Brief an die Heimat Mai 2014

Von Dulce Ramirez

Liebe Heimat,

ich bin in Mexiko, in meinem Heimatland. Seit vier Jahren war ich nicht mehr hier und habe mein »Mexiko lindo« echt vermisst. Ich wollte am Anfang des Jahres einfach viel Energie und Sonne tanken. Da gibt es doch nichts Besseres, als die Pyramiden in Teotihuacán zu besuchen, dachte ich mir. Die Pyramiden der Azteken sind sehr bedeutende Orte in meinem Heimatland. Genauso berühmt und wichtig, wie eben die Pyramiden der Pharaonen in Ägypten. Die Pyramiden in Teotihuacán sind weltweit bekannt. Aber bestimmt hat sie noch nicht jeder gesehen, und kennt daher auch noch nicht ihre Geschichte. Deswegen erzähle ich dir ein bisschen davon: Teotihuacán ist eine ehemalige Stadt im mexikanischen Bundesstaat México. Die Ruinenstätte der Pyramiden liegt in der Nähe von Teotihuacán de Arista. Sie hat einige bemerkenswerte Stufentempel. 23 000 Einwohner leben im Municipio, also der Gemeinde von Teotihuacán. Die Kleinstadt selber befindet sich etwa 45 Kilometer nordöstlich von Mexikos Hauptstadt, nämlich von Mexiko-Stadt. Im 15. Jahrhundert etwa wanderten die Azteken in das Hochland von Mexiko Teotihuacán ein. Sie fanden eine seit mehreren Jahrhunderten verlassene Ruinenstadt vor. Für die Azteken war das ein ganz besonders mythischer Ort. Denn ihrer Meinung nach, ist das der Platz, an dem die Welt erschaffen und ihre Götter geboren wurden. Sie benannten die Stadt Teotihuacán, die bis heute diesen Namen trägt. Es gibt verschiedene Pyramiden in Teotihuacán und jede von ihnen heißt anders. So gibt es die Sonnenpyramide, die Mondpyramide, dann Ciudadela sowie der Tempel des Gottes Quetzalcoatl. Alle Denkmäler befinden sich entlang der »Straße der Toten«. Ich konnte nur auf die Sonnen- und Mondpyramiden klettern, weil ich dort erst spät angekommen bin und mir nicht mehr viel Zeit zum Besichtigen blieb. Aber es war trotzdem sehr schön und ich habe den Ort wirklich sehr genossen. Die Sonnenpyramide liegt im Zentrum von Teotihuacán. Mit einer Grundfläche von 222 mal 225 Metern, einer Höhe von gut 65 Metern und einem Volumen von rund einer Million Kubikmetern, ist sie die drittgrößte Pyramide der Welt.

Sie wurde um 100 nach Christus in einem Arbeitsgang errichtet und war damit, das erste große Gebäude, das in Teotihuacán gebaut wurde. Die am nördlichen Ende der Straße der Toten gelegene Mondpyramide, entstand rund ein Jahrhundert nach der Sonnenpyramide. Sie ist wesentlich kleiner, als die Sonnenpyramide und wurde in mehreren Etappen errichtet. Die früheste Mondpyramide wurde um 100 nach Christus gebaut, bis 350 folgten insgesamt sieben Bauphasen. Die Ciudadela war vermutlich eine höfische Anlage oder ein Palast, vergleichbar mit der »Verbotenen Stadt« in Peking. Das Zentrum der Anlage bildet ein Gebäudekomplex, bestehend aus Wohnanlagen sowie dem in der Mitte gelegenen Tempel des Gottes Quetzalcoatl. Die Ciudadela ist nur über einen kleinen Eingang zu erreichen. Der Platz im Inneren der Anlage ist immens groß. Bis zu 100.000 Menschen hatten dort Platz, weshalb vermutet wird, dass dieser auch für kultische Zwecke benutzt wurde.

Die Bewohner von Teotihuacán hatten eine polytheistische Religion, die eine zentrale Rolle in ihrem Leben spielte. Denn für die Menschen gab es mehrere Götter, die eine oder mehrere Aufgaben hatten. Die wichtigsten Götter waren unter anderem Quetzalcoatl – die »Gefliederte Schlange«, Tlaloc – der »Gott des Regens und des Ackerbaus« sowie Huehueteotl – der »Alte Gott«. Jeder Gott konnte auf unterschiedliche Weise in Erscheinung treten. Tlaloc zum Beispiel konnte eine Schlange, ein Vogel oder auch ein Jaguar sein. Um sie zu verehren wurden verschiedene Rituale durchgeführt, wie Wandmalereien oder Opfergaben. Bei der Frage, ob auch Menschen geopfert wurden, ist die Antwort eindeutig. Während der Ausgrabungen zwischen 1998 und 2004 wurden an der Mondpyramide mehrere Gräber mit Toten gefunden. Die menschlichen Überreste zeigten sichtbare Spuren von Gewaltanwendungen, aber auch Überreste von lebendig begrabenen Menschen. Es wird vermutet, dass dort ein Totenkult existierte, weil in deren Kunst oft Motive des Todes erkannt wurden. Ein ganz typisches Kennzeichen der teotihuacánischen Kunst, ist die Symmetrie. Sie ist an den Gebäuden ebenso gut zu erkennen, wie an dessen Anordnung und der gesamten Stadtplanung. Die Kleinstadt Teotihuacán war nach zwei Achsen in Ost-West- und Nord-Süd-Richtung angeordnet und das gesamte Grundraster in eine bestimmte Richtung ausgelegt. Ob dabei religiöse Motive eine Rolle spielten, wie etwa bei den Maya, ist ungewiss. Die Gebäude in Teotihuacán wurden aus Stein und Lehmziegel gebaut. Du siehst also, Teotihuacán ist ein spannender Ort, und die Pyramiden einfach empfehlenswert. Ich liebe jeden Tempel dort. Dieser Ort ist unbeschreiblich beeindruckend. Man kann da etwas von meiner Kultur kennenlernen, und die Sonne auf eine ganz besondere Art genießen. Liebes Heilbronn, ich freue mich sehr auf dich und meine weitere Zeit in Deutschland.

Hasta pronto

Dulce Ramírez Briones

STECKBRIEF

Name: DULCE RAMÍREZ BRIONES

Alter: 32 JAHRE

Reiseziel: MEXICO

Aufenthalt: Dez. 2013 – März. 2014

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