Brief an die Heimat Juni-Juli 2014

Von Stephanie Winkelhaus

Liebe Heimat,

ich sitze hier. Umgeben von weißem Strand und blauem Himmel. Man hört nichts außer Meeresrauschen. In meiner rechten Hand: Ein Nachmittags-Gin. Und zu meiner Linken meine sehr gute Freundin Meike (Exil-Heilbronnerin), ebenfalls ganz entspannt auf ihrem Liegestuhl. Ja liebe Heimat, wir lassen es uns hier richtig gut gehen, hier in Key Biscayne, Florida. Ganze fünf Wochen haben wir uns hier niedergelassen. Ein Traum! Ja genau, ein Traum, denn so ganz entspricht das nicht der Realität.

Sagen wir es mal so, noch bis vor einem Jahr hätte der Urlaub genauso ausgesehen. Doch heute klebt angeschnulltes Toastbrot an meiner Rechten und am Fußende meines Liegestuhls versucht eine kleine Dame in meine Zehe zu beißen. Ich höre, wie ein kleiner Mann bestimmend seine Mahlzeit von Meike einfordert. Ja richtig gelesen, wir sind zu viert.

Der erste Mutter-Kind-Urlaub. Meine Freundin Meike und ihr Sohn Oskar haben Törchen und mich die ersten zwei Wochen begleitet. Das Reisen mit Baby nimmt andere Formen an. Alles erlebt man bewusst: Das Kind setzt sich auf deinen Platz, für einen anspruchslosen Film braucht Mutti doch acht Stunden, und wenn ich gerade eingeschlafen bin, dreht der kleine Zwerg so richtig auf. Nicht zu vergessen die mahnenden Blicke der Leute. Etwa nach dem Motto: »Fang‘ jetzt bloß nicht an zu schreien.« Da freut man sich umso mehr, wenn es dann doch lauter wird. Getreu dem Motto: »Nimm das, du Stinker. Jetzt erst recht.« Wir beide, zwei frischgebackene Muttis, haben die ersten kleineren Herausforderungen unserer Reise ganz gut gemeistert und sind bei all dem Trubel, auch ein bisschen stolz darauf.

Key Biscayne ist eine kleine Insel vor Miami. Hier kann man noch alles zu Fuß erreichen und wieder erwartend spricht man hier sogar Spanisch. Idyllisch ist es. Man fährt mit dem Golfwägelchen, sportelt sich in den Wahnsinn und geht anschließend zur kleinen Bretterbude hinüber, um einen Kaffee zu trinken und ein paar Empanadas zu essen. Key Biscayne ist eine herrlich kleine Insel. Nur 15 Fahrminuten von Downtown Miami entfernt. Mit netten Boutiquen und Restaurants, in denen man unter anderem mexikanisch, japanisch oder argentinisch essen kann. Alles ist dabei.

Und auf der Insel gibt es wunderschöne Häuser. Die meisten von ihnen im spanischen Stil, viel grün und daran angrenzend schöne Strände und das weite Meer. Ja, es lässt sich hier gut aushalten. Ein vielseitiges Freizeitangebot gibt es auch: Sehenswürdigkeiten, zahlreiche Stores zum Shoppengehen und ein echt vielfältiges Nachtleben.

Heute schieben wir die Kinderwägen durchs Artdeco-Viertel, wo es nur so von bunten Vögeln wimmelt. Bunt sind bei uns hauptsächlich die Shirts unserer Kids, beschmiert mit Sweetpotato-Mangobrei, einem ganz leckeren süßem Kartoffel-Mango-Brei. Aber das bringt uns jetzt auch nicht mehr aus der Ruhe. Seit unserem Tagesausflug in Sawgrass Mills, dem größten Shopping-Center in Florida, sind wir wahre Experten in Sachen Shopping mit Kindern.

Der Vorteil hier in Amerika, es gibt immer Verkäuferinnen, die einem ständig ihre Hilfe anbieten. Das Angebot haben wir gerne angenommen. Und schwups, hat die nette Dame den Zwerg auf dem Arm, am Hals oder irgendwo am Hosenbein hängen.

Zurück auf der Insel haben wir uns ab und zu gefragt, warum uns, zwei Blondinen mit Kinderwagen, eigentlich jeder hinterherschaut. Ganz gleich, ob auf dem Spielplatz, im Park oder mittags im Kaffee. Wir werden für schwedische Au-Pairs gehalten. Denn hier gehen Frauen drei Monate nach der Geburt schon wieder arbeiten. Manche haben das Glück und haben eine »Jolita«, eine Nanny. Macht nichts. Wir fühlen uns trotzdem wohl.

Nachdem Meike und Oskar die Heimreise angetreten haben, sind Törchen und ich spontan noch nach San Antonio in Texas, geflogen. Wir haben dort meine Schulfreundin Ada, besucht. Seit über 15 Jahren lebt sie hier mit ihrem Mann Kurt. Mittlerweile ist auch Ada Mutter einer kleinen Tochter. Sie heißt Megan und ist gerade mal vier Jahre alt. Im Oktober erwartet sie ihr zweites Kind.

Gerade sitzen wir in ihrem wunderschönen Haus in einem Steinbruch in San Antonio und schauen unseren Kids zu, wie sie sich im riesen Spielzimmer von Megan austoben. Auch das ist typisch amerikanisch, es gibt sehr viel Platz. San Antonio ist ganz anders als Miami oder gar Key Biscayne. Mit rund 1,3 Millionen Einwohnern ist San Antonio die siebtgrößte Stadt in Amerika, nach Houston die zweitgrößte Stadt in Texas. Trotz allem fühlt man sich nicht wie in einer Großstadt. Es geht weniger hektisch zu und die Stadt bietet viele Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten, besonders für Kinder.

Es gibt den Riverwalk. Das ist eine durch das Stadtzentrum führende Flusspromenade entlang des San Antonio Rivers. Darum herum wunderschöne subtropische Vegetation, Cafés und Boutiquen. Herrlich. Langweilig wird es hier auf keinen Fall. Doch ein Manko hat es. Die Hitze. Da ziehe ich echt den Hut vor meiner schwangeren Freundin Ada. Aber wer Ada kennt (und an dieser Stelle möchte ich dich noch mal ganz herzlich grüßen) weiß, sie ist keine die schnell meckert, sondern Sachen durchzieht.

Nun gut liebe Heimat, genug erzählt und geschwärmt. Egal wie lange ich weg war, ob während des Studiums, wegen des Jobs oder einfach nur zum Urlaub. Heim‘ zu dir, komm‘ ich immer wieder gerne. Ich freu‘ mich auf dich.

Deine Stephie

STECKBRIEF

Name:

STEPHANIE WINKELHAUS

Alter:

35 JAHRE

Reiseziel:

MIAMI

Aufenthalt:

APRIL 2014

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