Interview des Monats April 2012

Herbert Feuerstein: “Berlin ist meine derzeitige Lieblingsstadt, gleich nach Heilbronn”

Herbert Feuerstein ist den meisten als Harald-Schmidt-Sidekick aus Schmidteinander bekannt. Dabei kann der 72-jährige auf ein bewegtes und erfolgreiches Leben zurück blicken. Wir sprachen mit dem Tausendsassa, der am 20. April im Alten Theater auftritt, über seine freiwillige Exmatrikulation, sein Leben in New York und sein wirken als Chefredakteur des MAD-Magazins.

HANIX — Herr Feuerstein, am 20. April treten Sie im ALten Theater in Heilbronn mit ihrer Lesung «Reisen und andere Katastrophen« auf. Kennen Sie das Alte Theater bereits?

Herbert Feuerstein—Mit den Erinnerungen an Städte in denen ich aufgetreten bin, ist das immer so eine Sache. Meistens kommt man spät nachmittags an, tritt abends auf und ist dann schon wieder weg. Ich weiß aber dass ich schon einige Male im Zuge einer Lesereihe und auch für eine Theatertournee in Heilbronn war. Außerdem war in der Nähe ein ehemaliger Mitarbeiter von mir ansässig. Eine Frage von mir, ist da nicht auch die Götzenburg in der Nähe? Hier hatte ich vor längerer Zeit für das Morgenmagazin einen Dreh und ich kann mich noch erinnern dass auch ein Sommertheater stattgefunden hat.

HANIX —Richtig. Die Götzenburg ist in der Nähe und die Umgebung hier ist natürlich sehr schön. Aber zurück zu ihrem Auftritt im April im Alten Theater. Sie erzählen von ihren Reisen um die Welt. Was dürfen Besucher der Veranstaltung noch erwarten?

Herbert Feuerstein—Der Ausgangspunkt der Lesereise war die Fernsehsendung «Feuerstein´s Reisen«, die auf mehreren TV-Sendern wie ARD, SAT1 oder den dritten Programmen gelaufen ist. Ich dachte mir irgendwann, dass man hierzu was über das TV-Format hinaus machen müsste. Dann habe ich zusätzlich drei Reisebücher geschrieben und aus denen werde ich lesen, immer unterstützt von kurzen Einspielern der Fernsehsendungen, so dass man gedankliche Eindrücke der Bücher vergleichen kann mit der Serie. Sprich: Wie ist denn sowas mit dem Filmteam und allen Beteiligten umgesetzt worden. Das es «Reisen und andere Katastrophen heißt« ist einfach so entstanden, weil irgendwie alles was so in meinem Leben passiert ist und was ich gemacht habe als Katastrophe, im positiven Sinne, gesehen wird. Natürlich nur von mir, ich hoffe nicht auch von den anderen Menschen.

HANIX —Die Besucher müssen also keine Angst vor einem langweiligen DIA-Abend haben, wie man ihn von Besuchen bei unbeliebten Verwandten kennt?

Herbert Feuerstein—Ich habe das Ganze bestimmt schon 200 mal gemacht und eingeschlafen ist Gott sei Dank noch niemand. Die Besucher erwartet ein interessantes, spannendes und abwechslungsreiches Programm.

HANIX —Polarkreis, Himalaja, Afrika – gibt’s eine Region, die Sie besonders beeindruckt hat?

Herbert Feuerstein—Ich würde sagen, es ist immer die letzte Reise, die man am schönsten findet. Ich bin jetzt in einem Alter in dem man nicht mehr so locker herumreist sondern alles ein wenig bequemer und geplanter angeht. Früher bin ich natürlich immer abenteuerlustig und experimentell gestartet. Ich habe mir immer eingebildet, dass ich mit nur einem Handkoffer um die Welt reise, was ich dann teilweise sogar gemacht habe. Im Gegensatz dazu muss eine Reiseserie sehr exakt vorbereitet sein, womit mit dann oft automatisch in den Konflikt zwischen Vorbereitung und dem was dann tatsächlich passiert kommt. Der Reiz an Reisen ist aber auch, dass es immer Dinge gibt die anders passieren als geplant.

HANIX —Was für ein Bild der Schwaben treffen Sie auf Ihren Reisen an? Sie haben doch Schwaben auf ihren Reisen getroffen?

Herbert Feuerstein—Ich hab ja lange mit eine Schwaben namens Harald Schmidt zusammengearbeitet, daher sind mir die kulturellen Gepflogenheiten durchaus geläufig und nicht unsympathisch. Zumal ich ja auch in Stuttgart Theater gespielt habe. Grundsätzlich gibt es aber kaum eine Ecke, die mir nicht geläufig ist. Ich kann mich allerdings erinnern, dass es etwas schwierig ist wenn man das Badische erwähnt, da die Baden ja wohl keine richtigen Schwaben sind.

HANIX —Heilbronn liegt ja so mittendrin im schwäbisch-badisch-fränkischen Bermudadreieck…

Herbert Feuerstein— Ich habe auch sechs Jahre in einer ähnlichen Gegend im bayerischen gewohnt und bei Ausflügen wusste man irgendwie nie so richtig wo man war. In Hessen, Baden-Württemberg oder doch in Bayern.

HANIX —Sie haben Anfang der Neunziger die österreichische Staatsbürgerschaft abgelegt und wurden Deutscher. Wieso eigentlich? Seitdem geht es mit Österreich bergauf, mit Deutschland abwärts.

Herbert Feuerstein—Grundsätzlich war das eigentlich nur eine praktische Entscheidung. Ich habe fast immer im Ausland und nicht in Österreich gewohnt, außer vielleicht in meinen ersten 20 Lebensjahren. Ich fühle mich aber sowieso nicht irgendeiner Gruppe oder einer bestimmten Nationalität zugehörig. Ende der achtziger Jahre gab es einen relativ einfachen Weg die deutsche Staatsbürgerschaft zu erlangen, man musste nur nachweisen dass man zehn oder 15 Jahre in Deutschland gelebt hat und sich nichts zu schulden hat kommen lassen. Da Österreich damals noch nicht in der EU war, war es immer recht beschwerlich mit Visa-Anträgen und so weiter, die man benötigte um andere Länder zu bereisen. Somit war dies für mich wie gesagt eine rein praktische Entscheidung.

HANIX —Vor fast 55 Jahren sind Sie in Salzburg vom Mozarteum geflogen. Wie kam es dazu?

Herbert Feuerstein—Das wurde biografisch etwas verzerrt. Man hat mich nicht rausgeschmissen, man hat mir nur nahegelegt zu gehen, da es immer wieder Auseinandersetzungen gab. Ich bin aber freiwillig gegangen. Es hat auch schon lange eine Versöhnung mit der Institution und dem Nach-Nach-Nachfolger des damaligen Präsidenten gegeben.

HANIX —Sie haben sich also mehr oder weniger selbst exmatrikuliert und sind mit Anfang 20 nach New York gegangen. Eine Karriere als Penner im US-Moloch war eigentlich vorprogrammiert.

Herbert Feuerstein—Es war wohl nicht nur ein mutiger sondern ein fast schon wahnsinniger Schritt, den ich heute, mit jetzt vorhandener Lebenserfahrung, definitiv nicht wiederholen würde. Es kamen damals mehrere Gründe zusammen und ich habe den Schritt einfach gemacht. Ich hatte ja noch nicht mal die Möglichkeit zurückzukehren. Ich bin dann immerhin zehn Jahre geblieben, die nicht zu den angenehmsten aber mit Sicherheit spannendsten Lebensjahren gehören.

HANIX —Gefiel ihnen die Stadt?

Herbert Feuerstein—Inzwischen gefällt mir die Stadt, damals aber eher nicht. New York ist sehr angenehm wenn man sich das einigermaßen leisten kann. Wenn man aber irgendwie am Bodensatz angekommen ist und aus dem abgesicherten deutsch-österreichischem sozialen Netz kommt und sich dann dort dem Existenzkampf stellen muss, ist es eben nicht so einfach. Auch darüber erzähle ich, zumindest ein wenig, in meinen Lesungen.

HANIX —In den 1960ern erschien in Deutschland das Satiremagazin «Pardon«. Erzählen Sie von ihrer Zeit dort.

Herbert Feuerstein—Ich hatte angefangen als Korrespondent aus New York ein bisschen für den Pardon-Verlag zu schreiben. Dies liegt allerdings sehr lange zurück. Meine wichtige Zeit die kam dann erst als ich 20 Jahre lang, ab Anfang der siebziger Jahre, das MAD-Magazin gemacht habe.

HANIX —Herr Feuerstein, wie verrückt muss man für 20 Jahre MAD sein?

Herbert Feuerstein—Das kann ich nicht beurteilen, man macht eben einfach gesagt ein Zeitschrift, warum und weshalb ich vielleicht der Richtige oder verrückt genug war müssen schon andere beantworten.

HANIX —Die Auflage war mit 300.000 unter Ihrer Leitung höher als die gesamte Auflage aller anderen «MAD«-Hefte weltweit.

Herbert Feuerstein—Wahrscheinlich waren wir einfach so gut, hatten tolle Mitarbeiter, tolle Vorlagen. Vielleicht war Deutschland, aufgrund der Vertrautheit mit der amerikanischen Filmkultur von Kindheit an, einfach auch prädestiniert dafür. Es gibt ja kaum ein Land wie Deutschland, in dem man Filme fast nie in Originalsprache mit Untertiteln sieht. Hier wird alles sofort verdeutscht und synchronisiert. Es gibt mit Sicherheit aber viele Ursachen für den Erfolg. Mittlerweile existieren schon Magister- und Doktorarbeiten, die sich mit dem Erfolg von Mad beschäftigen.

HANIX —Bei welchem Magazin wären Sie heute gerne Chefredakteur? Und wieso?

Herbert Feuerstein—Ich glaube sie haben vergessen, dass ich 75 Jahre alt bin. Ich bin wahnsinnig froh, wenn ich das Pensum, was ich mir momentan auferlegt habe, schaffe. Zum Entsetzen meiner Frau arbeite ich momentan ein bisschen zu viel und versuche das einfach mal ein wenig zu reduzieren. Ich habe ja auch eigentlich alles das, wozu ich irgendwann mal Lust hatte, gemacht. Das ist eben der Vorteil, wenn man als Journalist anfängt und sich nicht von vornherein festlegt. Ich habe mein Leben immer alle zehn Jahre irgendwie verändert, sowohl räumlich als auch zeitlich.

HANIX —Bereuen sie die stetige Veränderung oder war dieses Lebenskonzept das richtige für Sie?

Herbert Feuerstein—Weder das Eine noch das Andere. Es gibt sicherlich eine Menge Dinge, die man bereut, aber auch viele Dinge die man richtig gemacht hat. So eine Art Lebensbilanz mag ich mir nicht zumuten und das ist auch ein sehr schwieriges Thema.

HANIX —Wohin wird ihre nächste Reise gehen?

Herbert Feuerstein—Ich bin gerade zurückgekommen von meiner Lieblingsinsel Fuerteventura, auf der man stundenlang einsam liegen kann ohne jemanden zu sehen. Leider habe ich jetzt gelesen, dass die dortige Regierung dabei ist, Ölbohrungen vor der Insel zuzulassen, was für mich ziemlich furchtbar wäre. Auf der anderen Seite ist das Leben nun mal ein einziges Abschiednehmen. Wohin die nächste große Reise geht ist noch offen, da dies auch ein wenig vom Arbeitsrhythmus meiner Frau, die als Redakteurin arbeitet, abhängt. Meine nächste Reise geht nach Berlin, meiner derzeitigen Lieblingsstadt, gleich nach Heilbronn. Die nächste große Reise wird wohl wieder mal in den asiatischen Raum gehen. Hier habe ich schon viele Länder von Vietnam, Birma über Laos, Thailand bis hin nach Malaysia, welches ich sogar ein wenig als meine Entdeckung anpreise, gesehen. Die Welt liegt einem heutzutage so bequem zu Füßen, das man kaum aufhören kann zu reisen.

HANIX —Herr Feuerstein, was ist für Sie das faszinierende am Reisen?

Herbert Feuerstein—Es ist die unmittelbare Neugier und die Auseinandersetzung mit vielen anderen möglichen Lebensweisen und Gesellschaften. Natürlich aber auch die Natur und die Wunder die es überall zu sehen gibt. Aber hauptsächlich ist es bei mir, wie gesagt, die Neugier.

Facebook Posts

This message is only visible to admins.

Problem displaying Facebook posts.
Click to show error

Error: Server configuration issue