Kulturbeutel März 2012

Kerstin Schaefer: „Das ist Augenfutter“

Am 11. März stellt Künstlerin Kerstin Schaefer in der Heilbronner Zigarre aus. »ArtBasel – hear me right here« ist der Titel der Ausstellung. Zu sehen sein wird ein Mix aus Malerei, Graffiti, Installation und Performance. Wir sprachen die Künstlerin vorab.

HANIX — Kerstin, am 11. März eröffnet deine erste Ausstellung in Heilbronn. Was erwartet die Besucher der Zigarre Heilbronn?

Kerstin Schaefer — Heilbronn wird die Gelegenheit bekommen, an einem Ereignis teilzuhaben, das gleich mehrere Sinne anspricht und im Prinzip für alle Menschen gut ist, die gerne bereichert werden beim Schauen und Spielen, und das im Rahmen einer Ausstellung einer markanten Position zeitgenössischer Kunst hier aus der Region, aus der Landeshauptstadt: es gibt in der Zigarre -dem klassischen high-end off-space Heilbronns- eine Ausstellung mit meinen aktuellsten Arbeiten aus meinem Atelier in Stuttgart zu sehen, das sind graffitibeeinflusste Tafelmalereien, die es in sich haben in zweierlei Hinsicht: oft entstehen sie in einem jahrelangen Prozess durch Übermalungen die immer wieder vergangene Schichten verbergen oder diese nur im Relief oder per »feeling« erahnen lassen. Formal werden wilde Mischungen aus Farbe, Schwarz, Öl und Nagellack, Typo und Figurfragmenten, Comicversatzstücken (grob zerkleinert) und Humoreskapaden geboten; alles in allem eine positiv-stimulierede »overdose«, die zweckfrei-auratisch wirksame, nie gesehene Farb-Form-Energiegebilde liefert, die einfach so an der Wand hängen können. Zur Eröffnung, am Sonntag, dem 11. März um 11 Uhr -einer Matinee mit Gelegenheit zum Austausch für Jung und Alt, Hund, Kind und Kegel- wird es neben einem Konzert der überregional bekannten Brackenheimer Band »Wunderbare Katze« – plus beatboxing – eine interaktive Sound- und Grafikperformance von mir und den Bandmitgliedern gemeinsam mit dem Publikum geben, auf die ich mich schon sehr freue! Das klappt dann besonders gut, wenn möglichst viele offene und unterschiedliche Leute kommen, gerne auch solche, die sonst nicht so gern in Ausstellungen oder gar zu Eröffnungen gehen. Für Getränke wird übrigens auch gesorgt.

HANIX — Wie kam es überhaupt dazu, dass Du in Heilbronn ausstellst?

Kerstin Schaefer — Wie es halt oft so läuft, wenn´s gut läuft. Ich wurde gesehen und weiterempfohlen bei meiner letzten Ausstellung in Eurer Region: letztes Jahr bei meiner show »EX VOTO« im Kunstverein Brackenheim, der übrigens unter der neuen Ägide der Kunsthistorikerin Frau Dr. Döbele-Carlesso, also seit 2010, ganz heiße Positionen aktueller Kunst vom internationalen Parkett ins Zabergäu holt! Sie schafft das und setzt sich gemeinsam mit ihrem Mann, der den Carlesso Verlag leitet und die Gestaltung und Kuratur mit unterstützt, beeindruckend stark und erfolgreich für frische und insprierende Positionen ein und sorgt auch für den dazugehörigen Diskurs auf hohem Niveau. Ein echter Gewinn für die Region und speziell für Brackenheim! Ich glaube allerdings, dass in Stuttgart und Karlsruhe der Kunstverein Brackenheim schon höher gehandelt wird als vor Ort! Naja, oft hört und sieht man ja den Prophet im eigenen Land nicht; das muss ich hier jetzt aber auch mal für Stuttgart sagen, auch wenn´s schmerzt.

HANIX — Hast Du die Werke, die Du in der Zigarre ausstellen wirst extra für diese Ausstellung angefertigt oder zeigst Du einen Querschnitt deiner Kunst aus den letzten Jahren?

Kerstin Schaefer — Es sind größtenteils brandaktuelle Arbeiten, die ich in Heilbronn zeigen werde und ich spiele bei der Präsentation direkt mit dem Raum der Zigarre – ich arbeite übrigens meistens ortsspezifisch und habe als Malerin, die ich bin, an der Kunsthochschule HfBK Dresden auch bei einer philosophisch orientierten Performerin, bei Prof. Ulrike Grossarth, studiert- somit ist »ArtBasel hear me right here« eine echte »Das gibt´s so nur in Heilbronn!«-Ausstellung, die die neuen Sachen mit ein paar “Klassikern” anreichert und so einen inhaltlich spannenden kontextuellen Entwicklungsbezug schafft, der zeigt, wo ich herkomme und ahnen läßt, wohin ich unterwegs bin.

HANIX — Vor dem Ausstellungsstart ist Lampenfieber sicherlich auch bei dir vorhanden. Hast Du bestimmte Erwartungen an die Ausstellung und deren Besucher?

Kerstin Schaefer — A) Ja, B) Nein, keine Angst! Nur an die Qualität meiner Arbeiten und an die Atmosphäre und meine eigene Leistung habe ich natürlich hohe Erwartungen und gebe alles, was geht. Über und auf die Besucher freue ich mich einfach. Ein Tip: jeder der bei der Performance eine Orginalgrafik, die entsteht, ergattern will, sollte 10 Euro mitbringen, das ist eine einmalige Chance, direkt vom Pinsel weg und auch von der »play-Wand« was zu kaufen! Es ist eine Ausstellung, die sich dadurch verändert und die -schon im Titel- auf die Kunstmarktaspekte inhaltlich Bezug nimmt. Und das eben nicht für drei- bis vierstellige Summen sondern gegen Materialkosten. Sowas macht doch Spaß!

HANIX — Die Vernissage wird von der Brackenheimer Band »Wunderbare Katze« begleitet. Woher kennt ihr euch und was bekommen die Besucher eigentlich auf die Ohren?

Kerstin Schaefer — Wir haben uns legendärerweise auch im Vorfeld der Eröffnung im Kunstverein Brackenheim kennengelernt, unabhängig von den anderen connections. Checkt mal unter www.myspace.com/wunderbarekatze ; »Wunderbare Katze« machen u.a. Songwriterindiepop und agieren tiefgründig virtuos, stark und sensibel, durchdacht schöpferisch und eigenwillig spontan; kurz: die haben´s akustisch echt drauf. Als beatbox kommt Sebastian Fuchs dazu!

HANIX — Du hast gesagt, dass die Zigarre zittern wird, weil coole Leute kommen. Soll die Vernissage in eine Party übergehen oder wie hast Du das gemeint?

Kerstin Schaefer — Ich meine ein freudig-erregtes Zittern, das steht und fällt mit den Leuten, die kommen. Mit der Präsenz. Ich freue mich auf Euch! Und wir sind ja auch da.

HANIX — Du erwartest auch Besucher die nicht aus Heilbronn kommen. Bringst Du die Stuttgarter Kunstszene gleich mit?

Kerstin Schaefer — KLAR. Ich hoffe auch, dass viele Freunde aus dem Umland/Süden kommen.

HANIX — Neben dem normalen Konzert-Auftritt von »Wunderbare Katze« wird es zusammen mit der Band auch Performance-Kunst unter dem Motto »Flüsterpost – dein Wort in Gottes Ohr!« geben. Erzähl uns, was es damit auf sich hat? Tanzt ihr etwa eure Namen?

Kerstin Schaefer — Das ist eine Überraschung. Bloß Eurythmie kann ich nicht.

HANIX — Deine Kunst, die Du in Heilbronn ausstellen wirst, hat auch Einflüsse von Graffiti. Warst Du früher selbst auf den Straßen mit der Sprühdose unterwegs oder gibt es einen anderen Grund, dass Du diese Kunstform aufgreifst?

Kerstin Schaefer — Ich mag tags & Graffiti und bin dem schon lang auf der Spur, u.a. in New York, aber eigentlich überall. Das ist Augenfutter. Verschönert manche Wand. Gerade habe ich mir ein gesprühtes Bild von »Nase« für meine eigene Sammlung erworben. Ich selbst bin Tafelmalerin. Und Tafelsprüherin, habe aber auch in Abbruchhäusern gesprüht, write aber eher – und das mit dem Pinsel.

HANIX — Dein Atelier ist in Stuttgart, wo Du mit 15 weiteren Künstlern in einem dem Abriss geweihten Haus arbeitest. Was gefällt dir an diesem bunten Sammelsurium an kreativen Leuten?  

Kerstin Schaefer — Wir brauchen und geniessen diesen Raum und unser lebendiges, wirklich kreatives Umfeld. In Stuttgart wird gerade viel plattgemacht; das Wilde und Gewachsene, die Freiheit, die Authentizität der Atmosphären müssen wir schützen und das werden wir auch irgendwie konstruktiv schaffen. Wir brauchen Kunstareale und bezahlbare Atelierräume. Stuttgart ist nicht nur repräsentativ in der Kunst sondern vor allem produktiv. Die Arbeitsbedingungen und hohen Mieten zwingen viele, nach Berlin oder weiter abzuwandern. Ich liebe Stuttgart und werde alles Gute dafür tun, dort weiter auf hohem Niveau PRODUZIEREN zu können und wünsche mir, dass es meinen Künstlerkollegen und mir gelingt. Die Stadt muss wissen – nicht nur die

kunstinteressierten Bürger, und das sind Gott sei Dank viele, sondern auch der über das Profil der Stadt entscheidende Gemeinderat, der uns noch in vielerlei Hinsicht unterstützen kann – was wir dieser Stadt geben und weiter geben und entwickeln wollen, denn Stuttgart hat ja eigentlich auch ein kulturelles Selbstverständnis und soll es gerne noch vertiefen! Unser Haus wird im Dezember 2012 abgerissen, wir lassen es in diesem Jahr noch mächtig krachen.  

HANIX — Wann gibt es die nächste Gelegenheit, euch in eurem Stuttgarter Atelier zu besuchen?

Kerstin Schaefer — Zum Beispiel zur langen Nacht der Museen am 17. März 2012 von 19 – 2h. In unserem Atelierhaus in der Nordbahnhofstraße 45! Es gibt Kunst zum Anfassen, mehrere Ausstellungen und offene Ateliers und eine Performance mit Kunstgewinnen bei mir im Atelier – viel zu sehen. Der Shuttlebus hält bei uns, Station op-Nord«. Letztes Jahr hatte ich übrigens im Laufe der Nacht 400 Besucher im Atelier. Und dieses Jahr ist eben das letzte Jahr dieses sehenswerten und ein wenig heruntergekommen, aber spannenden Ensembles, in dem 15 bekannte Stuttgarter Künstler ihre Ateliers haben. Zur Langen Nacht der Museen kann man natürlich in ganz Stuttgart wirklich viel Kunst und Kunstnahes sehen, Infos gibt es unter: www.lange-nacht.de

HANIX — Zu guter letzt: Der Titel deiner Ausstellung lautet »ArtBasel hear me right here«. Ein Wink mit dem Zaunpfahl an die Macher der ArtBasel, dass Sie dich gerne mal einladen dürfen? Kerstin Schaefer — Unbedingt! Es macht Freude, Kunst zu produzieren und es macht auch Sinn, sie unter die Leute zu bringen. Was den Verkauf und das Netzwerken angeht, ist die Art Basel die Messe. Ich bin in Weil am Rhein, drei Kilometer von Basel entfernt aufgewachsen und habe die Messe wachsen sehen. Die ganze Kunstwelt triffst Du jedes Jahr im Sommer in Basel, wenn Du es drauf anlegst. Doch am wichtigsten: Kunst ist zur Freude da und im besten Sinne zweckfrei. Der Titel »ArtBasel hear me right here« kommt aus einem lachendem Herzen. Kunstverkauf ist toll und definitiv ein Ziel, aber nicht Bedingung. Kunst braucht Freiheit und ist ein Kind der Liebe. Kommt zahlreich!

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