Rüdiger Rehm Hanix No.44

Willkommen in Ostwestfalen

Philipp Köster ist Gründer und Chefredakteur von Deutschlands bestem Fußballmagazin 11 Freunde. Und Köster ist glühender Fan von Arminia Bielefeld. Dort gründete er den 11 Freunde-Vorgänger, das Arminia-Fanzine »Um halb vier war die Welt noch in Ordnung«. Für Hanix schreibt er nun exklusiv, was den neuen Arminia-Cheftrainer, den Fleiner RÜDIGER REHM, in Ostwestfalen im Allgemeinen und in Bielefeld bei Arminia im Speziellen erwartet. Von Philipp Köster
Foto: Tim Placke/DSC

Als Arminia Bielefeld vor ein paar Wochen Rüdiger Rehm als neuen Cheftrainer vorstellte, war die Erleichterung unter den Anhängern groß. Nicht unbedingt wegen Rüdiger Rehm, von dem man nur wusste, dass er in der dritten Liga passable Arbeit geleistet hatte. Sondern, weil zwischendurch doch tatsächlich das Gerücht durch die Bielefelder Gazetten gegeistert war, dass Peter Neururer ein Kandidat für die Nachfolge von Norbert Meier sei. Und das wiederum hatte den leidgeprüften Anhängern des ostwestfälischen Zweitligisten beinahe das Pils aus der Hand gehauen. Nun also Rüdiger Rehm, dessen erste Auftritte in Bielefeld ziemlich gut angekommen sind. Auch wenn in Fanforen schon mal darauf hingewiesen wurde, dass der gute Mann optisch ein täuschend echter Wiedergänger des linkischen Donny aus »Big Lebowski« ist. Aber Rehm ist freundlich und aufgeschlossen, was ja schon mal ein Anfang ist. Der Ostwestfale im Allgemeinen und der Bielefelder im Speziellen ist ja gegenüber allem Neuen und Fremden erst einmal sehr skeptisch. Ein Hobby vieler Einheimischer ist es, fragende Autofahrer von außerhalb absichtlich in die falsche Richtung zu schicken. Diesbezüglich ist Rehms Devise, den knorrigen Ostwestfalen mit Charme zu begegnen, erst einmal nicht verkehrt. Zumal sein Vorgänger Norbert Meier nicht dafür bekannt war, sprühende Lebensfreude zu verbreiten. Man tut Meier sicher nicht Unrecht, wenn man die ausgelassenen, heiteren Momente in seiner zweieinhalbjährigen Zeit bei Arminia im deutlich einstelligen Bereich verortet. Wie Meier muss auch Rehm damit klarkommen, dass alsbald völlig unrealistische Vorstellungen an ihn herangetragen werden. Aufstieg und alsbaldige Qualifikation für die Champions League sind Ziele, die jeder anständige Fünfjahresplan von Arminia-Anhängern enthält, da mag die Mannschaft auch vorwiegend aus braven Zweitligakickern bestehen. Derlei Größenwahn findet sich traditionell auch im Aufsichtsrat. Unvergessen, wie der frühere Manager Heribert Bruchhagen mal den Vereinskontrolleuren in dramatischen Worten die finanzielle Schieflage des Klubs schilderte, worauf die Truppe zunächst betroffen schwieg, sich dann aber einer der Herren zu Wort meldete und sich in Sachen Neuverpflichtungen erkundigte: »Einen Kracher holen wir doch sicher noch!« Aber an all das wird sich Rehm schnell gewöhnen, ebenso an die deutlich größere Kulisse. Bielefeld ist eine traditionelle Fußballstadt mit einem selbstbewussten Publikum, das man zu nehmen wissen muss. Es kann sich begeistern, kann aber unliebsamen Trainern auch schnell die Hölle heißmachen. Nicht wenige Übungsleiter wissen davon ein Lied zu singen. Wobei man hinzufügen muss, dass der Klub bereits jeden nur erdenklichen Trainertyp ausprobiert hat. Den aufbrausenden Ernst Middendorp, der lokalen Journalisten mittelalterliche Ehrerbietung abforderte (»Knien Sie nieder, Sie Bratwurst«). Den etwas überforderten Wolfgang Sidka, der zwischendurch mal den Zeugwart ans Kopfballpendel abkommandierte. Außerdem waren da noch die bulgarische Hammerwerferin Fritz Grösche und Michael Frontzeck, der die Mannschaft am liebsten in Schildkrötenformation im eigenen Sechzehner
verteidigen ließ. Da kam es gut an, dass Rehm gleich mal verkündet hat, offensiver spielen zu lassen. In der letzten Saison hatte Norbert Meier auch in Heimspielen vorwiegend Beton anrühren lassen und das Übertreten der Mittellinie aus religiösen Gründen verbieten lassen. Wenn in Zukunft nun hin und wieder auch mal aufs Tor geschossen würde, wäre das Publikum sicher verzückt. Zappelt der Ball dann auch noch hin und wieder im Netz, dürfte es eine schöne Zeit für Rehm bei der Arminia werden. Ansonsten sollte er beim Aufsichtsrat wegen Neuverpflichtungen vorstellig werden. Die Herren sind immer dabei, wenn es darum geht, noch einen Kracher zu holen. ◆

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