Interview LoopTroop Rockers HANIX No.35

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»Wir sollten besser wichtige Dinge zu sagen haben.«

Seit mittlerweile fast 25 Jahren sorgen vier Schweden für Furore im internationalen Rap-Business: In dieser Zeit haben die Looptroop Rockers sieben Alben und unzählige EPs und Mixtapes veröffentlicht. Partytaugliche Beats aber vor allem scharfsinnige Gesellschaftskritik in ihren englischen Texten sind die Markenzeichen der vier Ausnahmetalente des conscious rap. Anlässlich der Veröffentlichung ihres neuesten Meisterwerks »Naked Swedes« im letzten Jahr sind die Jungs nun auch in Deutschland auf Tour. Wir ließen es uns nicht nehmen, mit Cosmic, Embee und Promoe über Inspiration, Erfolg, Flüchtlingspolitik, Pegida und Nacktheit zu sprechen.

LoopTroop Rockers aus Schweden

HANIX – Euer aktuelles Album hat den Titel »Naked Swedes«. Der Name geht auf euer altes »Ritual« zurück, euch nach Auftritten backstage auszuziehen. Macht ihr euch immer noch öfter an komischen Orten zur falschen Zeit nackig?

COSMIC — Haha, yeah schon. Gerade auf Tour scheint es so zu sein, dass jegliches Normalverhalten flöten geht.

HANIX – Im Februar tourt ihr durch die deutschsprachigen Teile Europas; am 15. spielt ihr in Mannheim in der Alten Feuerwache. Ihr macht seit 1991 Musik: Habt ihr eigentlich noch Lampenfieber, bevor ihr auf die Bühne geht?

COSMIC — Ja, tatsächlich. Nun, vielleicht nicht wirklich nervös im Sinne von Angst, aber wir sind jedes Mal von Neuem aufgeregt und freuen uns, auf die Bühne zu kommen und mit unseren Fans Party zu machen. Wir sind auch ständig dabei, unsere Show zu verbessern und halten immer nach neuen Wegen Ausschau, um unser Material zu präsentieren, sodass uns nicht langweilig wird.

HANIX – Obwohl ihr keine Amerikaner seid, seid ihr einer der wenigen Hip Hop-Acts, die weltweit bekannt geworden sind und Anerkennung finden. Könnt ihr euch erklären, warum dies der Fall ist? Hat es was mit der Qualität eurer Musik und Texte zu tun?

COSMIC — Ja, unsere Themen waren schon immer universell und international. Selbst wenn wir von unserer Heimatstadt oder persönlichen Problemen sprechen, glaube ich, dass sich Leute von überall auf der Welt mit uns identifizieren können und sich wiedererkennen. Dass wir auf Englisch rappen, spielt natürlich auch eine große Rolle, was bei den meisten europäischen Rappern nicht der Fall ist.

HANIX – Habt ihr zu Beginn eurer Karrieren mit dem Erfolg gerechnet, den ihr jetzt habt? War der Plan – wenn man es denn so nennen kann – von Anfang an, weltberühmte Stars zu werden?

COSMIC — Unsere erste Kassette hatte ja sogar den Titel »Superstars«. Der Refrain lautete: »Superstars, we’re Superstars – in a year or two you’ll see that we are.« Aber im Ernst: Wir hatten nie einen Karriereplan. Wir haben einfach Musik gemacht, Spaß dabei gehabt und dann führte eine Sache zur anderen.

HANIX – Was hat sich über die Jahre bei euch verändert? Hat sich die Musik weiterentwickelt? Was macht »Naked Swedes« besonders und was unterscheidet es von euren vorherigen Alben?

COSMIC — Es hat sich eine Menge verändert; auf der musikalischen als auch der privaten Ebene. Meine persönliche Meinung zu »Naked Swedes« ist allerdings, dass es ein klassisches Looptroop Rockers-Album ist, das eine neue Herangehensweise bei den Beats und Texten bietet. Viele Sachen, über die wir vor fünfzehn Jahren geredet haben, sind jetzt immer noch relevant. Also müssen wir immer wieder neue Wege finden, uns auszudrücken.

HANIX – Glaubt ihr, dass eure politischen Texte die Leute inspirieren? Wollt ihr die Welt mit euren Texten verbessern oder zumindest ändern?

EMBEE — Wir hoffen wirklich, dass unsere Reime, Lifestyles, unsere gesamte Einstellung dabei helfen, die Leute um uns herum zu inspirieren. Da wir die Möglichkeit haben, durch unsere Musik gehört zu werden, sollten wir also besser auch wichtige Dinge zu sagen haben. Gleichzeitig wollen wir aber auch Einblicke in unsere Leben gewinnen und – ganz traditionell – einfach nur angeben. Das alles immer mit einer Prise Humor.

HANIX – Wer oder was waren eure größten Einflüsse, als ihr mit der Musik angefangen habt?

EMBEE — Wir wurden alle von unterschiedlichen Dingen beeinflusst, musikalisch aber hat uns Hip Hop aus den frühen 90ern verbunden. Dazu war Supreme Mitglied einer Punkband, Promoe und Cosmic hörten eine Menge Reggae und Dancehall während ich von Jazz und Soul beeinflusst wurde.

HANIX – Und wie sieht es bei der Inspiration aus? Kommen die Texte von alleine oder gibt es bestimmte Aktivitäten, die ihr macht, oder Orte, die ihr aufsucht, um euch zu inspirieren?

EMBEE— Wenn wir unsere Musik schreiben, sind wir für gewöhnlich in unserem Studio in Göteborg zu finden, wo wir für mehrere Tage am Stück zusammenwohnen. Schreiben, Aufnehmen, Abendessen, Aufnehmen, Joggen, Schreiben, Lachen, Schlafen, Aufnehmen usw. Wir inspirieren uns einfach gegenseitig beim Austausch und sofortigem Aufnehmen unserer Ideen. Das gemeinsame Reisen sowie all die großartigen Leute, die wir auf den Tourneen treffen, gehören natürlich auch dazu.

HANIX – Wann und wie habt ihr euch dazu entschieden, die Musik professionell zu verfolgen und den nächsten Schritt zu wagen? War die Entscheidung schwer und gab es Probleme mit euren Familien oder Freunden? Sicherlich würden die meisten Eltern ihren Kindern eine »ordentliche« Karriere ans Herz legen…

EMBEE— Die Entscheidung, von der Musik zu leben, habe ich 1998 getroffen. Meine Eltern und Freunde haben mich dabei immer unterstützt. Ich glaube, das trifft auf alle in unserer Band zu. Neben dem eigentlichen Musikmachen umfasst unsere Arbeit noch unzählige andere Dinge, weshalb man sagen kann, dass das für sich schon eine eigene Ausbildung war. Die DVSG-Universität [DVSG: David vs. Goliath, das eigene Label der Looptroop Rockers, Anm. der Redaktion].

HANIX – Was ist das Beste am Leben eines Rapstars?

EMBEE— Dass ich Musik mit meinen Freunden machen kann und Gleichgesinnte aus der ganzen Welt treffen darf.

HANIX – Warum habt ihr euer Album »Mitt hjärta är en bomb« auf Schwedisch produziert? Gibt es Unterschiede beim Rappen auf Schwedisch im Vergleich zu Englisch?

PROMOE — Ich hatte schon 2009 ein Soloalbum auf Schwedisch veröffentlicht, woraufhin wir eins mit der ganzen Gruppe machen wollten. Das Schreiben ist ganz anders als auf Englisch. Es ist direkter und somit einfacher, persönlicher zu sein. Wenn wir auf Englisch schreiben, müssen wir viel mehr über unsere Sätze nachdenken, auf Schwedisch kommt der Flow von alleine.

HANIX – Euer drittes Album von 2005 heißt »Fort Europa«. Der Name kritisiert die Einwanderungspolitik der europäischen Länder. Momentan hört man ständig von Flüchtlingen, die aus ihrer Heimat fliehen müssen und nach Europa kommen. In den Medien und unter der Bevölkerung wird eine heiße Debatte über Flüchtlinge geführt. Was haltet ihr von der ganzen Problematik?

PROMOE — Die zwei größten Probleme in dieser Situation sind die Tatsache, dass diese Menschen überhaupt ihre Heimat aus den unterschiedlichsten Gründen verlassen müssen und dass die europäische Bevölkerung von ihren Politikern und ihrer eigenen Gier ausgetrickst wurde. Uns wurde erzählt, dass wir es uns nicht mehr leisten könnten, Menschen hier eine neue Heimat zu geben. Als ob wir entscheiden dürften, wer auf diesem Teil des Planeten leben darf und wer nicht. Er gehört allen Bewohnern. Außerdem sind doch die Europäer der größte Grund, warum so viele Menschen auf der Flucht sind. Ein Beispiel: Wenn Schweden nicht all diese Waffen exportieren müsste, gäbe es weniger Menschen, die um ihr Leben fürchten und vor dem Terror des Krieges fliehen müssten. Und wenn die USA, Schweden oder Deutschland nicht pro Jahr das vier- oder fünffache unseres Planeten verbrauchen würden, gäbe es diesen dramatischen Anstieg an Flüchtlingen überhaupt nicht.

HANIX – Passend dazu: Habt ihr von den »Pegida«-Protesten in Deutschland gehört und was haltet ihr davon?

PROMOE — Ja, das geht jetzt auch in Schweden los. Meine Meinung ist, dass es wirklich tragisch ist, dass die Leute die Lügen der Massenmedien und Politiker, die über Moslems verbreitet werden, glauben. Es ist traurig zu sehen, wie die Menschen nicht bemerken, dass sich gerade Geschichte wiederholt. Das was hier mit Moslems geschieht, erinnert doch daran, wie Juden in den 30er-Jahren verfolgt wurden. Wir müssen einen weiteren Holocaust unter allen Umständen verhindern – und das geht eben nicht, indem man die Menschen teilt und spaltet, was Pegida ja propagiert.

HANIX – Was können wir von den Looptroop Rockers in Zukunft erwarten? Gibt es Pläne für neues Zeug von euch?

Looptroop Rockers — Wir bringen eine neue, bisher unveröffentlichte 7″-Single und eine Snap-Back-Mütze mit zu unserer Februartour! Wir werden in Deutschland, Polen, der Schweiz, Österreich und in Tschechien auftreten. Checkt auf jeden Fall die Termine auf looptrooprockers.com!

HANIX – Wenn ihr einen Wunsch frei hättet, wie würde der lauten?

Looptroop Rockers — Dass unsere Familien gesund und glücklich bleiben und ein langes Leben führen.

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