Sporttasche September 2011

Katharina Rumpus: Mit 60 Sachen an die Weltspitze

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Mit 60 Stundenkilometern im Auto durch die Stadt ist (eigentlich) zu schnell, kann für Verdruss sorgen. Wer mit 60 über die Landstraße bummelt, wird als »Verkehrsbremser« beschimpft. Und wer mit bis zu 60 Stundenkilometern auf Inlinern über den Asphalt jagt, angetrieben von Muskelstärke, der erntet Staunen. Erst Recht, wenn es ein junges Mädchen ist.

So geht es der 18-jährigen Katharina Rumpus aus Flein. Sie gehört im Speedskating, vor allem über die Langstrecken, zu den besten Juniorinnen der Welt. »In der Sprint- und Finalphase kommen die Weltbesten schon auf diesen Speed und da geht es mächtig zur Sache«, erzählt die Gymnasiastin. Bei den Juniorinnen im Langstreckenbereich auf Bahn und Straße ist sie in Deutschland die Nummer eins, in Europa steht sie auf den Plätzen zwischen eins bis drei, und in der Welt wird sie auf den Rängen zwischen eins und acht geführt.

Die Medaillen stapeln sich in ihrem Zimmer. Die wichtigsten, allein aus den letzten 18 Monaten sind: 2010 bei der Junioren-WM in Kolumbien Gold (20 km Ausdauer), Silber (15 km Ausdauer) und Bronze (10 km Punktewertung); viermal Gold, dreimal Silber und zweimal Bronze bei der Junioren-EM in Italien. Letztendlich fünfmal Gold gab es für den »Blitz aus Flein« bei den nationalen Meisterschaften. Bei den diesjährigen Titelkämpfen nahm sie gleich wieder viermal Gold mit. Und bei der U20-EM in den Niederlanden hat sie im August weiteresieben Medaillen sammeln können. In den nächsten Wochen wird die Edelmetall-Sammlung bei Katharina sicher weiter wachsen. Die WM steht noch an. Obwohl die Kurzstrecken nicht unbedingt ihr Fall sind, führt sie hier die deutsche Rangliste an. In Europa zählt sie noch zu den besten Acht. Körperbau und ihre Beinlänge sind überraschender Weise für den Sprint- und Ausdauerbereich ideal. So könnte sie auch die Königsdisziplin beim Speedskating, den 500 m-Sprint, laufen. In rund 40 Sekunden wird der halbe Kilometer abgespult. Das sei jedoch nicht ihr Ziel. Katharina schätzt die Langstrecken. Neben den Grundvoraussetzungen mit einer überdurchschnittlichen Motorik, taktischem Verständnis, Kraft und Ausdauer, bleibt Glück trotzdem ein wichtiger Faktor.

Zum Beispiel bei den Auslosungen für die »Serienläufe«. Da kann es vorkommen, dass einige der Meisterschaftsfavoriten gleich in eine Startgruppe gelost werden und sie sich gegenseitig rauswerfen. Seit zehn Jahren steht die sympathische junge Frau auf den Hightec-Rollschuhen. Sie machte vorher Leichtathletik beim TV Flein bis sie zum Spaß mit ihrem drei Jahre älteren Bruder Stefan an einem Straßenrennen teilnahm. Sie war gleich eine der besten in ihrer Altersklasse. Der Landestrainer sah ihr Talent und überredete sie von der Leichtathletik in den Speedskating-Sport zu wechseln. So begann ihre erfolgreiche Karriere. Das Turndress und die Laufschuhe hatten ausgedient. Sie nahm an Trainingslagern und an ersten Rennen teil.

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Das erste Gold holte sie beim Baden-Württembergischen Inline-Cup in Rastatt. Weil das Brüderchen ihr nicht nachstand, hatte Papa Bernd – Lehrer an einer Neckarsulmer Schule – einen neuen Nebenjob. Er machte den Trainerschein und wurde Coach seiner beiden Sprösslinge. Mittlerweile ist er Junioren-Bundestrainer. Sohn Stefan zählt zur Elite bei den Herren. Er ist Deutscher Vize-Meister über die Halbmarathonstrecke und absolviert gerade sein soziales Jahr. Im Oktober beginnt er mit dem Studium. Zur Musterfamilie gehört noch Mama Petra. Sie ist nicht so sportlich wie die beiden Kinder und ihr Gatte, jedoch, und das ist nicht minder wichtig, ist sie der ruhende Pol im Haus. Dazu ist sie die »Catering- und Logistik-Expertin«, hat stets den Überblick auf die unterschiedlichen Terminpläne. Während viele junge Leistungssportlerinnen und Sportler auf ihrem Weg nach oben von einer »verlorenen Jugend« sprechen, entgangenen Freizeiten und Hobbys nachtrauern, hat Katharina noch nie ihre Entscheidung mit den damit verbundenen Entbehrungen in Frage gestellt. Das harmonische Umfeld ist der Hauptgrund. Die Eltern würden Sorge für guten Ausgleich zwischen Sport, Schule und Freizeit tragen.

60 Prozent ihrer Zeit einer Woche ist der Schule gewidmet, 30 dem Sport und zehn der Freizeit, also der Ablenkung von den Pflichten. Das fast tägliche Training will sie nicht als Pflicht werten. Auf den Inlinern zu stehen ist ihre große Liebe. Davon gibt es jetzt noch eine zweite – ihr Freund ist ebenfalls Skater, lebt jedoch in Darmstadt und so trifft man sich nur an Wochenenden bei Trainingsmaßnahmen oder Wettkämpfen.Nur wer sich Ziele setze, könne auf Erfolge hoffen, ist ihre Ansicht. Aber sie bleibt realistisch. So steht jetzt erst das Abitur im kommenden Frühjahr im Vordergrund. Sie will dann Mathematik und Sport studieren. Dann folgen die Pläne für den Sport. An erster Stelle WM-Medaillen auf den Langstrecken natürlich. In der Schublade »Träume« liegt das Thema Olympia. Bei einer ersten Präsentation zur Aufnahme in das Programm entschieden sich die Olympiamacher jedoch für Golf, statt für Speedskating. Was noch nicht ist, kann noch kommen – ein Schritt kommt nach dem anderen, wie beim Skaten, so im Leben, ist ihre Einstellung.

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