Interview des Monats November 2012

Ottfried Fischer: »Man darf zu den Heilbronnern auch nicht Badenser sagen«

Ottfried Fischer ist der Bulle von Tölz, als Pfarrer Braun löst er ebenfalls Kriminalfälle im Fernsehen und er ist einer der beliebtesten Kabarettisten in Deutschland. Wir sprachen mit dem Prachtbayern, der Ende November im Alten Theater in Sontheim zu sehen sein wird, über die verloren gegangene Schlitzohrigkeit der CSU, den Unterschied zwischen Fans des FC Bayern und 1860 München, über die Unwahrheit, dass Bad Tölz zu Österreich gehört und einen möglichen Spaziergang durch die Heilbronner Innenstadt.  

HANIX — Ihr Vater stammt aus Nordrhein-Westfalen. Man mag es kaum glauben…

Ottfried Fischer—Mein Vater ist mit 18 Jahren aus dem Ruhrpott nach Bayern gezogen. Ich wurde deshalb zu einem polyglotten Kosmopoliten, der zwischen der bayerischen und preußischen Welt gewandert ist.  

HANIX — Die Liebe zu ihrer Mutter verschlug ihn in jungen Jahren nach Bayern. Konnte er den am Ende bayerisch?

Ottfried Fischer—Bayerisch hat er nie gesprochen. Er hat den Dialekt verstanden aber er hat sich nie die Blöße gegeben zu versuchen bayerisch zu sprechen. Wenn man kein Einheimischer ist, kann man den bayerischen Dialekt nicht nachahmen. Die Bayern hätten den Versuch der Nachahmung auch als simple Anbiederei betrachtet. Das wollte mein Vater nicht.

HANIX — Schwaben können in ihrer Landeshauptstadt einen Grünen zum Oberbürgermeister und einen anderen zum Ministerpräsidenten machen. Vorstellbar in München?

Ottfried Fischer—Nein, das ist kaum denkbar. Ich glaube, dass sich die freie Wählerschaft im entscheidenden Moment eher für schwarz als für rot entscheidet. Bayern war ein schwarzes Land, ist ein schwarzes Land und wird auch in Zukunft schwarz bleiben.  

HANIX — Was ist eigentlich in der CSU los? Gefällt ihnen, was Sie da sehen?

Ottfried Fischer—Die CSU hat leider nicht mehr dieses homogene Erscheinungsbild, das die Partei einmal ausgezeichnet hat. Die CSU war immer konservativ und rückständig. In manchen Punkten war die CSU aber auch sehr modern. In den Augen der Bayern hat die CSU eine sehr gute Politik gemacht. Die Partei war natürlich auch sehr gut vernetzt in Bayern. Wenn gewisse Programmpunkte beim Volk nicht so gut ankamen, hat das die Partei sehr früh erfahren und konnte rechtzeitig korrigieren. Diese schlitzohrige Weltschlauheit und Bürgernähe hat die Partei nicht mehr. Bei Horst Seehofer weiß man auch nicht genau wo er überhaupt hingehört.  

HANIX — Wie geht es Horst Seehofer eigentlich? Auf dem CSU-Parteitag hat er gesagt: »Wer Bayern liebt, muss für die CSU sein.« und das es eine riesige Chance, gebe , dass das Jahr 2013 zu einem der erfolgreichsten der CSU-Geschichte wird.  

Ottfried Fischer—Horst Seehofer wird ein sehr passables Ergebnis abliefern bei der Landtagswahl im nächsten Jahr, da er der Einzige ist, der eine gewisse Kompetenz ausstrahlt, auch wenn er sehr wankelmütig ist. Außerdem hat er ein hohes Maß an bundespolitischer Erfahrung vorzuweisen und, trotz allem, hinterlässt er einen sehr sympathischen Eindruck und ist ein Politiker zum Anfassen geblieben. Alles in allem hat Horst Seehofer für einen Politiker schon sehr viele positive Seiten. Es war auch noch nie ein schlechtes Zeichen, wenn man sich in Berlin über bayerische Politiker ärgert, im Gegenteil, für Bayern war dies meistens sogar gut.

HANIX — Münchens Oberbürgermeister Christian Ude tritt für die SPD gegen Horst Seehofer an. Ist das ein Duell, das für politisches Kabarett taugt?

Ottfried Fischer—Diese Frage würde ich mit Ja beantworten, da Herr Ude mit seiner Kandidatur schon selbst Kabarett betreibt. Ich würde allerdings alles dafür verwetten, dass Christian Ude leider einen aussichtslosen Kampf führt und keine Chance hat. So gern ich ihn auch in einem wichtigen Amt sehen würde, da er einer der geradlinigsten Politiker ist die ich kenne und Christian Ude mit seinem Know-How für Bayern nicht der Schlechteste wäre.

HANIX — Ist er wenigstens ein Kandidat für einen Achtungserfolg?

Ottfried Fischer—Einen Achtungserfolg kann er durchaus erreichen. Dies hängt natürlich stark davon ab, wie viele Stimmen er von den Freien Wählern holen kann. Er wird allerdings wenig CSU-Wähler zu sich holen können, da dies schon immer sehr schwierig war. Es sei denn, die CSU hätte keinen geeigneten Gegenkandidaten, was sie mit Herrn Seehofer aber hat.

HANIX — Seehofer will seine Nachfolge bis 2018 selbst regeln. Er hat vier Kandidaten plus einen Joker. Kommt Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg zurück? Braucht Bayern und die CSU den Mann mit dem längsten Vornamen der Welt?

Ottfried Fischer—Na wenn die Piratenpartei das Plagiat ganz durchbringt, wird dies auch kein Problem mehr sein, Guttenberg zu reaktivieren.

HANIX — Bei dem Thronanwärter-Quartett handelt es sich um Bundesagrarministerin Ilse Aigner, Finanzminister Markus Söder, Sozialministerin Christine Haderthauer und Innenminister Joachim Herrmann. Der Joker auf Platz fünf sei offen und könne wechseln. Nicht auf der offiziellen Liste steht Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, den Seehofer nach den Wahlen 2013 reaktivieren will. Was sagen Sie zu der Liste. Sind gute Leute drauf?

Ottfried Fischer—Die Frage ist: Gut für was? Ilse Aigner ist ein gutes Dirndl-Model, Herr Herrmann ein ministrabler Trench-Coat-Träger der martialisch das Innere verteidigt und dabei, meiner Ansicht nach, nicht gerade der Kompetenteste hierfür ist. Zu Christine Hadertauer muss ich leider sagen, dass es doch reicht, dass wir mit Stoiber einen dünnen Preußen hatten und sie wird das bayerische Volk nicht überzeugen können. Bei Söder hoffe ich, dass ich so langsam rumspricht, dass er eher in den Ikea-Katalog gehört als auf die politische Bühne.

HANIX — Ende des Jahres hören Sie bei Ottis Schlachthof aus gesundheitlichen Gründen auf. Wissen Sie schon, wie der freiwerdende Sendeplatz besetzt wird?  

Ottfried Fischer—Ich weiß ehrlich gesagt nicht was aus dem Sendeplatz werden wird. Ich hoffe aber sehr, dass es wieder ein Programm geben wird das dem Kabarett dient. Nachdem hier einige sorgenvolle Stimmen auftraten, habe ich mich entschlossen lieber eine Woche früher aufzuhören als einen Tag zu spät und der Respekt der mir hierfür entgegenkommt gibt mir Recht. Ich erinnere mich lieber an 17 schöne Jahre, als dass ich dem Ende der Sendung nachtrauere.

HANIX — Was kommt danach? Haben sie schon Pläne?

Ottfried Fischer—Ich schreibe zur Zeit Erinnerungen auf und anschließend werde ich einen Roman schreiben. Des weiteren werde ich mehrfach mit einem Best-Of-Programm auftreten, womit man wohl sagen kann, dass es genug zu tun gibt und es mir nicht langweilig werden wird.

HANIX — Am 20. November treten Sie im Alten Theater in Sontheim auf. Nicht zum ersten Mal. Die Bühne dort scheint ihnen zu gefallen.

Ottfried Fischer—Mir gefällt es dort außerordentlich gut. Erstens ist hier eine hervorragende Betreibermannschaft tätig und zweitens ist das Alte Theater eine tolle Kleinkunstbühne, die man unterstützen sollte und wofür ich auch immer wieder Werbung mache. Meiner Meinung nach bringt eine Kleinkunstbühne in jeder Stadt eine Steigerung der Lebensqualität, die man nicht missachten sollte.

HANIX — Waren Sie vor einem ihrer Auftritte in Sontheim auch in der Heilbronner Innenstadt oder haben Sie diese gemieden?

Ottfried Fischer—Da ich immer sehr spät in Heilbronn ankomme habe ich, zugebenermaßen, noch nicht viel von der Stadt sehen können. Vielleicht schaffe ich es ja dieses mal.

HANIX — Heilbronn ist Eishockey-Stadt. Erzrivale ist Bad Tölz. »Tölz gehört zu Österreich« war ein gern intonierter Schmähgesang der Heilbronner Fans. Was sagt der Bulle von Tölz dazu?

Ottfried Fischer—Das ist einfach nicht wahr. Meines Wissens nach, darf man zu den Heilbronnern auch nicht Badenser sagen. Ich bin ehrlich gesagt einfach nur froh gute Eishockeyspiele zu sehen, auch wenn ich natürlich näher an Bad Tölz als an Heilbronn dran bin. Ich hoffe auch, dass sich genau dieses Eishockey noch weiter entwickelt und vielleicht irgendwann die DEL auf den Misthaufen der Geschichte geworfen wird und wieder eine Liga ins Leben gerufen wird, die aus Siegen und Scheitern besteht, was zum Sport dazugehört. Ich bin einfach dafür dass dieses anarchische Eishockey wieder mehr gesehen wird und wenn die Heilbronner hier dabei sind haben sie meinen Segen.

HANIX — Sie selbst mögen Fußball allgemein und 1860 München im Besonderen. Machen die Sechzger ihnen diese Saison Freude?

Ottfried Fischer—Bis jetzt, trotz ein paar kleiner Ausrutscher, schon. Ich hoffe allerdings sehr, dass meine Freude in der zweiten Saisonhälfte anhält, da 1860 in der Rückrunde traditionell schwach wird.

HANIX — Und freuen Sie sich auch ein bisschen über den Startrekord des FC Bayern in der Bundesliga?

Ottfried Fischer—Ach, das hab ich gar nicht so richtig mitbekommen. Gibt es da einen neuen Startrekord? Na dann ist ja der FC Bayern gut dabei. Momentan denke ich beim FC Bayern immer noch an den Unterschied zu einem Buch: Ein Buch hat einen Titel.

HANIX — Was unterscheidet einen Blauen von einem Roten? Beide Lager mögen Weißbier, Weißwurst und Fußball…

Ottfried Fischer—Beim 1860 können sie noch Asbach mit Cola dazu nehmen, wogegen der Bayern-Fan aus dem Businessbereich die zweite Halbzeit gar nicht mehr anschaut sondern innen weiter isst und das Ganze auf dem Fernseher verfolgt. Der 60er Fan hingegen vergießt mehr Herzblut und hängt mehr an seinem Verein als die Bayern-Fans, da diese nur zur besseren Gesellschaft gehören wollen und somit auch etwas gemächlich sind. Von daher ist es bei den Roten eher etwas langweilig als bei den Blauen.

HANIX — Sie bieten im November ein Best of »Mehr sog I net« im Alten Theater dar. Was dürfen Besucher ihres Programms erwarten?

Ottfried Fischer—Die Besucher erwartet eine Art Biografie von mir selbst unterlegt mit Texten und der Möglichkeit mir auch Fragen zu stellen. Es ist ein interaktives Kabarett und eine Art Lebenslaufdarbietung. Wichtig ist mir hierbei, dass alles sehr locker und entspannt ablaufen wird.

HANIX — Wird man Sie in Zukunft immer wieder im Alten Theater zu sehen bekommen oder ist das eventuell ihr letzter Auftritt in Heilbronn?

Ottfried Fischer—Wenn die Macher mich haben wollen, bin ich jederzeit wieder da, weil das Alte Theater einfach ein sehr schönes Haus ist.

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