Brief an die Heimat HANIX No.35

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Liebe Heimat,

Südafrika ist einfach toll! Es gibt dort alles. Berge, Meer, Felder und viele Kinder, die sich über den Besuch freuen. Ich wollte eine Zeit lang als freiwillige Helferin zusammen mit Kindern arbeiten, weil mir das viel Spaß macht, ich mein Englisch verbessern und obendrein gleich noch Afrika besser kennenlernen konnte.

Lena Baumann

Vier Wochen war ich in einer Grundschule in der Nähe von Kapstadt. Dort habe ich mit Erstklässlern hauptsächlich außerschulische Aktivitäten unternommen, wie zum Beispiel Fahrradfahren, Puzzeln und Spiele spielen. Einmal habe ich auch einen Parcours aufgebaut, in dem sie Balancieren üben konnten, und wir waren Trampolinspringen. Das Wichtigste dabei war, den Kindern Aufmerksamkeit zu schenken, jedem gleich viel.

Mein Arbeitstag begann um acht Uhr. Als ich ankam haben die Kinder gerade etwas gegessen und ich half den Lehrern beim Nachschöpfen. Danach wurde gebetet und gesungen. In dieser Schule wurde immer viel gesungen und gebetet, weil es eine christliche Einrichtung war.

Sobald die Kinder dann in ihrem Klassenzimmer waren, hat auch schon meine eigentliche Arbeit begonnen, nämlich die Beschäftigung mit ein bis zwei Kindern einer dreißigköpfigen Klasse. Mit jedem Kind habe ich das Gleiche unternommen und ganz wichtig, gleich lange. Ja, man könnte meinen, dass das mit der Zeit ganz schön langweilig wurde. Aber so war es gar nicht. Denn jedes Kind ist anders und so hat mir das Spielen sehr viel Freude bereitet.

Eigene Ideen, wie wir die Kinder weiter fördern und fordern konnten, waren immer gut. Meine Gastschwester und ich haben zum Beispiel eine große Leinwand gefertigt, die aus den Handabdrücken aller Kinder der Schule bestand. Die Hände der Kinder waren die Blumen, je Klasse eine Blume, und die Lehrer bildeten die Sonne. Und den Rest haben wir dann noch dazu gemalt.

Um zwei Uhr mittags hat mich mein Gastvater wieder abgeholt. Natürlich haben wir nicht die ganze Zeit durchweg gearbeitet. Die Kinder haben zwischendrin noch Mittag gegessen und durften danach Spielen gehen. Beim Mittagessen mussten wir darauf achten, dass jeder ordentlich isst und auch genügend zu Essen bekommt. In den Pausen saßen wir alle zusammen – haben geredet, gelacht und Tee getrunken. Nachmittags hatte ich immer frei. Was ich dann gerne gemacht habe, war zum Beispiel mit meiner Gastschwester zu shoppen, ins Kino zu gehen oder wir sind ins Pick ’n Pay gegangen. Manchmal fuhren wir aber auch einfach nach Kapstadt und haben die Stadt erkundet.

Abends haben wir gemeinsam mit der Gastfamilie gegessen. Am Wochenende hatten wir auch immer frei. Meistens haben wir dann Ausflüge unternommen, wie zum Beispiel in die Winelands. Oder wir sind nach Kapstadt gefahren und haben dort in einem Backpacker-Hostel geschlafen. In Kapstadt kann man wirklich sehr viel machen. Wir haben uns den Sonnenuntergang vom Lions Head aus angesehen und sind auf den Tafelberg gestiegen. Und sonntags habe ich mich dann schon wieder auf meine Kinder in der Schule gefreut.

Die Kinder sind einfach toll dort. Man merkt, wie sehr sie sich darüber freuen, dass man sich um sie kümmert und mit ihnen spielt. Leider haben die Lehrer dafür keine Zeit. Schockierend fand ich die Zustände in der Schule. Meine Schule war sehr arm und das hat man gesehen. Es war dort sehr kalt, weil der Wind ständig durch Tür- und Fensterspalten zog. Und alt und kaputt war auch alles. Auch der Erziehungsstil hat mich schockiert. Die Lehrer haben die Kinder auch mal geschlagen und beschimpft, wenn sie was falsch gemacht haben. Darauf muss man sich einstellen, wenn man dort hinkommt.

Meinen schönsten Ausflug habe ich mit den Kindern bei der Feuerwehr erlebt. Zuerst haben sie gelernt, was man macht, wenn es brennt und danach haben wir noch die Feuerwehr besichtigt. Am Ende durften die Kinder, wie auch wir Lehrer, eine Runde in dem Feuerwehrauto mitfahren. Ihr glaubt gar nicht, wie schnell das Ding fahren kann. Danach haben die Kinder in einem riesigen Haufen Löschschaum gespielt. Sie hatten so viel Spaß dabei. Das war echt schön, das mit anzusehen. Ich werde wohl nie vergessen, wie eines der Kinder einmal zu mir kam, mich umarmte und sagte: »I love you, teacher!«

Meine Gastfamilie war übrigens auch total nett und sehr lieb! Das Haus und die Zimmer, in denen wir wohnten, waren richtig schön und modern eingerichtet. Und das Essen war sooo lecker und eigentlich viel zu gut. Zu Hause musste ich erst mal eine Diät machen.

Das afrikanische Zeitgefühl ist allerdings komplett anders als in Deutschland. Man muss immer mit Verspätungen rechnen. Das ist hier normal. Alles läuft ein bisschen langsamer und ruhiger ab. Noch nebenbei: Auf seine Wertsachen sollte man immer aufpassen.

Und wer so eine Reise auch unternehmen möchte, wird tolle Erfahrungen machen. Sei einfach offen, hilfsbereit und flexibel.

Genieß’ diese Zeit! Denn eine Weile im Ausland zu sein, das muss man einfach mal gemacht haben. Do it!

Liebe Grüße Lena

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