Musikkoffer Dezember 2013

ICH TANZE ZU KRANKEN GERÄUSCHEN: »Das Bukowski ist der Tresor des Südens«

Marc Colombini hat eine der erfolgreichsten deutschen Techno-Facebook-Seiten. Dazu gibt es noch seinen gleichnamigen Blog »Ich tanze zu kranken Geräuschen«. Nun hat er zusammen mit dem Technolabel »Agentenmusik« seinen ersten Producercontest durchgeführt. Wir sprachen mit dem Frankfurter über seine Liebe zu Techno, die Idee hinter »ITZKG« und das Heilbronner Bukowski, von dem Marc nur Gutes gehört hat. Das Bukowski hat den Ruf, der Tresor des Südens zu sein.

HANIX — Marc, zunächst möchten wir ein bisschen zu deiner Person erfahren. Was machst du? Wo treibst du dich rum? Und wo betreibst du deine Musik?

Marc Colombini — Ich habe sehr früh angefangen, Techno-Musik zu hören. Ich kann behaupten das ich 1986, da war ich gerade mal fünf Jahre alt, meine erste elek-tronische Platte gehört habe, die mir sofort gefallen hat. Dann bin ich mit 15 Jahren das erste Mal in einem Club namens »Stammheim« in Kassel eingelaufen, wo ich dann jahrelang gefeiert habe. Mit 16 habe ich dann auch ein bisschen mit dem Plattenauflegen angefangen. Dies allerdings nur im Freundeskreis, da ich nie die Ambitionen hatte als DJ »groß rauszukommen«. Im Laufe der Jahre hat man dann natürlich die Szene kennengelernt und war regelmäßig feiern.

HANIX — Und was hat es mit deiner Facebook-Seite auf sich?

Marc Colombini — Vor circa zwei Jahren habe ich immer wieder von Freunden gehört, dass die DJ-Sets, die ich auf Facebook gepostet habe, sehr gut ankommen und somit habe ich mich dazu entschieden eine Facebook-Seite mit dem Namen »Ich tanze zu kranken Geräuschen« für die Techno-Community aufzubauen. Das Ganze lief dann irgendwie von selbst. Am Anfang war ich sehr stolz die ersten 500 Fans erreicht zu haben. Wie es so ist, kamen dann irgendwann auch Gewinnspiele und Partnerschaften mit Firmen und Labels zustande und mittlerweile hat unsere Facebook-Seite über 22 000 Fans. Ich habe allerdings von Anfang an dafür gesorgt, dass mein Name relativ anonym bleibt. Ein paar Veranstalter und Fans kennen mich zwar, ich gehöre aber nicht zu denen, die mit einem großen Schild durch die Gegend rennen müssen. Zumal auf unserer Seite einzig und allein die Musik im Vordergrund steht.

HANIX — Es hört sich so an, als ob du immer wieder Technoperlen ausgräbst. Wo findest du diese Sets?

Marc Colombini — Anfangs musste ich sehr viel selbst suchen, beispielsweise auf Portalen wie Soundcloud aber auch auf verschiedenen Facebook-Profilen der jeweiligen Künstler. Mittlerweile erhalte ich aber circa 70 Mails pro Tag mit neuen DJ-Sets und daraus bediene ich mich dann auch ausschliesslich. Das Gute ist, dass ich nicht der Typ bin, der immer wieder alte Sachen hört. Ich stehe total drauf neue Dinge zu hören und dann zu entscheiden, ob diese auf unserer Facebook-Seite gepostet werden sollen. Hier geht es aber wieder nicht nach den Namen der DJs, sondern einfach nach der Qualität der Musik.

HANIX — Warum ist gerade Techno deine Musik und was treibt dich heute noch raus in die Clubs?

Marc Colombini — Als Allererstes steht bei mir da die familiäre Atmosphäre in der Techno-Szene. Viele behaupten ja das früher alles besser war, was ich nicht so sehe. Eher würde ich sagen es ändert sich stetig, aber das Feier-Wir-Gefühl ist immer noch da. Hinzu kommt, dass ich einfach den Beat im Herzen trage und Techno hier für mich am meisten geeignet ist. Man kann schon sagen, dass dies Liebe auf den ersten Blick beziehungsweise auf den ersten Beat war.

HANIX — Legst du auch immer noch selbst ein bisschen auf?

Marc Colombini — Ab und zu, sagen wir mal alle drei bis vier Monate, mache ich ein bisschen Musik, die allerdings nicht auf meine Seite gepostet wird, da ich finde, dass dieses »sich selbst pushen« ein wenig lächerlich wirkt.

HANIX — Was meinst Du, wann das Maximum an Facebook-Fans erreicht ist? Hast du Erwartungen, wie es weitergehen soll, und bist du enttäuscht, wenn mal nicht soviel auf deiner Seite läuft?

Marc Colombini — Das ist eine schwierige Frage. Man merkt natürlich schon zu gewissen Zeiten, beispielsweise im Sommer, dass die Leute mehr draußen sind und weniger Zeit mit Facebook verbringen. Ehrlich gesagt bin ich aber darüber nie enttäuscht, im Gegenteil, ich freue mich, wenn die Leute das schöne Wetter genießen und nicht daheim vorm Rechner sitzen. Zur Entwicklung der Seite kann ich so gut wie gar nichts sagen. Ich dachte ja schon bei 5 000 Facebook-Fans, dass jetzt so langsam mal Schluss sein muss, und bin eines Besseren belehrt worden. Was ich zur Zukunft sagen kann, ist, dass wir vorhaben ab Januar ein Online-Magazin zu veröffentlichen, in dem es um die Techno-Underground-Szene geht. Das Magazin wird unsere Seite wohl auch nochmal pushen, da wir schon jetzt große Unterstützung von DJs und Veranstaltern haben.

HANIX — Habe ich das richtig verstanden, dass du momentan mehr oder weniger eine One-Man-Show bist?

Marc Colombini — Momentan habe ich eine Grafikerin die mich unterstützt, Logos entwirft und auch unseren Herrn »Durch« kreiert hat. Des weiteren gibt es noch einen Redakteur in Berlin, der fast die komplette Szene vor Ort kennt. Um die Facebook-Seite kümmere ich mich aber komplett selbst, denn ich habe auch irgendwie Hemmungen mein Baby aus der Hand zu geben.

HANIX — Und was kannst du uns zu eurem Blog sagen, darf ich es überhaupt Blog nennen?

Marc Colombini — Ja, das darfst du. Hier posten wir einfach vieles, was wir so den lieben langen Tag hören. Wenn ich beispielsweise »Guten Morgen« blogge, läuft auch das dazugehörige DJ-Set bei mir zu Hause im Hintergrund.

HANIX — Verdienst du damit eigentlich auch schon Geld oder kannst wenigstens deine Unkosten decken? Und gab es bereits unmoralische Angebote von DJs oder Labels?

Marc Colombini — Ja, diese Angebote gab es auch schon. Aber mir ist es egal, ob hinter dem Set ein großer oder kleiner Name steht und irgendein Angebot da ist. Ich poste nur das, was mir auch gefällt. Es gab sogar schon einmal den Versuch mir die Seite für 12 000 Euro abzukaufen, wozu ich aber auf keinen Fall bereit bin, da dann die Seite auseinandergenommen und nur noch zu Werbezwecken verwendet wird.

HANIX — Ist denn deine Seite komplett werbefrei?

Marc Colombini — Die Facebook-Seite ist natürlich komplett werbefrei, allerdings machen wir immer wieder auf Gewinnspiele aufmerksam. Die Homepage beinhaltet auch Werbung, die allerdings sehr dezent geschaltet wird.

HANIX — Gab es schon Events von »Ich tanze zu kranken Geräuschen«?

Marc Colombini — Es gab noch keine eigenen Events, aber das ist in der ersten Jahreshälfte des nächsten Jahres geplant. Glücklicherweise habe ich einen Investor gefunden, der an Veranstaltungen dieser Art interessiert ist und somit können wir loslegen. Viel mehr kann ich momentan natürlich noch nicht sagen.

HANIX — Bist Du, was dieses Thema Events angeht, regional, sprich auf den Frankfurter Raum, fokussiert oder denkst du da auch deutschlandweit?

Marc Colombini — Was ich schon verraten kann, ist, dass die Wahrscheinlichkeit relativ hoch ist, dass es ein Frankfurt-Kassel-Berlin-Ding wird, was man ja dann auch »deutschlandweit« nennen kann.

HANIX — Kommen wir zum nun beendeten Producer-Contest.

Marc Colombini — Die Idee kam von meinem Freund Tim, der das Label »Agentenmusik« betreibt. Er hat mich irgendwann gefragt, ob ich Lust dazu hätte, mit ihm gemeinsam einen Contest zu veranstalten. Wir haben dann sehr viel telefoniert und sehr schnell gemerkt, dass uns insbesondere die Newcomer am Herzen liegen. Tim ist selbst Musiker und weiss natürlich wie schwer es ist überhaupt erst mal an ein Label ranzukommen. Somit war sehr schnell klar, dass wir einen Plattenvertrag verlosen möchten.

HANIX — War das Ganze erfolgreich? Es war ja der erste Versuch.

Marc Colombini — Von der Beteiligung her kann ich sagen, dass es zufriedenstellend war. Wir haben immerhin 36 Einsendungen erhalten, womit wir ungefähr auch gerechnet haben, da es ja immer eine gewisse Hemmschwelle gibt. Vor allen Dingen bei über 20 000 Leuten, die den eingereichten Track dann hören können.

HANIX — Bist Du mit der Qualität der eingesendeten Tracks zufrieden?

Marc Colombini — Ich muss wirklich sagen, dass die meisten Tracks qualitativ sehr hochwertig waren, da die Leute natürlich auch den Wert des Preises und die Chance die sie mit dem Preis haben, erkannten.

HANIX — Was wird jetzt genau mit dem Gewinner passieren? Wird was Neues produziert oder wird der Track veröffentlicht der eingereicht wurde?

Marc Colombini — Der Gewinnertrack, also der Track, der eingereicht wurde, wird professionell produziert und veröffentlicht. Momentan versucht Tim es so zu organisieren, dass die Platte noch vor Weihnachten auf den Markt kommt. Ich hoffe sehr, dass das klappt.

HANIX — Wird es einen zweiten Contest geben?

Marc Colombini — Da uns die Sache sehr viel Spaß gemacht hat, spricht nichts gegen einen weiteren Contest. Aber natürlich erst nach einer gewissen Zeitspanne.

HANIX — Unser Magazin kümmert sich um die Region Heilbronn. Hast du Erfahrungen mit unserer Heimatstadt? Und wenn ja, welche Erfahrungen hast du in Heilbronn gemacht?

Marc Colombini — Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich selbst noch keine Erfahrungen in Heilbronn gemacht habe. Ich kenne aber beispielsweise das Bukowski und bin mit Thilo Wecker via Facebook in Kontakt. In der Techno-Szene sagt man ja, dass das Bukowski der »Tresor des Südens« ist. Ansonsten muss ich persönlich aber leider passen, was meine Erfahrungen mit Heilbronn angeht.

HANIX — Da wir ein Gesellschaftsmagazin sind, sind mit Sicherheit nicht alle unsere Leser Technoexperten. Du hast eben etwas vom »Tresor des Südens« erzählt. Was ist das »Tresor«?

Marc Colombini — Das »Tresor« ist ein auf der ganzen Welt bekannter Techno-Club in Berlin, der sich nicht verkauft hat und immer noch in die Richtung Underground-Techno geht. Man kann also durchaus sagen, dass ein Vergleich mit diesem Club eine hohe Auszeichnung für das Bukowski ist.

HANIX — Hörst du auch andere Musik außer Techno?

Marc Colombini — Ab und zu höre ich auch andere Musik, hier ist in allererster Linie Reggae zu nennen.


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