Sport im Hanix-Magazin No.41

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Das zweite Standbein

Kraftpaket auf dem Eis – Künstler in der Küche. Thomas Gödtel, Verteidiger und Mannschaftskapitän im Dienste des Eishockey-Zweitligisten Heilbronner Falken, wird von den Gegenspielern gefürchtet, wohingegen Feinschmecker seine japansiche Küchenkunst schätzen. Denn seit November betreibt er nebenberuflich einen Sushi-Liefer- und Abholservice in Heilbronn.

Thomas Gödtel, Heilbronner Falken

Tatort: Die Küche des VIP-Raumes der Heilbronner Falken in der Kolbenschmidt-Arena am Europaplatz. Lautstark erklingt Helene Fischers »Atemlos durch die Nacht« aus den Bluetooth-Lautsprechern, gefolgt von einem Ballermann-Hit. »Solche Musik macht einfach gute Laune beim Arbeiten«, sagt Thomas Gödtel und lacht. Jeden Mittwoch- und Donnerstagabend tauscht der Modellathlet Schläger gegen Messer, Schulterschutz gegen Schürze und Puck gegen Fisch, um kulinarischeSushi-Schmankerl zu kreieren.

Mit drei Jahren stand der gebürtige Garmisch-Partenkirchener zum ersten Mal auf dem Eis. »Auf einem zugefrorenen See in meiner alten Heimat.« Es machte ihm so viel Spaß, dass er in den Verein ging. »Ich habe alle Positionen ausprobiert, doch ziemlich schnell kristallisierte sich heraus, dass ich als Verteidiger am besten geeignet bin.« Frühzeitig stand für ihn fest, dass er Profi-Eishockeyspieler werden wollte. Doch sein Vater bewies Weitblick. »Er sagte mir, dass ich mich nicht nur aufs Hockey konzentrieren, sondern über den Tellerrand hinausblicken sollte und zusätzlich unbedingt noch eine Ausbildung in einem normalen Beruf absolvieren muss.«

Die Richtung war ebenso klar. Da sein Onkel den Berggasthof Panorama führte, in dem sein Vater Küchenchef war, begann er mit 17 Jahren dort eine Ausbildung zum Koch. »Darüber bin ich heute noch dankbar. Denn ich habe die ersten beiden Jahre nicht nur mit Gemüse putzen und Kartoffeln schälen verschwendet, sondern durfte von Beginn an alle Stationen durchlaufen und habe unglaublich viel gelernt.«

Marcus Kink, sein Freund aus Jugendjahren, brachte ihn dann auf die japanische Fisch-Spezialität. »Er war der Erste aus unserer Clique, der Garmisch verließ, um als Profi in der DEL zu spielen. Er ging nach Köln und dort gab es Sushi-Lokale. Als er zu Besuch in Garmisch war, hat er mir davon vorgeschwärmt. So wurde mein Interesse geweckt.« Anfangs nur, um es selbst einmal auszuprobieren. Dank You-Tube und Internet brachte er sich die ersten Handgriffe autodidaktisch bei. »Das war nicht einfach, da ich bei null angefangen habe.« Er stieg beständig tiefer in die Materie ein und immer häufiger kamen Freunde zum Sushi-Essen zu ihm nach Hause. »Ich habe durchweg positives Feedback erhalten, was mich darin bestärkte, die Sushi-Schiene weiterzuverfolgen.« Als er 2013 in die DEL nach Iserlohn wechselte, kam es zum entscheidenden Durchbruch. Sein Mannschaftskollege Michael Wolf betrieb dort die Sportsbar »Roomys«. Die hatte montags Ruhetag. »Ich sprach mit Michael, ob ich da Sushi machen könnte und er war sofort davon begeistert und ab sofort war Montag Sushi-Tag.«

Auf Sylt traf er in diesem Sommer Bekannte aus Hamburg, die ihm erzählten, dass Starkoch Steffen Henssler an der California Sushi-Academy Los Angeles seinen Sushi-Chef gemacht hätte und ob er nicht als zweiter Deutscher diesen Weg einschlagen wolle. »Ich habe dann im Internet recherchiert, dort angerufen und mich um die Ausbildung beworben. Aufgrund meiner Kochlehre und meinen Sushi-Vorkenntnissen hat sich Sushi-Meister Toshi Sugiura dann bereiterklärt, mich zum Sushi-Chef auszubilden.«

Los Angeles war für ihn der absolute Hammer: »Ich wurde am Flughafen abgeholt, danach ging es in Sugiura Lokal und dann hat er mich erst einmal mit seinen Sushi-Künsten verwöhnt. Das war ein Geschmackserlebnis, wie ich es bis dato nicht kannte.« Am nächsten Tag ging es los. »Ich musste erst einmal lernen, wie man den perfekten Reis herstellt. Das Highlight war das Sommerfest in den Paramount-Filmstudios. Da haben Sugiura und ich Sushi für die LA-Highsociety hergestellt.« Gödtel meisterte Theorie- und Praxisprüfungen und bekam am Ende seines Aufenthaltes das Diplom als Sushi-Chef ausgehändigt.

Lust auf Sushi bekommen? Vorbestellungen nimmt Thomas Gödtel jeden Mittwoch und Donnerstag ab 16.30 Uhr unter 0170-1831106 entgegen. Perspektivisch plant er in absehbarer Zeit die Tenno-Sushi-Lounge in Heilbronn zu eröffnen.

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