Titelthema Gesundheit März 2012

Dr. Jendges: „Es ist ein gutes Gefühl, dass der Bau jetzt beginnt“

Der Spatenstich ist getan. Nun geht der Um- und Neubau der SLK-Kliniken auch am Heibronner Klinikum Gesundbrunnen los. In Bad Friedrichshall wird schon seit einigen Monaten am Neubau des Plattenwald-Krankenhauses gewerkelt. Wir sprachen mit dem Geschäftsführer der SLK-Kliniken, Dr. Jendgens, über das 290 Millionen Euro teure Projekt.

HANIX — Herr Dr. Jendges, endlich geht es mit den Baumaßnahmen für den Neu- und Umbau der SLK-Kliniken los. Sind Sie sehr aufgeregt?

HERR DR. JENDGES — Bei einem Projekt dieser Größenordnung war natürlich ein langer Vorlauf notwendig. Insofern ist die Freude riesig, dass es jetzt auch tatsächlich losgeht. Die Anlaufzeit betrug alles in allem ungefähr fünf Jahre – angefangen bei einem Strukturkonzept im Jahr 2006, über die Abwägung neu zu bauen statt zu sanieren im Jahr 2009 bis zu den Abstimmungen, Planungen und Finanzierungskonzepten im vergangenen Jahr. Daher ist es ein gutes Gefühl, dass der Bau jetzt beginnt.

HANIX — Worin liegen genau Ihre Aufgaben als Geschäftsführer der SLK-Kliniken?

HERR DR. JENDGES — Was den Bau angeht, habe ich im Vorfeld zahlreiche Gespräche mit den Gesellschaftern und mit Vertretern des Landes Baden-Württemberg zu den Themen Umsetzung und Finanzierung geführt. Außerdem war und bin ich beteiligt an der Planung, gemeinsam mit Architekten und Baufirmen. Der Großteil der vorbereitenden und ausführenden Arbeit wird vom Projektmanagement Bau geleistet, einem Team von Baufachleuten, das hier am Gesundbrunnen angesiedelt ist. Kern meiner Aufgabe ist, dass ich von dem, was einmal entstehen wird, selbst eine Vorstellung entwickeln muss und alle Beteiligten – wie Ärzte und Pflegekräfte oder den Aufsichtsrat – mit einbinden muss.

HANIX — Sicher ist der Neu- und Umbau der SLK-Kliniken Ihr bisher größtes Projekt. Inwiefern wird sich Ihre Arbeit während der Baumaßnahmen verändern?

HERR DR. JENDGES — Ich habe zwar schon Krankenhausbauten miterlebt. Aber jede Baustelle und jedes Projekt ist anders, daher weiß ich jetzt noch nicht genau, wie stark mein Arbeitsalltag von unseren Neubauten geprägt sein wird.

HANIX — Das Kostenvolumen für die Neu- und Umbauten beläuft sich auf 290 Millionen Euro. Wofür wird das Geld konkret ausgegeben? Oder anders gefragt: Was genau wird neu- und umgebaut?

HERR DR. JENDGES — Wir geben rund 170 Millionen Euro in Heilbronn aus und rund 120 Millionen Euro am Plattenwald. In Bad Friedrichshall wird direkt neben dem jetzigen Klinikum ein kompletter Neubau erstellt, so dass wir dann nach knapp 40 Jahren im Jahr 2015 vom Altbau in den Neubau umziehen können und ein neues Krankenhaus zur Verfügung haben. Vorab ist dort schon die Energiezentrale erneuert worden. Der Vorteil eines Neubaus ist sicher, dass man, im Gegensatz zu einem Umbau, nicht in den laufenden Betrieb eingreift. Dies war auch eines der Argumente, die uns am Gesundbrunnen zur Entscheidung für den Teilneubau bewogen haben. In Heilbronn werden fast alle Funktionsbereiche – wie beispielsweise OP-Säle, Intensivstationen, die Notfallambulanz, Endoskopie und Radiologie – in den Neubau integriert. Außerdem wird er ungefähr die Hälfte der Erwachsenenbetten beherbergen. Die andere Hälfte der Erwachsenenbetten wie auch die so genannten patientenfernen Bereiche wie die Pathologie und das Labor sind dem zweiten Bauabschnitt vorbehalten. Was schon neu ist, ist unsere Kinderklinik aus dem Jahre 2006.

HANIX — In Ihrer Infobroschüre heißt es: »Durch neue Gebäude werden Möglichkeiten geschaffen, Neuerungen zu integrieren und medizinische Entwicklungen aufzunehmen.« Wieso wäre die Integration und Aufnahme neuer medizinischer Entwicklungen in den alten, noch aktuellen Gemäuern, nicht möglich?

HERR DR. JENDGES — Das wäre bei einer Sanierung theoretisch auch möglich, technisch geht alles. Man muss aber nach Aufwand und Zukunftsfähigkeit einer Sanierungslösung fragen. Der große Nachteil eines Umbaus ist, dass man an die bestehende Gebäudestruktur gebunden ist. Wenn man den Patiententrakt in Heilbronn betrachtet, so ist es dort fast unmöglich, bei einem Umbau für die Patienten gute und moderne Zimmer zu schaffen. Die Nasszellen sind so angeordnet, dass sie zwischen zwei Patientenzimmern liegen. Hier könnte man nur eine Normalsituation, in der jedes Zimmer eine Nasszelle hat, schaffen, indem man jedes zweite Patientenzimmer umwidmet oder abschafft. Das wäre also enorm aufwändig. Auch eine Änderung am Wegesystem zwischen Funktions- und Patientenbereichen ist schwer möglich, das ist aber einer der zentralen Punkte. Der Neubau schafft die Möglichkeit, ein Krankenhaus auf Basis aktueller Anforderungen in der Medizin zu bauen. Das ist mit einem Umbau nicht ohne Weiteres machbar. Am Plattenwald war ohnehin schnell klar, dass nur ein Neubau in Frage kommt, denn hier hätte die Umsetzung der geltenden Brandschutzvorschriften die Sanierung zur wesentlich teureren Lösung gemacht.

HANIX — Bis in die 80er Jahre hat ein Patient, der stationär behandelt wurde, im Schnitt drei Wochen im Krankenhaus verbracht. Gegenwärtig sind es nur noch sechs Tage. Wird die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in den neuen Kliniken noch weiter herabgesenkt?

HERR DR. JENDGES — Das hängt nicht an der neuen Klinik, es ist ein allgemeiner Trend im Krankenhausbereich, dass die durchschnittliche Verweildauer der Patienten von drei Wochen auf sechs Tage gesunken ist. Der Trend wird wahrscheinlich dahin gehen, dass diese Verweildauer noch um einen Tag reduziert werden kann. Dann ist allerdings aus heutiger Sicht auch medizinisch die Grenze erreicht.

HANIX — Für den Laien könnte es so aussehen, dass sich nicht mehr ausreichend Zeit für die Patienten genommen wird. Wie lautet Ihr Gegenargument?

HERR DR. JENDGES — Es gibt zwei Gründe für die kürzeren Verweildauern: Zum einen hat sich die Medizin weiterentwickelt, und der Fokus liegt viel stärker auf Diagnostik und im Kurzzeitbereich. Früher dachte man, dass der Patient nach einer Operation drei bis vier Wochen liegen muss. Heute weiß man, dass es medizinisch sinnvoll ist, wenn der Patient früh aufsteht und schnell wieder mobilisiert wird, also in Bewegung kommt. Gleichzeitig achten die Krankenkassen sehr darauf, dass die vorgesehenen Liegezeiten, die im System der Fallpauschalen vorgesehen sind, nicht überschritten werden. Hier geht es um das Thema Bezahlbarkeit von Krankenhausleistungen. Die Gesundheitsausgaben machen ungefähr zehn Prozent des Bruttosozialprodukts in Deutschland aus, und eine Steigerung auf vielleicht 15 oder 17 Prozent können wir uns nicht leisten.

HANIX — Der Trend geht hin zur Kurzzeitbehandlung. Sie müssen in erster Linie wirtschaftlich arbeiten. An erster Stelle sollte doch die geduldige und zeitlich notwendige Patientenversorgung stehen.

HERR DR. JENDGES — Deshalb verstehe ich den Begriff der ökonomischen Patientenversorgung auch nicht nur betriebswirtschaftlich. Vielmehr geht es darum, wie man mit knapper werdenden finanziellen Mitteln und weniger Personal trotzdem eine gute Patientenversorgung organisieren kann. Denn der Fachkräftemangel in Medizin und Pflege ist eine Tatsache, mit der wir umgehen müssen. Ein neu erbautes Krankenhaus ist ein wichtiger Bestandteil für die Gewinnung und das Halten von Fachkräften, denn ein neues Krankenhaus ist ein attraktiver Arbeitsplatz. Auch was die Effizienz der Abläufe betrifft, wird es durch die Neubauten viele Verbesserungen geben, die sich unmittelbar auf die Qualität der Patientenbehandlung auswirken. Exemplarisch möchte ich das Beispiel Notfälle nennen, bei denen wir in Zukunft äußerst kurze Wege vom Schockraum zum Röntgen und in den OP-Bereich bis hin zum direkt nebenan liegenden Intensivbereich haben werden. Eine weitere Verbesserung werden die kürzeren Wege zwischen Funktionsbereichen und Stationen sein und die Tatsache, dass das Stationszimmer für die Pflegekräfte künftig in der Mitte der Station liegt. Diese vielen kleinen und größeren Neuerungen führen insgesamt zu einer erheblichen Steigerung von Effizienz und damit auch Qualität der Versorgung.

HANIX — Die SLK-Kliniken sind in unserer Region der größte Gesundheitsdienstleister, wie es neudeutsch heißt. Nach dem Neu- und Umbau werden die SLK-Kliniken so leistungsstark wie nie zuvor sein. Erklären Sie uns bitte: Wie modern und fortschrittlich werden die SLK-Kliniken nach den Baumaßnahmen sein?

HERR DR. JENDGES — Im bundesdeutschen Bereich würde ich sagen, dass sich vermutlich zwei bis drei Prozent der Krankenhäuser in einer vergleichbaren Neubausubstanz befinden. Somit kann zu Recht von hochmodernen Krankenhausbauten gesprochen werden. Dies ist aber nur eine wichtige Komponente. Auch Faktoren wie die Qualifikation des Personals oder die Breite des medizinischen Spektrums spielen im Vergleich mit anderen eine wichtige Rolle. Aber auch darin sind wir sehr gut aufgestellt. Bei uns arbeiten exzellente Mediziner. In vielen Bereichen brauchen wir den Vergleich mit Uniklinika nicht zu scheuen. Ein Beispiel dafür ist unser Tumorzentrum mit sechs angegliederten Organkrebszentren. Über eine vergleichbare Einrichtung verfügen nur wenige andere Häuser.

HANIX — Wird es Ihnen in Zukunft noch leichter fallen, Top-Mediziner an die SLK-Kliniken zu lotsen? Heilbronn mag für viele auf den ersten Blick nicht der Traumstandort sein. Man muss hier schon einen zweiten Blick riskieren, um die Vorzüge unserer Region gegenüber den deutschen Metropolen zu entdecken.

HERR DR. JENDGES — Schön dass Sie sagen »auf den ersten Blick«, sonst hätte ich an der Stelle einhaken müssen. Heilbronn hat sicher nicht die natürliche Strahlkraft von Metropolen wie Berlin oder Hamburg. Aber Heilbronn und die Region haben meiner Meinung nach in ihrer breiten Vielfalt für jeden etwas zu bieten. Ich versuche, da es immer eine Einzelentscheidung der betreffenden Person ist, zu hinterfragen, was denn die Entscheidungskriterien sind. Zu fast allen Aspekten, sei es die schulische Situation, Kinderbetreuungen oder das kulturelle Angebot fällt mir ein Argument ein, das deutlich für Heilbronn spricht. Wir sind in einer lebenswerten Region. Und unsere Erfahrung zeigt: Wer hierher kommt, der bleibt auch gern hier. Das spricht für sich. Natürlich stellen aber auch wir fest, dass es eine Knappheit gibt an Fachärzten, Fachpersonal im Funktionsbereich und so weiter. Allerdings ist das in unserer attraktiven Region noch nicht so deutlich spürbar wie in anderen deutschen Regionen.

HANIX — War es bisher ein Problem für die SLK-Kliniken Top-Mediziner hierher zu lotsen? Die besten Mediziner zieht es sicherlich eher an Uni-Kliniken.

HERR DR. JENDGES — Ganz klar: Nein. Wir haben hier Spitzenmediziner. Viele von ihnen könnten ohne Probleme an jeder beliebigen Uniklinik in Deutschland arbeiten und haben ein hervorragendes Renommee, das weit über die Grenzen der Region hinausreicht.

HANIX — Sie sagen, dass der laufende Betrieb der Kliniken nicht beeinträchtigt wird. Kaum zu glauben…

HERR DR. JENDGES — Ich möchte nicht ausschließen, dass die Patienten Baulärm hören, aber im Vergleich zu einem Umbau, bei dem wirklich permanent mit dem Presslufthammer gehämmert wird, werden wir eine sehr entspannte Situation haben. Ich gehe auch davon aus, dass die Leute neugierig sein und die Baumaßnahmen interessiert beobachten werden.

HANIX — In Zukunft wird es immer mehr alte und ältere Menschen geben. Sind die Baumaßnahmen auch deshalb so wichtig, weil mit der höheren Alterstruktur der Bevölkerung auch neue Belastungen auf die Kliniken zukommen werden?

HERR DR. JENDGES —Das ist kein neues Thema für Krankenhäuser, da schon heute mehr als jeder zweite Patient älter als 65 Jahre ist, aber diese Entwicklung wird noch weitergehen, und wir werden künftig noch mehr Hochbetagte versorgen. Selbstverständlich achten wir bei der Bauplanung darauf, dass sich auch unsere älteren Patienten in unseren Häusern zurechtfinden und sich gut aufgehoben fühlen.

HANIX — Zu guter letzt: Wie halten Sie sich eigentlich gesund?

HERR DR. JENDGES — Ich stehe dreimal die Woche um 5.30 Uhr auf und treibe 45 Minuten Sport. Am Wochenende versuche ich, etwas Aktives mit meinem Sohn zu unternehmen. Gesunde Ernährung ist auch ein Thema für mich. Das Einzige was mich plagt, hier reihe ich mich aber in einen großen Kreis von Menschen ein, sind hin und wieder Rückenschmerzen. Die versuche ich mit Dingen wie einem Stehpult im Büro und entsprechender Gymnastik in den Griff zu bekommen.

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