Brief an die Heimat September 2011

EIN BRIEF AUS JOHANNESBURG / SÜDAFRIKA

Brief an die Heimat

Liebe Heimat,

es ist schon seltsam, so lange sind wir schon getrennt und nie habe ich Dir geschrieben. Über die Jahre habe ich viele Kilometer zwischen uns gebracht aber sei versichert: je länger und weiter ich weg bin, desto öfter denke ich an Dich.

Gerade sitze ich in einem kleinen Flugzeug auf dem Weg von Johannesburg in die Kalahariwüste. Ich fliege in ein Dorf unweit der Grenze von Namibia und Botswana mit dem Namen Hotazel (ausgesprochen »hot as hell« der Name ist Programm).

Der Motor rattert und die kleine Maschine hat Schwierigkeiten an Höhe zu gewinnen aber ich habe mich schon daran gewöhnt und irgendwie kommen wir immer an. Seit einem Jahr ist das ein beinahe wöchentlicher Ausflug für mich und ich genieße die Zeit im Mitten von nichts, die mein Job mir regelmäßig beschert. Leute aus Heilbronn haben früher immer zu mir gesagt meine Heimat Billensbach in den Löwensteiner Bergen ist Niemandsland. Meine Definition hat sich über die Jahre verändert. Sicherlich ist mein kleines Billensbach nicht der Nabel der Welt, aber Niemandsland sieht anders aus. Lone Hill Village in Johannesburg, wo ich mit meiner Frau lebe hat da schon mehr Ähnlichkeiten mit Dir meiner Heimat.

Auch hier wohnen wir praktisch in einem Dorf. Nur das dieses von einer Mauer mit Elektrozaun umringt ist – so wie alle Dörfer in der Nachbarschaft. Auch hier ist das Auto ein wichtiges Lebenselement, öffentlicher Verkehr Fehlanzeige. Um genau zu sein: durch Billensbach fahren mehr Busse als durch Lone Hill Village. Ansonsten hat Johannesburg mit seinen über acht Millionen Bewohnern sehr wenig heimatliches und wenn man die sicheren Dorfmauern verlässt, befindet man sich im ständigen Spannungsfeld von Überfluss und bloßem Überlebenskampf. Endlos scheint diese Stadt und endlos scheint auch Armut und Reichtum. Am besten ist Südafrika außerhalb der Stadt und die Vielfalt der Natur entschädigt für das vorgetäuschte Landleben in Johannesburg.

Daher musst Du mir verzeihen, dass ich in nächster Zeit meine Urlaube in der Ferne verbringe um Afrika etwas zu erkunden. Südafrika kann sehr kalt werden und im Moment hat es in Johannesburg morgens teilweise Frost – das nervt. Mein Projekt hier wird mich noch eine Weile beschäftigen und ich fürchte, wir sehen uns erst nächstes Jahr wieder. Der rot schimmernde Sandboden der Kalahari nähert sich und meine Reise ist für heute beinahe zu Ende. Ein langer Tag auf der Baustelle voller Besprechungen liegt vor mir, gefolgt von einem sehr ruhigen Abend in Hotazel. Was da geht? Ha, nix! Ich verspreche ich melde mich öfter und das wird nicht der letzte Brief sein. Gehab Dich wohl!

Dein Michael

S T E C K B R I E F

A l t e r: 33

B e r u f: B a u i n g e n i e u r

H e r k u n f t: B i l l e n s b a c h

Wo h n o r t: J o h a n n e s b u rg

I n J o h a n n e s b u rg s e i t: A u g u s t / 2 0 1 0

M i t b ewo h n e r: E h e f ra u  E l i z a

H e i m a t b e s u c h e p. A .: 0, 5

L i e b l i n g s o r t  i n S ü d a f r i k a: K r ü g e r  N a t i o n a l p a r k

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