Titelthema Schaffe, Schaffe, Häusle baue Oktober 2012

Martin Ric: “Handwerk öffnet die Augen für Selbstverständliches”

»Schaffe, schaffe Häusle baue« trifft zwar nicht ganz das Metier der beiden Geschäftspartner. Fleißig sind die Möbel- und Innenreinrichtungsdesigner Martin Ric und Matthias Eckert dennoch sehr. Eine halbe Ewigkeit arbeiten die Inhaber von Performa zusammen. Sie verraten uns was sie miteinander verbindet, die Besonderheit ihrer Produkte und wie sie nach über zwanzig Jahren immer noch zusammenarbeiten können.

Laut und hektisch ist es auf der Allee in Heilbronn. Ein typischer Dienstagabend. Während die meisten Menschen sehnsüchtig ihrem Feierabend entgegenfiebern und zügig nach Hause eilen, sitzt Martin Ric noch im Showroom. Eilig hat es der 50-Jährige nicht. Ganz im Gegenteil: Gelassen sitzt er seinen Kunden am quietschgrünen Tisch gegenüber und berät sie. Nebendran steht eine Glastasse Cappuccino. Die Stimmung ist angenehm, trotz konstruktiver Unterhaltung. »Das Regal sollten wir höher ansetzen», gibt Kunde Thomas Pfeffer zu Bedenken. »Unsere Gläser sind ja schon zwanzig Zentimeter hoch.» Bei einem befreundeten Winzer haben Thomas und Bruder Christian Pfeffer ein ähnliches Modell gesehen. Sofort hat ihnen der Stil gefallen. »Unsere Produkte passen gut in sein Regal», so der 35-jährige. Deswegen standen für die Inneneinrichtung ihres neuen Lebensmittelgeschäfts am Heilbronner Marktplatz auch nur zwei Optionen zur Auswahl: Selber bauen oder von Performa bauen lassen.

Innovation durch Zweckmäßigkeit

Zeitlos sollen sie aussehen, um lange zu halten. Daher sind die Designermöbel von Performa schlicht und einfach. Schnörkel, Verzierungen oder sonstige optische Spielereien gibt es nicht. »Weniger ist mehr», sagt Ric, »sonst hat man sich schon nach fünf Jahren daran sattgesehen.» Und was inspiriert die Hersteller? Der Mitinhaber erklärt: »Wir überlegen uns, was unsere Kunden brauchen und nicht, was gut aussehen könnte.» Die Möbelstücke werden also primär nicht nach optischen Gesichtspunkten kreiert, sondern nach ihrer Zweckmäßigkeit. Ein Esstisch soll robust und solide sein, aber auch Atmosphäre schaffen. Das heißt, jedes Möbel hat seine Funktion, die es optimal zu erfüllen gilt. Das Besondere an diesen Designerstücken sind neben der sehr präzisen Verarbeitung und dem klaren Design, ihre Materialien. Aus Echtholz, Furnierholz oder ganz kleinen Holzfasern gepressten Holzplatten ist das Mobiliar gefertigt. Je nach Möbelstück wird es mit Kautschuk oder Linoleum bezogen. Die Materialien eignen sich ideal für Oberflächen, weil sie besonders widerstandsfähig sind. Richtig interessant sind die Ideen, wie manche Produkte entstanden sind. Martin Ric erinnert sich an eine Kundin, die für ihren Flur eine Garderobe benötigte. Da ihre Kinder zu diesem Zeitpunkt noch sehr klein waren, müsste die Höhe der Kleiderablage je nach Wachstumsstadium ihrer Kinder, regelmäßig angepasst werden. Damit die Kleinen ihre Jacken selbstständig aufhängen können. Martin Ric hatte eine bessere Idee. Er entwickelte gleich den heutigen Performa-Bestseller: Eine Garderobe mit mehrstufigen Haken. »Dann brauchen nicht jedes Jahr neue Löcher in die Wand gebohrt werden», scherzt er.

Gesucht und gefunden

Die Atmosphäre ist bemerkenswert. Ganz gleich, ob im Showroom in der Allee oder in der Werkstatt in der Dieselstraße, es herrscht immer eine besonders angenehme Stimmung im Unternehmen Performa. Als durchweg harmonisch würde man es bezeichnen. Das liegt vielleicht daran, dass beide Inhaber sehr ausgeglichene Personen sind. »Wir führen auch konstruktive Diskussionen», sagt Ric, »aber richtig gestritten haben wir uns nie.» Die zwei Geschäftsinhaber scheinen sich gesucht und gefunden zu haben. Mit Mitte dreißig lernten sie sich auf der Meisterschule kennen und können auf beinahe zwei Jahrzehnte gemeinsamer Tätigkeit zurückblicken. »Martin war der Einzige, der mir auf Anhieb sympathisch war», sagt Matthias Eckert (49) über ihn. Und genau das Gleiche erzählt Martin Ric über seinen Freund und Geschäftspartner. Beide verbindet die Liebe zum Handwerk und zur Genauigkeit. »Eine gute Freundschaft ist wie eine Ehe.» Man müsse immer etwas dafür tun.

Selber gestalten

Die Designermöbel von Matthias Eckert und Martin Ric scheinen sich mit den Jahren herumgesprochen zu haben. Jeweils ein Drittel der Kunden stammen aus Heilbronn, ganz Deutschland und aus aller Welt. Ursula und Klaus Bühle leben in Untergruppenbach und haben sich ebenfalls für die Produkte entschieden. Eine Garderobe, eine Küche und ein Bad haben sie sich bei den gelernten Schreinermeistern ausgesucht. Der 64-Jährigen hat es gefallen, zusammen mit ihrem Mann und Martin Ric die Küche selbst zu gestalten. Doch mit den technischen CAD-Zeichnungen konnte sie am Anfang nicht viel anfangen. »Ich konnte mir nicht richtig vorstellen, wie die Küche in Wirklichkeit aussehen soll», sagt Ursula Bühle und zeigt mit ihren Händen die Umrisse. »Hätte ich nur die Zeichnungen gesehen, dann hätte ich keine Küche gekauft», gibt sie zu. Aber genau das macht eben einen guten Kundenservice aus. Martin Ric konnte sich gut in ihre Situation hineinversetzen und fuhr mit dem Ehepaar nach Ludwigsburg, um ihnen Musterküchen zu zeigen. Über das Ergebnis ihrer neuen Küche aus Birkenfurnier und Edelstahl sind die Rentner sehr zufrieden. »Wir möchten sie nicht mehr missen», sagt Klaus Bühle (71) und präsentiert stolz den modernen Dunstabzug.

Schwedische Möbelhäuser

Während Martin Ric sich auf die Kunden und das Marketing spezialisiert hat, kümmert sich Matthias Eckert intensiv um die Produktion und die Auszubildenden. Mit einem Handsteuergerät zerlegt Ausbilder Eckert gerade ein paar Furnierholzplatten in der Werkstatt. Ein Freund von kurzweiligen und günstigen Möbeln aus schwedischen Möbelhäusern ist er nicht unbedingt. Doch hätten auch diese Produkte seiner Meinung nach ihre Berechtigung. »Studenten haben selten das Geld für hochwertige Produkte, wenn sie in ihre erste Wohnung ziehen», so der gebürtige Brackenheimer. Doch im Laufe der Zeit setzt sich Qualität in der Regel durch. Dann schlägt die Uhr kurz nach halb acht. Es ist Zeit für den Feierabend. Schreinergeselle Sven Flösser schleift noch die letzten Ecken einer Holzplatte ab. Der 22-Jährige hat seine Ausbildung bei Performa diesen Sommer als Jahrgangsbester abgeschlossen und den zweiten Platz im Leistungswettbewerb Kammerbezirk erreicht. Ausbilder Eckert schaut etwas stolz zu ihm hinüber und sagt: »Bei dem Wettbewerb nehmen nur die Jahrgangsbesten teil.» Sie bekommen dann das Material zur Verfügung gestellt und haben die Aufgabe innerhalb von sieben Stunden einen Hocker zu bauen. In seiner Ausbildung hat Sven Flösser sehr genaues Arbeiten gelernt. »Es ist ein tolles Gefühl, etwas mit den eigenen Händen zu schaffen», sagt der Geselle bescheiden. In seinem Ausbildungsbetrieb ist er gerne beschäftigt und wird auch noch eine Zeit lang bleiben, bis es ihn in die weite Welt hinaus zieht. »Ich möchte mehr lernen», so der Schreinergeselle und erzählt von einer Schule in Jordanien, für die er irgendwann einmal arbeiten möchte. Taubstumme Menschen werden dort zu Schreinern ausgebildet. »Aber erst mal muss ich die Sprache lernen», sagt er und lacht. Mit seiner Ausbildung habe er für sich eine solide Basis geschaffen, die er nur jedem anderem Jugendlichen empfehlen könne. »Handwerksberufe öffnen einem den Blick für Selbstverständliches.» Wie viel Arbeitsschritte es braucht, um einen Stuhl zu fertigen, auf dem man sich ganz selbstverständlich jeden Tag hinsetzt. All das lehrt einem das Handwerk und noch viel mehr.

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