Plattenkiste HANIX No.35

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Christian Häringer: Der Römersee-Booker mag es roh und ungeschminkt

Der 30-jährige Heilbronner arbeitet hauptberuflich als Sozialpädagoge im Böckinger Bürgerhaus und ist darüber hinaus seit neun Jahren für das feine Booking des Römersee-Festivals verantwortlich. Nun veranstaltet er zusammen mit seinem Kumpel Jens Hüller am 13. Februar ein Konzert mit den »Los Banditos« im Complex23 in Heilbronn. Im März folgt ein größeres Dub-Konzert im Mobilat Club, das von der Römersee-Crew organisiert wird. Grund genug für uns, einen Blick in die Plattenkiste des Musikfachmanns zu werfen.

Christian Häringer

Die Ärzte, Die Bestie in Menschengestalt, 1993

Diese Platte war meine erste prägende Platte. Die Ärzte sind für meine musikalische Sozialisation verantwortlich. Der »Schrei nach Liebe« war damals der Song, weshalb ich mir das Album als kleiner Steppke zugelegt habe. Für mich ist diese Platte so prägend gewesen, weil sie mir zu anderen Szenen, wie beispielsweise Punk oder Ska, die Türe geöffnet hat. Die Ärzte haben ihr eigenes Ding gemacht und auch politische Aussagen getroffen, die ich unterschreiben konnte. Es ist also durchaus Musik mit Bildungsauftrag.

Inzwischen höre ich Die Ärzte nicht mehr so oft, aber wenn ich die Musik heute höre, dann immer noch sehr gerne.

Markscheider Kunst, Krasiwo slewa, 2001

»Markscheider Kunst« ist eine russische Weltmusik-Band mit deutschem Namen. Der ungewöhnliche Name stammt aus der deutschen Bergmannssprache: »Markscheider« bezeichnet einen Vermessungsingenieur im Bergbau. Nahezu alle Bandmitglieder sind ehemalige Bergbaustudenten. Deren Sound habe ich über den »Russendisko«-Sampler zum Buch von Vladimir Kaminer kennengelernt und die Jungs auch live spielen sehen. Dieses Album definiert Weltmusik, wie ich sie gerne höre, perfekt. Hier wird russische Musik mit afrikanischen und lateinamerikanischen Rhythmen verbunden. Zu hören ist dann eine Symbiose des klassischen russischen Arbeiterliedes mit beispielsweise Salsarhythmen. Die Songs sind auf Russisch, ich verstehe also kein Wort. Aber ich denke, dass es letztendlich um eine gute Sache geht. Ich habe die Jungs ja live gesehen und die Stimmung auf den Konzerten aber auch der Look der Band, und das was musikalisch auf dem Album rüberkommt, geben mir dieses gute, weltoffene Gefühl.

Pink Floyd, Meddle, 1971

Einen Klassiker habe ich auch dabei. Mein Vater hat versucht, mir in ganz jungen Jahren Pink Floyds Musik näherzubringen. Als Kind konnte ich damit aber herzlich wenig anfangen. Mir fehlte einfach der Zugang, die Musik war mir auch zu abstrakt und zu weit weg von meiner musikalischen Welt. In meiner Jugend habe ich dann Gefallen an Pink Floyd gefunden. Gerade die Sachen aus deren Anfangszeit haben es mir angetan. »Meddle« habe ich ausgesucht, weil auf der Platte für mich die größte Hitdichte vorhanden ist. »One of These Days«, der erste Song auf der Platte beispielsweise, der hart und treibend ist. Oder »Echoes«, ein Stück, das über 23 Minuten geht und in sämtliche Sphären abgleitet. Schlussendlich kann ich sagen, dass die Bemühungen meines Vaters doch gefruchtet haben. Das hat er gut gemacht.

The Growlers, Hung at Heart, 2013

The Growlers sind eine aktuelle kalifornische Band. Sie spielen Retrosound mit poppigen, eingängigen Melodien, was mir ziemlich gut gefällt. Vielen geht inzwischen auf alt gemachter Sound auf den Zeiger. Bei mir ist das anders, ich stehe einfach drauf. Auf dem Album hört man die Verbindung von Suf- und Beatmusik. Ich würde die Stücke auch als recht einfach bezeichnen und die Bandmitglieder als sehr authentisch. Auch The Growlers habe ich live gesehen. Man hat den Eindruck, dass Frontmann Brooks Nielsen fast gelangweilt ist beim Singen. Aber das kommt total lässig rüber. Der Sound vermittelt eine gewisse Melancholie, gleichzeitig aber auch große Lust aufs Reisen und dazu am Meer zu sitzen. Man sehnt sich beim Zuhören nach Sommer.

Kadavar, Kadavar, 2012

Eine Berliner Rock-Band, die auch schon auf dem Römersee Festival aufgetreten ist. Sie wird den Stilrichtungen Proto-, Stoner,- und Psychedelic-Rock zugerechnet. Ich hatte lange Zeit überhaupt keinen Rock mehr gehört. Nach dem Kadavar-Auftritt 2012 bei uns auf dem Römersee Festival hatte ich aber wieder Blut geleckt. Die Jungs haben mit altem Equipment aufgenommen und deshalb hört es sich an, als wäre der Sound aus den 60ern oder 70ern. Ich fand die Musik richtig spannend und authentisch. Das Album, das ich mir rausgesucht habe, klingt sehr verspielt und improvisiert. Für mich war deren Entdeckung ein totaler Glücksgriff. Aktuell höre ich tatsächlich sehr viel Rock – dank Kadavar.

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