Titelthema Essen und Trinken September 2012

GASTHAUS WALDBLICK

In Degmarn führt Fritzi Lenz seit nun zehn Jahren das kulinarisch beste Sportheim im Landkreis. Für ihren Rostbraten ist sie weit über Degmarns Grenzen hinaus bekannt, hat sie uns verraten.

HANIX — Frau Lenz, Anfang September feiern Sie zehnjähriges Jubiläum als Pächterin des ­Degmarner Sportheims »Waldblick«. Eine lange Zeit.

FriTzi Lenz — Genau, vor zehn Jahren habe ich das Waldblick übernommen. Das Vereinsheim lief damals schon ganz gut. Seit ich hier Pächterin bin, gab es in dieser Zeit nochmals eine Umsatzsteigerung von 35 – 40 %.

HANIX — Wie kamen Sie dazu Pächterin eines Sportheims zu werden?

FriTzi Lenz — In der Zeitung stand eine Stellenanzeige des Waldblick. Daraufhin habe ich mich gemeldet und wurde auch sofort eingestellt. Ich habe also fünf Jahre bevor ich Pächterin wurde angefangen hier in ­Degmarn zu bedienen. Davor habe ich auch in der Spaghetti-Oper gearbeitet und im Café Münch ausgeholfen. Das war mir dann irgendwann alles zu schick, deshalb wollte ich aufs Land. Ich muss auch sagen, dass ich mich hier auf dem Land wohler fühle als in städtischer Gastronomie. Vor zehn Jahren wurde dann das Vereinsheim zur Pacht ausgeschrieben und ich habe mich zusammen mit meiner Tochter beworben. Ich habe dann glücklicherweise auch den Zuschlag bekommen aber in den ersten anderthalb Jahren gleichzeitig immer noch für den ASB gearbeitet.

HANIX — Worin liegt ihr Erfolg. Ein Pächterwechsel birgt ja immer auch die Gefahr, dass langjährige Stammgäste die Lokalität wechseln.

FriTzi Lenz — Zum einen in meinem guten Serviceteam, das von Beginn an mit dabei ist. Dazu habe ich fleißige Helfer in der Küche. Ich selbst kümmere mich um Einkauf, das Kochen und, wenn man es so nennen will, das Management des Waldblick. Ich bin immer da, das ist den Leuten sehr wichtig. Dann möchte ich behaupten, dass ich gut koche. Bei mir gibt es gut bürgerliche Küche. Und ich gehe auf die Wünsche meiner Gäste ein.

HANIX — Gab es denn hier in Degmarn auch Skeptiker als Sie das Sportheim als Pächterin übernommen haben?

FriTzi Lenz — Zunächst waren viele Skeptiker da. Der Vorstand des TSV Degmarn hat nun zu meinem zehnjährigen Jubiläum als Pächterin in der Vereinszeitung geschrieben, dass alle Anfangsskepsis verflogen ist und der Verein noch nie eine solche Wirtin hatte. Das hat mich natürlich gefreut und auch stolz gemacht.

HANIX — Es klingt so als wären Sie gerne hier in Degmarn.

FriTzi Lenz — Inzwischen habe ich auch eine Wohnung hier in Degmarn und bin richtige Degmarnerin geworden, möchte ich behaupten.

HANIX — Wer außer die Degmarner Sportler und Fans besucht ihr Sportheim noch?

FriTzi Lenz — Ich habe hier neben den Gästen aus dem Vereinsumfeld auch sehr viele Familienfeiern, wie Geburtstage, Hochzeiten, Kommunionen und Konfirmationen. Oft kommen auch Wander- oder Fahrradgruppen. Neben dem Sportheim liegt die Sporthalle, so dass ich dadurch auch größere Feiern bewirten kann. 210 Gäste war bisher die größte Zahl an Menschen, die wir hier auf einmal betreut haben. Die Halle wird dann immer schön dekoriert, dabei helfen mir immer Leute des TSV. Und der schöne Spielplatz neben dem Sportheim ist sicherlich auch ein Argument für Familien hier bei mir einzukehren.

HANIX — Ihre Gäste kommen aus dem gesamten Heilbronner Landkreis oder beschränkt es sich auf die Degmarner Ecke?

FriTzi Lenz — Meine Gäste kommen tatsächlich aus dem ganzen Landkreis. Das beschränkt sich zum Glück nicht nur auf die Nachbargemeinden Degmarns. Auch darauf bin ich ein bisschen stolz, da ich keine Werbung betreibe und sich das alles über Mund-zu-Mund-Propaganda herumgesprochen hat, dass man in Degmarn im Waldblick gut essen und sich wohlfühlen kann.

HANIX — Ihr Sportheim ist sicherlich eines der besten im Unterland. Haben Sie mit diesem Ruf und diesem Erfolg geliebäugelt als Sie vor zehn Jahren angefangen haben?

FriTzi Lenz — Mit dem Erfolg hatte ich nicht gerechnet. Ich wollte eigentlich vor vier Jahren, mit 60 Jahren, kürzer treten und an meine Tochter übergeben. Leider ist sie durch einen tragischen Unfall verstorben. Das war vor sechs Jahren. Zurück zum ASB wollte ich nicht und ich muss sagen, dass mich die Menschen hier unheimlich unterstützt und ermutigt haben nach diesem Schicksalsschlag weiter zu machen. Das Sportheim war damals sogar noch besser besucht, weil mir die Degmarner zeigen wollten, dass ich auf sie zählen kann. Dafür bin ich unglaublich dankbar. Mit dieser Unterstützung hatte ich nicht gerechnet, das vergesse ich den Menschen hier auch nicht. Der ganze Ort stand hinter mir.

HANIX — Welche Sportler kehren hier bei ihnen ein? Fußball wird in Degmarn ja nicht gespielt, obwohl es einen wunderbaren Rasenplatz direkt vor ihrer Außenterrasse gibt.

FriTzi Lenz — Wir in Degmarn sind eine reine Handballhochburg. Sonntag abends bin ich bei den Spielen natürlich auch dabei und schaue zu. Ich sponsore unsere Handballer auch.

HANIX — Was würden Sie Menschen raten, die sich überlegen, eine Vereinsgastronomie zu übernehmen? Sicher muss man etwas anders vorgehen als bei einem »normalen« Restaurant.

FriTzi Lenz — Eine klare Linie mit der Vereinsvorstandschaft ist unabdingbar. Das muss auch ganz am Anfang abgeklärt und abgesprochen werden. Wie man miteinander zusammenarbeiten will und sich die Zusammenarbeit vorstellt muss unmissverständlich definiert sein. Daran müssen sich danach auch beide Seiten halten. Klar ist, dass das Waldblick das Sportheim des TSV Degmarn ist und der Verein und seine Mitglieder Vorrang haben. Aber auch von meiner Seite mussten Grenzen gesteckt werden. Vom Verein erwarte ich zum Beispiel, dass die Sportler ab und zu auf eine andere Lokalität ausweichen, wenn ich gerade eine große Familienfeier im Waldblick habe. Aber das funktioniert hier in Degmarn sehr gut.

HANIX — Sie kochen selbst, haben Sie uns verraten. Wofür sind Sie besonders bekannt?

FriTzi Lenz — Ich bin bekannt für meinen Rostbraten und die diversesten Schnitzelvariationen. Meine Soßen setze ich übrigens jede Woche selbst an. Das ist auch nicht überall Gang und Gebe. Und ich möchte behaupten, dass man das auch schmeckt.

HANIX — Ihr zehnjähriges Jubiläum steht kurz bevor. Wird es auch ein zwanzigjähriges geben?

FriTzi Lenz — Das fünfzehnjährige Jubiläum strebe ich hier im Waldblick schon an. Ob es ein zwanzigstes geben wird, steht noch in den Sternen. Da lasse ich mich selbst überraschen.

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