Titelthema Gesundheit März 2012

Ich will was bewegen

Seine Gesundheit ist ihm wichtig. Bei mehr als 70 Auftritten im Jahr bemüht sich Lee MacDougall, seine Stimme und seinen Körper zu pflegen, dafür trinkt er viel Tee mit Honig. Manchmal schafft er es aber nicht, an Fastfood vorbeizulaufen.

Lee MacDougall ist wieder im Ländle. Vergangenes Jahr in Jagsthausen, verzaubert der britische Singer/ Songwriter diesmal seine deutschen Fans bei einem Konzert im Club Zentral in Stuttgart. Mit seiner Gitarre und neuen Songs im Gepäck hat er viel zu erzählen: Von verführerischen Snacks, Aufwärmübungen und der aufregendsten Tour, die er je erlebt hat.

»Mein Vater ist ein sehr positiver Mensch«, sagt Lee MacDougall, »für mich ein absolutes Vorbild.« Aufgeschlossen erzählt er von seiner Familie, und von dem Glück, so verständnisvolle Eltern zu haben. Der 27-Jährige ist in einem kleinen Fischerort namens Grimsby an der Ostküste Englands geboren und aufgewachsen. Seine Eltern förderten sein Talent. Schon als kleiner Junge wusste er, dass er einmal Musiker werden möchte. Ihn faszinierten die Beatles, aber noch mehr John Lennon: »Seine Einstellung und seine Texte haben mich sehr geprägt.« An der Armlehne der Couch angelehnt erzählt Lee MacDougall mit tiefer, etwas kratziger Stimme: Lieder zu schreiben, und diese mit dem Publikum zu teilen, ist sein Leben. Für einen kurzen Moment wirkt MacDougall nachdenklich, als er auf der braunen Ledercouch im Backstage-Raum sitzt, die bei jeder Bewegung knirschende Geräusche von sich gibt. »Das hört sich jetzt vielleicht zu simple an«, sagt er, »aber ich will Gutes in die Welt tragen.« So beschreibt er sein Anliegen, etwas bewegen zu wollen. Musik macht Menschen glücklich. Und genau das ist seine Motivation, warum er von Stadt zu Stadt zieht. In seinen Liedern geht es häufig um Liebe, Trennung und Beziehungen. »Meine Musik zeigt das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen.« Auch wenn er die große Liebe noch nicht gefunden hat, glaub er daran, dass es sie gibt. Fast ein bisschen scheu wirkt der junge Brite. Er ist freundlich, und doch irgendwie unnahbar. Umso überraschender ist seine Performance auf der Bühne. Nur er und seine Gitarre schmücken den Bühnenboden. Mehr braucht es scheinbar nicht. Immer wieder leuchtet die goldene Kette mit dem Kreuzanhänger hervor, die er um seinen Hals trägt. So reserviert Lee MacDougall anfangs rüberkommt, desto mehr gibt er später auf der Bühne von sich preis. All seine selbstgeschriebenen und komponierten Songs singt er aus tiefster Seele. Sehnsucht liegt in der Luft. Das spürt das Publikum. Ein Dialog zwischen ihm und den Konzertbesuchern entsteht. Ganz klar, das ist ein Künstler: Von einer Aura umgeben, füllt seine Präsenz den gesamten Raum.

Das Publikum genießt das Konzert, und lauscht der Musik. »Ich bin beeindruckt«, sagt Besucherin Sabrina Kreuzer (32) aus Höfingen angetan, »so einen ausdrucksstarken Künstler habe ich schon lange nicht mehr live erlebt.« Seinen Fans ist Lee MacDougall sehr dankbar. »Ohne ihre Unterstützung wäre ich heute nicht hier.« Und erzählt von Nicole aus Texas (USA). Sie ist ein sehr treuer Fan, und besucht sogar einige seiner Konzerte in Europa. »Das schätze ich sehr.«

In kleinen Clubs in England hat Lee MacDougall angefangen. Mittlerweile spielt er auch auf großen Bühnen. Vergangenes Jahr waren es über 70 Konzerte in Amerika und Kanada, sowie weitere Konzerte in Deutschland, Österreich und Italien. Mit Musikgrößen wie Train, Starsailor, Paolo Nutini, The Feeling, Bob Dylan und Van Morrison stand er bereits auf der Bühne. Zu Deutschland hat er eine besondere Beziehung. »Ich mag’s Ländle«, sagt er mit einem charmanten britischen Akzent auf Deutsch. Bevor er Musik, Komposition und Produktion an der Universität in Nordengland studierte, lernte er am College die deutsche Sprache. Etwas nervös zieht er die Augenbrauen verlegen nach oben, und wendet gleich ein: »Aber mein Deutsch ist nicht so gut.«

Auf die Frage, wie er eigentlich zur Musik kam, antwortet er: »Kurt Cobain brachte mich dazu.« Natürlich nicht persönlich. Als 13-Jähriger sah Lee MacDougall den damaligen Sänger und Gitarristen der Band Nirvana spielen. Sofort wusste er, das will er auch können. Da liegt es nahe, dass seine Musik, die er als alternativen Indi-Pop beschreibt, Einflüsse von Nirvana, den Beatles, Rod Stewart und Tom Petty enthält. Sein größter Traum wäre es, einmal mit Noel Gallagher zu spielen.

An seine bislang aufregendste Tour erinnert er sich gut. Zusammen mit der britischen Sängerin Rumer reiste er quer durch England, und spielte in riesigen Konzerthallen. »Der reinste Wahnsinn «, beschreibt er diese Zeit. Jeden Tag in einer anderen Stadt – da sieht man viel. Aber er gibt zu, dass es ziemlich schwierig ist, sich unterwegs gesund zu ernähren. An fast jeder Haltestelle gibt es kleine Snacks, Süßigkeiten oder Fast Food. Das kostet Überwindung, nicht zuzugreifen. »Meistens schaffe ich es, daran vorbei zu laufen«, sagt Lee MacDougall. Immer auf Tour zu sein, ist auch körperlich ziemlich anstrengend. Deswegen hält er sich mit Laufen fit. »Oder ich trage meine Gitarre die ganze Zeit herum«, scherzt er. Betritt man unerwartet seinen Backstage-Raum, kann es schon mal passieren, dass man ihn beim Liegestützen erwischt. Um den Körperkult geht es dabei nicht: »Ich versuche mich warm zu halten«, so der Musiker, der eine Schwäche für Knoblauch und Bratwürste hat. »Mit kalten Fingern spielt es sich schlecht Gitarre.« Und wie geht es Ihnen kurz vor Ihrem Auftritt, Herr MacDougall? Er überlegt. »Nervös bin ich eigentlich nicht«, stellt er fest, »ich bekomme eher einen Adrenalinschub und bin voller Energie.« Seine Gesundheit ist ihm wichtig. Bei mehr als 70 Auftritten im Jahr bemüht er sich, seine Stimme zu pflegen und trinkt viel Tee mit Honig. Dann wird es still. Die letzten Töne seiner Gitarrensaiten klingen aus, und der talentierte junge Bursche bedankt sich bei seinem Publikum. Er schaut in die Menge, hält einen Moment inne während er seine Gitarre an sich drückt, und verbeugt sich.

Facebook Posts

This message is only visible to admins.

Problem displaying Facebook posts.
Click to show error

Error: Server configuration issue