Plattenkiste Mai 2014

Brad Pitch: Hip Hop don´t stop!

Brad Pitch heißt im wahren Leben Dominik Brell. Seit 11 Jahren legt der

ehemalige deutsche Vizemeister im Freestyle-Scratchen in Clubs auf. Dabei war er in vielen Heilbronner Tanzlokalitäten, wie beispielsweise

im Mobilat bei den Wortsport-Partys oder der Neckarlust, als Resident-DJ am Start. Aber auch im Frankfurter Club Silbergold oder auf Radio X mit seinen Weggefährten von »The Kidz Make Noiz« ließ er seine Platten sprechen.

Wir warfen einen Blick in die Vinylkiste des Hip-Hop-Fans, der aber auch mal Metallica auflegt, wenn es das Publikum zulässt. Dabei fiel es Brad Pitch sehr schwer, sich auf fünf Lieblingsalben festzulegen.

Ich möchte mich auf keine wertende Reihenfolge festlegen, sondern die Platten in der umgekehrten Reihenfolge des Erscheindatums nennen. Die Platten, auf die ich mich jetzt festgelegt habe, höre ich mindestens neun von zwölf Monaten auf meinem iPhone. Gerne auch, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin.

Die erste Platte ist aus dem Jahr 2007 von der kanadischen Elektrofunk-Kombo Chromeo und heißt »Fancy Footwork«. Ein großartiges Album, bei dem ich fast jedes Lied in voller Lautstärke mitsinge. Ich erwische mich des öfteren dabei, wie ich im Rückspiegel und aus den Seitenfenstern heraus checke, ob mich Leute beobachten. Ich würde die Musik als vintage 80er-Jahre Funk mit schöner Talkbox bezeichnen, dazu noch Bass, Synthesizer, Drums und gut ist.

Eine Platte, die ich erwähnen muss, ist »Superseal Breaks« von DJ QBert, die im Herbst 2000 heraus kam und ein reines Scratch-Album ist. DJ Qbert ist ein Pionier des Turntablism und er war Mitglied der Rock Steady Crew. Das Album ist eine Schallplatte, die nicht zum normalen Abhören gedacht ist, sondern ausschließlich Beatloops und kurze Geräusch- und Stimmen-Samples enthält. Diese Platte habe ich insgesamt schon neunmal gekauft, denn sie ist mein 08/15 Scratch-Tool. Wenn ich warme Finger bekommen will, lege ich »Superseal Breaks« auf.

Als nächstes Album nenne ich »The Unseen« von Quasimoto, einem Alter Ego von Madlib. Die Platte erschien im Sommer 2000 und ist für mich das einzige von Madlib produzierte Album, auf dem ich jeden Beat mag. Eines der besten Alben, die ich in meinem Leben gehört habe. Die Platte ist durchgehend saugut produziert und die Texte sind lustig. Sehr unterhaltsam.

Von 1996 ist das Album »Fenster zum Hof« von den Heidelberger Stieber Twins. Eigentlich muss man zu Martin und Chris und deren Debütalbum nicht mehr viel sagen. Jeder kennt die beiden. Für jeden, der in den Neunzigern seine Hip-Hop-Sozialisation in Deutschland genossen hat und der eine wahre Liebe zu Hip Hop empfindet, ist dieses Album so etwas wie die Bibel oder die Zehn Gebote des Hip Hop. Vor sechs, sieben Jahren habe ich Martin sogar mal kennengelernt. Er hat mir von einem Perkins-Park-Erlebnis erzählt. Eine sehr unterhaltsame Person! Und die Platte ist eigentlich auch permanent auf meinem Handy drauf. Diese Platte zu nennen ist vielleicht ein bisschen klischeebehaftet, aber jeder kennt die vielleicht bekannteste deutsche Rap-Zeile: »Ich weiß, das, was ich weiß, das weiß ich: Rap ohne Weitsicht, uhh, ich weiß nicht.«

Die letzte Platte, die ich an dieser Stelle nenne, ist von Gil Scott-Heron »Glory – The Gil Scott-Heron Collection« von 1990. Ich hatte von ihm noch nie ein freistehendes Album gehört, sondern immer nur einzelne Songs. Deshalb dieses Best-of-Album, das ich mir irgendwann gekauft habe. Auf diesem Album kann ich persönlich fast jeden Song durchhören. Auch hier haben viele Songs Mitsingpotenzial. Ein Album mit sehr viel Consciousness. Ständig geht es um Probleme, um Drogenmissbrauch, soziale Ungerechtigkeiten und so weiter. Mich zieht das bei ihm aber nie runter. Ich finde es einfach nur schönes Storytelling, wunderbar anzuhören. Es ist wie ein gutes Drama zu sehen, ich meine jetzt aber nicht so eines, wie es Forrest Gump ist.


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