Plattenkiste September 2012

 

»PAOLO GAMBINO LIEBT JAZZ«

 

Der Schweizer Paolo Gambino hat die Liebe zum Jazz von seinem Vater geerbt. Der Eckstein-Betreiber kramte für uns in seiner Plattenkiste.

Ich bin Paolo Gambino, 47 Jahre alt, und betreibe seit sechs Jahren, zusammen mit meiner Lebensgefährtin, das »Eckstein«. Ich höre, wahrscheinlich jobbedingt, leider nicht mehr so viel Musik, war aber früher auf vielen Festivals und Konzerten in Deutschland und vielen anderen Ländern unterwegs. Ich komme aus einer Familie die sehr viel Jazz gehört hat, mein Vater war noch dazu ein sehr guter Hobby-Pianist und somit bin auch ich dem Jazz verfallen. Im Eckstein läuft wenig straighter Jazz, weil meine Mitarbeiter und auch meine Lebensgefährtin der Meinung sind, dass es dem Laden nicht so gut tun würde. Somit war der Kompromiss dass alles etwas smoother oder auch schneller gespielt klingt. Aber Jazz-Einflüsse sind natürlich auch in meinem Laden erkennbar und je später der Abend desto jazziger wird es manchmal, was auch immer von den Gästen abhängt.

Irgendwann kam ich durch eine rebellische Phase etwas ab vom Jazz, letztendlich bin ich aber beim Jazz-Rock gelandet, wo ich auch schon bei meiner ersten Platte, sprich Platz Nummer fünf wäre. Dies ist »Romantic Warrior« aus dem Jahr 1976 von der Return-to-Forever-Gruppierung, die übrigens immer noch unterwegs ist, in meinen Augen eine der besten Jazz-Rock-Platten überhaupt. Diese Musiker bestechen einfach durch Virtuosität und absolutem Können und waren Mitbegründer des Jazz-Rock in den siebziger Jahren.

Mit der Zeit kam ich dann wieder zurück zum Jazz, wobei mich ehrlich gesagt der frühe Jazz á la Benny Goodman nie richtig interessiert hat, da »mein« Jazz in den 40er Jahren mit dem Bebop beginnt. Zu den früheren Jazz-Zeiten zählt natürlich ein Standard-Werk der Cool-Ära und das ist mein Platz Nummer vier, »Kind of Blue« von Miles Davis. Das Schöne an dieser Platte ist, dass sie auch von Leuten gehört und geschätzt wird die nicht unbedingt affin mit der Jazz-Musik sind, da die Platte einfach diesen Cool Way mit relativ smoothen Sounds aufzeigt, defintiv immer noch eine ganz große Scheibe.

Dann auf Platz drei eine Platte meines, man kann fast sagen, musikalischen Mentors der übrigens schon meinen Vater beeindruckt hat. »A Simple Matter of Conviction« ist nur eine von mindestens acht tollen Platten von Bill Evans, aber ich kann ja nur eine Platte meines Lieblingsmusikers raus ziehen. Ich kann ruhigen Gewissens sagen, dass dieser Künstler für mich ein Gott ist, dessen unglaubliche Sensibilität am Piano legendär ist.

Dann musste ist natürlich noch eine Live-Scheibe mit einbringen, womit wir bei Platz zwei wären. Auch hier handelt es sich um eine Gruppe von Männern die einfach gesagt zur Top-Liga der Jazzmusik gehören. Es ist ein Konzert aus Tokio im Jahr 1977 und die Scheibe heißt »Tempest in the Colosseum« vom VSOP-Quintett bestehend aus Herbie Hancock, Wayne Shorter, Freddie Hubbard, Ron Carter und Tony Williams. Diese Platte ist sogar meine Lieblingsscheibe wenn es um extreme Intensität und Hardbop vom Feinsten geht. Zumal die Platte noch eine Liveaufnahme ist und jeder Jazzmusiker, der schon in Japan aufgetreten ist, von dem Land und der unglaublichen Begeisterung für Jazzmusik schwärmt.

Meine letzte Platte, also mein erster Platz, ist von einem Trio, bestehend aus Piano, Bass und Schlagzeug, was meine favorisierte Combo ist. Einer der Künstler ist weltberühmt, da er viele verschiedene Stücke interpretiert hat, dies ist Keith Jarrett. Die Platte spielt er zusammen mit seinen Lieblingsfreunden Gary Peacock am Bass und Jack DeJohnette am Schlagzeug. Diese drei Herren liefern natürlich das Feinste an Jazzmusik ab was man sich vorstellen kann. Die Combo hat zig Standard-Werke herausgebracht, die alle sehr gut hörbar sind, aber diese Platte, »Changes«, wird ein bisschen anders gespielt, und Zuhören ist hier ein absoluter Traum wobei es sehr lange und extensive Stücke sind. Keith Jarrett ist einfach in der Lage das gesamte Panoptikum eines Pianos zu zeigen, was nur sehr wenige Künstler beherrschen. Übrigens habe ich, mit Ausnahme von Bill Evans, schon alle erwähnten Künstler live gesehen, alle sind sie für sich gut, aber bei der Combo um Keith Jarrett fehlen einem einfach die Worte, da die drei unheimlich harmonisch miteinander spielen. Man merkt einfach beim Zuhören, dass sich die drei Künstler unheimlich gut kennen und mögen.  

 

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