Titelthema Essen und Trinken September 2012

Das Hasenmahl

Einer Tradition aus dem 15. Jahrhundert folgend, als sich -Obrigkeit und Bürgerschaft Heilbronns zum feierlichen Gelöbnis gegenseitiger Treue trafen, laden Oberbürgermeister und -Gemeinderat noch heute alljährlich zum Hasenmahl ein. Dabei finden Menschen aus allen Bereichen der Stadt zu zwanglosem Gespräch zusammen. Zur festen Tradition des Mahls gehört 
-auch die Hasenmahlrede durch eine vom Oberbürgermeister ausgewählte Persönlichkeit. Die Rede aus dem Jahr 2004 wird exemplarisch hier nun zum Nachlesen veröffentlicht.

Hasenmahlrede 2004 gehalten von Klaus Zwickel, 1993-2003 IG Metall-Vorsitzender

Liebe Festgäste,

1. das Hasenmahl ist ja immer für Überraschungen gut und für Unvorhergesehenes bekannt. Und das betrifft ja nicht nur die Qualität des Essens oder die Qualität der Getränke. So auch heute. Es hat die meisten von Ihnen heute Abend sicher überrascht, »den linken Zwickel« an der rechten Seite des Oberbürgermeisters zu sehen. Ich will alle denkbaren Spekulationen von vorne herein ausschließen und auch die üblichen Gerüchte erst gar nicht aufkommen lassen. Deshalb schon jetzt unmissverständlich und auch schriftlich fürs Protokoll:
 -»Der Zwickel« hat die Seite nicht gewechselt. Weil ich nicht vergesse, wo ich herkomme, weiß ich auch, wo ich hingehöre. Ich bin mir sicher, dass ich mit diesen Hinweisen meine politischen Freunde nicht wirklich überrascht und meine gewerkschaftlichen Kollegen für immer beruhigt habe. Das hoffe ich zumindest! Ihr könnt also weiterhin auf mich bauen, so wie ich auch weiter auf euch vertrauen werde. Anderseits weiß ich es auch zu schätzen, dass ich mit dieser Klarstellung meine politischen »Gegner« nicht übermäßig verwirrt und meine persönlichen Kritiker, die es ja Gerüchten zufolge immer noch geben soll, nicht wirklich enttäuscht habe. Auch Sie wissen, wer ich bin. Und Sie wissen auch, was ich bleiben werde. Der Herr Oberbürgermeister hat mich also trotz meiner gewerkschaftspolitischen Vergangenheit und des Wissens um meine politische Überzeugung in die Reihe der »Oberhasen« aufgenommen. So weit, so gut. Ich habe lange gerätselt, warum er das gemacht hat und was er sich davon verspricht. Das Hasenmahl vereint ja in langer Tradition »Freund und Feind«. Das könnte schon ein Grund für diese Einladung sein. Aber war es auch der wirkliche Anlass? Sicher hat der OB ein großes Herz und viel Verstand. Herz und Verstand zeichnen die Oberbürgermeister von Heilbronn immer aus. Wie könnte es auch anders sein? Vielleicht wollte Herr Himmelsbach aber auch nur Mitgefühl zeigen. Und deswegen dachte er vermutlich: Wenn die Gewerkschaften gegenwärtig schon nichts zu lachen haben, dann soll wenigstens einer von ihnen uns hier zum Lachen bringen! Schadenfreude ist bekanntlich ja die schönste Freude. Aber ich warne schon jetzt vor falscher Freu-de und schneller Gewissheit, und das mit keinem schlauen -Gedanken eines Gewerkschafters, sondern mit einem klugen Spruch von Wilhelm Busch, der besagt: »Wer sich freut, wenn wer betrübt, macht sich meistens unbeliebt!« Aber daran kann der Oberbürgermeister kein Interesse haben. Auch der Oberbürgermeister von -Heilbronn kann sich Schadenfreude trotz lautstarker Agenda-Politik von Gerhard Schröder im Bund und leiser Samthandschuh-Politik von Ute Vogt im Ländle sicher nicht leisten. Schließlich will er bei der nächsten Wahl parteiübergreifend bestätig werden. Nicht wahr, Herr Himmelsbach? Also bin ich mir sicher, es sollte keine Schadenfreude über den Zustand der Gewerkschaften sein, die mir diese Einladung verschafft hat. Hoffentlich hat auch die Erwartung keine Rolle gespielt, dass ich hier einen Abgesang auf meine Mitstreiter anstimme. Wer darauf spekuliert hat, wird enttäuscht werden. Es muss also wohl andere Gründe für meine Einladung geben. Vermutlich gibt es einen ganz einfachen Hintergedanken. Jetzt, wo »der Zwickel« aus dem großen politischen Geschäft raus ist und mit seiner Rente den Umsatz der lokalen Geschäfte steigert, hat er es endlich verdient, uns den Hasenmahlredner zu machen. Und/Oder es soll, nach den Böckinger HasenmahlrednernSiegfried Schilling und Otto Egerter, ein weiterer Beitrag zur Wiedergutmachung der Annektierung von Böckingen sein. Ich wohne zwar schon lange und gerne in Sontheim, aber wenn ich über den Neckar fahre, kommt immer der Gedanke »Es gibt keinen Weg, der nicht auch nach Hause führt«. Danke, Herr Himmelsbach, für die Einladung. Auf die Gesundheit von uns allen und auf die Umsatzsteigerung der Heilbronner Geschäfte!

2.Verehrte Gäste, meine Damen und Herren, das Heilbronner Hasenmahl hat eine lange Tradition

und stellt ein außergewöhnliches Ereignis dar. Deshalb ist auch die Hasenmahlrede eine besondere Herausforderung für mich und ein herausragendes Erlebnis. Für alle Redner war es immer zugleich eine große Ehre, diese Festmahlansprache halten zu dürfen. Aber meistens war es auch die letzte Chance für sie, noch mit einer Aufgabe zu wachsen. Das ist die eine Seite der Medaille, die andere betrifft die Zuhörer. Für sie war es immer eine gute Gelegenheit, mit Beifall die verbalen Bosheiten der Sprecher zu beklatschen und die spitzen Gemeinheiten der Redner zu bejubeln. Bosheiten und Sticheleien, die man sich selbst nicht traut zu äußern – zumindest nicht in der Öffentlichkeit und vor den Ohren der Presse. Gelegentlich sollen interessierte Zuhörer auch schon mal auf deftige politische Entgleisungen gehofft und auf kräftige Schläge für den politischen Gegner gewartet haben. Entgleisungen und Attacken, zu denen man angeblich selbst nie und nimmer fähig ist – zumindest nicht im nüchternen Zustand. Journalisten, Politiker, Stadträte und andere anwesende Honoratioren trinken ja gelegentlich so wenig, wie gerade noch hineingeht. Also sind sie weder zu unflätigen Bosheiten in der Lage noch zu verbalen Attacken fähig. Gewerkschaftern wird ja bekanntlich das Gegenteil unterstellt.Aber das ist eine andere Geschichte, die heute hier nicht passt. Bei den Hasenmahlfeiern ist im Laufe der Zeit eine illustre Schar von Festrednern aufgetreten. Es ist über die Jahre eine beeindruckende Sammlung von Festansprachen zusammen gekommen. Unzählige ausgewiesene Hasen-Experten gaben sich hier die Ehre. Das Ergebnis ist, dass wohl in Heilbronn inzwischen jeder den Unterschied zwischen Stallhase und Feldhase kennt und genau zu unterscheiden weiß zwischen Dachhase und Osterhase. Auch die Begriffe »Meister Lampe« oder »Mümmelmann« gehören längst zum aktiven Sprachschatz aller Heilbronner. Das liegt daran, dass hier in jedem Jahr in feierlicher Runde die Gelegenheit geboten wird, lexikalisches Wissen aufzufrischen und die Verbundenheit mit der Natur zu unterstreichen. Günther Jauch sollte niemals einem Heilbronner die Hasenfrage stellen. Für die richtige Antwort braucht er ganz sicher weder das Wissen des Publikums noch die Hilfe des Telefonjokers. -
Es ehrt den Heilbronner, dass er viel weiß und das auch jederzeit unter Beweis stellen kann – oft ungefragt und meist auch ungebeten. Aber -es zeichnet ihn besonders aus, dass -er alles über Hasen weiß und das auch immer präsent hat. Dem Hasenmahl sei Dank! Verdienstvoll ist sicher auch, dass beim Festmahl immerwieder alte Hasen zeigen, was sie »jungen Füchsen« voraushaben. Viele haben diese Chance genutzt – nicht immer zum persönlichen Vorteil, aber oft zur allgemeinen Belustigung des Publikums. Um die Angsthasen, die schon bei der ersten vorsichtigen Anfrage, ob sie als Gastmahlredner in Frage kommen, das Hasenpanier ergriffen haben, ist es deshalb auch überhaupt nicht schade. Ganz im Gegenteil: Es ist gut so, dass das Hasenmahl sich seiner Tradition bewusst ist und auch treu bleibt. Für falsche Hasen ist hier kein Platz! So stehe ich heute hier und gestehe: Mein Name ist Zwickel, und ich halte die diesjährige Hasenmahlrede! Also wird von mir – wie üblich – erwartet, überflüssiges flüssig vorzutragen.

3.Meine Damen und Herren, was aber bleibt für mich an Themen angesichts der geistreichen Reden der letzten Jahre und der vielen geglückten Ansprachen in der Hasenmahltradition? Was also erzählen und gleichzeitig verhindern, als Hasenfuß in die -Geschichte dieser Veranstaltung einzugehen? Oder – was noch schlimmer wäre: Zum Gespött der Heilbronner Stimme zu werden. Man kommt ja leicht ins Gerede, wenn man den hohen Erwartungen nicht entspricht und sich den großen Herausforderungen nicht stellt. Ein Knaller wäre sicher, wenn ich jetzt das Ende des Hasenmahls fordern würde. Aber bitte, meine Damen und Herren, und ich meine damit besonders die Anhänger der Carneval-Gesellschaft Heilbronn: Hegen Sie jetzt bloß keine falschen Hoffnungen! Ich plädiere nicht dafür, künftig auf die Ausrichtung des Hasenmahls zu verzichten. Das würde zwar dem kommenden Redner die Qual der Vorbereitung ersparen, aber auch das Publikum um die Geselligkeit dieses Abends bringen. Herr Kilgus von der CGH hat ja kürzlich eine Absage des Hasenmahls in Erwägung gezogen und gleichzeitig die CGH schon mal als Betreiberin eines künftigen Landerer-Spielcasinos ins Gespräch gebracht und den Stadtkämmerer aufgefordert, künftig Lotto zu spielen. Wer so denkt, sollte konsequent sein und im Rahmen der Verwaltungsreform die Abschaffung des Finanzdezernats fordern. Wer also hat den Mut, jetzt in den Gemeinderatswahlkampf mit dem Motto zu gehen: Privatisierung der Stadtkasse – Glücksritter ersetzen Stadtkämmerer? Meine Damen und Herren Stadträte, es widerspricht dem Zeitgeist, die Finanznot der Stadt mit Transparenten und Demonstrationen zu beklagen. Innovationen sind gefragt! Wie diese aussehen könnten, wurde am Dienstag dieser Woche schon einmal geübt. Exklusiv in Heilbronn ging ein Euro-Regen nieder. Der OB hat sich schon ein-mal den Niedergang der Scheine angesehen. Zugegriffen hat er noch nicht. Vielleicht aber gibt es bereits Überlegungen, »reformfreigesetzte« städtische Mitarbeiter künftig leistungs-entlohnt als »Euro-Sammler« einzusetzen. Ich füge gleich hinzu, wer bei solchen Privatisierungsinnovationen jetzt auf Neckarwestheim verweist, gehört zu den Blockierern. Verwundert bin ich, dass darauf die Stadtliberalen noch nicht gekommen sind, wo doch ihr Landes-Döhring vor jedem Dreikönigstreffen -beklagt, die FDP wäre zu langweilig. Aber ich bin jetzt weggekommen von der volksnahen Überlegung, das Hasenmahl für die Sanierung der Stadtkasse zu opfern. Meine Schwiegermutter, der Herr hab sie selig, hat mir schon vor zwanzig Jahren vorgehalten, dass »die da« auf Kosten der Stadt feiern würden. übrigens die Absicht, Hasenessen zu verbieten, ist nicht neu. Anno 751, also schon vor sehr langer Zeit, verbot Papst Zacharias den Verzehr von Hasenfleisch. Nicht aus -finanziellen Gründen oder um etwa den Hasenbestand zu sichern. Vielmehr war er der Meinung, dass das damals »Teufelsbraten« genannte Hasenfleisch für die keuschen Christen eine Gefahr darstelle. Ja, Sie haben richtig gehört: Hasenfleisch galt damals als Gefahr für Christen! Gut, dass dieser Papst nicht heute lebt. Ich hoffe jedenfalls, Sie alle schließen sich meiner Forderung an: Das Hasenmahl muss bleiben! Gut, dass sie schon Beifall gegeben haben. Ich wollte noch anfügen, wenn die Not noch grösser wird, könnte vielleicht und unter Umständen eventuell in Erwägung gezogen werden, am Ende des Essens nicht nur die Knochen einzusammeln, sondern auch einige Euros. Nachdem Kranksein mit Selbstbeteiligung modern sein soll, sollten sich die »Nutznießer« des Hasenmahls kollektiv schützen, um erst gar nicht den Verdacht einer »sozialistischen« Feier aufkommen zu lassen. Mit anderen Worten, ich schlage statt der Abschaffung ein Hasenmahlbündnis vor mit Öffnungsklausel und mehr Flexibilität für alle, die auch den Wein bezahlen können. Ich hoffe, dass mich der Chefredakteur der »Stimme«, Herr Dr. Bok, dabei unterstützt. Um Flexibilität geht es heute überall. Besonders meine Partei sucht eine neue Furche, dem alten Märchen der Gebrüder Grimm vom Hasen und dem Igel eine wahltaktische Fassung zu geben. Wir wissen ja inzwischen, dass der Igel als »Kaktus des Tierreiches« gelegentlich unterschätzt und als »Steckkissen unter den Tieren« manchmal falsch eingeschätzt wird. Aber auch das Bild vom scheuen Hasen trifft nicht immer die Realität. So stellt sich in der politischen Auseinandersetzung die Frage immer wieder neu: 
Wer -ist der schlaue Igel, und wer macht den schnellen Hasen? Wer jagt hier wen übers Feld und mit welchem Ergebnis durch die Furche? Die Heilbronner SPD scheint mir jedenfalls weiter zu sein als die Bundes-SPD. 40 Prozent der Gemeinderatskandidaten, so war -zu vernehmen, gehören nicht der SPD an. Man will es ja verstehen. Mir kamen dabei zwei Überlegungen in den Sinn: Erstens, damit soll Offenheit, Toleranz und Bürgernähe gezeigt werden. Dafür scheint es kein ausreichendes Potenzial an Parteimitgliedern zu geben. Zweitens, die parteilosen Kandidaten werden nach Auszählung der Stimmen vom SPD-Stimmenanteil abgezogen, damit erscheinen die gewählten SPD-Mitglieder rechnerisch besser abgeschnitten zu haben. Damit könnte Heilbronn zum Musterbeispiel für eine bundesweite SPD-Wahlarithmetik werden. Ich weiß: In der Politik ist das Nicht-Erwischt-Werden bereits der halbe Erfolg! Es stellt sich also die Frage, wie sieht die moderne Form der Hase-und-Igel-Fabel etwa auf Bundesebene aus? Lädt etwa DGB-Kollege Sommer Bundeskanzler Schröder zum Wettlauf ein und dieser muss dann im Ziel frustriert feststellen, dass der Bsirske schneller war und die Gewerkschaften schon da sind? Oder – die zweite Variante – der Kanzler trifft sich heimlich mit Sommer. Beide laufen gleichzeitig los. Und der eine gewinnt, weil der andere aus der Spur gekommen ist und das Ziel aus den Augen verloren hat. Ich lasse bei dieser Variante jetzt mal bewusst offen, wer von den beiden das Ziel erreicht und wer es verfehlt, weil er sich verrennt. Oder – meine dritte Variante – scheucht gar der SPD-Vorsitzende den Arbeitgeberpräsidenten wie einen Hund übers Feld und der wird von Müntefering mit einem »Wir sind schon lange da!« empfangen? Aber vielleicht sind wir inzwischen ja so weit, dass das ganze Märchen völlig umgeschrieben werden muss und sich ganz neue Interpretationen ergeben. Beispiel gefällig? Frau Merkel von der CDU treibt den SPD-Bundeskanzler und den DGB–Vorsitzenden gemeinsam übers Feld. Wenn dann beide völlig fix und fertig am Waldrand ankommen, nimmt der Stoiber sie grinsend in Empfang. Und er teilt den drei dann nur trocken mit: »Alle zu spät gekommen – ich bin schon da!« Und schließlich könnte es auch passieren, dass Schröder eigentlich nur den Sommer kreuz und quer übers Feld jagen will, aber aus Solidarität sich auch die anderen Gewerkschaftschefs völlig ziellos verrennen, der SPD-Chef dann aber, nach diesem Kraftakt, keine Energie mehr hat, sich beim Wettstreit gegen Merkel und Stoiber zu behaupten. Mit ihren Kräften völlig am Ende müssen sie dann erstaunt feststellen, dass am Schluss der Koch schon als erster im Ziel ist. Sie sehen, meine Damen und Herren, selbst auf alten Erzählungen und die vertrauten Märchen kann man sich heute nicht mehr verlassen.

4.Verehrte Hasenmahlgäste, alles ändert sich, vieles ist in Bewegung, manches für immer weg, aber manches kommt wieder, so z. B. die Verwaltungsreform. Ich kann Ihnen versichern, dass der Satz »Unser Kohl heißt Erwin« nicht von Herrn Strobl oder Herrn Throm stammt, auch nicht vom Oberbürgermeister oder vom Landrat, hat doch unser Ministerpräsident mit seinen Vorstellungen zur Verwaltungsreform eine kommunalpolitische Steilvorlage geliefert. Geht es nach ihm, sollen die staatlichen Schul-, Versorgungs-, Vermessungs-, Gewerbeaufsichts-, Straßenbau- und Forstämter und Teile der Polizei in der Landkreis- bzw. Stadtkasse eingegliedert werden. Mehr Bürgernähe und weniger Kosten, so die Botschaft! Wer wollte dem widersprechen?! Aber Stopp! Mir fällt ein, vor Jahren gab es für das ganze Unterland ein gut funktionierendes Gesundheitsamt in der Uhlandstraße. Dann kam die große Reform. Ergebnis war: Jetzt gibt es zwei Gesundheitsämter in jeweils kommunaler Regie. Es soll Stimmen geben, die befürchten, und andere, die wollen, dass am Ende der »Teuflischen« Reform das Gesundheitsamt beispielgebend ist. Insoweit kann der Heilbronner Gemeinderat weitsichtig sein, wenn er eine Verkleinerung ablehnt und mit der Aufgabenerweiterung eine Verdopplung des Ehrenamtes überlegt. Ich denke die Mehrheitsfraktion im Rathaus und im Kreistag hat sicherlich Gelegenheit beim Bürgerempfang in wenigen Tagen, sich selbst und den Bürgern über Sinniges und Unsinniges Rede und Antwort zu stehen. Meine Damen und Herren, ich will aber jetzt am Schluss noch einen Haken zu einem sinnvollen Reformbeispiel schlagen. Wir können in Heilbronn eine Reform mit Stolz vorzeigen, nämlich die nach jahrelanger Diskussion noch rechtzeitig erfolgte Fusion unserer Krankenhäuser des Stadt- und Landkreises. Das ist ein Beispiel für viele Regionen. Das mein »Krankenkässle« die Gesundheitskasse, wie sie sich heute nennt dabei einen wichtigen Beitrag geleistet hat, sage ich besonders in Anerkennung der langjährigen Arbeit von Herrn Staehle, der in den nächsten Tagen verabschiedet wird. Man hört nun nach dieser Fusion würde es noch kübelweise Probleme geben. Aus eigener Erfahrung weiss ich, Fusionen dauern, und ihr Gelingen hängt vor allem von den Verantwortlichen an der Spitze ab. Das ist wie bei einem Motor. Herr Lindner könnte das am besten erklären, aber so viel verstehe ich als ehemaliger Werkzeugmacher auch. Wenn die Kraftstoffeinspritzung nicht optimal funktioniert, kann der Rest des Motors noch so gut sein, der hohe Energieverbrauch bringt dann keine Höchstleistung. So ist es auch bei Fusionen. Aus der Presse habe ich entnommen, dass Heilbronner Klinikum leide unter unzureichenden Betriebsmitteln. Da frage ich mich allerdings, was hindert den Heilbronner Gemeinderat, diesen Mangel eines so ausgezeichneten und hochqualifizierten Klinikums schnellstens zu beseitigen? Bei aller Finanznot, Frau Erste Bürgermeisterin Mergen, in Ihrem Tresor liegt eine beachtliche Gutschrift aus dem ZEAG-Aktienverkauf. Einen kleinen Teil davon in unser Krankenhaus zu investieren ist für die Heilbronner Bürgerinnen und Bürger wesentlicher als eine private Universität oder noch eine Arena. Wenn ich mich in dieser ehrenvollen Runde umsehe, dann bin ich sicher, für alle ist ein gutes Krankenhaus wichtiger als vieles andere. Meine Damen und Herren, in den letzten 17 Jahren war ich immer nur für wenige Stunden in unserer Stadt. Meine Tätigkeit brachte es mit sich, dass ich das ganze Jahr über kreuz und quer durch Deutschland und weit darüber hinaus reisen musste. Jetzt genieße ich es, als Rentner über den Markt zu schlendern, alte Bekannte zu treffen oder mit den Enkeln zu spielen. Man muss offenbar viel auswärts gewesen sein, um die Gemütlichkeit und Wärme unserer Stadt richtig zu spüren. 



In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein gesundes Jahr und der Stadt und ihren Bürgerinnen und Bürgern alles Gute.

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