Titelthema Nacht November 2012

Tolga Yurtseven: “Die Atmosphäre bei uns ist sehr familiär”

Im »Eroticon« kehren allerlei Nachtschwärmer ein. Ob Tab- le-Dance-Fans oder Menschen, die einfach nach 4 Uhr noch weiterfeiern wollen. Denn im »Eroticon« tanzen auch die Gäste. Wir sprachen mit Betreiber Tolga Yurtseven unter anderem über das Nachtleben in Heilbronn heute und vor 20 Jahren.

HANIX — Tolga, Du warst, bevor Du im Frühjahr dieses Jahres das Eroticon übernommen hast lange als Türsteher tätig.

Tolga — Das ist richtig. Mit Unterbrechungen habe ich ungefähr 20 Jahre als Security-Mann für Clubs aus der Region gearbeitet. Ob es für das Creme 21 war, das ehemalige Logo oder viele andere Läden.

HANIX — Dann müsstest Du beurteilen können, ob, und wenn ja, wie sich das Heilbronner Nachtleben in dieser Zeit verändert hat?

Tolga — Was ich als deutlich spürbar empfinde ist , dass das Aggressionspotential der Nachtschwärmer im Vergleich zugenommen hat. Früher, meine ich, war noch größerer Respekt gegenüber dem Personal vorhanden. Auch ist das Konsumverhalten anders. Ich denke, dass heute mehr getrunken wird und mehr Drogen konsumiert werden. Auch das exzessive Vorglühen kenne ich von früher nicht. Heute kommen die Leute oft schon sehr angetrunken an. Früher hat man sich erst beim Feiern betrunken und nicht schon vorher.

HANIX — Und wenn es um die Qualität der Veranstaltungen in der Nacht geht? Nimmst Du unterschiede wahr?

Tolga — Es ist eintöniger geworden. Die meisten wollen das Selbe Massenprogramm. Vor 20 Jahren war das Angebot vielfältiger, es gab mehr Nischen für die Leute.

HANIX — Was würdest Du die als erfahrener »Nacht-Hase« für das Heilbronner Nachtleben wünschen?

Tolga — Zunächst einmal, das halte ich für sehr wichtig, würde ich mich darüber freuen, wenn in der Innenstadt mehr los wäre und nicht schon gegen 22 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt werden. Wenn man am Wochenende nach 22 Uhr durch die Innenstadt läuft, kann man fast hören, wie sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Hierfür ist natürlich die Stadt gefragt. Die Stadtverwaltung muss natürlich ein Interesse daran entwickeln, dass die Innenstadt nicht nur zum Weindorf und bei Shopping-Events bis nach 22 Uhr belebt ist. Mehr zentral gelegene Clubs würden der Innenstadt und dem Nachtleben in Heilbronn gut tun.

HANIX — Du arbeitest oft nachts. Sind nachts die interessanteren Menschen unterwegs?

Tolga — Ich finde, dass die Menschen, die nachts unterwegs sind nicht interessanter sind allerdings sind sie sicherlich entspannter als am Tag und eben in Feierlaune.

HANIX — Leidet dein Privatleben unter deinen Arbeitszeiten?

Tolga — Natürlich muss man ein paar Abstriche machen. Aber das weiß man vorher. Und die Toleranz von Freunden und Familie muss natürlich da sein. Aber ich arbeite nicht jede Nacht, deshalb kann ich nicht über ein unbefriedigendes Privatleben klagen. 

HANIX — Wird das mit den Nachtschichten bei dir bis zur Rente weitergehen oder soll irgendwann vorher damit Schluss sein?

Tolga — Das soll nicht ewig so gehen, da ich ja langsam auch in ein Alter komme und zum Erholen einfach länger brauche als früher. Aber ein paar Jahre mache ich das sicher noch, da es mir ja auch Spaß macht, nachts zu arbeiten.

HANIX — Wie sieht eine normale Arbeitsnacht bei dir aus?

Tolga — Ich bin meistens von Donnerstag bis Samstag hier im Eroticon. Gegen 22 Uhr beginnt meine Schicht. Ich passe auf, stehe auch hier nach wie vor vor der Türe. Ich spreche mit Mitarbeitern und gucke einfach nach dem Rechten. Gegen 6 Uhr verlasse ich dann den Laden. 

HANIX — Und wohin verschlägt es dich nach Feierabend? Zieht ihr noch selbst zum Feiern los under geht es direkt in die Koje?

Tolga — Wie gesagt, ich bin auch nicht mehr der Jüngste. Inzwischen fahre ich direkt in mein Bett und lege mich Schlafen. Ich muss dann nicht mehr in Bukowski ziehen und bis in die späten Morgenstunden weiterfeiern. Mitarbeiter von mir machen das aber sicherlich ab und zu. Die sind aber auch jünger als ich.

HANIX — Wie sieht euer Eroticon-Publikum aus? Zieht ihr eine ganz bestimmte Klientel an oder ist es ein bunter Mix an Gästen?

Tolga — Wir haben hier wirklich alles und jeden als Gast – vom Hartzer bis zum Manager. Die Leute kommen auch gerne nach dem Feiern im Club zu uns. Wir sind also eine Table-Dance-Bar die tanzwütiges Publikum hat. Das unterscheidet uns wahrscheinlich auch von den meisten Table-Dance-Bars. Unser Publikum setzt sich also aus Menschen zusammen, die guten Table-Dance genießen wollen und den Mädchen Dollars, die man bei uns an der Bar kaufen kann, zustecken wollen über Partyvolk, dass bis 5 Uhr weiterfeiern will bis hin zu Neugierigen, die es einfach interessiert, wie so ein Abend in einer Table-Dance-Bar abläuft. Wir haben durchaus auch Frauen zu Gast, die sich hier sehr wohl fühlen und manchmal sogar unseren Mädchen Dollars zustecken.

HANIX — Was genau kann man den bei euch im Eroticon erleben?

Tolga — Guten Table-Dance natürlich und das ohne Verpflichtungen. Ob im Hauptraum oder in einem Separee, wo die Private-Shows stattfinden. Dann kann man hier natürlich auch feiern oder seinen Junggesellenabschied verbringen. Die Atmosphäre würde ich als sehr familiär beschreiben. 

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