Kulturbeutel Februar 2012

Tanja Kling: Ein Nachruf

Am 11. Februar 2011 starb Tanja Kling nach einem Krebsleiden mit nur 41 Jahren. Die wunderbare, leider unterschätzte Künstlerin hinterließ in der Heilbronner Kunstszene eine große Lücke. Eine Erinnerung.

Ein Künstleratelier in der Heilbronner Zigarre in der Nähe des Hauptbahnhofes. Wenn Tanja Kling hier an ihren hauchzarten Zeichnungen saß, die sie für das Betrachterauge fast unsichtbar in ihren Landschaftsbildern tarnte, arbeitete die aus Lauffen stammende Künstlerin hoch konzentriert. Länger als zwei bis drei Stunden am Stück waren diese feinen Zeichenarbeiten nicht durchzuführen.

Zu kraftraubend war dieser Prozess, bei dem die Künstlerin, die zwischen Heilbronn und Berlin pendelte, den Pinsel kaum über das Papier oder die Leinwand führte. Der Mensch Tanja Kling war ebenso wie die Künstlerin: sensibel, fragil und zurückhaltend, wie Leonore Welzin in ihrem Nachruf in der Heilbronner Stimme die Diplom-Malerin beschrieben hatte. Dabei besaß Tanja Kling eine vielschichtige Persönlichkeit, wie ihr Freund Thomas Keck sie in Erinnerung hat. »Tanja war zurückhaltend und beobachtend, konnte aber auch rebellisch sein«, vergegenwärtigt sich Keck seine Freundin. Thomas Keck verarbeitet den Verlust seiner Partnerin auch noch ein Jahr nach ihrem tragischen Tod. Kaum zwei Jahre waren Thomas Keck und Tanja Kling ein Paar ehe das Schicksaal so erbitterlich zuschlug. »Ich lerne sie jetzt immer noch kennen und immer besser«, erzählt Thomas Keck, der das künstlerische Vermächtnis von Tanja Kling übertragen bekam. Immer wieder entdeckt er neue Datenträger und Bilder seiner Freundin.

Auch, dass Tanja Kling lyrisches Talent besaß, hat ihr Freund im Nachhinein bemerken dürfen. Das unerschöpflich erscheinende Vermächtnis von Tanja Kling gilt es nun zu Sichten und zu Sortieren. Eine Mammutaufgabe für Thomas Keck: »Tanja war so vielschichtig, so spannend so aufmerksam. Und so überaus talentiert. Ich will ihr gerecht werden in der Aufbereitung ihres künstlerischen Vermächtnisses.« Menschen, die Tanja Kling als Künstlerin und Graphikerin kannten, trauerten um das Talent, das der Welt verloren ging. Tanja Kling war einfallsreich, beharrlich, bescheiden, einfühlsam, kreativ und sie freute sich mit anderen und für diese. Sie blieb den Menschen, mit denen sie zu tun hatte im Gedächtnis. Obwohl sie eine so ruhige, sich zurücknehmende Person war. Peter Schmidt, Kurator im DemoZ in Ludwigsburg, in dem Tanja Kling ausgestellt hatte, beschrieb sie sehr treffend: »Sie kommt von der Verletzlichkeit des Menschen her. Das ist ihr grundlegendes, sehr persönliches Anliegen. In ihren Bildern taucht immer die Verletzlichkeit auf. Das drückt sich zunächst, ganz vordergründig, in dieser Zartheit der Bilder aus. Was an ihren Bildern unheimlich beeindruckt, ist, dass in diesen zu spüren ist, wie feinfühlig sie sich mit dem Material auseinandersetzt. Ihre Farbigkeit kommt immer von der Haut her, von der menschlichen Oberfläche. Wenn man menschliche Haut genau anschaut, sieht man, dass die Haut nicht eine kompakte Farbe hat. Was wir eigentlich beim Betrachten der Haut sehen, ist das Durchscheinen von dem, was darunter liegt, mehrfach gefiltert durch verschiedene Schichten. Tanja simulierte mit den Oberflächen, die sie erarbeitete, menschliche Oberfläche. Also sind die Bilder sehr privat. Die Arbeiten drücken etwas aus. Man kann das nur schwer rein intellektuell begreifen, man muss sie auch fühlen, diese Zartheit und diese Empfindsamkeit.« Tanja Kling war ein Mensch und eine Künstlerin der stillen, zurückhaltenden Tonart.

Sie war, wie Welzin in ihrem Nachruf schrieb »konzeptuell einen Schritt voraus«. Tragischerweise konnte Tanja Kling, die so bewundernswert leise und so atemberaubend talentiert war, nicht mehr zur zweiten Halbzeit ihres Lebens und ihres künstlerischen Schaffens antreten.

Facebook Posts

This message is only visible to admins.

Problem displaying Facebook posts.
Click to show error

Error: Server configuration issue