Brief an die Heimat Oktober 2011

Ein Brief aus Perth/Australien

Liebe Heimat,

drei Jahre ist es nun schon her, dass ich Dich verließ, um meinem Partner Sebastian nach Perth in Australien zu folgen. Er brauchte damals nur einen Tag, um Arbeit als Geologe zu finden, wovon er in Deutschland natürlich nur träumen konnte. Regelmäßig bringt ihn die Arbeit, fernab jeglicher Zivilisation, in das australische Outback.

Es gehört zu den einsamsten Gebieten der Erde, wo die Bedingungen rau, das Klima extrem und die Entfernungen beängstigend weit sind. Manchmal verbringt er dort, zusammen mit seinem Team, mehrere Tage oder gar Wochen, um nach Rohstoffen wie Gold oder Kupfer zu explorieren. Untergebracht sind sie während dieser Zeit meist in Camps und der einzige Kontakt zur Außenwelt ist nur über ein Satelitentelefon möglich. Unser Zuhause ist Fremantle, Perths kleine entzückende Hafenstadt. Hier fühlen wir uns so wohl! Wir genießen das Flair, das gute Wetter, die unglaublich beeindruckende Natur, die Weite und den Luxus ein paar ausgesprochen schöne Strände in unmittelbarer Nähe zu haben. Perth ist allerdings eine der isoliertesten Städte der Welt.

Im Westen der Indische Ozean und im Osten die Wüste. Schnell mal von A nach B zu kommen ist hier leider nicht möglich, da muss man sich schon in einen Flieger setzen. Am faszinierendsten finde ich Australiens Tierwelt. Obwohl ich gut und gern auf manches Insekt verzichten könnte, werde ich mich niemals sattsehen können an den knallbunten Papageien, die jeden Sommer die Sonnenblumen in unserem Garten belagern. Auf dem Weg in das Graphic Büro, in dem ich seit ungefähr zwei Jahren arbeite, sehe ich vom Zug aus oft Delphine. Kann man sich etwas Schöneres vorstellen als solch einen Arbeitsweg? Wie überall in der Welt, gibt es auch hier soziale Missstände. Besonders betroffen sind die australischen Ureinwohner, die Aborigines. Viele Verbrechen wurden an ihnen begangen, ein Großteil ihrer Kultur ging verloren und mit ihr die Identität und der Lebenswille der Ur-Australier. Ein großer Nachteil für Sebastian und mich ist die Entfernung zu Dir, alte Heimat. Kurz mal ins Flugzeug steigen, um dich zu besuchen – das geht leider nicht. Wärst Du uns näher, liebe Heimat – wir würden uns häufiger sehen.

Doch eines sei gesagt: Du wirst immer unsere Heimat bleiben und wer weiß? Vielleicht kehren wir auch eines Tages wieder zu Dir zurück.

Liebe Grüße

Deine Eva und Dein Sebastian

Facebook Posts

This message is only visible to admins.

Problem displaying Facebook posts.
Click to show error

Error: Server configuration issue