Musik Felix Klieser im Hanix-Magazin No.40

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GOLD AUS BLECH

Der Hornist FELIX KLIESER ist 24 Jahre alt und kam ohne Arme auf die Welt. Er hat den Echo-Klassik 2014 erhalten, ist ausgebucht bis 2018 und arbeitet sehr gerne mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn zusammen. Auf die Frage, ob man zum Verständnis von Klassik nicht auch eine gewisse Reife brauche, sagt er: »Nein! In Asien, so in Japan, ist die junge Generation geradezu klassikverrückt, die Elterngeneration dagegen nicht!« Hier stehen die jungen Fans eine Stunde nur für ein Autogramm von ihm an – mit dem linken Fuß geschrieben. Über seine Zukunft sagt er: »Offen für alles sein, nichts erzwingen wollen, denn das geht meistens schief, das Unverhoffte ist oft das Schönere und das Bessere.«

Von Brigitte Fritz-Kador, Foto: Ulla Kühnle

Felix Klieser

Lächeln auf Kommando mag er nicht, auch nicht beim Fotografieren: Felix Klieser ist ein stiller Star. Dass er sich nicht als solcher aufführt, steht auf einem anderen Notenblatt, aber wer bei der Verleihung des Echo-Klassik als Newcomer des Jahres 2014 Standing Ovations bekommt, kann Superlativen nicht entgehen. Da stellt sich schon die Frage, nicht nur wenn es ums Musizieren geht: »Wie macht er das bloß?« Sein Instrument, das Horn, ist eines der ältesten der Menschheit. Es steht vor ihm auf einem speziellen Gestell, die Ventilklappen bedient er mit den Zehen seines linken Fußes. Schon als Vierjähriger wusste er, dass das Horn »sein« Instrument ist, bis heute aber nicht warum. Eigentlich eine verwegene Idee, denn auch dafür braucht man zwei Hände, die zweite auch für das »Stopfen«: Sie wird so in den Trichter gelegt, dass damit der Ton geformt wird – leise, laut, weich, dunkel, strahlend oder hell.

Das Horn ist ein empfindliches Instrument. Daran, wie ein Hornist aus seinem ›Naturklang‹ Töne und Klangfarben herstellt und gestaltet, wird er gemessen. Felix Klieser muss, im Gegensatz zu seinen Kollegen, allein mit seiner Atemtechnik und seinem Mund Blech in Gold verwandeln. »Jeder Komponist hat einen anderen Hornklang«, sagt er: »Mozart ist hell, Strawinsky scharf und hart.« Auf die Frage, warum es klassische Musik in seiner Altersgruppe so schwer hat, sagt er: »Wer sich nicht auf sie einlässt, weiß nicht, was er vermisst!« An den Schulen werde Klassik gar nicht oder zu akademisch vermittelt: »Man muss die jungen Menschen einfach zuhören lassen, ihnen das eine oder andere erklären, dann werden auch sie von der Faszination dieser Musik eingeholt!«

Was ihn offensichtlich nervt, ist, wenn Menschen ihre Vorstellungen vom Leben auf ihn übertragen. Er ist ohne Begleitung unterwegs, lebt selbstbestimmt und unabhängig. Gleich nach dem frühmorgendlichen Gespräch im Insel-Hotel, wo er wieder sein Lieblingszimmer hatte, wird er zum nächsten Termin ins Ruhrgebiet fahren, am liebsten schnell. Am Vorabend, nach dem Konzert mit dem WKO beim Hohenloher Musiksommer im Kloster Schöntal, sind die CDs fürs Signieren ausgegangen. Mit dem WKO tritt er bei der gerade laufenden Tournee zehnmal auf, auch in der Philharmonie in Berlin. Er mag dessen Orchesterklang und schätzt es, dass er jeden kennt, sich dabei wohlfühlt und so kann er sich auch eine weitere Zusammenarbeit vorstellen. Er ist gerne in Heilbronn. Er habe selten einen »so menschlichen« Dirigenten wie Ruben Gazarian erlebt, sagt Klieser. Das hat Gewicht, er hat schon mit vielen Großen der Zunft musiziert.

Auf Facebook geht Klieser immer wieder mit Kommentaren auf seine Fans ein. Es nicht zu tun, fände er arrogant. Der Facebook-Klieser ist der Musiker Klieser – der private ist wie ein anderer, fast so verschlossen wie eine Auster. »Über mein Privatleben rede ich nicht« hat er vorsorglich schon zum Gesprächsauftakt gesagt »und eine Homestory von mir wird es niemals geben«. Wenn Kollegen den Musiker und den Menschen nicht unterscheiden, dann gehe das manchmal nicht gut. Wer mit 24 Jahren schon so gefestigte Ansichten hat, kann nicht nur aus Erfahrung sprechen, sondern aus einer ernsthaften und für sich durchdachten Lebenseinstellung.

Aber dann gibt er doch ein wenig von sich preis – und das beim Thema Politik. Musiker müssen politische Menschen sein, sagt er, so sei er auch bei seinen Eltern aufgewachsen. Dass Klassik neben der öffentlichen Förderung immer mehr vom privaten Sponsoring abhängig ist, sieht er glasklar – auch dass Sponsoren selten Mäzene sind. Wird man da nicht manchmal instrumentalisiert – und das im Doppelsinn? »Schon auch« sagt Klieser, und erzählt von einem denkwürdigen Konzert in der Moritzburg (bei Dresden) für ausgewählte CDU-Mitglieder.

Dass er mal mit Sting gespielt hat, »das finden vor allem die Medien toll!« Er hört auch anderes als Klassik, nur Schlager mag er nicht, da setzt er mit feiner Ironie nach: »Der Mensch, der auf die Idee kam, Heino Hardrock singen zu lassen, der hatte die Idee des Jahrhunderts«. Das ist ihm dann doch zu platt. Wer Tiefe sucht, kann sie finden und hören, in der CD mit dem WKO (»Horn Concertos« Haydn/Mozart), die vom Start weg im Frühsommer auf Platz drei der Klassik-Charts landete, oder bei »Reveries« mit dem Pianisten Christof Keymer, für die er den »Echo« erhielt – oder auch in dem autobiographischen Buch mit dem schönen Titel »Fußnoten«.

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