Titelthema Kinder August 2012

»Große Hilfe für kleine Helden« – Pionierprojekte in Deutschland

Ralf Klenk ist Stifter und Gründer von »Große Hilfe für kleine Helden«. Nach einem persönlichen Schicksalsschlag beschloss der Unternehmer eine Stiftung für kranke Kinder zu gründen, die über eine besondere Stiftungsstruktur verfügt: Sie wirkt und arbeitet unabhängig vom Krankheitsbild, vereinigt Stiftungs- und Vereinsengagement und verfügt über eine hauptamtlich besetzte Geschäftsstelle an einer Kinderklinik. Ein Gespräch mit Ralf Klenk über den Pilotcharakter seiner Stiftung, Farbe in den Wartezimmern und die einzelnen Projekte, die durch »Große Hilfe für kleine Helden« unterstützt werden.

HANIX — Herr Klenk, dass Sie die Stiftung »Große Hilfe für kleine Helden« im November 2009 gegründet haben, hat einen persönlichen Schicksalsschlag als Hintergrund. Dürfen wir Sie nach den Beweggründen der Stiftungsgründung fragen?

Ralf Klenk — Dies ist eine sehr persönliche und traurige Geschichte. Unser Sohn ist im September 2000 sehr schwer an Krebs erkrankt. Wir konnten ihn dann, an der Kinder- und Jugendklinik Heilbronn und an der Uniklinik Tübingen, anderthalb Jahre lang begleiten. Wir haben in dieser Zeit ein außergewöhnliches Engagement sowohl von Ärzten als auch von Pflegern erlebt, mussten aber auch sehen, dass es an allen Ecken und Enden an Geld fehlt. Gerade wenn ein Kind schwer erkrankt, geht es natürlich nicht nur um die medizinische Versorgung und nicht nur um das Kind. Es geht hier immer um eine ganzheitliche Einbindung aller Beteiligten, wie den Eltern und der Geschwister. Die muss es meiner Meinung nach geben und genau dafür sind in unserem Gesundheitssystem leider keine Mittel vorhanden. Letztendlich ist dann aus unserer Selbsterfahrung der Gedanke entstanden gegen dieses Dilemma etwas in meiner Heimatstadt Heilbronn zu unternehmen. Im Jahr 2009 entstand dann die Stiftung und der Verein »Große Hilfe für kleine Helden«.

HANIX — So eine Stiftungsgründung erledigt sich nicht von alleine und erfordert viel Arbeit. Wie haben Sie sich auf die Gründung vorbereitet? Haben Sie sich in anderen Städten und an anderen Kliniken umgesehen?

Ralf Klenk — Zunächst muss man sagen, dass wir hier auf einem sehr guten Fundament aufbauen konnten. Es gab schon Aktivitäten an der Kinderklinik wie beispielsweise die Vereine »Sternschnuppe« oder auch »Die Klinikclowns«. Mir ging es vor der Gründung darum, dass wir genügend Erfahrungen sammeln, daher habe ich auch im Vorfeld siebzehn Universitätskliniken besucht und mir dort alle Vereine und Stiftungen angeschaut und mit allen Beteiligten gesprochen. Daraus haben wir dann ein Strategiepapier entwickelt wodurch es zur Struktur mit einer Stiftung und einer Vereinsgründung zur Umsetzung der Projekte kam. Des weiteren gibt es eine Geschäftsstelle, die wir mit hauptamtlichen Mitarbeitern besetzt haben, so dass die ganze Idee auch eine Professionalität verkörpert.

HANIX — Wie war die Stiftung bei Gründung finanziell und personell aufgestellt und wie ist der Ist-Zustand?

Ralf Klenk — Die Resonanz der Öffentlichkeit und der Wirtschaft ist absolut überwältigend, das heißt generell, dass wir auch sehr stark unterstützt werden. Es ist aber so, dass wir sehr viele Projekte haben und so eine Organisation wie wir gar nicht zu viele Mittel haben kann. Aber zurück zur eigentlichen Frage: Gestartet sind wir mit einer hauptamtlichen Mitarbeiterin in unserer Geschäftsstelle in der Kinderklinik, was örtlich übrigens ebenfalls wichtig ist, um die enge Verzahnung zur Kinderklinik zu zeigen. Im Verein selbst gibt es zehn Vorstandsmitglieder und im Stiftungsrat sehr viele aktive ehrenamtliche Mitarbeiter. So auch Eltern die durch persönliche Schicksalsschläge direkt betroffen waren oder sind. Der Vorteil den wir haben, der auch mit der Geschäftsstelle in der Kinderklinik zusammenhängt, ist, dass wir tagtäglich Rückkoppelungen mit betroffenen Eltern haben, deren Kinder Patienten in der Kinderklinik sind. Man kann also sagen dass wir jeden Tag »Tag der offenen Tür« haben, was beispielsweise zu unserem Sozialfonds, der nicht von Anfang an im Strategiepapier skizziert war, geführt hat. Aufgrund von Hinweisen durch Eltern wurde er dann sogar als unser erstes eigenes Projekt ins Leben gerufen. Eine Familie deren Tochter an Knochenmarkversagen erkrankt war, stand sprichwörtlich vor dem Abgrund. Der Vater des Mädchens verlor seinen Job. Es fehlte der Familie sprichwörtlich das Geld, um sich zum Beispiel Anreisen und Übernachtungen in Tübingen, wo das Mädchen am Universitätsklinikum behandelt wurde, zu leisten. In diesen Fällen helfen wir auch sehr schnell und unbürokratisch.

HANIX — Vor der Stiftungsgründung waren Sie ein erfolgreicher Geschäftsmann. Sie haben Bechtle gegründet und das Unternehmen bis zur international operierenden Aktiengesellschaft aufgebaut. Ihre Erwartungshaltung an die Stiftung muss immens gewesen sein.

Ralf Klenk — Ich hatte, wie man es von mir gewohnt ist, sehr hohe Erwartungen an die Resonanz der Bürger, an das Einbringen in den Klinikalltag, an die bis dahin sehr gute Vereinsarbeit und auch an die Unternehmen der Region. Ich kann, trotz der hohen Erwartung sagen, dass diese schon vom ersten Tag an übertroffen wurde. Um dies zu verdeutlichen, möchte ich etwas zu den eigentlichen Zahlen sagen: In der Kinderklinik werden jedes Jahr ungefähr 20 000 Kinder behandelt, davon 5 000 Kinder stationär und hinter diesen Zahlen stecken natürlich sehr oft schwierige Schicksale. Diese Kinder werden mittlerweile von einem Stab mit drei hauptamtlichen Mitarbeiterinnen, die auch Anlaufstelle für gut 120 ehrenamtliche Personen sind, betreut. Außerdem unterstützen wir auch direkt die Arbeit der Klinik in dem wir Stellen finanzieren. Ein Beispiel hierfür ist die Geschwisterkind-Betreuung. Das heißt, dass die Geschwister eines Kindes, dass stationär behandelt werden muss, auch hierher kommen können und von Fachkräften betreut werden. Das bewirkt, dass die Familie nicht auseinander gerissen wird und die Eltern sich ganz auf das erkrankte Kind konzentrieren können. Hier denken wir im übrigen auch darüber nach, so lange es finanzierbar ist, das ganze Projekt auszuweiten, weil es so hervorragend angenommen wird. Die Idee ist, auch erkrankten Eltern die Möglichkeit zu schaffen, ihre Kinder während der Behandlung in unserem »Regenbogenland« professionell betreuen zu lassen.

HANIX — War es damals schwierig die bereits bestehenden Vereine, die hier am Kinderklinikum aktiv waren, unter das Stiftungs-Dach zu bekommen?

Ralf Klenk — Dies ist für mich eine sehr schwer zu beantwortende Frage. Zuerst einmal gibt es sehr viele gute Gründe, dass man mit einer Marke und unter einem Dach auftritt. Zum Einen die Wahrnehmung der Öffentlichkeit betreffend, aber unter anderem auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen. Jeder Verein musste seinen eigenen Jahresabschluss erstellen, was natürlich viel Verwaltungsaufwand bedeutet. Mit der Stiftung wurden auch solche nötigen Aufgaben gebündelt und in eine Hand gegeben. Das dies sinnvoll ist, wurde auch von Anfang an von allen Beteiligten so gesehen und dankbar angenommen. Auch die Abstimmung seitens der Klinik ist, aus ihrer Sicht, natürlich um einiges aufwendiger wenn man mit mehreren Vereinen sprechen muss anstatt mit einer Organisation. Es ist aber durchaus so, dass die Vereine aus der Vergangenheit gewohnt waren sehr autark zu arbeiten. Hier war ein anderthalb-jähriger Prozess nötig, um am Ende sehr gut und harmonisch miteinander zu arbeiten. Es war ein manchmal schwieriger Prozess, aber rückblickend kann ich jetzt sagen, dass die Arbeit und der Sinn des Ganzen von allen Beteiligten als gut und sinnvoll erachtet wird.

HANIX — Sie haben 2008 ihren Vertrag als Vorstandsvorsitzender der Bechtle AG nicht verlängert, um sich hundertprozentig auf die Stiftungsgründung zu konzentrieren. Haben Sie inzwischen wieder einen normalen Job, dem Sie nachgehen oder beansprucht die Stiftungsarbeit immer noch ihre volle Aufmerksamkeit und Zeit?

Ralf Klenk — Es ist richtig, dass ich im Jahr 2008 meinen Vertrag als Vorstandsvorsitzender der Bechtle AG nicht verlängert habe, um mich mit ganzer Kraft dem Aufbau der Stiftung widmen zu können, was schon allein unter anderem aufgrund der Analyse, Rundreise und Erstellung des Strategiepapiers absolut richtig war. Inzwischen haben wir eine hervorragende Struktur geschaffen und viele wertvolle Mitarbeiter, ob Vollzeit oder Teilzeit, die uns sehr gut unterstützen. Daher muss ich nicht mehr zwingend zu hundert Prozent für die Stiftung tätig sein, ich würde sagen dass ich als aktiver Stifter ungefähr anderthalb Tage pro Woche für die Stiftung tätig bin. Ich habe im Januar diesen Jahres eine Beteiligungsgesellschaft gegründet und beschäftige mich dort gerade mit dem Aufbau der Gesellschaft.

HANIX — Bereuen Sie den Ausstieg bei Bechtle?

Ralf Klenk — Das werde ich oft gefragt, ob ich den Ausstieg bei Bechtle bereue. Ich hatte das Glück und die Freude die Firma Bechtle zu gründen, mit aufzubauen und zu einem der erfolgreichsten IT-Unternehmen zu machen. Mit dem Aufbau und der Gründung einer Stiftung habe ich mir dann einen großen Traum verwirklicht. Nachdem ich zuvor schon sehr engagiert war, aber eben nur in der Freizeit. Die Stiftung soll auch langfristig bestehen bleiben und langfristig große Dinge bewirken. Dies ist auch ein Grund dafür, dass die Stiftung nicht den Namen meines Sohnes oder meinen Namen trägt. Von daher ist es auch gut, dass ich mich so langsam ein wenig zurück ziehen kann, da eine solche Stiftung nie von nur einem Namen getragen werden darf, sondern alles auf eine gemeinsame gesellschaftliche Verantwortung aufgebaut sein muss.

HANIX — Auf geschäftlichem Feld sind Sie ein Erfolgsmensch, der in seiner Laufbahn viel Profit erwirtschaftet hat. Gab ihnen die Stiftungsgründung und das erfolgreiche Wirken der Stiftung eine ähnliche Befriedigung wie ihr geschäftlicher Erfolg bei Bechtle?

Ralf Klenk — Von der persönlichen Befriedigung her, und ich lasse den finanziellen Aspekt jetzt vollkommen außen vor, bringt so eine Stiftung natürlich ungleich mehr Befriedigung, um bei dem Wort zu bleiben. Wissen Sie, wenn man in einem Unternehmen erfolgreich ist, leisten sie auch etwas gutes. Man schafft beispielsweise Arbeitsplätze, bei Bechtle waren es 5 000 Stellen. Klar ist es schön, große Projekte umzusetzen und auch viel Geld zu verdienen. Aber all das verblasst tatsächlich, wenn man Eltern und ihren Kindern helfen kann und von den beteiligten Personen positive Feedbacks erhält. Auch wenn es nur ein Lachen oder ein Strahlen ist. Das mag kitschig klingen, ist aber genau so.

HANIX — Sie haben erwähnt, dass es eine Stiftung gibt und neben dieser einen Verein, der sich um die Umsetzung der Projekte kümmert. Erläutern Sie uns die Aufgabenverteilung zwischen den beiden Körperschaften?

Ralf Klenk — Grundsätzlich muss man sagen, dass dies unter anderem auch einige rechtliche Gründe hat. Ein Verein sammelt Spenden und finanziert damit gewisse Tätigkeiten und Projekte. Ein Verein darf allerdings kein Vermögen ansammeln. Daraus resultiert, dass ein Verein letztendlich von Spende zu Spende lebt und somit keine langfristigen Projekte unterstützen kann. Eine Stiftung funktioniert rechtlich komplett anders. Die Stiftung hat einen sogenannten Stiftungsstock und ein Stiftungsvermögen, und dies ist auf die Ewigkeit an- und ausgelegt. Die Erträge kommen beispielsweise aus Zinsen oder sonstigen Kapitalerträgen die aus dem Stiftungsvermögen erwirtschaftet werden und natürlich auch aus Spenden. Die Stiftung hat zwar einen höheren Aufwand, ist aber, wenn man langfristig denkt, die berechenbarere Unternehmensform. Hier können dann auch langfristige Zusagen gemacht werden, wie z. B. bei der Personalstellung. Die Aufgabenteilung bei uns sieht folgendermaßen aus: Die Stiftung bestimmt die strategische Ausrichtung und das was wir tun, zu einem kleinen Teil auch wie wir es tun und sie ist für die Finanzierung der Projekte zuständig. Der Verein ist dann für die operative Umsetzung der Projekte verantwortlich. Übrigens werden die meisten Projekte auch vom Verein identifiziert und ins Leben gerufen, da dieser direkt mit der Klinik verzahnt ist und am besten weiß was nötig ist.

HANIX — Wie können Kinder und Familien Hilfe von ihnen bekommen?

Ralf Klenk — Man muss sich den ganzen Prozess nicht etwa wie eine Straße sondern eher wie einen Knotenpunkt vorstellen. Dieser Knotenpunkt ist unsere Geschäftsstelle, die in einem der Foyers der Kinderklinik beheimatet ist. Die Patienten und Familien kommen da mehr oder weniger mit allen ihren Belangen hin, auch teilweise mit Belangen für die wir gar nicht zuständig sind, bei denen wir aber trotzdem mit Rat und Tat zur Seite stehen. Außerdem erhalten wir auch viele Impulse vom Pflegepersonal, von den Ehrenamtlichen und auch aus der Ärzteschaft heraus.

HANIX — Welches Projekt haben Sie neben dem bereits genannten Sozialfonds schon in den Anfangstagen von »Große Hilfe für kleine Helden« umgesetzt?

Ralf Klenk — Ich komme gleich zu ihrer Frage. Allerdings muss ich hier vorab etwas dazu sagen. Zunächst einmal ging es bei der Gründung der Stiftung und der Integration bestehender Vereine darum, keine bereits laufenden Projekte zu stoppen oder zu behindern. Das war uns und natürlich auch den Vereinen sehr wichtig. Es liefen also schon während den Gründungstagen Projekte, die von den Vereinen umgesetzt wurden. Eines unserer ersten Projekte nach der Installierung des Sozialfonds war, dass wir mit Kindern, mit denen es möglich ist, die sogenannten Sternfahrten durchführen. Das Projekt nennt sich »Helden in Aktion«. Damit die kleinen Patienten und ihre Familien auch mal weg vom Klinikgelände kommen und ein wenig Abwechslung vom Klinikalltag erleben. Hierbei haben wir tolle Unterstützung erhalten, beispielsweise von einer Fliegergruppe, die mit fünf Hubschraubern sowohl den Kindern als auch ihren Familien einen tollen Flugtag bereitet hat. Des weiteren hatten wir ein schönes Erlebnis bei der TSG Hoffenheim. Der Verein hat unter anderem zum Training eingeladen, aber auch VIP-Karten für Bundesligaspiele zur Verfügung gestellt..

HANIX — Auf der Homepage von »Große Hilfe für kleine Helden« ist zu sehen, dass die Stiftung sehr viele unterschiedliche Projekte unterstützt. Welches neue Projekt setzen Sie aktuell um?

Ralf Klenk — Momentan finanzieren wir Schulungen für 15 ehrenamtliche Mitarbeiter für unseren „Kinder- und Jugendhospizdienst“, um Eltern mit schwer erkrankten Kindern einfach bei dem schweren Weg zu unterstützen, zur Seite zu stehen und zu begleiten. An so ein Thema muss man natürlich sehr professionell herangehen und die angesprochenen Schulungen sind hierfür eine Grundvoraussetzung.

HANIX — Wir wollen unseren Lesern gerne die Vielschichtigkeit und das facettenreiche Projekt-Programm, dass durch die Stiftung unterstützt wird, veranschaulichen. Deshalb fragen wir Sie nun mal ganz klassisch nach den einzelnen Projekten ab. Was hat es mit »Helden ans Netz« und dem „Virtuellen Klassenzimmer“ auf sich?

Ralf Klenk — Dabei handelt es sich um zwei ganz herausragende Projekte, die eng miteinander verbunden sind, da beide Projekte etwas mit IT zu tun haben. Bei »Helden ans Netz« können die Kinder über das Internet Kontakt zu Freunden und Familie halten. Die Idee war, all diesen Patienten Notebooks zur Verfügung zu stellen. Momentan sind es 30 Geräte, mit denen die Kinder auch spielen können. Die Geräte sind mit einer Kinderschutzsoftware für den Zugriff auf altersgerechte Internetseiten ausgestattet. Das Projekt »Virtuelles Klassenzimmer« hat Frau Dr. Sylvia Bochum gemeinsam mit Herrn Professor Martin Haag von der Hochschule Heilbronn entwickelt. Hier ist die Idee, dass Langzeitpatienten über das Internet am Unterricht ihrer Schule teilnehmen können. Für gesunde Schüler ist es sicherlich kaum nachvollziehbar, dass man freiwillig am Unterricht teilnehmen möchte, es ist aber für kranke eine zusätzliche Belastung zwangsweise auch auf soziale Kontakte verzichten zu müssen und dem wirken wir mit diesem Projekt entgegen.

HANIX — Hängt die Umsetzung des virtuellen Klassenzimmers stark von der Offenheit der betreffenden Lehrer ab. Gibt es bereits Kooperationen mit Schulen?

Ralf Klenk — Das hat natürlich auch mit dem persönlichen Engagement zu tun. Mit dem Projekt haben wir es geschafft, über Skype den Kontakt in die Klasse und zum Klassenlehrer zu realisieren und haben dabei fantastische Resonanzen und Ergebnisse erhalten. Und es kommt noch ein wichtiger Nebenaspekt hinzu: Das soziale Verhalten, auch der gesunden Kinder, wird hierbei enorm geschult. Das Projekt wurde bisher mit drei Kindern unterschiedlicher Altersstufen und mit unterschiedlichen Schulen realisiert. Etwas problematisch an diesem Projekt ist, dass es von den Lehrkräften der Schule komplett mitgetragen werden muss und die Schulstunde auch etwas anders abläuft. Es sind Kameras und Bildschirme im Klassenzimmer. Da ist dann das Verhalten schon etwas anders und auf diese Dinge müssen sich die Lehrer einstellen. Daher haben wir anfangs große Überzeugungsarbeit leisten müssen, aber der Erfolg und mittlerweile auch die Unterstützung des Kultusministeriums geben uns recht. Man kann sagen, dass dies ein absolutes Vorzeige- und Pionierprojekt ist.

HANIX — Weiter zum nächsten Projekt. Erzählen Sie uns vom »Kinderbesuchsdienst« und den »Vorlesepaten«.

Ralf Klenk — Dies ist beispielsweise ein Projekt, das es auch schon vorher an der Kinderklinik gab. Wir unterstützen es mit großem Engagement. Bei längeren Klinikaufenthalten von Kindern gibt es auch mal Phasen, an denen die Eltern nicht soviel Zeit haben wie sie es gern hätten. Den Kindern wird es dann oft mal langweilig und dann benötigen wir jemanden, der sich um unsere Patienten kümmert. Das normale Pflegepersonal kann dies nicht leisten, da es für die medizinische Betreuung zuständig ist. Die Zeit um Spiele zu spielen oder den Kindern etwas vorzulesen ist einfach nicht da und hier gibt es dann eben die ungefähr fünfzehn ehrenamtlichen Mitarbeiter die diese Aufgaben unter anderem erfüllen.

HANIX — Engagieren sich viele ehemals oder aktuell betroffene Eltern ehrenamtlich für ihre Stiftung. Ein persönliches Erlebnis, wie bei ihnen selbst ja auch, aktiviert bei vielen Menschen reflexartig den Wunsch zu helfen.

Ralf Klenk — Letztendlich haben fast alle ehrenamtlichen Mitarbeiter entweder direkt oder indirekt im Bekanntenkreis eine solche Erfahrung gemacht. Vielleicht noch eine Anmerkung oder Ergänzung nebenbei: Eine Erkenntnis bei der Analyse in Vorbereitung auf die Stiftungsgründung war, dass die meisten Vereine aber auch Stiftungen von Betroffenen gegründet werden, ähnlich war es ja auch bei mir. Hinzu kommt noch, dass man es als Nicht-Betroffener in den seltensten Fällen bemerkt wie viele und welche Mängel es in diesem Bereich gibt. In diesen Fällen ist es dann aber oft so, und ich hätte es ohne Analysephase wohl auch ähnlich gemacht, dass Projekte auf das Krankheitsbild der persönlichen Erfahrungen und somit nur punktuell generiert werden. Der Nachteil daran ist, dass es dadurch eine relativ hohe Anzahl von Vereinen gibt, die parallel an denselben Problemen oder Mängeln arbeiten und, pragmatisch ausgedrückt, an den gleichen Spendentisch gehen. So entstehen leider häufig, sogar innerhalb einer Klinik, Konkurrenzsituationen anstatt gemeinsam an den Problemen zu arbeiten und an einem Strang zu ziehen. Man kann in einem Modell wie unserem eben auch die finanziellen Mittel bündeln. Es gibt nun mal, vielleicht etwas brutal ausgedrückt, Krankheitsbilder die mehr im öffentlichen Blickpunkt stehen als andere. Daher eben auch die Entscheidung mit einer Stiftung und einem Verein zu agieren. Dieses Bewusstsein hatte ich aber erst nach der Analysephase. Inzwischen kann man eines sicher sagen: Wir sind hier in Heilbronn mit unseren Projekten Pionier, Vorreiter und weit über die Stadtgrenzen und die Region hinaus bekannt. Dies hat auch dazu geführt dass wir, schon drei Monate nach Gründung, mit dem »Deutschland – Land-der-Ideen«-Award und unter anderem auch mit dem »Klinikaward« ausgezeichnet wurden. Der Grund hierfür ist, dass wir wohl deutschlandweit, das erwähne ich gerne nochmals, die einzige Klinik sind, an der eben solch eine völlig krankheitsübergreifende Aktivität besteht.

HANIX — Bei den Klinikclowns kann man sich denken, worum es geht. Stellen Sie uns ihre Rotnasen dennoch etwas genauer vor.

Ralf Klenk — Auch dies ist eine tolle Aktivität, die es ebenfalls schon vor unserer Stiftung gab. Die Klinikclowns sind keine gewöhnlichen Spaßmacher sondern ausgebildete Schauspieler und Therapeuten, die auf eine ganz andere Art auf die Kinder zugehen. Dies führt dazu, dass unsere Klinikclowns besonders vertraute Personen unserer Kinder sind. Durch dieses Vertrauensverhältnis zu den Kindern, können die Klinikclowns oft mit vielen Hinweisen den Ärzten und dem Pflegepersonal helfen.

HANIX — »Große Hilfe für kleine Helden« kümmert sich aber zum Teil auch um die Anschaffung von medizinischem Gerät. Das klingt nicht vertrauenswürdig in Bezug auf die medizinische Ausstattung der Kinderklinik. Ist die Klinik nicht ausreichend ausgestattet?

Ralf Klenk — Hier könnte man natürlich fragen, was denn ein Verein und eine Stiftung mit der Ausstattung einer Klinik zu tun haben. Man könnte denken, dass es doch eigentlich nicht sein kann, dass ein Gerät über eine Spende angeschafft werden muss. Hier kann ich nur sagen, »Doch es kann sein!« und gerne möchte ich hier ein Beispiel nennen: Es geht hier nicht darum, dass etwa medizinisch absolut notwendige Geräte fehlen, sondern vielmehr dass man eben etwas mehr tut als notwendig. Ein Beispiel hierfür ist der Bereich der „Frühchen“, für den wir ein sogenanntes Nirogerät von dem es nur sehr wenige in Deutschland gibt, angeschafft haben. Es ermöglicht eine Messung des Sauerstoffgehalts im Gehirn ohne Blutentnahme und diese Messmethode ist viel genauer, als die Messung aus dem Blut heraus. Damit können mögliche Hirnschäden, was gerade im Bereich der „Frühchen” ein großes Thema ist, vermieden werden.

HANIX — Wir waren überrascht, dass es sogar ein Schlaflabor für Kinder am Heilbronner Klinikum gibt. Sie beobachten den Kinderschlaf?

Ralf Klenk — Da auch Kinder sehr häufig an Schlafstörungen leiden, haben wir gemeinsam mit dem Klinikum und dem Chefarzt, Herrn Dr. Peter Ruf, ein Schlaflabor eingerichtet. Dort werden die Kinder während der Schlaf-, Traum- und Ruhephasen beobachtet und die Phasen mit höchst komplexer IT-Technik aufgezeichnet. Daraus werden Therapien gegen möglicherweise entstehende Krankheiten abgeleitet, um den Kindern zu einer normalen Entwicklung zu verhelfen. Auch hier sind wir mit unserer Einrichtung in Heilbronn wieder ganz vorne dabei.

HANIX — Es werden auch Musik-, Mal- und Reittherapien angeboten. Die Stallungen sind aber nicht hier auf dem Klinikgelände verörtlicht?

Ralf Klenk — (lacht) Schwerpunktmäßig findet die Mal- und Musiktherapie in der Klinik statt, wobei die Stiftung die hierfür notwendigen Materialien und Auslagen für die externen Therapeuten bezahlt. Ebenso bei der Reittherapie, wobei dies selbsterklärend nicht auf dem Klinikgelände stattfinden kann.

HANIX — Ihre Raumprojekte klingen vieldeutig. Gemeint ist damit aber, dass die Räume der Kinderklinik auch kindgerecht gestaltet werden?

Ralf Klenk — Genau, richtig. Dies sind beispielsweise Spielzimmer die wir ausstatten. Kliniken wirken eben oftmals sehr steril. Da auch ein ambulanter Aufenthalt durchaus mal zwei Stunden Wartezeit mit sich bringt, wird es den Kindern schnell langweilig und diese unangenehme Wartezeit versuchen wir durch die Anschaffung von Spielsachen oder die Schaffung einer familiengerechten Umgebung zu überbrücken. Hierzu gehören beispielsweise auch unsere Sitzbänke vor den großen Glasfronten der Stationsfoyers. Wobei hier die Bänke nach draußen ausgerichtet sind und der Blick sich somit automatisch weg von der Enge des Raumes richtet. Aber auch eine Küche für Eltern, in denen sie sich was zu essen machen und sich zurückziehen können, gehört zu unseren Raumprojekten.

HANIX — Sie ermöglichen auch regelmäßig Weiterbildungen und Schulungen für ehrenamtliche Helfer aber auch für medizinisches Personal des Klinikums.

Ralf Klenk — Hier sind beispielsweise die Schulungen für den bereits erwähnten Kinderhospizdienst gemeint. Wir haben auch eine Schulung für unsere Notfallärzte finanziert. Hierbei ging es darum Notfallsituationen an Puppen, die ein Kind simulieren, zu trainieren. Diese Puppen gibt es meist nur an Universitätskliniken und wir haben sowohl die Puppen als auch die Ärzte und Trainer angemietet, um unser Personal fachmännisch zu schulen.

HANIX — Können Sie sagen wie viele ehrenamtliche Mitarbeiter schon geschult wurden?

Ralf Klenk — Das ist wirklich sehr schwierig zu sagen, da dies ja auch fortlaufende Schulungen und Lehrgänge sind. Hier ist nicht unbedingt die Anzahl an Personen sondern eher die Höhe der eingesetzten finanziellen Mittel und die Anzahl an Schulungstagen aussagekräftig. Allerdings erfassen wir hier keine Zahlen, da wir dies generell bedarfsabhängig planen und entscheiden. Zu den Schulungen möchte ich noch die Patientenschulungen erwähnen, beispielsweise wenn ein Kind Diabetes hat, muss es lernen wie es sich selbst Spritzen setzt oder spezielle Medikamente einnimmt. Auch solche Dinge schulen wir.

HANIX — Wie wir nun wissen, war der Sozialfonds das erste ins Leben gerufene Projekt nach Stiftungsgründung. Was hat es damit genau auf sich?

Ralf Klenk — Dieser Fonds liegt mir sehr am Herzen. Durch die schwere Erkrankung eines Kindes werden manchmal auch vermeintlich »normale« Familien leider teilweise sehr schnell zu einem Sozialfall. Beispielsweise erkrankt ein Kind und die Mutter muss daraufhin ihre Arbeitsstelle aufgeben, das verdiente Geld ist aber für den Lebensunterhalt der Familie wichtig. Ein weiteres Beispiel sind Krankheiten, die es erforderlich machen einen Teil der Behandlung bei unseren Partnern, den Universitätskliniken in Heidelberg und Tübingen, zu vollziehen. Hier kommt es dann eben vor, dass die Eltern die finanziellen Mittel, für die leider auch die Krankenkassen nicht aufkommen, für die Besuchsfahrten oder Übernachtungen nicht aufbringen können. In diesen Fällen unterstützen wir die Familien dann auf einem sehr unbürokratischen Weg in Abstimmung mit den Ärzten, die den entsprechenden Fall dann beurteilen und uns die Notwendigkeit mitteilen.

HANIX — Sie arbeiten auch eng mit den Uni Kliniken in Heidelberg und Tübingen zusammen. Wie war das Feedback dieser beiden Standorte zu Beginn der Stiftungsgründung?

Ralf Klenk — Hierzu muss ich sagen, dass ich auch diese beiden Kliniken im Vorfeld der Stiftungsgründung besucht habe und die Anerkennung und der Zuspruch für unsere Arbeit unheimlich hoch sind. Es gab ja, insbesondere mit der Klinik Tübingen, bereits eine sehr lange Verbindung im Bereich Onkologie, in dem die Klinik eine traditionell führende Rolle einnimmt.

HANIX — Last but not least, das letzte Stiftungsprojekt auf unserer Liste: Worum geht es bei der sozialmedizinischen Familiennachsorge?

Ralf Klenk — Es gibt beispielsweise Patienten, die chronisch erkrankt sind oder aus der Klinik entlassen werden, weil der Heilungsprozess auch im heimischen Umfeld stattfinden kann. Damit sich in diesen Fällen die Familien damit zurecht finden, gibt es die sogenannte Nachsorge, die von Brückenschwestern direkt in der Familie ausgeführt wird. Dies wird natürlich nur sehr eingeschränkt von den Krankenkassen bezahlt und somit tritt hier wieder die Stiftung auf.

HANIX — Die Stiftung ist unglaublich umtriebig. Können Sie uns eine Zahl der Kinder, die durch Stiftungsarbeit unterstützt wurden, nennen?

Ralf Klenk — Dies kann man natürlich sehr schwer in Zahlen fassen. Wenn man die reinen Patientenzahlen nimmt, ungefähr 20 000 Patienten im Jahr, kommt man auf eine Zahl der bisher unterstützten Kinder von insgesamt 50 000. Aber die weiteren Nutzen, wie exemplarisch die toll gestalteten Warteräume oder gewisse Give-Aways, werden hier gar nicht mit eingerechnet. Grundsätzlich kann man sagen, dass der Nutzen von Verein und Stiftung in jedem Fall immens hoch war und ist.

HANIX — Nicht jeder Bürger hat die finanziellen Möglichkeiten, die Stiftung durch eine große Geldspende zu unterstützen. Kann man als hilfsbereiter Mensch ihre Stiftung auch auf anderem Wege unterstützen?

Ralf Klenk — Wir suchen natürlich ständig ehrenamtliche Mitarbeiter, vor allen Dingen im Bereich Veranstaltungen. Aber hierzu muss man sagen, dass auch ein gewisses zeitliches Budget vorhanden sein muss. Das Rückgrat all unserer Aktivitäten ist, neben Geld, das Ehrenamt. Von daher laden wir natürlich jeden der uns unterstützen möchte gern dazu ein. Ich sage es auch ganz deutlich, mir ist eine Fünf-Euro-Spende eines Schülers genauso wichtig wie eine 50 000-Euro-Spende eines Unternehmens.

HANIX — Wenn man sich auf ihrer Stiftungs-Homepage die Mitwirkenden ansieht, könnte man meinen, Sie haben ein Nachwuchsproblem.

Ralf Klenk — Ja und Nein. Es ist einfach so, dass sowohl die Stiftung als auch der Verein sehr ernst zu nehmende Institutionen sind. Deshalb gehört auch von Seiten der Mitarbeiter eine gewisse Ernsthaftigkeit, Betroffenheit aber auch Lebenserfahrung dazu, was einfach ganz junge Menschen in aller Regel noch nicht haben. Von daher sind unsere Mitarbeiter in der Regel schon älter als 30 Jahre. Ganz anders sieht es bei Veranstaltungen aus, an denen auch viele Jugendliche als Helfer tätig sind. Des weiteren haben wir ganz viele junge Spender und Schulklassen, die durch Aktionen Geld sammeln und uns dieses zur Verfügung stellen.

HANIX — Kann man ihre Stiftung auch mit Know-how oder Projektideen unterstützen. Gerade kleineren Start-up-Unternehmen fehlt es zunächst an Mitteln für Geldspenden?

Ralf Klenk — Unser Erfolgsgeheimnis ist, möglichst viele Menschen, im Rahmen derer Möglichkeiten, für unsere Idee zu begeistern. Um ein Beispiel zu nennen: Wir genießen eine tolle Unterstützung von der Audi AG, einem der größten Arbeitgeber der Region aber auch von jungen Firmen und zwar nicht unbedingt mit Geld sondern auch mit Engagement und ganz speziellem Firmen Know-How. So haben wir Unterstützung von Medienunternehmen, aber auch im Bereich von Werbeveranstaltungen oder beispielsweise Druckereien, die uns mit Sonderkonditionen versorgen und vieles mehr. Somit ist eine Unterstützung auch mit Know-how möglich und jederzeit willkommen.

HANIX — Besteht die Möglichkeit ein freiwillig soziales Jahr bei der Stiftung zu absolvieren?

Ralf Klenk — Ja, diese Möglichkeit gibt es selbstverständlich. Die Anzahl der Stellen ist allerdings nicht fix, da hier auch eine enge Abstimmung mit der Klinik stattfinden muss.

HANIX — Als abschließende Frage möchten wir von ihnen wissen, welchen Wunsch Sie für die Zukunft ihrer Stiftung haben?

Ralf Klenk — Wir haben uns natürlich mit unserem Strategiepapier und unserer professionellen Ausrichtung Ziele und auch eine Vision 2020 gesetzt. Zusammengefasst kann ich einfach sagen, das ich mir wünsche, dass wir unseren Weg der letzten Jahre einfach weitergehen und weiterhin diesen Zuspruch von Firmen und aus der Bevölkerung erhalten.

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