Kulturbeutel HANIX No.36

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»MÄNNER DIE MIT PLASTIK SPIELEN«

»GANZ KURZ NOCH« – DER NEUE LIVE-PODCAST IN HEILBRONN

Diese beiden haben sich nicht gesucht aber gefunden. Als die Heilbronner Szene-Aktivisten Steven und Dominik entdeckten, dieselben Superkräfte ihr eigen zu nennen, beschlossen sie diese zu bündeln und komprimiert als Podcast mit dem klangvollen Namen GANZ KURZ NOCH der Menschheit zur Verfügung zu stellen. Dabei geht es um wesentlich mehr als ihre Leidenschaft für Plastikfiguren. Pünktlich zum Start im März trafen wir uns mit ihnen, um über schwerwiegende Themen wie durchtrainierte Männeroberkörper voller Öl, den Druck lustig sein zu müssen und den schmerzhaften Verlust von mikroskopisch kleinen Wurfsternen zu plaudern. Es folgt ein Auszug eines spontanen Podcasts.

Steven und Dominik, Ganz Kurz Noch

HANIX: Hallo ihr zwei. Stellt euch doch einmal bitte kurz vor.

DOMINIK: Mein Name ist Dominik und ich bin nicht wirklich 22 Jahre alt. Mein quick.de-Username ist »sexyboy95«. Ich mache Musik, lege als DJ auf unter einem Pseudonym, das ich hier nicht nennen möchte.

HANIX: Wieso nicht Dominik?

DOMINIK: Die Gefahr, dass ich Credibility innerhalb der Spielzeug-Szene verliere, ist mir einfach zu groß. Jemand der Actiontoys sammelt, kann nicht gleichzeitig cool sein! Ich schaue gerne Filme, sammle Spielzeug und zocke gerne Videospiele. Ich mache eigentlich alles außer Sport.

STEVEN: Hallo. Mein Name ist Steven. Ich sollte mich mal rasieren und sammle auch Actiontoys. Ich schaue auch sehr gerne Filme und lese bedingt Comics. Allerdings nicht soviel wie der Dominik. Ich sehe verdammt gut aus und treibe im Gegensatz zum Dominik sehr viel Sport. Ich bin ab und an Freizeit-Moderator und moderiere Hip-Hop-Jams. Daher auch die Idee zu diesem Podcast. Und dafür ist der Dominik der absolut beste Partner, den man sich vorstellen kann.

DOMINIK: No homo!

STEVEN: Nein Dominik, ich sage jetzt nicht Swag!

HANIX: Wie habt ihr euch kennengelernt und dabei bemerkt, dass ihr beim Thema Actiontoys beide gleich bescheuert seid?

DOMINIK: Bis zum tatsächlichen Kennenlernen hatten wir schon voneinander gehört. Also indirekt kannten wir uns schon, bevor wir uns kennengelernt hatten.

STEVEN: Genau. Immer wieder vor den Clubs die gleichen Themen: Actiontoys, Filme und Comics.

DOMINIK: Dann noch die ganzen Hip-Hop- und Rap-Sessions, auf denen wir uns über den Weg gelaufen sind. Letztendlich haben wir einen gemeinsamen Freund, der mir Steven anstatt sich beim Mitwirken zu diesem Podcast empfahl. Dieser gemeinsame Freund möchte weder durch Fotografie, Video-, oder Audioaufzeichnung aufgenommen werden. Er ist ein alter Indianer und es könnte dadurch seine Seele geraubt werden. Dann kam ich ins Spiel.

HANIX: Wie verhält sich das mit den Spielfiguren-Sammlern. Seid ihr beiden nur für euch oder ein Teil einer organisierten Fanszene?

STEVEN: Jetzt kommt ein skurriler Nachbau einer Szene, die bei mir Zuhause tatsächlich stattgefunden hat. Sechs Männer über dreißig sitzen bei mir. Meine Freundin bereitete Pizza für uns alle zu und hat im Laufe des Abends einen von uns zum Bahnhof gefahren, weil der leider etwas früher nach Hause musste. Jeder hat aber am Ende Spielzeug mit Heim genommen. Das hätte auch eine Szene unserer Kindheit gewesen sein können. Also wir haben schon Freunde, die auch sammeln, einige sogar sehr viel extremer und umfangreicher als wir. Aber bei Dominik und mir passen darüber hinaus auch andere, popkulturelle Interessen zusammen. Obwohl dieser Altersunterschied vorhanden ist, bewegen wir uns auf demselben Level.

DOMINIK: Wie viel älter bist du gleich nochmal?

STEVEN: Zwei Jahre.

DOMINIK: Ja, also bei diesem doch gewaltigen Altersunterschied wirklich ein Wunder.

HANIX: Ihr sammelt mit voller Leidenschaft Actiontoys. Spielt ihr denn eigentlich auch damit? Oder lässt sich das Ganze als reiner Jagen- und Sammeln-Trieb bezeichnen?

DOMINIK: Ich habe tatsächlich gejagt und gesammelt. Das wurde aber mit der Zeit weniger. Spielen im Sinn von Figuren aneinander klatschen und dazu Geschichten erfinden mache ich nicht. Was aber sehr häufig vorkommt, ist, dass ich auf der Couch liege und während ein Film läuft eine neu erstandene Figur auspacke, um sie dann durch verschiedene Stellungen, je nach Beweglichkeit und der Anzahl ihrer Gelenke, pose.

STEVEN: Genau. Es gibt einfach Lines, das bedeutet eine komplette Figurenserie, die man extrem vielseitig positionieren kann. Dieser Trieb Figuren zu jagen und zu sammeln kommt aber immer wieder auf Flohmärkten in uns hoch. Denn ein riesiges Thema lautet Zubehör. Diese Teile, wie zum Beispiel Waffen, sind die Dinge, die am häufigsten verloren gehen. Bei den Ninja Turtles zum Beispiel: Es ist unmöglich, alle Zubehörteile beieinander zu halten. Das sind pro Figur 15 Teile. Da kannst du auf e-bay einen Wurfstern von Leonardo für 5€ Kaufen. Der ist fünf Millimeter groß und braun.Verrückt.

DOMINIK: Solche Gegenstände hat meine Mutter früher standardmäßig weg gesaugt.

STEVEN: Wobei es auch vorkommen kann, dass der Dominik und ich uns beim Thema Jagen und Sammeln gegenseitig anstacheln. Gerade wenn hochwertige, neue Lines rauskommen. Wie zum Beispiel von MOTU Classic.

HANIX: Steven, was bedeutet MOTU Classic?

STEVEN: MOTU steht für MASTERS OF THE UNIVERSE.

HANIX: Aha.

STEVEN: 2008 erschien davon eine neue Toyline für erwachsene Sammler. Diese hatte zum Beispiel mehr Gelenke und war nur im Abo erhältlich.

HANIX: Das hört sich an, als ob diese Art von Spielzeug überhaupt nicht mehr für Kinder gedacht ist?

DOMINIK: Ja, das kann schon sein. Für eine solche Actionfigur von 23 Zentimetern Größe bezahlst du heute so um die 30 Dollar. Und das geht vor allem in Deutschland noch sehr viel teurer. Da werden mal eben kurz 180 Euro für den Charakter Beastman aufgerufen. Allerdings originalverpackt.

STEVEN: Das sind keine Dinge, die man bei Toys»R«Us findet.

HANIX: Sammler trifft auf Sammler. Der eine möchte dabei ein Stück der Kollektion des anderen haben. Wie eng ist die Bindung zu euren Figuren?

DOMINIK: Also zwischen uns und den Jungs vom Actionfiguren-Stammtisch geht alles sehr locker zu. Gerade bei Steven und mir ist es entspannt. Wir schenken einander gerne mal Figuren oder Zubehör, weil wir eben wissen, dass es dem Gegenüber Freude macht. Es ist ja auch nicht so, dass wir als primäres Ziel die Vollständigkeit einzelner Figuren-Serien verfolgen. Da spielt ja auch der persönliche Geschmack eine Rolle. Oder möchtet ihr euch ein Einhorn mit Flügeln, beritten von einem Typ, der mit Oberlippenbart und Herz auf der Brust darauf herumfliegt, in euer Zimmer stellen wollen?

HANIX: Nein.

STEVEN: Im Übrigen hat mir unser gemeinsamer Freund diese Figur ja geschenkt, ich besitze sie tatsächlich. Also unser Sammeln ist selektiver. Wir sammeln Figuren, die wir gut finden. Character, die wir doof finden, werden nicht nur zur Ergänzung einer eigenen Line gekauft. Es kann ganz interessant sein ein und dieselbe Figur, jedoch in unterschiedlichen Ländern gefertigt, mehrmals zu kaufen. Wenn man die dann nebeneinanderstellt, gibt es zum Beispiel bei der Bemalung deutliche Unterschiede.

HANIX: Habt ihr mit euren heutigen Actionhelden auch als Kind gespielt?

STEVEN: Im Grunde haben wir querbeet mit allen verfügbaren Spielfiguren gespielt, eben mit allem, was erhältlich war. Was zumeist auf die klassischen Zeichentrick-Serien von RTL II oder bei BIM BAM BINO zutraf.

HANIX: Eure Leidenschaft bezieht sich ja nicht nur auf Spielfiguren. Das Thema Film fasziniert euch ebenso.

STEVEN: Geht uns das nicht allen so? Früher, die alten VHS-Kassetten mit zwei Filmen drauf. Hoch und runter geguckt. Ich hatte seinerzeit ein Lieblingstape mit Bad Taste und Tanz der Teufel drauf. Oder Freitag der 13. und Nightmare on Elm Street. Mir haben es eben schon immer diese Horrorgeschichten angetan. Davon bin ich ein sehr großer Fan. Wir haben in der Tat beide kleine aber feine Filmsammlungen mit irgendwelchen Special-Editions und Extended-Cuts. Davon würden wir uns nicht trennen. Aber im Großen und Ganzen ist das »Filme sammeln müssen« deutlich weniger geworden.

HANIX: Entgegen des Klischees Spielzeugsammler haben keine Freundin habt ihr eben doch welche. Wie gehen die mit eurer Leidenschaft um?

STEVEN: Es sind halt unsere, für außenstehende unsinnigen Aktionen, die wilde Diskussionen hervorrufen. »Guck mal Schatz. Ich habe diese Figur hier gekauft. Für nur 50 Euro. Stell dir vor, normalerweise kostet die 90 Euro. 90!« »Ja und? Wirst du sie dann auch zu diesem Preis wieder verkaufen?« »Nein, die geb ich nimmer her.«

DOMINIK: Genau. Deshalb habe ich zum Beispiel ein und dieselbe Figur vier Mal zuhause. Drei Mal originalverpackt. Denn: Ich könnte sie ja irgendwann für sehr viel Geld verkaufen. Könnte. Jetzt stehen vier von den Dingern bei mir Zuhause rum. Das ist der ganz normale Wahnsinn. Mit dem Figurensammeln fängst du in der Regel auch an, Kartons zu sammeln. Mein Schlafzimmer ist vollgestopft mit leeren Kartonagen und DJ-Equipment. Da erwarten wir von unseren Freundinnen schon Verständnis.

STEVEN: Ich habe Kartons voll mit Kartons.

HANIX: Jetzt geht ihr ja diesen Monat mit eurem Podcast GANZ KURZ NOCH an den Start. Welche Idee steckt dahinter?

STEVEN: Es gibt eigentlich zwei Punkte, die mich dazu gebracht haben. Zum einen habe ich einen sehr langen Weg zur Arbeit und war es leid, Radio zu hören. Die Handy-Playlist ist auch irgendwann ausgelutscht. Und vor einiger Zeit habe ich das Thema Podcasts für mich entdeckt. Stell dir vor, du möchtest dich über Rasenmäher informieren. Dann gibt es ganz sicher irgendwo auf dieser Welt Menschen, die sich über Rasenmäher unterhalten. Mit der Recherche zu Podcasts hat sich für mich eine ganz neue Welt eröffnet und diese hat mich fasziniert. Dazu unterhalte ich mich sehr gerne mit Gleichgesinnten. Das ist schon so eine Art Stammtisch.

DOMINIK: In Wirklichkeit mache ich es nur wegen des Geldes und den Frauen. Nur der Druck ständig lustig sein zu müssen macht mich echt fertig.

HANIX: Der Titel GANZ KURZ NOCH …

DOMINIK: … entstand aufgrund unseres Rituals, kurz vor dem beenden eines Gespräches: »… also, bis dann. Halt, warte mal. Ganz kurz noch.« Und weiter geht es. Einem von uns beiden fällt immer noch etwas ein, obwohl man das Telefonat schon längst beenden wollte. Irgendwann haben wir damit begonnen unsere Diskussionen aufzuzeichnen und dann auch im Heilbronner Plan B eine Live-Session mitgeschnitten. Jetzt haben wir genügend Material am Start und beginnen – mit freundlicher Unterstützung des HANIX-Magazins und der BAR DANEBEN im COMPLEX 23 – eine Reihe des »GANZ KURZ NOCH«-Podcast. Gespräche mit unterschiedlichsten Inhalten rund um das Thema Film, Comics, Actiontoys und andere, präsentiert als Download und eben auch einmal im Monat Live bei Sandra und Wolfi.

STEVEN: Dabei schauen wir gemeinsam mit den Anwesenden einen Public-Domain-Film und kommentieren diesen, diskutieren über diesen hinweg oder lachen uns einfach nur gemeinsam schlapp. Im Januar gab es dazu das Premieren-Event. Und wir waren von der Resonanz echt überrascht. Jetzt nehmen wir unsere Leidenschaft und Motivation und stecken sie in dieses gemeinsame Projekt. Das Ganze wird sich dann auch mit der Zeit regulieren und weiterentwickeln. Zum ersten Event haben wir beispielsweise Hercules against the Moonman geschaut. Wir denken über zusätzliche Sitzmöglichkeiten nach. Alles in allem werden das Abende sein, an denen wir viel lachen werden und miteinander eine gute Zeit verbringen. Im Idealfall werden wir Passagen aus dem Live-Programm für unseren Podcast verwenden können.

HANIX: Welche Filme stehen denn für die nächsten Events zur Auswahl?

STEVEN: Eigentlich wäre jetzt der Dominik mit einem Vorschlag dran.

DOMINIK: Ja Steven, denn deine Wahl Hercules against the Moonman war irgendwie schräg. Männer mit blankem muskelbepacktem und eingeöltem Oberkörper. Ich mache mir ernsthaft Gedanken darüber.

STEVEN: No homo! Aber wir brauchen mehr Öl.

HANIX: Zum Abschluss noch ein paar warme Worte von euch an …

STEVEN: Auf jeden Fall an den Patrick, der uns das tolle neue »GANZ KURZ NOCH«-Logo gemacht hat. Van-Halen-Style. Supertoll. Dann dem unbekannten Freak, der unser Mischpult zwei Wochen lang von Lager zu Lager geschickt hat. Es funktioniert immer noch.

DOMINIK: Meiner Schwester für das Mikrofon, das sie mir geschenkt hat. Dann ein dickes Dankeschön an Nicolai Köppel, der unser Intro eingesprochen hat sowie den Künstler Ö der die Musik zum Intro beigesteuert hat.

STEVEN: Dem HANIX-Magazin sowie natürlich Sandra und Wolfi und auch Wü für deren Unterstützung. Und als kleiner Tip am Rande: Die Leser, die sich ganz locker über das Thema Actiontoys informieren möchten, sollen einfach mal die Serie The Toyhunter anschauen.

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