Brief an die Heimat Dezember 2012

Ralph Munz: Ein Brief aus Rarotonga

Liebe Heimat,

meine Heimat? Ein kleiner Fleck Erde in Europa. Auf einem Planeten der vielleicht einzigartig ist, in einem Universum das vielleicht unendlich ist und unvorstellbar zu gleich. Liebe Heimat, vor allen Dingen, von den ich dir zu erzählen habe, möchte ich mich zuerst bei meinem Vater bedanken, der mir dieses unvergessliche Abenteuer geschenkt hat. Mich mitzunehmen auf eine Reise einmal um die Welt, in ein paar mehr als 80 Tagen. Danke Peter. Danke, deinen Traum miterleben zu dürfen. Wir sind im Paradies gelandet. Rarotonga eine Insel mitten im Pazifischen Ozean. Sie hat einen Durchmesser von 11×7 km. Mit dem Roller brauchst du für ca. 36 km maximal eine Stunde. Dann bist du wieder da wo du losgefahren bist, immer irgendwo am Meer. In der Zeit nickst du aber über 100 mal Einheimischen und Touristen einen liebevollen Gruß zu, weil ein jeder sich hier freut Menschen zu treffen. Um zu quatschen, um Neuigkeiten auszutauschen oder einfach nur so, weil man es hier schon immer so macht, freundlich zu anderen Menschen ist und sich freut wenn sie da sind. Hier spielt Zeit einfach keine Rolle nur das Miteinander. Ein toller Platz für uns beide. Nach über der Hälfte unserer Reisezeit machen wir eine Woche Urlaub auf unserer Terrasse vor unserem kleinen Haus am Meer, mit einem Cinemascope Breitleinwand Ausblick, auf einen Streifen weißen Sandstrand und den Pazifischen Ozean, der mit einem blau daher gleitet, das Maler erzittern ließe – aus Angst ihnen könne die Farbe blau ausgehen, wenn sie dieses Panorama malen müssten. Ultramarinblau. Schwer zu kriegen. Ultramarinpazifikblau. Hier Kostenlos.

Bis wir hier in unserem Paradies gestrandet sind, haben wir die Hälfte der Erdkugel hinter uns gelassen. Zuerst landen wir in Bangkok, zwei Tage Aufenthalt, kurzes eingewöhnen in das asiatische Leben. Von Bangkok führt die Reise nach Vietnam und damit auch in das Land der Tempel und Klöster. Vietnam ist ein bezauberndes Land mit bezaubernden Menschen, die einen großen Zusammenhalt haben, einen großen Glauben das ALLES gut geht. Die Vertrauen in sich haben und zu den anderen. Deutlich wird das auf der Straße wenn über 100 Rollerfahrer, mehrere Rikschas und wenige Autos sich an den Kreuzungen begegnen und ihren Weg in alle Richtungen finden, ohne das einer benachteiligt wird oder irgendetwas passiert.

Fast zwei Wochen haben wir gebraucht um dieses einst von unverständlichen Kriegen gezeichnete Land zu entdecken. Heute hat Amerika das Land wieder besetzt, Mc Donald und Coca Cola haben ihren Siegeszug schon hinter sich gebracht. Nach fünf Tagen in Kambodscha mit noch gewaltigeren und mystischeren Tempeln und genauso vielen netten Menschen beenden wir den ersten Teil unserer Reise. Mit einem Stop-Over von zwei Tagen in Singapur, das eine vorbildliche Stadtplanung hinter sich hat, ein Heer unzufriedener Menschen vor sich herschiebt, die von einer Luxusmal zur anderen ziehen und das mit Superlativen in Sachen Hochbau in keiner Weise geizt, erreichen wir schließlich unsere erste Anlaufstelle im Norden Australiens: Darwin. 38° C, 95 % Luftfeuchte, Krokodile, Urwald, Cowboys, Crocodile Dundees und Angler. Darwin, sagen die Australier, hat mit Aussie nichts zu tun, ist nur Dschungel. Stimmt. Mit dem Jeep geht es hinein in die rote Wüste Australiens. Unser Ziel: Ayers Rock, der rote Berg der Aborigines. Das verwirrende bei dieser heißen Fahrt sind irre lange Lkw- Züge mit über 50 m Länge die für nichts und niemanden bremsen und massenhaft Kängeruhs, Dingos und natürlich Kaninchen beim einfachen Straßen überqueren um ihr Leben bringen.

Verrückte Menschen leben in der Wüste. Einer widmet seine Aufmerksamkeit und seine Arbeit ausschließlich den Ufos. In seinem Pub am Rande des Highways pflastern Zeitungsausschnitte von fliegenden Untertassen und deren Entdecker die Wände. Die Souvenirs haben alle etwas mit extraterrestrischem und Et´s zu tun. Verrückt? Nur vielleicht. Wenn es in der Wüste Nacht wird dann ist es Nacht. Der Anblick des Sternenhimmels über Wycliffe Well, dem U.F.O.-Capital of Australia, ist unbeschreiblich. Es blinkt und funkelt, ständig verglühen Sternschnuppen im Irgendwo. Hier kann man das Ausmaß unseres Universum wirklich erahnen und der Frage nach Leben außerhalb unseres kleinen Universums viel näher kommen.

Über Sydney, für mich die europäischste Stadt unserer Reise, reisen wir nach Neuseeland, das Land der Hobbits und der freundlichen Menschen. Wie es dort aussieht weiß jeder, der Herr der Ringe gesehen hat. Was für eine Energie und Lebensfreude dort spürbar ist, kann man nicht beschreiben nur fühlen. Wir waren nur elf Tage in Neuseeland, aber die waren voller Bewunderung für Land und Leute. Von Neuseeland aus gelangen wir schließlich in unser Paradies. Eine eigene Welt mit liebevollen Menschen auf der anderen Seite der Welt. Von hier aus bist du Heimat auf der anderen Seite der Welt. Aber wie viele Seiten hat unsere Welt.

Ich glaube, wenn man einmal um die Welt herum kommt, hat man ein Gefühl das dem der Astronauten, die von oben unseren Planeten sehen konnten, nahe kommt. Man fühlt die Größe und die Schönheit unserer Welt und ihre wahre Bestimmung. Und man erkennt, dass unsere Heimat die Erde ist. In den Wäldern und Schluchten Neuseelands wo in totaler Unordnung alle Pflanzen und Tiere ihren Platz haben oder auf Rarotonga, einer Insel mitten im Pazifik, die den Regen über Wasserfälle als Trinkwasser geschenkt bekommt. Dort in Rarotonga ist alles im Gleichgewicht. Die Balance wird gehalten, dort geht der Mensch achtsam mit der Erde um. An so vielen anderen Plätzen die wir besucht haben, ist das leider nicht der Fall. Eines ist mir jetzt wirklich bewusst: Unsere Erde ist so wunderschön und voller Leben, Freude und Abenteuer und vor allem voller bedingungsloser Liebe. Sie ist die Mutter allen Lebens, Gaja, die uns jeden Tag Leben schenkt. Wir die Kinder haben nichts anders zu tun als sie zu pflegen und sie so an unsere Kinder weiter zugeben wie wir sie erhalten haben. Das sagte Ross, ein Neuseeländer, in seinem Wochenendhaus nach einer Flasche Wein zu mir. Wie recht er hat.

Bis bald liebe Heimat pass auf dich auf!

Deine zwei Weltenbummler Ralph und Peter

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