Titelthema Gesundheit März 2012

»Nach einem Klinikclown-Besuch werden weniger Schmerzmittel verabreicht«

Seit über zehn Jahren sind in der Heilbronner Kinderklinik am Gesundbrunnen Klinikclowns tätig. Zweimal in der Woche besuchen die Clowns zurückhaltend und feinfühlig die Klinikräume, um den kleinen Patienten durch ihr Spiel ein Lächeln auf die Gesichter zu zaubern. Wir haben die Clowns begleitet und uns danach mit Paul, Peppi und Hubs über ihren Job unterhalten. Ein Gespräch über die Freiheiten eines Clowns, sinkende Schmerzmitteldosen und die Spendenbereitschaft in der Region.

HANIX — Sagt mal, ist euer Dasein als Klinikclown euer Hauptberuf oder seid ihr ehrenamtlich unterwegs?

Peppi (Natasa Rikanovic): Klinikclown zu sein gehört zu unserem Hauptberuf. Wir sind alle Schauspieler und arbeiten als freie Künstler.

HANIX — Vor kurzem haben die Heilbronner Klinikclowns zehnjähriges Jubiläum gefeiert. Seid ihr vom ersten Tag an mit dabei?

Paul (Udo Grunwald): Ich bin vom ersten Tag an dabei, ein Gründungsmitglied sozusagen. Peppi kam ein halbes Jahr später dazu und Hubs ist nun auch schon seit sechseinhalb Jahren dabei.

HANIX — Klinikclown ist kein alltäglicher Beruf. Wie ist es dazu gekommen, dass ihr dazu geworden seid?

Paul: Durch Robert Wagner, einen Kinderarzt aus Heilbronn, sind wir dazu gekommen. Dr. Wagner hatte vor über zehn Jahren an einer Arbeit geschrieben über Humor in der Therapie. Im Zuge dieser Arbeit hat er Sponsoren und Clowns gesucht. Ein paar mal haben wir uns getroffen und überlegt, wie es funktionieren kann. Dann haben wir uns einen Dozenten für Clownerie gesucht und diverse Schulungen absolviert.

HANIX — Wo hat die Klinikclownerie ihren Ursprung? Sicherlich nicht in Deutschland. Und was macht den besonderen Reiz aus, ein Clown zu sein?

Peppi: Die Klinikclownerie ist eine Bewegung, die in den USA vor ungefähr 30 Jahren entstanden ist. Der Erfinder heisst Patch Adams. Vor 15 Jahren kam die Klinikclown-Bewegung dann hier nach Deutschland. Mich fasziniert der Clown an sich. Es gibt sehr viele Freiheiten, die ein Schauspieler so nicht hat. Man kann mit seinem eigenen Humor arbeiten und irgendwann entwickelt sich dann eine eigene Clownfigur heraus. Das Besondere als Krankenhaus-Clown ist zum einen, dass wir mit den Kindern improvisieren können. Natürlich erfordert diese Sondersituation im Krankenhaus viel Feingefühl. Es ist nicht immer so, dass Elternteile dabei sind. Man muss vorsichtig an die Kids rangehen.

Hubs (Denis Fink): Das schöne ist für mich meist das Ergebnis. Nämlich, dass die Kinder und deren Eltern wirklich lachen und wir es schaffen, die Leute kurz zu entspannen und die Gedanken weg vom Klinikaufenthalt zu bewegen. Das macht die Arbeit so wertvoll.

HANIX — Wie kommt ihr mit dem medizinischen Personal klar? Die kommen oft mit Spritzen zu den Kindern, während ihr für die Lacher und gute Laune sorgt. Das kann für Spannungen sorgen, oder?

Peppi: Manchmal fragen uns die Krankenschwestern vor dem Blutabnehmen oder bevor sie eine Infusionsnadel setzen müssen sogar, ob wir ein bisschen länger bleiben können. Die Arbeit geht ihnen dann etwas leichter von der Hand, da die Kinder durch uns abgelenkt sind. Grundsätzlich kommen wir sehr gut mit dem medizinischen Personal aus. Wir spielen ihnen manchmal auch ein Lied.

HANIX — Ihr müsst es wissen: Ist Lachen gesund?

Paul: Es gibt tatsächlich Studien, die belegen, dass nach einem Klinikclown-Besuch weniger Schmerzmittel verabreicht werden müssen, da die Endorphinausschüttung bei den kleinen Patienten angeregt wurde. Lachen macht also weniger schmerzempfindlich. Das ist ja schon mal was.

HANIX — Wir haben eben beobachten können, dass die anwesenden Eltern eure Besuche ebenso genießen, wie die kleinen Patienten.

Paul: Auch die Eltern können sich bei unseren Besuchen entspannen. Oft werden wir gefragt, ob wir nicht jeden Tag kommen können.

HANIX — Bleiben denn auch Kontakte über den Krankenhausaufenthalt hinaus zu den Eltern und Kindern bestehen?

Hubs: Oft bekommen wir Post von den Eltern und den Kids. Sie bedanken sich darin für unsere Arbeit. Und es bleiben auch Kontakte über den Klinikaufenthalt hinaus bestehen. Die Leute besuchen uns beispielsweise bei unseren Auftritten. Dort sehen wir viele alte bekannte Gesichter, manche sind inzwischen junge, gesunde erwachsene Menschen. Dann denkt man, dass man nicht alles falsch gemacht hat.

HANIX — Insgesamt gibt es vier Klinikclowns in Heilbronn. Braucht ihr Verstärkung?

Paul: Momentan sind wir ganz gut aufgestellt. Wir haben gerade keinen Bedarf an neuen Clowns für Heilbronn. Wir sind hauptsächlich am Gesundbrunnen tätig, da sich hier die Kinderklinik befindet. Vier Clowns für dieses Haus sind ausreichend.

HANIX — Auch eure Arbeit muss finanziert werden. Wie geschieht das? Ihr verlangt schließlich kein Geld von den Kindern, für die ihr auftretet.

Paul: Es gab früher den Förderverein »Sternschnuppe« der Kinderklinik. Mittlerweile ist dieser Verein in die »Große Hilfe für kleine Helden«-Stiftung übergegangen. Über die »Sternschnuppe« haben wir uns die ersten drei Jahre finanziert. Danach haben wir einen eigenen Verien gegründet, haben Klinken geputzt und alles aufgefahren, was man eben machen muss. Wir haben dabei viel Unterstützung erfahren. Seit zwei Jahern gibt es die neue Stiftung und seit diesem Januar sind wir offiziell dabei und werden über die Stiftung finanziert.

Am besten hilft man uns, wenn Geld an die Stiftung »Große Hilfe für kleine Helden« gespendet wird. Wenn das Stichwort »Klinikclowns« darauf steht, kommt das Geld auch nur uns zu gute. Grundsätzlich sind wir sehr zufrieden mit der Spendenbereitschaft. Das regionale Engagement ist hier toll ausgeprägt.

HANIX — Gibt es eine Eigenschaft, die ein Klinikclown in jedem Fall mitbringen sollte?

Peppi: Manchmal geht es bei uns auch nicht darum, die große Show zu machen und Lachsalven zu produzieren. Manchmal geht es nur darum, die Hand zu halten oder den Eltern zuzuhören. Genau so verhält es sich mit dem Ärzte- und Pflegeteam. Am wichtigsten ist deshalb Feingefühl und Sensibilität. Man darf die Grenzen nicht überschreiten, nicht zu laut sein.

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