Kulturbeutel Oktober 2012

»Wir besitzen mehr Schuhe als unsere Frauen«

Sneaker ist der englische Sammelbegriff für Sportschuhe, die nicht zum Sport, sondern im Alltag getragen werden. Der Sneaker ist somit ein meist dem Laufschuh ähnlicher, modischer Straßenschuh. Der ursprüngliche Grund für das Tragen von Sportschuhen im Alltag war der sich auch in der Kleidung manifestierende Protest der Jugend gegen das herrschende Establishment und die Erwachsenenkultur, die glanzpolierte Lederhalbschuhe bevorzugte. Inzwischen hat sich eine richtige Sneaker-Kultur entwickelt. Ausgefallene Sneaker sind zu Kunst- und Sammlerobjekten avanciert, Sneaker-Läden schießen wie Pilze aus dem Boden, Sneaker Fan-Clubs haben sich gegründet und es finden inzwischen sogar Sneaker-Messen statt. Der einst preiswerte Schuh der Jugendszene hat auch vor den Toren der Fashion-Designer nicht halt gemacht. Für all diejenigen, die dem Teeny-Alter inzwischen entrückt sind, säumen so genannte Edelsneaker in hochwertigen Ausführungen die Regale der Schuhhändler. Wir trafen Sneaker-Geeks aus Heilbronn um über ihren Fetisch zu plaudern.

HANIX — Wir reden heute über Sneaker. Ihr alle seit dem Schuhesammeln verfallen. Welcher Turnschuh war eigentlich euer erster Kauf?

Andre N. — Meinen ersten bewusst selbstgekauften Sneaker habe ich mir Anfang der Neunziger im Kaufhof in Heilbronn zugelegt. Ich besuchte damals die 7. Klasse. Das war ein »Air Jordan 1« in den klassischen Farben schwarz-rot-weiß. Den gab es damals für 100 D-Mark. Aber damals ahnte noch niemand welcher Hype um den Schuh entstehen würde. Ich habe ihn unter anderem zum Skaten benutzt. Den Schuh habe ich so natürlich schnell verratzt. Das würde ich mit dem Wissen, das ich heute habe, natürlich niemals tun.

HANIX — Den Schuh hast Du demnach nicht mehr in deinem Fundus?

Andre N. — Nein, der hat früh das Zeitliche gesegnet. Jedenfalls ging es die nächsten Jahre dann so weiter mit meinem Schuhtick. Mein zweites Schnäppchen, ebenfalls im Heilbronner Kaufhof erstanden, war ein »Air Jordan 4«. 90 D-Mark hat der damals gekostet. Im Ausverkauf habe ich den bekommen. Ich wusste damals nicht, was ich mir kaufen sollte. Das war ein Nike-Sneaker. Das Jordan-Logo war drauf. Also habe ich ihn mir gekauft.

Grischa — Meine halbe Verwandtschaft hat beim Intersport gearbeitet. Ich wurde also früh mit Schuhen versorgt, die ich eigentlich gar nicht haben wollte. Adidas-Schuhe waren nicht mein Fall. Die habe ich aber oft bekommen. Die ersten, die ich mir selbst geleistet habe waren weiße Stiefel von Asics mit goldenem Asics-Emblem. Eigentlich war ich aber schon immer Nike-Fanatiker.

HANIX — Wie kam es zu deinem Nike-Fetisch? Wegen Michael Jordan?

Grischa — Nein, den kannte ich damals noch nicht. Nike-Sneaker waren damals in Deutschland einfach selten.

Sascha — Na, weil die Amis hier alle Nike-Treter getragen haben und die Klassenkameraden nur Adidas- und Pumaschuhe an hatten.

Andre N. — Es war die Marke aus Amerika. Das war etwas Besonderes. Meine Eltern wollten mir immer nur Adidasschuhe aufschwätzen.

Grischa — Ich habe damals einen Nike-Schuh im Laden gesehen der mir wahnsinnig gut gefallen hat aber ich konnte ihn mir nicht leisten. Also habe ich Monate darauf hin gespart. Das war ein Joggingschuh. Ein richtig bequemes Teil. Ich war stolz wie Oskar. Ich habe den Schuh eigentlich nur zum Schlafen ausgezogen. Natürlich hatte ich ihn auch beim Skaten an. Keine zwei Wochen sind die alt geworden. Ich bin mit dem Skateboard die Weinberge runter gefahren. Natürlich hat es mich ordentlich hingeslamt. Die Schuhe waren am Arsch. Das war jedenfalls mein Einstieg und danach als ich mein erstes Geld verdient habe, kam ein Schuh nach dem anderen zu meiner Samlung hinzu. Bis ich mich irgendwann selbst therapieren musste. Ich besaß über 50 Paar. Meine Kohle ging fast nur noch für Schuhe raus. Ich war süchtig nach Sneakern.

GABRIEL — Ich muss das unterscheiden. Es gibt ein erstes Paar, das meine Mutter mir gekauft hatte. Darauf hatte ich keinen Einfluss. Das waren »High Tops« von Puma. Puma in den achtziger Jahren war damals eine Firma, die die Wühltische gefüllt hat. Mein erstes selbstgekauftes Paar kam dann Ende 1992. Die Olympischen Spiele waren gerade zu Ende. Im pick-sport war Ausverkauf und ich habe mir mit elf Jahren einen »Air Jordan 7« gekauft. In weiß-rot für 100 D-Mark. Natürlich wachsen Kinder schnell aus ihren Schuhen raus. Ich habe mir den Schuh gekauft, weil die Werbung mich beeinflusst hatte. Begehrlichkeiten werden geweckt. Was angesagt ist sagen die Meinungsbildner auf dem Schulhof. Und natürlich tut es einer Kinderseele gut, wenn man ein geiles Paar Sneaker hat. Nike hat es gut verstanden diese Begehrlichkeiten zu schüren. Der Schuh war für mich also ein guter Kompromiss. Er war von 209 D-Mark auf 109 D-Mark reduziert. Ein Schnäppchen also. Mein Vater hat nicht verstanden wie ich so viel Geld für einen Schuh ausgeben konnte.

HANIX — Der »Air Jordan« ist der Sneaker schlechthin, oder?

Sascha — Mittlerweile ja. Aber damals Ende der Achtziger wusste man wirklich noch nicht, welcher Hype um den Schuh und Michael Jordan entstehen würde. Schlussendlich ausschlaggebend war, dass Michael Jordan der beste Basketballer der Welt war und Nike ihn unter Vertrag hatte. Hätte Jordan in Asics gespielt, würden wir uns jetzt über den Asics-Jordan unterhalten.

Grischa — Zum Dreamteam von 1992 und dem damaligen Sondermodel des »Air Jordan 7« habe ich auch noch eine lustige Geschichte. Andre N. und ich waren zu der Zeit in Italien urlauben. Jordans Rückennummer war bekanntermaßen die 23. Die 23 war auch auf vielen Schuhen verewigt. Von den Olympischen Spielen haben wir in Italien relativ wenig mitbekommen. In einem Sneaker-Laden haben wir dann besagten »Air Jordan 7« mit der eingestickten »9« gesehen. Wir haben uns kaputt gelacht über die Italiener. So eine schlechte Fälschung ist uns bis dato noch nicht untergekommen. Ein »Air Jordan« mit einer »9« statt seiner »23«. Als wir dann nach Heilbronn zurückgekommen sind, sind wir hier in Heilbronn in den Champion-Store gegangen. Champion war damals Ausstatter des US-Dreamteams. Auf einmal sehen wir das Jordan-Trikot mit der »9«. Wir hätten uns selber steinigen können und wären fast zurück nach Italien gefahren, um uns den Schuh zu kaufen. Der Weg war uns dann aber ein kleines bisschen zu weit.

Andre N. — Das Problem war ja auch, dass wir uns in Italien den normalen »Jordan« mit der eingestickten »23« gekauft hatten. Dieses Model hat man in Heilbronn natürlich auch bekommen. Das Olympia-Model mit der »9« hat man hier natürlich lange vergeblich gesucht. Gott habe ich mich aufgeregt. Irgendwann gabs die Neuner-Version beim Siller in Heilbronn für ein Schweinegeld.

Sascha — Mein erster Sneaker war ein Nike »Vandal High«. Auf den habe ich auch lange gespart. An der Schule sind alle mit Adidas und Pumas rumgelaufen, das war uncool. Die Amis in der Stadt trugen dagegen Nikes. Die wollte ich auch. Ein schwarzer Sneaker mit goldenem Swoosh, Schnürung und Klettverschluss.

ALEX — Mein erster Sneaker war ein Nike »Dunk low« in grau-burgundrot. Den habe ich hier beim Footlocker gekauft. Ich mag das Model, weil es zum Skaten gut geeignet ist.

Andre — 2004 habe ich meinen ersten Sneaker erstanden. Das war ein weißer »Air Jordan 4«.

HANIX — Bis Anfang der Neunziger waren die Amerikaner noch in Heilbronn stationiert. In den Kasernen gab es natürlich auch Sneaker zu kaufen. Habt ihr versucht Kontakte zu Amerikanern zu knüpfen, um an die begehrten Schuhe, die es dort zu kaufen gab, zu kommen?

Andre n. — Ende der achtziger, Anfang der Neunziger waren Grischa und ich oft auf dem Kasernen-Gelände um zu Skaten oder mit dem BMX zu fahren. Dort gab es damals schon eine Skate-Rampe. Aber wir hatten wenig Kontakt zu den Amis selbst.

Grischa — Das war auch relativ schwer. Eigentlich kamen wir nur auf den deutsch-amerikanischen Volksfesten mit ihnen in Kontakt.

HANIX — Die Amis trugen natürlich Schuhe, die ihr noch nie gesehen habt?

Grischa — Natürlich. Die hatten Schuhe von denen wir geträumt hatten. Damals waren zum Beispiel Hi-Tec-Stiefel sehr begehrt und bei den Amis gerade hip. Da hat man schon neidisch hingesehen. Was bei uns Skatern damals auch sehr begehrt war, waren Airwalks und Visions.

HANIX — War Heilbronn ein gutes Pflaster, um coole Sneakers zu bekommen?

Grischa — Also damals haben wir uns unsere Schuhe dort gekauft, wo uns die diversen Hip-Hop-Jams hingetrieben haben. Ob München, Basel oder auch mal Hamburg. Und natürlich sind wir immer wieder nach Heidelberg und Stuttgart gefahren. Heilbronn konnte da einfach nicht mithalten, weil die Stadt von je her schon immer ein Kuhdorf war. Hier ging einfach nicht so viel. Das Angebot hier war sehr überschaubar.

Andre N. — Wir reden hier aber gerade von zwei Generationen, dass muss man klar sagen. Grischa, Sascha und ich sind bereits Ende der achtziger, Anfang der Neunziger losgezogen und dem Sneakerwahn verfallen.

Grischa — Damals hat sich gerade die ganze Hip-Hop-Welle ausgebreitet. Am Presutti auf dem Kiliansplatz hat sich die jugendliche Skater-, Writer-, Breaker- und Rap-Szene getroffen. Das waren hier sozusagen die Anfänge der Hip-Hop-Szene.

HANIX — Wurden eure Sneakers damals neidisch begutachtet?

Andre N. — Ich glaube, die wurden von den Leuten hier gar nicht so wahrgenommen. Klar, der Personenkreis in dem wir uns bewegt haben, hat auf Sneaker geachtet. Aber ansonsten gab es kaum Reaktionen. Damals war der Hype ja auch noch nicht so groß und hat sich gerade erst entwickelt. Inzwischen ist es so, dass zum Beispiel Nike nicht mehr exklusive Modelle für ein bestimmtes Land oder eine Region produziert. Das war früher noch anders. Manche Modelle hat man nur in den USA bekommen. Heute bekommt man eigentlich jedes Modell weltweit. Vielleicht in differenzierten Farbvarianten, aber das wars dann auch.

Grischa — Ich glaube auch, dass früher viele Leute unsere Schuhe und die Variationen an Farben, die wir trugen, lächerlich fanden. Es ist einfach niemand außer uns mit roten Wildleder-Sneakern rumgerannt. Standard war damals weißes Glattleder.

Gabriel — Alles was über Adidas weiß-schwarz und den Klassiker »Samba« hinaus gíng, war hier schon recht exotisch.

Sascha — Irgendwann kamen dann Marken, die von irgendwelchen Hip-Hopern getragen wurden. Es gab British Knights, SPX und Troops. Zum Glück haben die sich nicht lange gehalten.

Gabriel — Mittlerweile gibt es bei den Sneaker-Liebhabern zum Einen vom Basketball beeinflusste Leute. Ich würde sagen, dass ist eher die etwas ältere Generation. Die ist sehr auf Jordans und Nike fixiert. Damit fing auch vieles rund um den Sneaker-Kult an. Es gab mit Michael Jordan auf einmal eine Identifikationsfigur. Sneaker wurden wichtig und zum Sammelobjekt. Das gab es davor so nicht. Zum anderen gibt es eine vom britischen Hooliganismus beeinflusste Sneaker-Anhängerschaft. Die kam etwas später auf. Für diese Leute sind Marken wie Adidas oder New Balance im Fokus.

Andre N. — Das stimmt. Ich habe in den vergangenen zehn Jahren in Gibraltar gelebt. Und wenn ich mir dort die Schuhe der Einheimischen angeschaut habe, muss ich sagen, dass der Trend klar zu Glattleder-Trainers geht.

HANIX — Gabriel, Du bist Mitinhaber von »Protectyourstyle«. Welcher Sneaker ist dein Favorit?

Gabriel — Ich bin »Savier«-Fan. Das war die Skateschuh-Marke von Nike. Es gibt von »Savier« einen Schuh, der dem Nike »Trainer One« entsprang. Nur ist der »Savier« viel besser. Er hat zum Beispiel keinen hässlichen Klettverschluss. Diesen Schuh habe ich in sieben Farbvarianten daheim stehen.

HANIX — Ihr besitzt sicher alle mehr als zehn Paar Sneaker…

Andre — Ich habe bei 120 Paar aufgehört zu zählen. Das sind nicht viele, wirklich. Ich kenne Leute, die haben deutlich mehr. Ich besitze kein einziges Pärchen Adidas. Da steh ich irgendwie nicht so drauf. Ich war einige Male kurz davor mir einen Adidas-Sneaker zu kaufen. Schlussendlich konnte ich mich aber nie dazu durchringen. Ich stehe einfach auf Nike. Meiner Meinung nach hat Nike die besten Designs. Sauconys mag ich auch sehr gerne. Viele Laien kennen die Marke nicht aber ich steh darauf.

ALEX — Bei mir stehen rund 40 Paar im Regal. Viele Laufschuhe und natürlich mehrere Paar Jordans, was früher nicht der Fall war.

Andre — Als ich damals noch ein richtiger Sneaker-Junkie war habe ich mal 54 Paar gezählt. Ich war damals noch keine 18 Jahre alt. Bevor ich nach Gibraltar ausgewandert bin habe ich dann ausgemistet. Im Nachhinen hätte ich das nicht tun sollen.

GABRIEL — Man darf Sneaker nicht wegwerfen.

Andre N. — Wenn ich das Wissen von heute schon Anfang der Neunziger gehabt hätte, wären viele Schuhe nicht zum Skaten angezogen worden. Mein »Air Jordan 4« und der »Fünfer Jordan« beispielsweise auch nicht. Oh man.

Grischa — Man hätte die Schuhe einfach nie tragen dürfen sondern sie vakuumverpakt im Karton lassen. Ich wäre heute ein reicher Mann (lacht). Mit welchen Sneakern ich auch auf die Baustelle gegangen bin oder sie zum Tapezieren getragen habe… (schüttelt mit dem Kopf)

ALEX — Bei mir war es der »Air Max 1«, den ich zum Malen getragen habe. Unfassbar.

HANIX — Wohin geht der Sneaker-Trend in Zukunft?

GABRIEL — Ich als Marktbeobachter und Ladenbesitzer meine, dass sich momentan viel um Laufschuhe dreht. Um Retro-Laufschuhe, um Neuauflagen oder um Kolaborationen mit Künstlern oder international renommierten Sneaker-Shops. Ob es exklusive Modelle von Asics, Nike, Adidas oder Saucony sind, eigentlich machen da alle mit. Basketball ist sicherlich auch noch beliebt, allerdings eher in den USA, da es dort ein Volkssport ist.

Andre — Ein Laufschuh ist auch viel bequemer als ein Basketballschuh und man kann ihn zu allem anziehen. Laufschuhe lassen sich einfach besser mit diversen Outfits kombinieren.

ALEX — Der »Air Jordan 3« ist saubequem, da lasse ich nichts drauf kommen. Und Jordans sind in jedem Fall immer noch am Start und die Sneaker sind immer noch Schuhe die gut gehen. Auch weil viele Hip-Hop-Stars die Schuhe tragen.

Andre N.—Die Stars geben vor was gerade angesagt ist, ganz klar.

HANIX — Darf man sich als wahrer Sneaker-Geek Retromodelle zulegen oder ist das ein absolutes No-Go?

GABRIEL — Unbedingt darf man das, finde ich. Warum sollte man das nicht dürfen?

Andre N. — Für mich ist der »Air Jordan 5« in schwarz immer noch das Nonplusultra unter allen Sneakern.

ALEX — Der Fresh-Prince-Schuh…

Andre N. — Selbst MacGyver hat ihn in seiner Serie angehabt. Und ich kann mir keinen originales Modell für 1000 Euro kaufen. Deshalb bin ich froh wenn Nike sich dazu entschließt den Schuh neu aufzulegen. Den Unterschied sieht man nicht.

ALEX — Aber die Materialien, die verarbeitet werden, sind andere und das lässt mich manchmal erschaudern.

Grischa — Ich hatte den »Air Jordan 5« kürzlich in einem Outlet-Center für 60 Euro in der Hand. Irgendwie habe ich ihn anders in Erinnerung. Das Leder war damals ein anderes. Ich fand ihn in original besser. Der originale Schuh hatte leicht strukturiertes Leder, für die Retroversion wurde Glattleder verarbeitet.

Andre n. — Ich fand die ursprüngliche Version auch besser aber ich möchte und kann mir diesen Schuh nicht leisten und dann nehme ich eben vorlieb mit dem was ich zu einem bezahlbaren Preis bekomme. So einfach ist das.

HANIX — Kauft ihr euch auch Schuhe als Wertanlage?

Gabriel — Ich besitze ein Paar Jordans, die mir nicht gefallen, da bin ich ehrlich. Den habe ich mir tatsächlich als Wertanlage gekauft. Inzwischen ist der Preis auch gestiegen. Den Schuh habe ich mir, obwohl ich ihn nicht geil finde, gekauft, weil es einen Hype darum gibt. Und jetzt warte ich einfach weiter ab und schaue was passiert.

HANIX — Der Albtraum aller Sneaker-Besitzer ist, dass die Frau Mama Schuhe entsorgt, weil sie der Meinung ist, dass die Schuhe kaputt sind. Ist jemandem von euch so etwas schon passiert?

Gabriel — Mit einem »Air Jordan 1«, dem Original ist mir das passiert…

Alle — Ouhhhhhhh….. shit!

Andre N.—Das Origialmodell? Da bekomme ich direkt körperliche Schmerzen…

Gabriel — 1995, im Alter von 14 Jahren, habe ich ihn mir auf dem Heilbronner Flohmarkt für 2,50 D-Mark gekauft. Ich habe ihn in der Schule angehabt und eine weiße Spur hinter mir hergezogen, weil die Sohle sich schon aufgelöst hatte. Das Lösungsmittel war schon verdampft nach 10 Jahren. Ich habe ihn noch in der Schule mit Duct-Tape fixiert und bin noch einigermaßen damit nach Hause gekommen. Dort habe ich ihn direkt in Gefrierbeutel gepackt und im Keller sicher verstaut, wie ich dachte. 2009 mistet meine Mutter den Keller aus und schmeißt die Schuhe weg. Eine Woche später bekam ich eine aktuelle Preisliste von Jordan-Schuhen rein. Das Modell, das meine Mutter entsorgt hat war inzwischen 2500 US-Dollar wert – egal in welchem Zustand. Das war der »Air Jordan 1« in weiß-rot-schwarz.

Andre N. — Meine Mutter wusste schon sehr früh, dass sie meine Schuhe besser nicht anrührt. Daran hat sie sich gehalten. Zum Glück! Meine Oma hatte es auch öfter versucht aber ich kam immer rechtzeitig um es zu verhindern.

ALEX — Eltern putzen Schuhe ja auch gerne mal.

Andre N. — Genau, am besten mit dem Stahlschrubber.

ALEX — Ich musste meiner Mutter klar machen, dass sie meine Schuhe nicht putzen durfte. Die habe ich immer selber geputzt sonst hätte ich auch ein paar Pärchen wegwerfen können, wenn meine Mutter Hand angelegt hätte.

HANIX — Sneaker in die Waschmaschine geht klar?

Andre N. — Aber niemals über 30 Grad waschen und vorher immer noch in einen Turnbeutel packen, die guten Teile. Dann kann eigentlich nichts schief gehen. Wenn die Waschmaschine einen Kaltwaschgang hat, dann ist das noch besser. Auch kein Waschmittel und schon gar keinen Weichspüler dazu tun. Das ist ganz wichtig!

Grischa—Ich packe meine Schuhe aber nur in die Waschmaschine, wenn es mir selber peinlich wäre, sie im Schuhladen auszuziehen.

Andre N. — Aber du hast doch so viele Schuhe, dass das eigentlich gar nicht vorkommen kann…

GABRIEL — Schuhe, die einem etwas bedeuten werden nicht gewaschen! Schuhe die nur eine Funktion erfüllen darf man auch waschen. So handhabe ich das.

Grischa — Ich habe ein Paar, das ich mir vor zwölf Jahren in den Staaten gekauft. Die ziehe ich wirklich nur noch an, wenn ich weiß, dass strahlender Sonnenschein herrscht und garantiert kein schlechtes Wetter aufzieht so dass kein Mikrometer den Schuh strapaziert.

Andre N. — Ich habe auch Schönwetterschuhe und Alltagsschuhe. Hier, diesen 2003er »Air Trainer One« als Shima-Shima-Edition. Er sieht verratzt aus aber ist immer noch einer meiner Favoriten…

ALEX — Trägst du ihn noch?

Andre N. — Ja…

ALEX — Würde ich nicht mehr tun.

Andre N. — Wegen dem Sammlerwert?

ALEX — Nein, einfach damit er noch nach etwas aussieht und seine Form behält. Wenn du ihn weiter tragen willst, dann wirklich nur bei gutem Wetter. Bitte!

Andre — Zu Schönwetterschuhen kann ich auch etwas sagen. Wenn mir ein Schuh richtig gut gefällt, kaufe ich ihn mir zweimal. Einen trage ich, bis er kaputt ist. Das Paar wasche ich dann auch aber ich weiß ja, dass ich das Paar auch noch in neu und schön in der Box zuhause habe. Ich habe bestimmt fünfzehn Paar in doppelter Ausführung, einfach um den Schuh in einigen Jahren nochmal zu haben. Diese Schuhe werden auch definitiv nicht von mir verkauft.

HANIX — Wo kauft ihr eure Schuhe?

Andre — Ich kaufe weltweit ein. Ich habe mir kürzlich in Japan Schuhe bestellt. Das waren »Asics Gel Lyte 3« die in einer Kolaboration mit Atmos, einem Sneaker-Shop, aufgelegt wurden. Atmos gibt es einmal in New York und dann eben noch einmal in Japan. Die habe ich eigentlich ziemlich günstig bekommen. In den USA hat der Schuh 200 US-Dollar gekostet. In Japan habe ich ihn für 100 Euro inklusive Versand bekommen. Ein Schnäppchen also. Inzwischen werden die Schuhe für 250 Euro gehandelt.

Andre N. — Anfang der Neunziger war mit Sicherheit Berlin der Place to be wenn man sich freshe Sneaker zulegen wollte. Berlin ist auch heute noch ein sehr gutes Pflaster, keine Frage.

ALEX — Köln hat schwer aufgeholt inzwischen…

GABRIEL — Online ist heute natürlich fast alles erhältlich, wie man an Andres Japan-Kauf sehen kann. Ich war Mitte der Neunziger auch viel auf Flohmärkten aktiv. Damals gab es in Heilbronn aber auch noch einen guten Flohmarkt. Heute bekommt man dort ja nur noch Handyschalen.

Grischa — Den abgefahrensten Sneaker-Shop habe ich auf den Philippinen in Manila gesehen. Dort gab es jedes erdenkliche Model in jeder Farbkombination. Ich habe dort richtig viel Geld liegen lassen. Da wird man als Mann schlimmer als jede Frau beim Schuhe kaufen.

HANIX — Besitzt ihr alle mehr Schuhe als eure Freundinnen beziehungsweise Frauen?

Alle.—Ja!

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