Musikkoffer März 2012

DEAD RACOONS

HANIX — Seit wann macht Ihr in dieser Konstellation Musik?

DEAD RACOONS— Irgendwie haben wir im Laufe der Jahre alle zusammen in diversen Zusammensetzungen schon miteinander Musik gemacht. Als dann der Wunsch konkreter wurde auf elektronisch verstärkte Instrumente zu verzichten und fortan auf rein akustischen Instrumenten zu spielen, begannen wir auf verschiedenen Festen ganz entspannt zusammen zu jammen und stellten fest, das es an der Zeit ist eine rein akustische Punk Band ins Leben zu rufen. Dies geschah dann vor etwa einem Jahr. Mit zwei akustischen Gitarren, einer Akustik-Bassgitarre und einem Cajon 1000 hatten wir alles beisammen, um als komplette Band zu performen. Natürlich machen wir im einzelnen in verschiedenen Projekten schon seit vielen Jahren Musik. Als die DEAD RACOONS gehen wir nun aber erst in unser zweites Lebensjahr.  

HANIX — Steckt hinter eurem Namen DEAD RACOONS eine Geschichte?

DEAD RACOONS— Eines unserer Bandmitglieder hatte schon immer die Vision einer Band mit dem Wort DEAD im Namen anzugehören, also gaben wir diesem alle zusammen statt. Eben dieses Bandmitglied verdiente sich dann auf verschiedenen Festen den Spitznamen Waschbär, da er den diversen, meist in Tupperschüsseln vorgesetzten Nahrungsmitteln erst nach einem standardisiertem Geruchstest traute. Aufgrund seiner Statur sah das dann schon etwas nach einem Racoon aus, weil er in waschbärtypischer Manier erst mal den Geruchskolben in alles essbare hing um sich dann entweder davon abzuwenden oder es genüsslich in den Rachen zu befördern. Der Bezug zu diesen Tieren wurde mit einem Tattoo auf dem Oberschenkel dann noch gefestigt. Am Namen DEAD RACOONS führte also nichts vorbei.

HANIX — Und wo seht ihr eure musikalischen Wurzeln?

DEAD RACOONS— Da das nicht bei jedem Bandmitglied deckungsgleich ist kommt da schon einiges zusammen. Das reicht von einigen Skatepunk-Bands über klassischen Punkrock, psychedelic Geschichten und sogar die Ärzte sind vertreten. Grunge, insbesondere Nirvana und Konsorten war bei uns allen ein großes Thema. Metal, Reggea und auch Ska. Die Beatles, the Who oder auch Bob Dylan. Alles aufzuzählen würde wohl den Rahmen des Magazins etwas sprengen. Letztendlich sind unsere Wurzeln schon sehr vielschichtig.  

HANIX — An welchen musikalischen Vorbildern orientiert Ihr euch? Wer inspiriert euch?

DEAD RACOONS— Inspiriert werden wir hauptsächlich von Künstlern, die es seit Jahren verstehen ihren Stücken eine Menge Ausdruck zu verleihen oder deren Schaffen seit vielen Jahren weiterhin bestand hat und nichts an Strahlkraft einbüßt. Da gibt es sicher einige veritable Namen. Stellvertretend für viele nennen wir hier einfach mal Deep Purple, Rolling Stones, Pink Floyd, Queen, Die toten Hosen oder auch Johnny Cash. Klingt fatal, war es auch. Der durch viele Interpreten jener Zeit, wie zum Beispiel Janis Joplin repräsentierte Woodstock Vibe existiert in uns allen.  

HANIX — Wie beschreibt Ihr eure Musik?

DEAD RACOONS —Wir denken Lagerfeuerpunk trifft es doch am ehesten. Die Freiheit mit unserem akustischem Setup überall und zu jeder Zeit spielen zu können transportiert doch eine Menge Romantik, auch wenn unsere Stücke durchaus nach vorne gehen können. Die Spontanität ist hier ein wesentlicher Faktor. Punk auf rein akustischer Schiene ist für viele Zuhörer eine neue Erfahrung. Jedoch bekommen wir von Gästen unserer Konzerte, sei es der Metaller, der Hip Hopper oder halt der klassische Punker ein durchweg positives Feedback. Die Leute verstehen schnell das eine Akustik-Band nicht unbedingt ruhig oder gar langweilig klingen muss. Wir benötigen einfach keine Boxentürme oder elektrische Verzerrer um ordentlich Krach machen zu können. Das gelingt uns auch so ganz gut.

HANIX — Was bedeutet euch handgemachte Musik?

DEAD RACOONS — Da sich keiner von uns in seiner Vita groß mit elektronischer Musik beschäftigt hat fällt ein Vergleich leider flach. Auf jeden Fall ist es ein sehr schönes Gefühl auf der Bühne zu stehen und seine Emotionen oder auch Gefühle mit der Gitarre ins Publikum zu schleudern und anhand der Gestiken und Bewegungen der Zuhörer zu sehen wie Sie jedes Zupfen der Seite registrieren und auch anerkennen. Es muss in der Vorbereitung nichts programmiert oder einstudiert werden. Es ist immer live, rau und pur und gelangt ungefiltert in das Ohr. Das ist schon etwas geiles.  

HANIX — Wie entstehen bei euch neue Stücke? Reines Jammen oder verfolgt Ihr einen Plan?

DEAD RACOONS — Meistens hat einer eine Idee zu einem Stück und fängt an, diese etwas auszuarbeiten. Dann werden irgendwann die anderen hinzugezogen und los geht es. Wir treffen uns so einmal die Woche zum Musikmachen und Chillen. Für gewöhnlich Proben wir in einem alten abgefuckten Jugendhausraum und stellen dann immer wieder fest, dass das Zusammenspiel bei neuen Stücken doch außerordentlich schnell funktioniert. Oft covern wir beim Jammen auch einfach harte Stücke um zu hören, wie sich diese in unserer ganz speziellen DEAD RACOONS-Akustik-Variante anhören. Dabei entstehen dann auch des öfteren gute Ideen für neue Stücke.

HANIX — Sich dem Punk zuzuordnen bedeutet ja meist eine klare politische Haltung. Wie seid Ihr politisch positioniert?

DEAD RACOONS — Die Einstellung und Haltung Punk zu sein trägt sich bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger nach außen. Selbstverständlich beschäftigen uns politische Themen und wir machen gegebenenfalls auch Songs darüber, wie zum Beispiel unser »Mo«, bei dem wir das Schicksal des, beim Arabischen Frühling getöteten Mohammed Nabus, bezeichnet als der vielleicht wichtigste Mann dieser Revolution, aufgreifen. Darüber hinaus sind wir eine Formation von System-Kritikern, speziell auch hier in Deutschland läuft vieles falsch. Wir fühlen uns durch das hier herrschende politische System ganz schlecht repräsentiert. Geklaute Doktorarbeiten, gewollte Minderwertigkeit unserer Lebensmittelprodukte, der zweite Präsident in Folge der von seinem Amt zurücktritt. In unserer Politik gehören viel mehr Leute in den Knast als mit einer dicken Abfindung in den Ruhestand geschickt. Oder wie mit politischen Flüchtlingen umgegangen wird. Diese Menschen haben gar nichts, noch nicht einmal Würde und hier werden sie herumgeschoben wie ein Stück Scheiße. Das geht gar nicht. Themen die es zu kritisieren gilt, gibt es genug.  

HANIX — Fühlt Ihr euch in Heilbronn gut aufgehoben?

DEAD RACOONS — Na ja, ursprünglich stammen wir ja alle aus dem Zabergäu, also so 15 bis 20 Kilometer von Heilbronn entfernt. Durch unser Studium oder den Job sind wir mittlerweile aber doch näher an den Stadtkern herangezogen. Auch wir sind angetan von der enormen Entwicklung der hier ansässigen alternativen Szene. Es hat durch verschiedenste Aktivisten und Aktivitäten die letzten Monate doch einen ordentlichen Schub gegeben. Das ist sehr spannend, eine Aufbruchstimmung hat sich breitgemacht und daran nehmen auch wir sehr gerne teil. Alle lernen sich gerade so gegenseitig kennen und schätzen, es ergeben sich tolle Kooperationen. Früher waren doch irgendwie alle für sich, jetzt entwickelt sich eine richtige alternative Gemeinschaft mit Menschen aus den verschiedensten Bereichen.  

HANIX — Wo trifft man euch? Habt Ihr bevorzugte Orte an denen Ihr viel Zeit verbringt?

DEAD RACOONS — Also man trifft uns schon gelegentlich in der Stadt. Das Data, Mobilat oder auch Club Sofa sind einige unserer Hotspots. Wenn es gar nicht anders geht halt auch mal die Laube. Aber derzeit auch nicht übermäßig oft, denn als Student muss man seine drei Euro Fünfzig auch gewissenhaft zusammenhalten. Große Sprünge sind da leider nicht möglich.  

HANIX — Pflegt Ihr regelmäßig Kontakt zu eurer Fanbase?

DEAD RACOONS — Wir halten selbstverständlich gewissenhaft Kontakt zu unseren 50 Facebook Freunden. Nein, wir haben mittlerweile schon einen harten Kern von Leuten die uns bedingungslos unterstützen und uns überall hin hinterherfahren. Für diese und natürlich auch für kommende Fans haben wir letztes Jahr eine Art Offene-Tür-Konzert in unserem Proberaum gegeben. Das kam so gut an das wir das mit Sicherheit wiederholen.  

HANIX —Thema Groupies. Wunsch, Wirklichkeit oder weder noch?

DEAD RACOONS — Na ja, eine Art Groupie-Kultur gibt es sicher dann, wenn sich immer wieder Männer anfangen nackt zu machen. Im Moment lässt sich das nicht wirklich feststellen, aber die DEAD RACOONS sind ja gerade erst am Anfang. Somit kann man mit voller Überzeugung sagen: Wir arbeiten daran. Es ist ja auch so, das wir nicht nur aus eingefleischten Vollzeitsingles bestehen.

HANIX —Das Titelthema dieser Hanix Ausgabe ist ja Gesundheit. Beschäftigt Ihr euch damit?

DEAD RACOONS — Gesundheit finden wir gut. Eigentlich versucht jeder für sich ein bisschen Bewegung und Sport in sein Leben zu integrieren. Fußball, Handball und auch Volleyball sind bei uns vertreten. Immer nur herumsitzen und sich dicht machen geht ja auf Dauer auch nicht gut. Das unterscheidet uns ja auch vom gewöhnlichen Punkrock. Wir feiern uns nicht nur runter sondern machen dazu auch noch Sport. Beim Thema Ernährung können wir leider unsere Grundsätze was den ausschließlichen Konsum von gesunden und hochwertigen Produkten angeht nur bedingt umsetzen, da wir alle aufgrund unserer Einkommen, Thema Studium zum Beispiel, doch eher am Essen sparen. Es gestaltet sich auch nicht ganz so einfach einen Vorsatz, wie weniger Fleisch zu sich zu nehmen, umzusetzen denn das würde ja bedeuten mehr Gemüse zu verzehren. Wenn der Tag kommt an dem wir alle ein vernünftiges Einkommen unser eigen nennen werden wir uns mit Sicherheit auch ganzheitlicher ernähren. Bio und Öko ist uns derzeit einfach einen Tick zu teuer.

HANIX —Wohin führt euer Weg? Seid Ihr extrem ambitioniert und verfolgt einen Plan?

DEAD RACOONS — Ambitioniert schon irgendwie. Aber ohne Plan. Angefangen hat ja alles weil wir einfach extrem Bock darauf haben Musik zu machen. Wir stellen zwar fest das wir bei positivem Feedback eine Motivation entwickeln, die uns nötigt am Ball zu bleiben. Wir werden aber auch mit zunehmender Zahl von Konzerten und Auftritten nicht anfangen uns ein Management zu suchen oder so einen Quatsch. Wir wollen einfach weiter Spaß haben und uns entwickeln. Sollte es sich dazu entwickeln das wir einen Teil unseres Einkommens mit Musik reinholen wäre das natürlich super und eine tolle Bestätigung für unseren Einsatz und unser musikalisches Schaffen. Aber wir arbeiten nicht bewusst darauf hin. Wir nehmen was kommt und schauen was passiert. Das Ganze startete ja als akustisches Experiment und wir sind selber etwas über die zunehmende Zahl der Auftritte und der positiven Resonanz überrascht.    

HANIX — Wo kann man euch in nächster Zeit sehen?

DEAD RACOONS — Also am 04.03. haben wir eine offene Probe im JuCa, das Jugendcafé in Bönnigheim. Dann wird es aller Wahrscheinlichkeit nach einen Gig, so Mitte oder Ende März, im Heilbronner Club Sofa geben. Im März oder April sind wir wieder im Data 77112 zu Gast. Für genauere Termine einfach unsere Facebook-Seite besuchen, da setzen wir dann die endgültigen Daten online.

HANIX — Eure Message an die Leser lautet…

DEAD RACOONS — Es wird immer Zeiten geben in denen nichts funktioniert, in denen alles keinen Sinn zu ergeben scheint. Über diese Zeiten gilt es drüber zu gehen und einfach weiterzumachen. Plötzlich brechen die dunklen Wolken auf und lassen die Sonne wieder durch. Alles wird gut.

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