Titelthema Nacht November 2012

Heiko Kreiter: »Wir sind auf einem guten Weg eine national bekannte Marke zu werden«

Heiko Kreiter hat mit Diginights mehr als ein Eventportal geschaffen. Diginights ist inzwischen Full-Service-Agentur und auf einem guten Weg, weit über Heilbronns Grenzen hinaus bekannt zu werden. Wir sprachen mit dem Heilbronner Unternehmer über das städtische Nachtleben, die Kunst als Chef Verantwortung abzugeben und den großen Vorteil Diginights in Heilbronn gegründet zu haben.

HANIX — Heiko, zuerst zu deiner Person. Wie alt bist Du, bist du Heilbronner und seit wann gibt es Diginights überhaupt?

Heiko Kreiter — Ich wurde 1977 in Heilbronn geboren und bin in Schwäbisch Hall aufgewachsen. Im Teenager-Alter bin ich dann nach Heilbronn gezogen. Mit Diginights habe ich vor über zehn Jahren angefangen.

HANIX — Davor hast Du das Szene-Magazin Phonk gegründet.

Heiko Kreiter — Ich habe damals eine Ausbildung zum Mediengestalter für die Bereiche Digital und Print gemacht und währenddessen mit Diginights angefangen, da ich damals für den Stuttgarter Club M1 fotografiert habe. Irgendwann dachte ich mir, dass ich dies doch auch für Heilbronn machen kann. Somit war Diginights vor dem Phonk da und das Phonk war damals als Printausgabe für Diginights geplant.

HANIX — Was es damals ja dann auch war. Wie lange hast du das Phonk mit betrieben?

Heiko Kreiter — Die Phonk-Geschichte lief ungefähr 3 Jahre. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass ich mich zwischen Phonk und Diginights entscheiden muss, da ich beides nicht gleich gut machen konnte.

HANIX — Wieso hast du dich für den Onlineweg entschieden?

Heiko Kreiter — Weil ich sowohl damals als auch heute denke, dass dies die Zukunft ist. Natürlich haben Printmagazine nach wie vor ihre Berechtigung, aber ich denke auf dem Onlineweg existieren viel mehr Möglichkeiten. Schon alleine was die überregionale Reichweite angeht, haben Online-Medien Vorteile.

HANIX — Diginights war zunächst eine klassische One-Man-Show. Wie lange hat es gedauert bis Diginights angefangen hat zu wachsen?

Heiko Kreiter — In den ersten Jahren habe ich tatsächlich alles selbst gemacht. Angefangen beim Bauen der Webseite, über die Betreuung der Seite, Texte schreiben, Promotion bis hin zu den Entwürfen der Banner und Flyer. Nach und nach, ich hatte ja noch einen »normalen« Job als Mediengestalter, habe ich immer mehr Tage Urlaub genommen um mich um meine Seite zu kümmern. Im Jahr 2005 habe ich mich dann entschieden den Weg der Selbstständigkeit zu gehen und mich ausschließlich um Diginights zu kümmern.

HANIX — Diginights kümmert sich viel um Lifestyle und Nachtleben. Du warst mit Sicherheit selbst auch viel im Nachtleben aktiv. Hast du dann ein Stück weit dein Feierhobby zum Beruf gemacht?

Heiko Kreiter — Ich sage immer: »Es ist schön wenn man sein Hobby zum Beruf machen kann. Der Nachteil ist leider, dass man dann irgendwann keine Lust mehr auf sein Hobby hat.« So ist es auch bei mir. Je mehr ich beruflich mit Parties und Events zu tun hatte, desto weniger bin ich im Privatleben noch feiern gegangen. Ich habe früher einige sehr erfolgreiche Events im Creme21 und im T-Club in Mosbach veranstaltet. Dann hatte ich für zwei Jahre den Cube-Club in Heilbronn übernommen, habe aber auch schnell festgestellt, dass es nichts für mich ist, jeden Freitag im Laden stehen zu müssen.

HANIX — Wo warst du früher in Heilbronn feiern?

Heiko Kreiter — Ich habe den Intershop noch wahrgenommen aber war leider nie dort. Ehrlich gesagt habe ich ziemlich spät angefangen wegzugehen und zu feiern. Dann war ich natürlich auch in Stuttgart unterwegs, aber hauptsächlich in den bekannten Heilbronner Läden wie dem Creme21 und auch im Music Park. Ich musste mich eben auch auf die Läden konzentrieren, in denen wir als Diginights aktiv waren, da für alles andere gar keine Zeit blieb.

HANIX — Wenn du das Nachtleben jetzt und vor 15 Jahren vergleichst, wo sind die größten Unterschiede?

Heiko Kreiter — Ich würde sagen, die ganz große Vielfalt und außergewöhnliche Ausreißer sind nicht mehr so vorhanden wie damals. Aber der Unterschied ist, dass sich das Clubleben nicht mehr auf einzelne Läden und Tage konzentriert sondern die einschlägigen Lokalitäten an allen geöffneten Tagen gut besucht sind. Wir haben hier einen ganz guten Einblick, da wir bei mehreren Clubs in die Eventplanung involviert sind. Hinzu kommt auch, dass wir, gerade mit Diginights, die Möglichkeit haben, Heilbronner Veranstaltungen auch in den umliegenden Regionen wie Öhringen und Schwäbisch Hall bekannt zu machen und somit auch hier einige neue Besucher generiert werden können. Ich möchte schon behaupten, dass Heilbronn im Bereich Nachtleben, zumindest was die kommerzielle Schiene angeht, relativ gut aufgestellt ist.

HANIX — Sind die Heilbronner feierwütiger als andere?

Heiko Kreiter — Das würde ich dann doch nicht sagen wollen. Wir haben eben vor zehn Jahren, wo es noch kein Facebook gab, eine Möglichkeit geschaffen, den Leuten zu zeigen wo man in Heilbronn feiern kann und somit wurde das Nachtleben einfach angereichert mit Leuten von außerhalb. Wenn man dann einmal ein sehr umfangreiches Nachtleben hat, kann man auch noch Jahre danach davon zehren. Wichtig war es, das Heilbronner Nachtleben bekannt zu machen. In anderen, mit Heilbronn vergleichbaren Städten, wie zum Beispiel Koblenz, ist es einfach so, dass die Leute in die Ballungsgebiete fahren. Somit müssten eigentlich alle Heilbronner nach Stuttgart oder Heidelberg zum Feiern fahren, was aber nicht passiert. Dies ist die eigentliche Besonderheit am Heilbronner Partypublikum. Umso schwieriger ist es allerdings in Heilbronn für neue Locations, da die anderen schon zehn Jahre lang an ihrem Programm gefeilt haben und das Publikum so natürlich auch an sich gebunden haben.

HANIX — Was macht Diginights noch außer auf Parties hinzuweisen?

Heiko Kreiter — Grundsätzlich werden wir ganz unterschiedlich von den Usern wahrgenommen. Man kann die Wahrnehmung eigentlich in drei Kategorien aufteilen. Da sind einmal die Leute, die von uns auf Parties fotografiert werden. Die fragen mich heute teilweise noch was ich denn eigentlich hauptberuflich mache. Dann gibt es diejenigen, die unsere Veranstaltungen kennen. Diese Leute denken dann dementsprechend, dass wir ausschließlich Events veranstalten. Mit unseren Entwicklern im Haus betreiben wir aber auch das ganz klassische Agenturgeschäft, wie Webseitenentwicklung, Automatisierung von Webseitenmodulen und Integration von Veranstaltungskalendern auf Club-Webseiten et cetera.

HANIX — Am Anfang warst du eine One-Man-Show, mittlerweile sitzen im Diginights-Büro in Heilbronn zwölf Mitarbeiter und deutschlandweit sind 130 Personen für Diginights tätig. Wie und warum ist Diginights denn in den letzten Jahren so gewachsen?

Heiko Kreiter — Die Dinge und Module die wir anbieten haben sich parallel zueinander entwickelt. Durch meine Ausbildung zum Mediengestalter habe ich zuerst meine eigenen Flyer gemacht, dann kamen nach und nach Kunden die auch Flyer und Webseiten haben wollten. Ähnliches gilt für die Events. Es hat sich aufgrund unserer eigenen Events ergeben, dass auch andere Veranstalter unsere Dienstleistung im Bereich Eventplanung und Eventmarketing in Anspruch nehmen wollten. Ich würde sagen vor circa fünf Jahren habe ich einen Praktikanten damit beauftragt mal alle Events zu sammeln und in einen Kalender einzutragen und teilweise Banner hierfür zu entwerfen, was mir natürlich wieder Freiräume für andere Dinge geschaffen hat. Des weiteren kam dann noch Steffen als mein Eventplaner hinzu, was wieder Zeit für andere Dinge in meinem Kopf geschaffen hat. Das Ganze ging also stetig und in kleinen Schritten voran bis wir dann, vor circa zweieinhalb Jahren, gemerkt haben, dass der Knoten so langsam aufgeht. Der nächste große Schritt im März letzten Jahres war dann die Implementierung unserer neuen Webseite, die lange überfällig war. Hier sind wir auch ein großes Risiko was die Kostenseite angeht eingegangen, aber ich denke jeder Selbstständige kommt einmal an den Punkt an dem er sich entscheiden muss Risiko zu gehen oder nicht. Man muss es auch aushalten können Verluste zu machen oder Geld falsch investiert zu haben und dennoch weiter machen.

HANIX — Irgendwann hast Du Bereiche abgegeben. Das kann nicht jeder Chef. Ist es dir schwer gefallen, Verantwortung und ein Stück Kontrolle abzugeben und deinen Mitarbeitern zu vertrauen?

Heiko Kreiter — Das war sehr schwer am Anfang. Denn eigentlich soll etwas, wenn es gemacht wird, auch 100% richtig gemacht werden. Dann gab es ein Schlüsselerlebnis für mich. Wir hatten das aktivste Forum, das es hier in der Region gab. Diginights ist hauptsächlich über das Forum wahrgenommen worden. Das Forum war aber ein externes und nicht in unsere Seite eingebunden. Jahrelang hatten wir versucht, das Forum bei uns zu integrieren. Finanziell war das aber nicht zu stemmen. Dann kam ein Programmierer, der das Forum bis auf zwei Funktionen innerhalb von einer Woche kostengünstig programmiert hat. Ich war natürlich unzufrieden, da die zwei Funktionen nicht mehr funktionierten. Aber: Von 100 000 Besuchern haben ganze 5 User bemerkt, dass zwei Funktionen fehlen. Der Umkehrschluss ist, dass ich lieber mit 95% online gehe als es mit 100% nie zu schaffen. Mittlerweile bin ich froh, dass ich gute Leute habe. Ein Unternehmen ist immer nur so gut, wie seine Mitarbeiter. Das habe ich gelernt.

HANIX — Steigert sich die Motivation der Mitarbeiter durch das Übertragen von Verantwortung?

Heiko Kreiter — Definitiv nach meiner Erfahrung. Auf einem Fortbildungsseminar, das ich besucht habe, wurde gesagt, dass man irgendwann Mitarbeiter einstellen muss, die sehr gut können, was man als Allrounder, der man meistens als Unternehmensgründer ist, »nur« gut kann. Wenn es um Spezialisierung geht, braucht man Spezialisten. Ich kümmere mich jetzt mehr ums Management und die Koordination, baue aber auch mal einen Stand auf einem Festival auf oder bin im Lager.

HANIX — Man hat den Eindruck, dass das arbeiten sehr angenehm ist. Ihr kocht auch öfter zusammen, wurde uns zugetragen…

Heiko Kreiter — Wir versuchen ein lockeres Arbeitsverhältnis zu pflegen. Wir kochen oft zusammen oder sitzen im Sommer draußen und grillen. Wir sind auch schon zusammen in den Europa Park gefahren, jetzt steht bald ein Besuch in Trips Trill an. Mir ist wichtig, dass die Leute sich hier wohl fühlen. Unsere Mitarbeiter sollen wissen und lernen, wann etwas zu tun ist und wann nicht. Hier soll man nicht nur seine Zeit absitzen und um Punkt 18 Uhr die Firmenräume fluchtartig verlassen. Eigenverantwortung ist deshalb ein großes Thema bei uns. Hier muss man die Leute aber auch an der Hand nehmen. Wir sind ja auch Ausbildungsbetrieb, gewisse Richtlinien müssen also vorgegeben sein und eingehalten werden.

HANIX — Ihr seid inzwischen über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus tätig. Wie werdet ihr als Heilbronner Unternehmen in Großstädten und von nationalen Großunternehmen, mit denen ihr zusammenarbeitet, wahrgenommen?

Heiko Kreiter — Zunächst muss ich sagen, dass für uns Heilbronn genau die richtige Größe hatte, um in Ruhe gesund wachsen zu können. Die Stadt war nicht zu klein, es gab hier schon immer ein aktives Nachtleben. Auf der anderen Seite war Heilbronn nicht zu Groß als das wir von ähnlichen Unternehmungen, wie beispielsweise den Nachtagenten, die von großen Medienhäusern unterstützt wurden als Konkurrenz wahrgenommen wurden. In Großstädten haben sich Eventportale oft so lange bekriegt, bis es am Ende keines mehr gab. So war es beispielsweise in Stuttgart, wo wir inzwischen auch die Nummer Eins sind. Wir werden auch nicht belächelt, weil wir aus Heilbronn kommen. Wir arbeiten mit zertifizierten Besucherzahlen, die belegt sind. Einem Festivalunternehmer zum Beispiel ist es da herzlich egal aus welcher Stadt wir kommen. Wir können Reichweite vorweisen und darum geht es schlussendlich und nicht darum, wo der Firmensitz ist.

HANIX — Und wo soll der Weg von Diginights hingehen?

Heiko Kreiter — Der nächste Schritt ist, dass wir Anfang nächsten Jahres mit Diginights in eine GmbH umfirmieren. Bisher ist es immer noch eine Einzelunternehmung. Das heisst, dass jeder Strafzettel, den ein Mitarbeiter mit dem Firmenauto bekommt, zu mir nach Hause kommt. Dann steht die Entscheidung an, ob wir uns weiter selbst finanzieren und langsam wachsen oder ob wir uns Investorengelder akquirieren, um relativ schnell viel umsetzen zu können, da wir Tools entwickelt haben, die deutschlandweit einzigartig sind. Um am Markt Platzhirsch zu werden und uns langfristig umzusetzen, ist das eine Überlegung wert.

HANIX — Hört sich an als würde Diginights auf der Überholspur fahren…

Heiko Kreiter — Eigentlich gibt es nur einen Weg und der geht nach oben. Oft frage ich mich selbst, was mich dazu antreibt. Diginights könnte sich ja auch nur auf Heilbronn-Ludwigsburg-Stuttgart konzentrieren und das Überregionale weg lassen. Doch man will sein Baby wachsen sehen und es soll richtig erwachsen werden. Seit diesem Jahr haben wir Vermarkter, die uns große Kampagnen von beispielsweise Vodafone oder der Deutschen Bahn reinbuchen. Wir sind auf einem guten Weg eine national bekannt Marke zu werden.

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