event-Idee war also geboren und wir haben uns, mit Hilfe der Veranstalter des Open-Air-Kinos Karlsruhe, kundig gemacht was man alles benötigt, woher man die Filme bekommt, welche Richtlinien zu beachten sind und so weiter.

HANIX — Hatten Sie Schwierigkeiten eine Örtlichkeit für den Event zu finden?

Ralf Stegmann —Es gab zunächst Überlegungen in den Wertwiesen-Park zu gehen. Nur den Park 14 Tage abzusperren, dazu die ganze logistische Koordination: das ging dort einfach nicht. Also setzten wir uns mehrere Tage ins Auto und sind stundenlang kreuz und quer durch die Stadt gefahren. Als letzten Platz haben wir das Weingut Fischer besucht, das alle toll nur leider zu klein fanden. Somit war die ganze Veranstaltung schon fast wieder ad acta gelegt. Am Ende des Besichtigungsmarathons haben wir uns noch mal zusammengesetzt und sind dann irgendwie darauf gekommen, dass es ja noch die Genossenschaftskellerei Heilbronn gibt. Also ein letztes Mal ab ins Auto und hingefahren. Herr Seiter von der WG war glücklicherweise sofort überzeugt von der Idee und hat sehr schnell zugesagt.  

HANIX — So eine Großveranstaltung, die über mehrere Wochen Programm bietet muss gut vorbereitet sein. Wie lange hat es von der Idee bis zur ersten Veranstaltung gedauert?

Ralf Stegmann —Alles in allem haben wir eineinhalb Jahre an dem Projekt gearbeitet und im Sommer 2002 gab es endlich die erste Open-Air-Kino-Veranstaltung in Heilbronn.

HANIX — Wie viele Besucher fanden damals im Hof der Weingenossenschaft Platz?

Ralf Stegmann —Wir haben damals schon mit einer Sitzplatzanzahl von über 1500 angefangen. Das ist ungefähr die gleiche Größenordnung, wie auch in all den anderen Jahren.

HANIX — Wie viele Menschen sind daran beteiligt, dass das Kino in Heilbronn stattfinden kann?

Ralf Stegmann — Das ist eine sehr schwierige Frage, die ich mir selbst noch nie beantwortet habe. Aber wenn ich jetzt mal alle Beteiligten von der WG, den Gastrobetrieben und Partnern zusammenzähle, komme ich bestimmt auf 100 beteiligte Personen.

HANIX — Verraten Sie uns, welche Produktionskosten für so einen Event veranschlagt werden müssen?

Ralf Stegmann — Hier möchte ich natürlich nicht zu viel preis geben, aber einen sechsstelligen Betrag muss man für diese Veranstaltung aufbringen.

HANIX — Wie kommt es zur schlussendlichen Filmauswahl?

Ralf Stegmann — Dies ist jedes Mal der längste Prozess. Allerdings kann man auch nicht viele Monate vor Beginn schon die Filme planen, da man den stationären Kinomarkt beobachten muss. Eines ist klar, ein Film der in Indoor-Kinos nicht funktioniert, kann im Open-Air-Kino auch nicht laufen. Wir haben ein Mal das Experiment gewagt, eine Preview zu zeigen und das ging leidlich in die Hosen. Das zeigt, dass unser Open-Air-Publikum zumindest schon mal was von den Filmen gehört haben muss. Das heißt alles in allem, dass die Planung im Januar beginnt und das Programm letztendlich Anfang Juni feststeht.

HANIX — Gibt es einen Hauptverantwortlichen für die Film-Auswahl?

Ralf Stegmann — Letztendlich bleibt dies am Verantwortlichen für die Veranstaltung hängen. Denn wenn ein Film nicht funktioniert, muss selbstverständlich auch jemand die Verantwortung tragen und derjenige bin nun mal ich selbst. Wobei ich mich auch auf viele Unterstützer und Berater, wie beispielsweise auf das Kommunale Kino, verlassen kann.

HANIX — In diesem Jahr sind es eher Komödien, die das Open-Air-Kinoprogramm spicken.

Ralf Stegmann — Bisher war unser Programm immer sehr gemischt, von Dramen über Liebesfilme bis hin zu Komödien. Wir haben vor längerer Zeit eine Umfrage durchgeführt und dabei kam heraus, dass vor allen Dingen Komödien im Open-Air-Kino gern gesehen werden. Als wir dann dieses Jahr die Filmauswahl zusammengestellt haben, waren rund 80 Prozent Komödien dabei und somit fiel uns die Entscheidung relativ leicht, dieses Jahr einfach mal einen Komödien-Sommer zu veranstalten.

HANIX — Kann man dann sagen, dass das Sehverhalten von Open-Air-Kino-Besuchern etwas von dem der Besucher stationärer Kinos abweicht?

Ralf Stegmann — Es weicht mit Sicherheit etwas ab, was unter anderem auch damit zusammenhängt, dass die überwiegende Besucherzahl unseres Kinos über 30 Jahre alt ist, was nicht dem ganz typischen Kino-Publikum entspricht. Dieses Publikum hat einen anderen Anspruch und wahrscheinlich schon genügend Dramen zu Hause und im wahren Leben erlebt und möchte daher einfach lachend im Kino sitzen. Wir haben auch schon ganz schwere Filme gezeigt, nach denen die Leute dann aus dem Kino heraus geschlichen sind und eine sehr bedrückende Stimmung herrschte. Unser Anspruch ist aber, die Menschen zu vergnügen und sie mit guter Laune nach Hause zu schicken.

HANIX — Es gibt beim Open-Air-Kino nicht nur Filme zu sehen sondern auch ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm.  

Ralf Stegmann — Wir werden dieses Jahr Vorführungen von Tanzgruppen, Fitnessgruppen und Musikern haben. Des Weiteren gibt es natürlich Gewinnspiele, eine traumhaft schöne Gartenwirtschaft mit Blick in die Weinberge und eine hervorragende Gastronomie. Die Gastroteams vom Coco und dem Barococco kümmern sich darum. Es gibt also nicht nur Pommes, Bratwurst und Bier sondern man kann auch wirklich gut und preiswert essen und Cocktails genießen. Darüber hinaus haben wir wieder eine »Shool´s Out«-Party, die überraschenderweise nicht nur Schüler sondern ein Publikum von 15 bis 55 anspricht. Abschließend wird es am letzten Freitag des Events, am 3. August, auch noch eine »Ü30«-Party geben.

HANIX — 2010 wurde das Open-Air-Kino zum beliebtesten Kunst- und Kulturevent gewählt. Eine Überraschung?

Ralf Stegmann — Ja, das war sogar eine sehr große Überraschung. Wir haben schließlich viele gute Veranstaltungen in der Region Heilbronn, wie beispielsweise in Jagsthausen oder auf dem Würth-Gelände in Künzelsau.

HANIX — Sie als Macher des Open-Air-Kinos müssten uns erklären können, worin die Gründe des Erfolges liegen.

Ralf Stegmann — Ich glaube in aller erster Linie ist es die Ungezwungenheit. Unsere Besucher müssen sich nicht in eine Zwangsjacke begeben, sondern können so kommen, wie sie wollen. Die Leute können essen und trinken, es gibt tolle Vorführungen neben dem Kino-Film und ganz typisch für unser Publikum ist, dass sich die Menschen bei uns einfach mit ihren Freunden zu einem geselligen Abend treffen.

HANIX — Welche Erwartungen haben Sie für dieses Jahr? Ralf Stegmann — Wir wollen unserem Anspruch natürlich wieder gerecht werden und uns stetig weiter verbessern. Von daher gibt es auch immer kleinere Veränderungen. In diesem Jahr ist der »Cinema Club« neu. Dort können sich unsere Besucher nach dem Film noch gemütlich bei dem einen oder anderen Drink wohlfühlen. Aber um die Erwartungshaltung auch in Zahlen auszudrücken: Wenn wir es während der gesamten Open-Air-Kino-Saison schaffen 10 000 Besucher anzulocken, sind wir zufrieden.

HANIX — Hat man bei ihnen gute Chancen auf ein Ticket, wenn man spontan kommen möchte?

Ralf Stegmann — In aller Regel erhält man Tickets an der Abendkasse. Das hängt aber auch sehr stark vom Wetter und vom Film ab. Unsere Erfahrung zeigt: Wer ungefähr eine Stunde vor Filmstart kommt, bekommt garantiert auch noch Tickets.

HANIX — Wann öffnen Sie die Tore und was kosten die Tickets?

Ralf Stegmann — Ab 19:30 Uhr ist die Gartenwirtschaft geöffnet und 30 bis 60 Minuten später beginnt unser Rahmenprogramm. Um 21:45 Uhr startet der Film. Die Preise liegen im Vorverkauf bei 6,50 Euro plus VVK-Gebühr, 8,50 Euro an der Abendkasse und 7,50 Euro an der Abendkasse für Schüler und Studenten.

HANIX — Gibt es auch Spezial-Tickets, beispielsweise für Gruppen oder inklusive eines Menüs?

Ralf Stegmann — Tickets inklusive Menü haben wir momentan noch nicht im Angebot, da dies vom Organisatorischen her schwierig durchzuführen ist. Aber es gibt ein Gruppenticket. Wir nennen es »Im halben Dutzend billiger«. Sprich sechs Freunde verabreden sich an der Abendkasse aber fünf zahlen nur. Interessanter Weise wird dieses Angebot hauptsächlich von Frauen genutzt. Frauen gehen anscheinend gerne in der Gruppe ins Kino. Für Männer scheint das wohl eher ungewohnt zu sein.

HANIX — Darf man sich als Besucher auch seine eigene Decke mitbringen und es sich auf dem Boden gemütlich machen?

Ralf Stegmann — Ich empfehle natürlich zuerst einmal die Stühle zu nutzen. Es gibt, je nach Film, zwischen 1000 und 1500 Stühle und es ist mit Sicherheit gemütlicher als auf dem Asphalt zu sitzen. Allerdings ist die mitgebrachte Decke aufgrund der manchmal kühlen deutschen Nächte trotzdem recht nützlich. Die Profibesucher kommen sogar mit einer großen Tasche die eine Jacke, ein Sitzkissen und eine Decke enthält. Aber bitte keine Speisen oder Getränke darunter. Denn das gibt es ja im Kino!

HANIX — Wir essen gerne. Also noch mal zum kulinarischen Angebot. Mit Sicherheit gibt es Popcorn, was wird denn sonst noch angeboten?

Ralf Stegmann — Grundsätzlich muss man erst mal sagen, dass alles frisch zubereitet wird, wobei das Bier schon gebraut und der Wein natürlich auch schon gekeltert ist. Neben dem schon erwähnten Popcorn wird Pizza, Salat, Wurst, Steak, Pommes und Burger vom Holzkohlegrill angeboten. Und Eis darf selbstverständlich auch nicht fehlen.

HANIX — Gibt es ganz bewusst keine Dokumentarfilme im Programm?

Ralf Stegmann — Wir hatten auch schon Dokus, wie »Unsere Erde«, der auch in stationären Kinos sehr erfolgreich war. Alles was in dieser Sparte danach gekommen ist, war dann bei weitem nicht mehr so erfolgreich und somit für unser Kino nicht geeignet.

HANIX — Das Event ist natürlich auch wetterabhängig. Wird auch bei Regen gespielt?

Ralf Stegmann — In aller Regel spielen wir bei fast jedem Wetter. Wir haben den Vorteil, dass wir zumindest 300 bis 400 Besucher unter dem Dach platzieren können. Bisher mussten wir lediglich zwei Filme in 10 Jahren ausfallen lassen. Das eine Mal vor langer Zeit wegen einem extrem heftigen Sturm und das andere mal hat es aus Kübeln geregnet, was wir unseren Besuchern einfach nicht zumuten wollten.

HANIX — Und was passiert im Absage-Fall mit den Tickets?

Ralf Stegmann — Zunächst ist es so, dass ich im Vorverkauf lediglich einen Gutschein erwerbe, durch den ich mir den Film, den ich sehen möchte, aussuchen kann. Insofern bieten wir dann natürlich den Besuch zu einem späteren Zeitpunkt an. Wenn es diesen Zeitpunkt allerdings nicht gibt, nehmen wir die Tickets selbstverständlich auch zurück.

HANIX — Da die Filme zu später Stunde gezeigt werden, ist das Open-Air-Kino nicht sehr geeignet für Familien mit kleineren Kindern.

Ralf Stegmann — Das sehe ich etwas anders. In diesem Jahr spielen wir an zehn Ferientagen. Ich denke, dass an diesen Tagen durchaus auch Familien mit Kindern ab zwölf Jahren die Möglichkeit haben, einen schönen Abend zu verleben. Wir zeigen deshalb auch einige familiengeeignete Filme.

HANIX — Der Eröffnungs- und Abschlussfilm ist diesmal »Ziemlich beste Freunde«, warum eigentlich? Müssen die Besucher hier etwa ihren persönlichen Lieblingsfilm zweimal ertragen?

Ralf Stegmann — Dieser Film ist einfach das Kinoereignis in diesem Jahr und der erfolgreichste Film der letzten zehn Jahre in Deutschland. Der Film ist eine französische Komödie. Komödien aus unserem Nachbarland laufen im Open-Air-Kino sehr gut. Von daher sagen wir einfach, das Beste kommt nicht nur am Anfang sondern auch zum Schluss. Jeder hat also die Chance, diesen tollen Film bei uns zu sehen.

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