Brief an die Heimat HANIX No.36

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Liebe Heimat,

in ein paar Tagen hast du uns wieder. Und wenn wir ehrlich sind, hattest du in den vergangenen sechs Monaten ganz schön Konkurrenz. Denn wir haben 35 Möglichkeiten für eine neue Heimat gefunden. Aber sei beruhigt, wir kommen wieder und freuen uns auf dich.

Brief an die Heimat HANIX No.36

Als wir dich etwas ungeduldig und aufgeregt verließen, wussten wir nicht, was uns alles erwarten wird in Kanada, Kalifornien, Hawaii, Neuseeland und Australien. Oder was wir in diesen sechs Monaten vermissen werden? Diese Fragen können wir nun beantworten, denn wir sitzen gerade in unserem Hotelzimmer in Dubai, unserer vorletzten Station, bevor es nach Hause geht. Zu dir.

In Kanada hat alles angefangen. Das Land verbindet man ja immer irgendwie mit Kälte und Schnee. So ist es aber nicht im August. Nach einem etwas holprigen Start haben wir uns mit einem Leihwagen in den Osten des Landes aufgemacht. Wir hatten unsere Route bzw. Unterkünfte schon im Voraus geplant. Warum? So wussten wir eben, was uns das ganze Unterfangen kosten würde, da wir zu den Hauptreisezeiten unterwegs waren. Und weil wir einfach so ticken – und wissen wollen, wo es als Nächstes hingeht.

Die Schwerpunkte unserer Reise waren immer Großstädte, so auch in Kanada – also Toronto, Ottawa, Quebec, Montreal und Vancouver. Als wir in Quebec ankamen, dachten wir, wir sind in Frankreich. Der europäische Einfluss und die französische Sprache waren nicht zu übersehen. Für uns Heilbronner Landeier war es am Anfang etwas ungewohnt, so viele verschiedene Nationalitäten zu sehen und Sprachen zu hören.

Mit dem Bus ging es von Vancouver nach Seattle und an der Grenze mussten wir leider mal wieder die Erfahrung machen, dass man als Deutscher nicht überall gerne gesehen ist. So war es auch hier. Aber wir haben es über die Grenze geschafft und Seattle wartete auf uns. Was uns im Laufe unserer Reise auch zu schaffen gemacht hat, waren die vielen Obdachlosen in der Innenstadt. Denn auch die sind wir in Heilbronn nicht gewohnt.

Mit dem Leihwagen sind wir die berühmte Küstenroute nach Kalifornien gefahren. Es hat echt Spaß gemacht. Besonders gut gefallen hat uns Santa Barbara. Das Leben ist sehr entspannt und ruhig dort. Wir wussten gar nicht, dass hier einige amerikanische Prominente wohnen und wir durften Mickey Rourke in natura erleben. Wir haben einen Zwischenstopp in Santa Monica gemacht und es sieht genauso aus, wie im Fernsehen. Es war der längste und schönste Strand, den wir je gesehen hatten.

Las Vegas fanden wir ganz furchtbar, den Grand Canyon allerdings unbeschreiblich schön. An San Diego hatten wir keine Erwartungen, sollte eigentlich nur als Abflughafen nach Hawaii dienen. Aber wir hatten einen tollen Gastgeber, der uns auf eine Fahrt in seinem Cabriolet eingeladen hat. Er zeigte uns zum Beispiel berühmte Stellen aus dem Film »Topgun«.

Hawaii ist genauso, wie man es sich vorstellt. Schöne Strände, Sonne, Surfer und Entspannung pur. Wir hatten uns für die drei Inseln Kaui, Maui und Oahu entschieden. Alle drei waren toll und sehr unterschiedlich. Schweren Herzens haben wir Honolulu verlassen, um nach Neuseeland zu fliegen.

Dort erwartete mich meine Gastfamilie, bei der ich als Austauschschülerin 1991 war. Es war das erste Mal nach all den Jahren, dass ich wieder zurück nach Gisborne kam. Ich war sehr gespannt. Und es war, als ob ich gar nicht weg gewesen wäre. Mittlerweile wohnen die Gasteltern auf einem riesigen Grundstück mit Blick aufs Meer. Unbeschreiblich schön war es dort. Es war eine frühere Schafsfarm und in den vergangenen zwanzig Jahren wurden dort heimische Bäume und Pflanzen angebaut, sodass es an einen kleinen Urwald erinnerte.

Dort durften wir drei Monate in einem kleinen Häuschen wohnen. Das Meeresrauschen am Abend beim Einschlafen und der Sonnenaufgang am Morgen waren etwas ganz Besonderes. In Neuseeland haben wir ein Auto gekauft, denn ohne dieses kommt man nicht vom Fleck. Es hat uns sicher über die Insel gebracht und wir haben die grüne, hügelige Natur wie aus den Hobbitfilmen genossen. Es ist ein ganz anderes – besonderes – Land. Mit einem eigenen Charme und netten Menschen. In manchen Dingen entzückend, altmodisch und vielleicht auch etwas hinterher. Nach dem ruhigen Neuseeland flogen wir ins heiße, wuselige Australien. Unsere erste Station war Brisbane. Rückblickend fanden wir es dort am Schönsten. Eine saubere Großstadt mit viel Kultur. Natürlich war Sydney mit der imposanten Oper, der Harbour Bridge und auch dem großen botanischen Garten direkt an den Hochhäusern besonders sehenswert. Ebenso Melbourne und Adelaide. Als wir dort waren, fanden zeitgleich die Australien Open statt und wir durften ein bisschen Tennisluft schnuppern. Ich würde sagen, ein bisschen größer und anders als die »Heilbronner Open«.

Einen Zwischenstopp in der saubersten Stadt der Welt, Singapur, machten wir auch noch und nach Dubai fliegen wir nach Istanbul, wo wir einen Teil unserer Familie wieder treffen und damit einen schönen Abschluss unserer Reise haben werden.

Rückblickend war es das Beste, was wir je machen konnten. So eine Auszeit, egal wie lange, tut gut. Außerdem hat uns das Reisen gezeigt, wie schön es woanders sein kann. Und, wie gut es uns bei dir geht, liebe Heimat. Wir haben neben unserer Arbeit in Deutschland viel Freizeit und wir haben gelernt, dass genau das nicht unbedingt selbstverständlich ist. Wir werden den blauen Himmel, die unkomplizierten Menschen und das Meer mit seinen wunderschönen Stränden vermissen. Wir freuen uns auf dich, liebes Heilbronn.

Und auf unsere Familie, Freunde, denn die sind ja nicht mit tollen Eindrücken ersetzbar.

Liebe Grüße,

Urte und Holger

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