Titelthema Fußball Juni 2012

Die 10 erfolglosesten Fußballgroßstädte Deutschlands!

Der Heilbronner Fußball darbt seit Jahren vor sich hin. Ins fußballerische Mittelgebirge möchte in Zukunft der neue Stadtklub FC Union Heilbronn. Status Quo lautet aber Liga acht. Doch Heilbronn ist nicht die einzige Großstadt, in der fußballerisch nix geht.

1.BONN

Soll keiner sagen, sie hätten es nicht versucht. Mit dem uruguayischen Nationalspieler Horacio Troche wechselte 1968 ein echter WM-Teilnehmer in die laut Bonner »General Anzeiger« »erfolgloseste Fußballstadt Deutschlands«. Dumm nur, dass Troches größter Auftritt zwei Jahre zuvor lediglich aus einer Ohrfeige für Uwe Seeler bestanden hatte, sportlich war er kein Gewinn für den Bonner SC. 1976/77 endete die erste und einzige Saison in der zweiten Bundesliga mit dem Lizenzentzug. 1998 versuchte Präsident Hans Viol unter Aufbietung aller in der Stadt vorhandenen diplomatischen Kräfte gar, die komplette kubanische Nationalmannschaft zu verpflichten. Und bekam Vladimir Alejo. Der blieb und heiratete. Immerhin.

2.HAGEN

Sportliche Erfolge feiert man in Hagen vornehmlich im Damen-Wasserball. Und auch dem Fußballklub SSV Hagen steht das Wasser regelmäßig bis zur Oberkante Unterlippe. Der Verein kämpft gegen die Pleite. In der letzten Saison setzte man alle Hoffnungen in drei südkoreanische Megatalente, die angeblich in Fernost bereits Erstligaerfahrung gesammelt hatten. Erfolg: Der SSV spielt weiter in der Bezirksliga.

3.HAMM

Paul Schulte hatte Großes vor: Nachdem er zum Vorsitzenden des Hammer Stadtteilvereins SV Eintracht Hessen gewählt wurde, plante der örtliche Sparkassenchef den Generalangriff auf den Spitzenfußball. Aus der Landesliga marschierte der SVH durch und rangelte 1983 um den Aufstieg in die zweite Liga. Haute nicht hin, im November 1984 wanderte Schulte ins Kittchen, als die Bankenaufsicht ein Finanzloch von 300 Millionen DM entdeckte. Kurz darauf war beim SV Feierabend.

4.NEUSS

Wer hätte gedacht, dass in Neuss bereits eine deutsche Vize-Meisterschaft gefeiert wurde – im Hallenhockey. Mit der großen Kugel läuft es weniger rund. Dabei liest sich die Ehemaligen-Kartei beeindruckend: Die Funkel-Brüder, Hans-Jörg Criens und Jörg Schmadtke schnürten einst die Töppen an der Hammer Landstraße. Lediglich einmal wehte dort richtig steifer Fußballwind. In der Regionalligasaison 1967/68 wurde Erstligaabsteiger Fortuna Düsseldorf mit 5:4 besiegt. 1972 schmierte man mit dem Abstieg in die Verbandsliga endgültig in die Kasematten des Amateurfußballs ab.

5.HEIDELBERG

Hätte so schön sein können in der ehemaligen kurpfälzischen Residenzstadt Heidelberg: 2005 machte ein engagierter Unternehmer dem sperrig benamten Projekt »Profifußball in der Rhein-Neckar-Region« Feuer unterm Kessel; mit viel Knete sollten der FC Astoria Walldorf und SV Sandhausen zum FC Heidelberg 06 fusionieren, Stadionbau und Vorfinanzierung für den Kaltstart Richtung Bundesliga inklusive. Weil aber die Eppelheimer Wild-Werke (u.a. Capri-Sonne) auf dem gleichen Standort ihre Produktionsanlagen

vergrößern wollten, zog Dietmar Hopp frustriert ab nach Sinsheim. Der Rest ist bekannt.

6.WÜRZBURG

In der Saison 1977/78 war Spicy Castle eine Großmacht in spe. Immerhin standen mit dem FV Würzburg 04 und den Würzburger Kickers gleich zwei Klubs in der zweiten Bundesliga Süd. Legendär ist das Derby am 14. Spieltag: Die favorisierten 04er führten mit 2:1, ehe der vor der Saison vom Erzrivalen zu den Kickers transferierte Altstar Lothar Emmerich den Ausgleich erzielte. Doch die unterfränkische Euphorie währte nur kurz: Die Kickers stiegen am Saisonende ab. Der FC 04 meldete 1981 Konkurs an.

7.RECKLINGHAUSEN

Ihren Beitrag zur Fußballhistorie hat die Stadt zweifelsohne geleistet. Reporterlegende Werner Hansch (»Mit der Startnummer 1: Norbert Nigbur«) erblickte hier das Licht der Welt. Das war es dann mit der runden Herrlichkeit. Zwar kletterte das Fusionsprojekt 1. FC Recklinghausen Anfang der Achtziger bis in die Oberliga, doch nach einem sechsten Platz (1990/91) setzte der Verein zum Sinkflug an, Insolvenz inklusive. Hansch fand seine Fußballliebe außerhalb der Stadtmauern – beim FC Schalke 04.

8.BREMERHAVEN

Lang, lang ist’s her, dass eine Mannschaft aus Bremerhaven um die Krone im norddeutschen Fußball kickte: 1909 unterlag der FC nur knapp Eintracht Braunschweig im Finale um die norddeutsche Meisterschaft. Die »Seelöwen« wurden von den »Löwen« aus Braunschweig standesgerecht mit 3:2 verspeist. Der ortsansässige Rivale OSC stand 1977/78 und 79/80 immerhin zweimal in der zweiten Bundesliga, stieg jedoch beide Male wieder ab und gedenkt heute in der Bremenliga der guten alten Zeiten.

9.MOERS

100 Jahre ist der GSV Moers alt, höher als in der Verbandsliga hat der Klub nie gespielt. Vielleicht auch deshalb, weil kein anderer Verein so sehr um einen eigenen Sportplatz kämpfen musste: aufgebaut, vom Krieg zerstört. Aufgebaut, keine Tore vorhanden, vom Krieg zerstört. Aufgebaut, nach Bergschäden unbespielbar. Aufgebaut mit Jugendheim, Jugendheim abgebrannt. Erst seit 1993 steht die Großsportanlage. Bislang ist sie noch unbeschädigt. Kann aber nicht mehr lange dauern.

10.BERGISCH GLADBACH

Der Traumhüter soll es richten: Seit 2005 ist Lars Leese Trainer beim SV Bergisch-Gladbach 09. Eher unwahrscheinlich ist allerdings, dass seine Mannschaft demnächst gegen den FC Liverpool kickt wie einst ihr Trainer, der es seinerzeit innerhalb von fünf Jahren von der Kreisliga in die Premier League schaffte. Größter Vereinserfolg ist die Amateurmeisterschaft von 1953. Immerhin.

Facebook Posts

This message is only visible to admins.

Problem displaying Facebook posts.
Click to show error

Error: Server configuration issue