Musikkoffer Juni 2012

Felix von Racknitz: Barons Up!

Felix von Racknitz ist durch die Musik viel herum gekommen in der Welt. Seit einigen Jahren ist er wieder in seiner alten Heimat Heinsheim zurück. In einem umgebauten Schafstall finden die von ihm veranstalteten »Barons Up!«-Konzerte statt. Dort sollen vor allem Musiker auftreten, die ihre Musik und Texte noch selber schreiben. Wir sprachen mit dem Buddhisten über autarkes Leben in Schottland, seine Zusammenarbeit mit Sting und sein alternatives Wohnprojekt.

HANIX — Herr von Racknitz, zu unserer Schande müssen wir gestehen, dass Sie uns bis dato unbekannt waren. Wir sind durch ihre neue Veranstaltungsreihe »Barons Up«, die im Schloss Heinsheim stattfindet, auf Sie aufmerksam geworden. Ein kurzer Abriss ihres musikalischen Schaffens würde uns freuen.

Felix von Racknitz — Na gut, dann will ich mich mal vorstellen. Nach meinen Dienst bei der Bundeswehr war ich in Neuseeland, Südamerika und den USA reisen. Auf dieser Reise wurde mir klar, dass ich beruflich Musik machen wollte. Anschließend habe ich in Wien zunächst eine Aufnahmeprüfung an der »SAE-Tontechnikschule« gemacht. Danach habe ich eine Praktikumsstelle in den Tonstudios von Lesley Mandoki angenommen und habe einen Plattenvertrag von BMG bekommen, der mich dann für die nächsten zwei Jahre nach München verschlagen hat. Danach habe ich mich entschieden wieder nach Wien zurückzugehen um die Tontechnikschule abzuschließen, gleichzeitig hatte ich noch ein Tonstudio dort. Nach der Tontechnikschule hatte ich mich noch dazu entschieden, Musik zu studieren. Nach drei Jahren hatte ich dann erst mal genug davon und bin nach Schottland gegangen, um wieder ein Tonstudio zu betreiben.

HANIX — Wie kommt man dazu als Schwabe dorthin zu gehen?

Felix von Racknitz — Letztendlich kam dies über meine Schwester, die damals in Aberdeen studierte, zustande. Sie kannte ein paar Leute, die ein altes Dorf wieder zum Leben erwecken wollten und ich musste einfach mal ein Jahr raus aus dem ganzen Business in Deutschland. In Schottland habe ich dann unter anderem die erste Produktion für mein eigenes, damals neu gegründetes Label, »Fish and Cycle« vollzogen. In dieser Zeit habe ich einen Job in einem Studio angenommen und zusammen mit ein paar Leuten eine Farm an der Westküste angemietet, um den langen Traum vom autarken Leben zu verwirklichen. Das ist dann aber leider aus Geldmangel ziemlich schief gelaufen. Letztendlich ging ich dann wieder zurück nach Deutschland und habe zusammen mit Bernd Hückstett zuerst ein kleines und dann ein größeres Studio in Bad Wimpfen gegründet. Dies war dann auch der Zeitpunkt zu dem ich in den Jazz- und Worldbereich eingestiegen bin.

HANIX —Und seit dem leben Sie wieder hier in ihrer Heimat?

Felix von Racknitz — Oh, nein. 1994 habe ich die, damals recht bekannte georgische Band Adio produziert und Tourneen durch ganz Europa durchgeführt. Durch diese Aufgabe hat es mich auch nach Georgien verschlagen. Ich fand dieses Land von Anfang an faszinierend, da die Bevölkerung in Georgien sehr künstlerisch interessiert ist. Nach dem Bürgerkrieg sind leider viele begabte Menschen aus Georgien ausgewandert. Also habe ich dann mein Tonstudio dorthin verlegt. Das war übrigens das erste digitale Tonstudio im Kaukasus. In fünf Jahren haben wir ungefähr 400 Produktionen verschiedenster Art gemacht.

HANIX — Das klingt nach sehr viel Arbeit. Waren Sie nicht irgendwann leer oder überarbeitet?

Felix von Racknitz — Ich habe zum Buddhismus gefunden und wollte tatsächlich ein bisschen raus aus dem Musikgeschäft. Mein damaliger Buddhismus-Lehrer hat mich allerdings angeregt eine CD mit vielen großen Künstlern wie beispielsweise Sting zu produzieren, was ich dann auch getan habe.

HANIX —Sie kennen Sting persönlich. Wir sind ein bisschen beeindruckt.

Felix von Racknitz — Sting kannte ich schon vor dieser Produktion, da ich früher für ihn auf einer Tour gearbeitet habe. Aber um zurück zu meinem Werdegang zu kommen: Nach dieser erfolgreichen Produktion war ich dann doch wieder im Musikgeschäft und habe mich entschieden erneut ein Tonstudio in Deutschland zu eröffnen. Allerdings war dies eine sehr schwierige Zeit und leider ging das Ganze den Bach runter, da man kaum noch Vertriebsdeals abschließen konnte.

HANIX —Anfangs haben wir es schon angesprochen. Ihre neue Veranstaltungsreihe heisst »Barons Up!«. Worum geht es dabei?

Felix von Racknitz — Mir ist wichtig, dass wir Musik von Künstlern präsentieren, die ihre eigene Sachen schreiben und wir wollen Schritt für Schritt weg von der Covergeschichte, was schon zu zwei Dritteln geschafft ist. Die Zuschauer sollen es wieder zu schätzen wissen, wenn man selbst komponierte Musik anbietet – denn hier in der Region gibt es eindeutig zu viele Coverbands.  

    

HANIX — Die Konzerte werden auch gefilmt. Sind die Videos schon irgendwo zu sehen? Sie wollen dafür ein Internet-Portal dafür auf die Beine stellen, wenn wir richtig informiert sind.

Felix von Racknitz — Die Filme gibt es aus Rechtegründen leider noch nicht zu sehen. Momentan sind wir noch am Sammeln des Materials, wobei hier schon über 40 Stunden fertig geschnitten und somit vorhanden sind. Jetzt geht es darum Sponsoren zu finden und das Portal final auf die Beine zu stellen.

HANIX —Für welches Publikum ist »Barons Up!« die richtige Veranstaltung?

Felix von Racknitz — Ich habe mich nie auf eine bestimmte Zielgruppe festgelegt und somit ist so ziemlich jeder willkommen dem Musik Spaß macht. Was ich beobachtet habe ist, dass in unseren Shows sowohl 16-jährige als auch 80-jährige anwesend sind. Das freut mich.

HANIX —Die ganze Veranstaltung findet in einem alten, umgebauten Schafstall statt – unweit des Schlosses in Heinsheim. WIe sind die Reaktionen auf die ungewöhnliche Location?

Felix von Racknitz — Der Stall wurde mal für eine Geburtstagsparty umgebaut und seitdem war und ist der Stall Hauptlocation für Hochzeiten. Wir haben dann irgendwann entschieden, dass hier auch unsere Musikevents stattfinden sollen und mittlerweile ist der Stall nahezu jedes Wochenende ausgebucht.

HANIX —Passiert hier am Schloss Heinsheim darüber hinaus auch noch weiteres oder ist die musikalische Veranstaltungsbreite mit »Barons Up!« abgedeckt?

Felix von Racknitz — Über den Sommer, heißt ab Juni, werden hier in Heinsheim auch Veranstaltungen unter dem Motto »easy sunday« laufen. Es wird jeden Sonntag das Angebot geben, dass sich Besucher und Gäste selbst Pizzen, Tapas und alles Mögliche zubereiten können, begleitet von Livemusik. Dann wären noch der »MacCleodsCountryClub« und die Ausstellung des Berliner Plakatmalers Dieter Kaufmann, dessen Werke wir auch verkaufen, zu erwähnen. Heißt alles in allem wollen wir hier in Heinsheim eine Mischung aus Kunst und Musik schaffen.

HANIX —Seit wann nutzen Sie dieses Gelände für derartige Events?

Felix von Racknitz — Ich habe eigentlich schon sehr früh, in den 90er Jahren, Konzerte hier veranstaltet mit Bands die ich produziert oder unterstützt habe. So gab es georgische Chöre, Jazzkonzerte, Jazzbrunch, Sommerfeste, einfach alles Mögliche, allerdings meistens ohne Geld damit zu verdienen. Im Jahr 2008 haben wir in Zimmerhof in der Scheune das erste Mal die »Accustiklounge« ins Leben gerufen. Jeden Donnerstag trafen sich verschiedene Musiker und haben zusammen Musik gemacht. Daraus entwickelte sich dann zwei drei Jahre später ein Projekt mit Musikern der Popakademie Mannheim. Das haben wir dann relativ schnell ausgebaut, aber auch das hat sich, von finanzieller Seite her, eher weniger gelohnt. Somit habe ich entschieden das Niveau ein wenig anzuheben, internationale Leute einzuladen und dann hat unter anderem Alison Sudol ihre neue CD vor ihrem Tourstart bei uns präsentiert. Die Idee war alles zu filmen und ein Portal zu gründen auf dem man sich die Konzerte anschauen kann. Um dem Ganzen ein persönlicheres Profil zu verleihen haben wir den Namen dann von »Accustiklounge« in »Barons Up« geändert.

HANIX —Ihre Verlobte ist Musikerin und Musiklehrerin und tritt hier in Heinsheim auch mit ihrer schottischen Geige auf.

Felix von Racknitz — Meine Verlobte hat in Glasgow Musik studiert, den Schwerpunkt schottische Geige belegt und die eigentlich höchste Auszeichnung die es in diesem Business gibt, den Glenfiddich Award, gewonnen. Da ich das Studio habe, hat es sich automatisch ergeben, dass wir viel zusammen ausprobiert und geschrieben haben. Wir haben ein Quartett, das Fiddle Passion Orchestra, gegründet, mit der Idee irgendwann eine CD zu produzieren. Ihr Schwerpunkt in Schottland war aber das Unterrichten, da sie eine fantastische Lehrerin ist. Dies war natürlich hier nicht mehr so intensiv möglich und somit wurde die Idee der Onlineschule, in der man über Skype Geigenunterricht bekommt, geboren. Die Idee die dahintersteckt, ist eine Art Online-Orchester in dem Leute das musikalische Repertoire per Video erlernen und sich dann in ihren jeweiligen Regionen zu Workshops treffen. Irgendwann, ich denke in den nächsten fünf Jahren, wollen wir dann alle zusammenbringen, um den Guiness-Buch-Rekord des größten Orchesters aufzustellen.

HANIX —Sie sind durch und für die Musik viel herum gekommen in der Welt. Gibt es für Sie das eine beeindruckendste, unvergessliche Musikerlebnis?

Felix von Racknitz — Das ist schwer zu beantworten. Ich kann sagen, dass Oscar Peterson, den ich damals in Wien gesehen habe, sehr beeindruckend war. Als Fan war ich damals von Police begeistert, die ich auch mehrfach live gesehen habe. Die spirituellste Musik die ich bis jetzt erfahren habe, war die Chormusik aus Georgien. Grundsätzlich ist es fast unmöglich hier nur einen Namen zu nennen, denn es gibt so viele gute und inspirierende Künstler.

HANIX —Wer so viel wie Sie in der Welt unterwegs war, dem muss es hier in Heinsheim zu ruhig und provinziell sein. Zieht es Sie noch oft hinaus in die Ferne?

Felix von Racknitz — Ich halte mich hier an den Dalai Lama, der gesagt hat, dass man mindestens einmal im Jahr an einem fremden Ort sein muss. Das versuche ich auch. Ich komme durch meinen Job viel rum und wir sind natürlich öfters in Schottland, was meine zweite Heimat geworden ist. In letzter Zeit hat uns Indien sehr beeindruckt, wo wir bisher zweimal waren. Mich zieht es also schon noch raus in die Ferne, es ist aber auch schön wieder hierher nach Heinsheim zu kommen. Hinzu kommt aber auch, dass viele interessante Leute uns hier besuchen, ganz nach dem Liedtext von »Ein Haus am See«.

HANIX —Auf ihrem Gelände bieten Sie auch eine Art alternatives Wohnprojekt an. Worum handelt es sich hierbei?

Felix von Racknitz — Eigentlich haben sich hier schon immer Freunde, Bekannte und Verwandte angesiedelt, das Ganze ist also nichts Neues. Es gibt hier unter anderem eine Goldschmiede, einen Kinder-Tanz-Yoga-Raum, das Hotel bietet viele Meditationsprogramme an, was auch wieder Freunde von mir hierher bringt. Das Projekt war immer Thema bei mir und wir versuchen andauernd neue Wohnungen zu schaffen, das Projekt auszubauen und mehr Leute hierher zu bringen.

HANIX —Aus kultureller Sicht: Wie nehmen Sie das Angebot, das es hier in der Region gibt wahr?

Felix von Racknitz — Ich muss gestehen, dass ich nie auf den Gaffenberg gehen wollte, bis dann doch mal hin bin und es eigentlich ganz okay fand. Das ist ein Festival, dass sich durchaus sehen lassen kann. Ich habe neulich gesehen, dass es in Heilbronn einen regelmäßigen Poetry Slam gibt. Leider habe ich es nicht geschafft dort hinzugehen, aber das würde mich auch sehr interessieren.

HANIX —Im Juni beginnen die Burgfestspiele in Jagsthausen. Auch dort sind Sie zu gegen und aktiv.

Felix von Racknitz — Wir sind mit den zwei Sängern, die die Blues Brothers spielen, befreundet und daher waren wir ein paar mal in Jagsthausen und haben auch in der Hörbar im Burggraben gespielt. Daraufhin kam der Intendant der Festspiele auf uns zu und wir spielten einige Shows vor Premieren, wovon eine der jetzige Regisseur gehört hat. Wir wurden dann gefragt, ob wir nicht Lust hätten die Musik für den »Götz« zu machen, da er eine Urfassung des Stücks inszeniert, in der Sprechgesang ohne musikalische Untermalung vorkommt. Natürlich wollten wir das ausprobieren und haben es zu zweit umgesetzt.

HANIX —Sicherlich ein ungeheurer Probenaufwand. Wie lange muss für solch eine Inszenierung geprobt werden?

Felix von Racknitz — Die Proben haben schon angefangen und wir sind jetzt dabei die einzelnen Szenen, auch mit dem Chor, einzustudieren. Die Hauptproben mit den kompletten Durchläufen, fangen am 29. Mai an, also nur 7 Tage vor der Premiere am 6. Juni und dann werden insgesamt 14 Shows gespielt.

HANIX —Diese Art von Musikproduktion unterscheidet sich wahrscheinlich deutlich vom normalen Produktionsprozess.

Felix von Racknitz — Ich habe zwar schon Theatermusik gemacht, das Interessante hier ist aber, dass wir mit Gitarre und Geige live in den Szenen mitspielen. Jan Magert ist ein fantastischer Regisseur, der genau weiß was er will und sehr gut erklärt, was für die Teilnehmenden extrem wichtig ist. Das Spannende hier ist der Prozess von der theoretischen Idee zu Hause bis zur praktischen Umsetzung durch die Schauspieler und Sänger.

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