Around the World – Kapverden

Bericht von Patrick Ortwein, einem Weltenbummler

Geschichte, Kultur und warum es leicht fällt, an diesem Teil der Erde hängen zu bleiben

Ich schau aus dem Fenster meines Zimmers, in eine Richtung in welcher für gewöhnlich die Spitze eines 2829m hohen Vulkans emporragt. Heute sehe ich nichts. Würde ich meine Hand aus dem Fenster halten, würde wahrscheinlich selbst diese ihre Sichtbarkeit gegen die Wassermassen einbüßen, die seit heute Morgen über den Vulkankrater hereinbrechen. Also sitze ich einfach da, trinke cafe do fogo, rauche… rauche zu viel. Es ist verdammt schwer inmitten eines Vulkankraters an Zigaretten zu kommen, vor allem wenn es regnet. »Es regnet nicht, das ist Land unter, Alter! Klettern läuft heute nicht.« Mustafa ist gemeinsam mit seiner Frau Marissa der Besitzer des Casa Marissaund des Hotel Piedra Bravo. Für ihn bedeutet der Regen nicht nur dass sein Hobby Klettern auf der Strecke bleibt, sondern auch alle Aktivitäten deretwegen Touristen sein Hotel besuchen. Die Weinprobe ausgenommen. Seine Aufgabe besteht heute darin, seinen Kunden zu erklären, warum die geplanten Touren auf den Pico do Fogo, die Spitze des Vulkan der Insel Fogo, nicht stattfinden und die aufgebrachten unter ihnen zu beschwichtigen, ihnen zu erklären warum der Regen der ihren 2-tägigen Aufenthalt ins Wasser fallen lässt für die Bewohner des Cha das Caldeiras so unglaublich wichtig ist. Doch auf Mustafa, den Ort an dem er lebt und die vorherrschenden Lebensbedingungen kommen wir später zurück. Zuvor ordnen wir ein paar Bilder, die wir in Gedanken durchzappen wenn wir an Cabo Verde, die Kapverdischen Inseln, denken. Ist das nicht irgendwo in Afrika? Welche Sprache spricht man dort, oder von wem wurde es kolonialisiert? Was gibt’s dort zu essen? Wir sollen interessantere Fragen stellen?! Ok…Was trinkt man da so? Mythos oder stimmt’s das dort die hübschesten Frauen der Welt leben? Warum wird die Touristin da gerade scheinbar willenlos von einem Kap Verdianer Richtung Ausgang getanzt? Tatsache, dass man Surfspots deren Anblick kein Tui-Werbeprospekt der Karibik nahekommt, ganz für sich alleine hat? Ist hier Feiern oder pure, asketische Naturverbundenheit angesagt? Vorneweg: Dies ist nicht der Ort, der sich einer banalen Kategorie oder einem einheitlichen Schema zuordnen lässt. Es ist ein Ort der Kontraste, an dem für jeden etwas dabei ist. Bem-vindo na Cabo Verde Rapassinho! Fangen wir doch mit dem Namen an und der besten Assoziation in dem was ich gerade sehe. Regen. »Das Grüne Kap«. Der Name leitet sich von der Bezeichung as ilhas do Cabo Verde, »die Inseln des grünen Kap«, ab, dem westlichsten Punkt Afrikas, an dessen Stelle sich heute Dakar, die Hauptstadt Senegal’s befindet. Diesem Punkt vorgelagert, liegen als eine Willkür der Natur, als Vulkan aus dem Atlanik emporgeschossen, die Kapverdischen Inseln. Ein Archipel bestehend aus zehn größeren (davon neun bewohnte) und fünf kleineren Inseln.

Üppige Vegetation und Regen, wie der Name vermuten lässt, ist allerdings Fehlanzeige. Seine Trockenheit verdankt die Inselgruppe allem voran der ungünstigen Lage die sie dem trockenen Nordostwind aus der Sahara aussetzt und den Namen paradox, beinahe als Polemik in Hinblick auf die landwirtschaftlichen Bedingungen, erscheinen lässt. Etliche Dürreperioden dezimierten die Bevölkerung über Jahrhunderte hinweg. Die schlimmste wohl zwischen 1773 und 1776 und in den 1940er Jahren, als jeweils beinahe die Hälfte der Inselbevölkerung den Hungertod erlitt. Unzählige Trockenperioden sollten in regelmäßigen Abständen folgen und die Menschen in einer stetigen Ungewissheit über den nächsten Ausbleib der Ernte lassen. Wer konnte, flüchtete in schweren Zeiten mit einem Schiff von der Insel, verließ seine Heimat. Wer zurückblieb litt auch nach der Dürre unter den Spätfolgen des Ernteausbleib. Als der Regen nach fast einem Jahrzehnt wieder einsetzte war kein Saatgut mehr da und keine Hilfe der portugiesischen Kolonisatoren in Aussicht. Hungersnöte prägten seit jeher die Geschichte des Landes – sowie die Musik. Michel Montrond ist einer der zeitgenössischen Artisten, der existenzielle Probleme zum Ausdruck bringt. »Si tchuba ben ó ka ben, nos pokus ka ta morré di fomi« (»Ob der Regen kommt oder nicht, wir wenigen werden nicht am Hunger sterben«) ist eines seiner Lieder, in dem er das Lebensgefühl beschreibt und gleichzeitig durch profunde Einfachheit besticht. Vor allem das Wort Sodade, zu deutsch »Sehnsucht», nimmt einen festen Platz in Lyrik und Musik ein. Es ist ein Ausdruck der den Bewohnern immanenten Gefühle, ein Zeugnis der Geschichte, die stets in Verbindung mit Flucht aus dem eigenen Land und der Ferne zur Heimat und Familie steht. Es ist ein Bestandteil der Kap Verdianischen Kultur. Auch heute leben ca. die Hälfte aller Kap Verdianer im Ausland, die meisten in den Vereinigten Staaten. Viele Familien könnten ohne die regelmäßige finanzielle Unterstützung der Familienangehörigen im Ausland nicht überleben. Und viele der Bienfaiteur gehören einer Generation von Emigranten an, die ihre Familienangehörigen in der alten Heimat nicht einmal kennen. Ein Land, das offensichtlich nicht belebt werden will.

Was es bis zu seiner Entdeckung auch nicht war. Es ist umstritten ob Portugal bereits vor der Ankunft Antonio da Noli‘s im Jahr 1461 von der Existenz der Kap Verden wusste, fest steht, dass sich der weitere Verlauf in der Hand der portugiesischen Krone befand, für welche der ungünstige Lebensraum nicht von Bedeutung, oder sogar von Vorteil war. Die Kap Verden sollten fortan als Handelspunkt dienen, allem voran für den Sklavenhandel. Später dann als Zwischenstation für Schiffe in die Neue Welt. Als erste Inseln wurden die südwestlichen Inseln Santiago und Fogo besiedelt und urbar gemacht. Zuckerrohr und Baumwolle wurde für den Export angepflanzt. Da die meisten europaischen Grundbesitzer ohne Frauen ankamen und sich die Bevölkerung aus geographischer Sicht auf engstem Raum tummelte, kann man sich vorstellen wie es zu einer raschen kulturellen und biologischen Vermischung aus europäischen Gutsherren und afrikanischen Sklaven kam. Die Tatsache jedoch, dass das Land ausschließlich vom Handel abhängig war und seine Bedeutung diesbezüglich im Verlauf der Geschichte einbüßte, kam der Bevölkerung nicht zugute. Als Portugal schließlich 1928 in eine autoritäre Diktatur mit faschistischen Zügen geriet, verwahrloste das Land zunehmend aus politischer und wirtschaftlicher Sicht. Die Dürre der 20er und 40er Jahre des 20. Jahrhundert, in welchen Hilfe von Seiten Portugal‘s ausblieb und die Verschleppung zahlreicher Kap Verdianern nach Sao Tome, wo sie auf Plantagen wie Sklaven gehalten wurden, waren nur einige Gründe warum sich ein Widerstand gegen die portugiesische Unterdrückung forcierte. Die Idee des Kommunismus fand langsam seinen Weg nach Afrika und gab der unstrukturierten Agonie gegenüber ihren Herrschern einen Ausdruck. Hinzu kam dass die Bevölkerung einen neuen Bildungsstatus erlangte und sich in ihrem Selbstverständnis frei von ihrer Vergangenheit, der Sklaverei sahen. Ein Individualitätsgefühl wurde geboren, das in einem Großteil der Bevölkerung den Wunsch nach Unabhängigkeit weckte. Ein Volk mit eigener Identität, eigener Sprache, nämlich Creole und nicht portugiesisch, das lediglich der Aufmerksamkeit auf die Tatsache bedurfte, dass sie ohne ihren portugiesischen Herrscher besser dran wären. Einer der intellektuellen Kap Verdianer der sein Volk dazu aufrief sich gegen die Herrscher aufzulehnen und für ihre Rechte einzustehen war Amilcar Cabral. Geboren in Mindeloh, auf der Insel Sao Vicente, erlebte er die Dürre in den 1940er Jahren besonders intensiv mit. Er war Mitbegründer der PAIGC, der afrikanischen Partei für die Unabhängigkeit Guinea-Bissau’s und der Kap Verden und wurde bekannt durch seine Reden, die von der Nähe zum Volk zeugten, und dadurch dass er die politische Diskussion auf einen internationalen Diskurs anhob und somit auf die eher unbekannten Länder auch in den Vereinigten Staaten aufmerksam machte. Nach einem Aufstand der PAIGC kam es zum Kolonialkrieg in dem die Partei bereits 1973 größere Teile des Landes einnahm und eigenständig die Unabhängigkeit erklärte. Offiziell war es allerdings erst 1976, also nach der Nelkenrevolution in Portugal als ein eigenständiges Land anerkannt worden. Amilcar Cabral durfte dies nicht mehr miterleben, er wurde auf mysteriöse Weise in Conakry ermordet. Eine Geschichte die die Kultur in besonderem Masse prägt. Denn ein Land das um seine eigene Identität kämpft, ist per se stärker mit dieser verbunden. Dies spürt man auch heute noch. Besonders stark auf jenen Inseln, wo der Tourismus noch eine Randerscheinung darstellt, oder zumindest die Gesellschaftsstrukturen noch nicht in einem solchen Ausmaß verändert hat, dass zum Wohl der Touristen die vox populi untergraben wird. Das trifft allerdings nicht auf alle Inseln zu. Als Mittelpunkt des Massentourismus werden vor allem die Inseln Sal und Boavista bevorzugt besucht. Die nordöstlich gelegenen Inseln sind ihrem Ursprung nach die ältesten Inseln und folglich bereits abgeflacht. Landschaftlich kann man also kein Bergpanorama erwarten, besucht werden sie allerdings auch wegen ihren schönen Sandstränden und stellen ein Domizil für Badeurlauber und europäische Ruheständler dar, sowie Windsurfer und Taucher da. Der Lebensstandard sowie die Preise sind ebenfalls europäisch und in den Hotelanlagen kann man sich auch ohne große sprachliche Fähigkeiten verständigen. Badu ist Kap Verdianer, er hat etwa drei Jahre lang für ein riesiges All-Inclusive Hotel auf Sal gearbeitet. Mit den Touristen selbst hatte er allerdings wenig Kontakt. »Sie sitzen eben im Hotel am Pool und essen den ganzen Tag». Ob sie wohl wissen dass für einen Angestellten in einem solchen Hotel ein Lohn von etwa 120 Euro netto angesetzt wird. Trotz der hohen Lebenshaltungskosten. Wäre es da nicht fair wenn er seinem Frust darüber Ausdruck verleiht? Aber Badu ist da nicht so, er vergleicht sein Glück nicht mit dem Reichtum anderer, außerdem hat er gerade eine Flasche Grog alleine vernichtet und strahlt übers ganze Gesicht. Er lebt derzeit auf einem Boot in Tarrafal, das Boot eines Franzosen der aufgrund diverser Probleme mit der Polizei zu diesem nicht mehr zurück kann und es vor der Küste an Anker lässt. Denn der Handel mit Drogen ist ein weiteres Exempel dafür was Touristen in diesen Hotelanlagen so alles nicht mitbekommen. Allem voran »Crack« und »Kokain«, das nach dem Prinzip der Preisdifferenzierung so billig angeboten wird, dass es sich sogar die ärmsten unter den Fischern leisten können. Doch darum geht es jetzt nicht, es geht um Badu und SEIN Boot. Wir sitzen zusammen beim Essen. Es gibt Fisch mit Reis, in einer Tomatensauce. Badu ist ein exzellenter Koch. Fisch in allen Variationen. Denn davon gibt es genug. Wir haben bereits gegessen und Badu bastelt eine Kette aus Haifischzähnen, sein kleines »Nebengewerbe« wenn man so will. »Weißt du, jeden Morgen wenn ich aufstehe und an Deck gehe, denke ich mir wie verdammt viel Glück ich habe. Ich habe jeden Tag zu essen und schau dich um, leben wir nicht im Paradies Hombre?!« Sich mit wenig zufrieden geben und das Lächeln auf dem Gesicht zu wahren ist eine Charaktereigenschaft der Kap Verdianer die eine Reise zu einer Bereicherung macht. Doch dafür muss man sich Zeit nehmen, mit den Leuten in Kontakt treten und jene Orte besuchen, deren Reiz ihre Authentik selbst ist. Und wo ist Authentik mehr gegeben denn auf einer der zuerst besiedelten Inseln der Kap Verden, wo der Ursprung des Landes das aus dem Ozean schoss omnipräsent ist. Fogo ist genaugenommen keine Insel mit einem Vulkan, es ist ein einziger großer Vulkan und dessen Erscheinung atemberaubend. Ich reise mit dem Boot von Praia, der Hauptstadt auf der Insel Santiago ab. Die Silhouette in Form eines Kegel sah ich bei gutem Wetter bereits von Tarrafal. Jetzt, auf dem Boot werden die Umrisse klarer, Lavaströme die sich über die gesamte Insel wie Flusslaufe ins Meer ziehen, lassen erahnen dass die Natur hier vor nicht allzu langer Zeit gewütet hat. Und es wieder wird. Wir kommen in Sao Filipe an, der Hauptstadt der Insel Fogo. Die pittoreske Stadt wurde auf Klippen erbaut, die bis zu 50 Meter zu einem schwarzen Sandstrand abfallen. Ich komme am Abend an, die Stadt mit seinen circa 8000 Einwohnern wirkt wie ausgestorben und ich verbringe eine Nacht am Strand. Am nächsten Morgen laufe ich in den Stadtkern, zum mercado municipal. Die Menschenmenge die mir jetzt begegnet lässt die Stadt aufblühen. Am Tage tummeln sich etwa 24000 Menschen in der Stadt, die ihrer Arbeit nachgehen. Frauen die frisches Obst und Gemüse anbieten, Fischer die gerade mit ihren Booten eingelaufen sind und ihren Fang zum Markt tragen und natürlich das übliche Spiel zwischen Männern und Frauen. Die Koketterie ist ein Volkssport und auch dieser muss man ein bisschen Zeit einräumen. Dazwischen zieht es meine Aufmerksamkeit immer wieder zu den alten Kolonialhäusern die an den kopfsteingepflasterten Straßen errichtet sind. Straßen die von Sklaven als Strafarbeit erbaut wurden. Alles in dieser Stadt ist ein Zeugnis von Geschichte. Ich steige bei Mustafa ins Auto und wir fahren aus der Stadt. Schlängeln uns über Serpentinen langsam den Berg hinauf und halten hin und wieder an, wenn ein Passant uns zuruft. »Dam Bulea!« (in etwa: »gib ne Mitfahrgelegenheit!«). Die Ladefläche ist voll, oder vielmehr überfüllt mit Menschen. Einer nach dem anderen springen sie in ihren Dörfern ab, wir sind schon auf über tausend Metern. Die Straße zieht eine Linkskurve, wir sind nun auf 1400 Metern und vor mir erscheint der Pico do Fogo. Der 2829 Meter hohe Gipfel des Vulkan. Unter ihm erstreckt sich scheinbar ins endlose ein Lavafeld, schwarze Felsbrocken weit und breit, zur linken sehe ich die riesige Bordeirawand die den Cha das Caleiras wie einen Kessel umschließt. Wir fahren auf einer Straße die aus Lavagestein erbaut wurde und kommen an den ersten Häusern vorbei. Überall schiessen scheinbar willkürlich Weinreben aus dem Boden. Musti zeigt mir die Adega, wo der lokale Wein hergestellt wird. »Aber im Prinzip macht jedes Haus seinen eigenen Wein, den Manecon». Der Manecon ist ein traditioneller Wein, unfiltriert und in der Regel ziemlich stark. Im Vergleich zum Grog, dem Nationalgetränk der Kap Verden, ein Rum aus Zuckerrohr, jedoch milde und weniger todbringend. Wir fahren an der Kooperative der Bergführer vorbei die Mustafa mitbegründet hat und kommen im Casa Marissa an. Das erste was mir auffällt ist das Lavafeld hinter dem Haus. Alle Hauser scheinen nahe am Lavafeld erbaut zu sein. Mustafa stellt richtig, dass die Lava nahe an den Häusern vorbeigeflossen ist. Es ist die Lava des 1995er Ausbruch. Der Ausbruch der circa 1300 Menschen obdachlos machte. Als die Tiere Alarm schlugen wurden die Menschen aus dem Cha evakuiert, doch Marissas Familie blieb. Und entging dem Unglück nur knapp. Heute leben die Menschen scheinbar ohne Ängste, es ist ihnen nicht anzumerken dass sie an einem Ort leben, dessen immanente Gefahr ihre Existenz jederzeit auslöschen könnte. Im Gegenteil, sie scheinen aus den harten Bedingungen die ihr Umfeld stellt, ihre Lebensgrundlage zu schaffen. Haben eine ansehnliche Agrarwirtschaft und kontrollierten Tourismus. Tarzon, ein Bergführer aus dem Dorf, schafft Kunst aus Lavagestein. Konstruktivität aus Zerstörung. Er formt Masken und andere Abbilder aus dem Gestein. Sogar die Straße die durch Portela und Bangäira, die zwei Dörfer des Cha, läuft, ist aus Lavagestein erbaut. Doch das soll sich ändern. Sie soll asphaltiert werden, auch Strom soll es bald im Cha geben. Offiziell dient es dazu den Lebensstandard der Einwohner zu verbessern. Doch die Anzahl der Menschen die sich einen Kühlschrank leisten können oder Bedarf an einer asphaltierten Straße haben ist verschwindend gering. Es ist nicht nur schade um den Sternenhimmel der seine Leuchtkraft gegen Straßenlaternen einbüßen wird, sondern Wer sich hier umschaut, der weiss was wirklich von Nöten ist. Wasser. Eine ordentliche Wasserversorgung ist nicht gegeben und die Menschen im Cha beziehen ihr Wasser entweder durch die wenigen Tage Regen im Jahr, oder transportieren es hoch. Inoffiziell ist also klar, dass die geplanten Verbesserungen dem Komfort der Touristen dienen. Eine Investition die man anders hätte einsetzen können. Wer an einen solchen Ort kommt, das ist klar, der muss sich den Lebensbedingungen zumindest ein Stück weit anpassen, und sei es nur aus Solidarität den Einwohnern gegenüber. Wer rauhe Natur erleben will, muss auch mit einer holpernden Straße zurechtkommen, und kann eben keine 100 Liter Wasser am Tag verbrauchen. Eine Streitfrage ist es allemal, fest steht jedoch dass der Reiz an der Natur im Wilden liegt, und auch darin dass sie nicht jedem zugänglich ist, sonst könnte man ebenso gut eine Seilbahn auf den Pico do Fogo errichten um auch jene hinaufzuschaffen die gerade keine Lust haben zu laufen. Gäste in Musafa’s Pension erwartet dennoch ein gehobener Standard und das trotz nachhaltigem Management. »Wir haben fast keine andere Wahl als nachhaltig zu leben«. Auf dem Haus sind Solarpanele die für Warmwasser sorgen, Tanks mit Regenwasser schaffen Wasservorräte. Es gibt ca 4 Stunden Strom am Tag, der mit einem Generator erzeugt wird. Die meisten Touristen haben damit kein Problem, sie stellen sich sogar auf weniger Komfort ein als gegeben ist. Doch Nachhaltigkeit bedeutet auch etwas anderes. Es bedeutet unter anderem, dass Mustafa seinen Angestellten einen angemessenen Lohn zahlt, ihnen einen sicheren Arbeitsplatz bietet. Und das ist auf den Kap Verden nicht immer selbstverständlich. Durch die Gründung der Kooperative wurde außerdem sichergestellt dass nur lokale Bergführer Touristen führen dürfen, Mustafa vermittelt seine Kunden an diese. »Es ist wichtig dass lokale Arbeit auch vor Ort bleibt, sonst haben wir irgendwann eine Invasion von Reiseveranstaltern die ihre Guides mitschicken und dann verdient jeder Geld außer den Locals. Das kann nicht angehn!« Könnte das die Bedrohung für die Kap Verdianer des 21. Jahrhundert darstellen, ein unkontrollierter Massentourismus der bereits auf Inseln wie Sal und Boavista fest integriert ist? Der eine Bedrohung für Kultur und Lebensraum der Einheimischen darstellt. Wer weiß, fest steht dass ein Volk wie die Kap Verdianer, das um den Aufbau und schließlich Erhalt seiner eigenen Kultur kämpfen musste und daher per se stärker mit dieser verbunden ist, sich nicht seiner Identität berauben lässt. Denn auch wenn wieder harte Zeiten kommen, ist doch immer irgendwie genug für eine Flasche Manecon, eine Gitarre und einen ausgelassenen Abend da. Und wer kann schon ein Lächeln stehlen.

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