Brief an die Heimat April 2012

EIN BRIEF AUS WELLINGTON / NEUSEELAND

Liebe Heimat,

wie geht’s dir so?  Mir könnte es in Neuseeland nicht besser gehen. Ich bin jetzt seit fünf Monaten hier und kann mir kaum vorstellen, wie es wohl daheim in der Heimat ist. Liebe Heimat, ich muss dir ganz ehrlich sagen, dass ich den Geschmack von Maultaschen schon längst vergessen habe.Als ich in Neuseeland ankam, war alles etwas komisch für mich. Alles ist anders als zu Hause.

Die Menschen sind so zuvorkommend und gastfreundlich. Das war zunächst etwas irritierend, weil ich es einfach nicht gewohnt war von wildfremden Menschen eingeladen zu werden und das auch noch für mehrere Tage. Ich habe aber schnell gelernt, dass die Menschen hier gerne helfen und gerne teilen. Meine ersten beiden Monate in Neuseeland habe ich damit verbracht, Geld für meine Reise zu verdienen. Ich habe sechs Wochen auf einer Apfelfarm in Napier gearbeitet. Die Arbeit war hart, aber jeden Tag im freien zu arbeiten hat auch seine Vorteile. So braun wäre ich im Ländle nie geworden. Dann konnte ich noch durch Zufall  für zwei Wochen auf einem Festival beim Aufbau helfen und mir noch etwas Geld und ein Ticket für das Festival verdienen.  Nachdem ich genug Geld gespart hatte, habe ich mich mit meinem Van, den ich mir am Anfang der Reise gekauft hatte, einen Roadtrip gemacht. Drei Monate war ich unterwegs. Da ich nicht der Mensch bin, der gerne etwas plant oder an die Zukunft denkt, habe ich einfach alles aus dem Bauch entschieden. Jeden Morgen habe ich nur kurz auf die Karte geschaut um ungefähr zu wissen, was an diesem Tag vielleicht mein Ziel sein könnte. Meistens bin ich aber ganz wo anders gelandet, da ich entweder Tramper mitnahm und die ganz gute Ideen hatten. Oder andere Backpacker haben mir Tipps gegeben,  was ich mir definitiv anschauen sollte. Trampen ist hier übrigens das normalste der Welt. Jeder tut es und jeder nimmt gerne Tramper mit. Manchmal versteht man sich so gut, dass man entscheidet für mehr als nur ein paar Kilometer zusammen zu reisen. Es kann dann damit enden, dass man tagelang zusammen durch Neuseeland fährt und gemeinsam eine verdammt gute Zeit hat. Ich finde, das Beste am Leben in einem Van ist, dass man an den abgelegensten und unglaublichsten Kulissen campt und morgens mit einer unglaublichen Aussicht begrüßt wird.

Das Gefühl von Freiheit vermischt mit der unglaublichen Landschaft und der Gelassenheit, die man in diesem Land entwickelt, lässt einen alles andere vergessen, sogar dich, liebe Heimat. Am Ende des Trips habe ich meinen Van verkauft und bin nach Wellington getrampt. Seit zwei Wochen bin ich in Wellington und arbeite im «Rosemere Hostel« an der Rezeption und in einem Cafe. Es ist komisch, weil ich so Frei war und jetzt wieder arbeiten muss. Aber das Leben in einem Hostel wird nie langweilig. Ich fühle mich wie in einer großen WG. Da ich nicht der einzige bin, der für eine längere Zeit hier lebt und jeder aus einer anderen Ecke der Welt kommt, fühlt es sich an, wie eine internationale WG. Ich werde hier die nächsten zwei Monate bleiben, arbeiten und Geld für meine weitere Reise verdienen.Ja Heimat, meine weitere Reise, du hast richtig gehört. Du wirst mich so schnell nicht wieder sehen. Vietnam, Laos, Kambodscha, Myanmar, Thailand, Nepal und Hongkong werden mich noch eine Weile von dir Fern halten. Aber keine Angst, vergessen werde ich dich und alles was mich mit dir verbindet nicht. Also sei bitte nicht so kalt und grau, wenn ich zurück komme. Ich werde es auch nicht sein, auch wenn dann einer der besten Abschnitte in meinem Leben endet. Sag allen daheim einen Gruß von mir, vielleicht werde ich dir ja mal wieder schreiben.

Ahoi, Michi

STECKBRIEF

Name: Michael Dikta

Alter: 20

In Neuseeland seit: 13 Oktober 2011

Früherer Wohnort: Schwaigern

Derzeitiger Wohnort: Wellington

Facebook Posts

This message is only visible to admins.

Problem displaying Facebook posts.
Click to show error

Error: Server configuration issue