Titelthema Wirtschaft Dezember 2012

Traditionell stark

Was macht viele familiengeführte Betriebe so erfolgreich und wo liegen die Stärken und Schwächen dieser Unternehmensform? HANIX hat einige Unternehmer befragt.

In Tauberbischofsheim ist die Distelhäuser Brauerei angesiedelt, die sich seit 1876 im Besitz der Familie Bauer befindet. Mit knapp 185.000 Hektolitern Jahresausstoß und 147 Mitarbeitern gehört die Distelhäuser Brauerei zu den mittelständischen Brauereien in der deutschen Bierlandschaft. Eine der Stärken des Familienunternehmens sieht Geschäftsführer Achim Kalweit darin, dass man sich in einem Markt, der von Konzentration und Globalisierung geprägt sei, immer die Eigenständigkeit bewahrt habe. „Wir sind keiner internationalen Konzernführung oder Börse verpflichtet und können daher auch in schwierigen Zeiten zu unseren langjährigen

Partnern stehen.“ Und sein Kollege, Geschäftsführer Roland Andre, ergänzt: „Nachhaltig stabile Strukturen sind uns wichtiger als schneller Profit und kurzfristig lukrative Geschäfte.“ So führte die Distelhäuser Brauerei bereits 1956 eine Mitarbeiterbeteiligung ein, über die alle am Erfolg des Unternehmens teilhaben können.

Regional verwurzelt

Die Brauerei bekennt sich zu ihrer Verantwortung für die Region. Die Hauptzutaten der Biere aus Distelhausen stammen zu fast 100 Prozent aus dem Taubertal und einem Umkreis von weniger als 100 Kilometer um das Dorf. Damit hängen rund 570 weitere Arbeitsplätze in Landwirtschaft, Dienstleistung, Handel und Gastronomie unmittelbar von der Distelhäuser Brauerei ab. Roland Andre: „Mit einer Begeisterung, die von Generation zu Generation weitergegeben wird, kämpfen wir für den Erhalt der traditionellen Braukunst und die Vielfalt herkunftstypischer Bierspezialitäten. Dabei haben wir ein offenes Ohr für neue Ideen und fördern den Fortschritt, denn wir verstehen Tradition nicht als Verharren in altertümlichen Arbeitsweisen. Wir brauen moderne Biere mit traditionellem Hintergrund. So bewahren wir echte, regionale Braukunst und authentische Lebensart.“

Kaiserlich-königlicher Hoflieferant

Auch das Heilbronner Unternehmen Pflanzen-Kölle ist ein traditionsreiches Familienunternehmen, das mittlerweile in der sechsten Generation von Angelika Kölle als Vorsitzende der Geschäftsführung geleitet wird. Das Unternehmen ging aus einer Ulmer Kunst- und Handelsgärtnerei hervor. Gegründet 1818 avancierte Pflanzen-Kölle schnell zum kaiserlich-königlichen Hoflieferanten. Angelika Kölle: „Qualität, Begeisterung, Innovation und Inspiration sind die vier Stärken, die Pflanzen-Kölle als erfolgreiches Familienunternehmen mit sozialer und ökologischer Verantwortung wachsen lässt.“ Das Unternehmen betreibt mittlerweile deutschlandweit zwölf Gartencenter. Hinzu kommen eine eigene Gärtnerei und Baumschule. Von den 1.550 Mitarbeitern sind 125 Auszubildende. Allein 2011 starteten 50 Auszubildende ihre Berufslaufbahn bei Pflanzen-Kölle.

Nachhaltige Werte

Dabei bildet der gärtnerische Ursprung die Wurzeln des Familienunternehmens. Die eigene Gärtnerei und Baumschule mit natürlichen Pflanzen-Kulturen liegen dem Unternehmen ebenso sehr am Herzen wie innovative Konzepte wie die Bio-Gärtnerei mit rund 81 verschiedenen Bio-Kräutern, die Natur-Pur Staudengärtnerei mit ihren ökologischen Pflanzenkollektionen oder die umfangreiche Rosenkultur. Kölle: „Gesundes Wachstum und erfolgreiches Handeln sind für ein Familienunternehmen nur möglich, wenn es die traditionellen Werte wahrt und gleichzeitig ungewöhnliche Innovationen schnell umsetzt.“

Unternehmenskultur leben

Und auch die Unternehmenskultur der Nordheimer Gebr. Eberhard GmbH & Co. KG ist von Anfang an bis heute durch einen familiären Umgang geprägt. Manuel Eberhard, derzeit Doktorand an der Bond-University/Australien: „Wir versuchen stets die Werte, auf die Willi und Eugen Eberhard das Unternehmen gegründet haben, sowohl an die nachfolgenden Generationen in der Familie als auch an unsere Mitarbeiter weiter – zugeben und zu leben. Wir stehen für Tradition im verlässlichen Miteinander und für technischen Fortschritt in den Produkten und unserer Organisation. Teamorganisation, flexible Arbeitszeiten, Erfolgsbeteiligung und umweltgerechte Produktion sind Standard für unsere Mitarbeiter.“

Doch es gibt auch weitere Faktoren, die das Unternehmen als Basis für den wirtschaftlichen Erfolg von familiengeführten Unternehmen betrachtet. „Sie zeichnen sich durch einen längeren Planungshorizont aus. Der Fokus liegt auf einer Steigerung des Unternehmenswertes über mehrere Gene rationen hinweg und nicht auf dem nächs ten Quartalsergebnis“, sagt Manuel Eberhard. So streben die Besitzer von Familienunternehmen danach, das Unternehmen der nachfolgenden Generation zu übertragen, so dass das Überleben des Unternehmens Priorität gegenüber kurzfristigen Gewinnmitnahmen genießt.

In der Krise gewachsen

Herbert Hennige, Mitglied der Geschäftsleitung: „Insbesondere in konjunkturell schwierigen Zeiten hat sich diese Unternehmensform bisher ausbezahlt. So haben wir während der Finanzkrise im Jahr 2009 die größte Investition in unserer Firmengeschichte vorgenommen. Wir konnten damit unsere Produktionskapazität in Nordheim um das Doppelte erhöhen und das Lagervolumen für den Elektrogroßhandel in Böckingen erweitern. Dies ist nur aufgrund unserer Unabhängigkeit, unserem langfristigen Planungshorizont sowie dem Bekenntnis zum Standort möglich gewesen.“

Verantwortung übertragen

Den Generationswechsel zu bewerkstelligen – das war auch bei der Creglinger Wirthwein AG ein Thema. „Es ist mein ausgeprägter Wunsch, mein Lebenswerk – und das vieler Mitarbeiter – an die nächste Generation weiterzugeben“, sagt Udo Wirthwein. Deshalb sei es auch ein großes Glück, dass beide Söhne nie zur Diskussion stellten, in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Marcus und Frank Wirthwein sind seit mehreren Jahren als Gesch.ftsführer in der Wirthwein-Gruppe an verantwortlicher Stelle tätig. Für beide war der Einstieg in das Familienunternehmen eine Selbstverständlichkeit. Durch die Übertragung von Verantwortung auf die nächste Generation mit der Erweiterung der Vorstandschaft um die Söhne Marcus und Frank Wirthwein sowie Rainer Zepke zum 1. Juli 2010 wurde der Führungswechsel eingeläutet und wird gemäß der soliden Unternehmensphilosophie Stück für Stück realisiert.

„Gemischtwarenladen“ macht sich bezahlt

Und darüber, dass das Unternehmen in guten Händen ist, muss sich der Senior-Chef keine Sorgen machen. Das Erfolgsmodell des Familienunternehmens Wirthwein: Diversifikation und Expansion in zukunftsträchtige Geschäftsbereiche. „Unser manchmal hinterfragter Gemischtwarenladen hat sich in der Wirtschaftskrise 2009/10 als großer Vorteil herausgestellt“, so Vertriebsvorstand Frank Wirthwein, der als Geschäftsführer der Winkler Design GmbH & Co. KG und der Bembé Parkett GmbH & Co. KG auch den Geschäftsbereich Innenausbau verantwortet. Die Wirthwein-Gruppe ist mittlerweile in den sechs Geschäftsfeldern Automotive, Bahn, Energie, Hausgeräte, Medizintechnik und Innenausbau tätig.

Schnell und flexibel

Die „Unternehmensform Familie“ hat sich auch immer bei dem Untergruppenbacher Lackhersteller Haering bewährt. Seit der Firmengründung vor über 100 Jahren hat sich das Unternehmen kontinuierlich entwickelt. Inzwischen ist bereits die vierte Familiengeneration am Ruder und hat in dieser Zeit mit hoher Produktqualität, Flexibilität, Service und Zuverlässigkeit ein farbiges Kapitel Entwicklungsgeschichte geschrieben. Haering-Geschäftsführer Stefan Baer: „Durch die familiäre Struktur war es uns immer möglich im Unternehmen schnelle und bedarfs gerechte Entscheidungen zu treffen und umzusetzen.“ Besonders bewährt habe sich die Unternehmensform vor drei Jahren, als das Unternehmen trotz negativerwirtschaftlicher Effekte eigenverantwortlich die Entscheidung gegen jede Form der Kurz arbeit treffen konnte.

Erfolgreich Führen mit Werten

Und auch bei Haering legt man viel Wert auf Tradition. Haering-Geschäftsführer Walter Baer: „Werte sind zunehmend entscheidend bei der Frage erfolgreicher Führung. KMU benötigen hohe Werte, um gut bestehen zu können. Werte haben zu Recht ganz erheblich mit dem Verhältnis des Unternehmens zu seinen Mitarbeitern zu tun, da sie entscheidend das Wohl der Belegschaft fördern. Dies ist in familiengeführten Unternehmen umso wichtiger, da dort teils auf Jahre und Jahrzehnte enge Beziehungsgeflechte bestehen und gepflegt werden. Nach unserer Auffassung muss in heutiger Zeit generell ein neuer, gültiger Wertekodex definiert werden. Es kommt inner- und außerbetrieblich mehr und mehr auf den Stil der Zusammenarbeit an.“

Freiräume bieten

Mark Aberle, geschäftsführender Gesellschafter der Leingartener Aberle Automation GmbH & Co. KG kann dem nur zustimmen: „Die Stärken eines Familienbetriebes liegen in der engen Verbundenheit der Geschäftsführung zum Unternehmen. In einem familiengeführten Unternehmen gibt es kurze Entscheidungswege. Der Chef ist für seine Mitarbeiter da, weil es flache Hierarchien gibt. Ein familiengeführtes Unternehmen bietet viele Freiräume für das Personal und die Führungskräfte, es muss nicht alles einem vorgegebenen Schema folgen.“

Offen für Neues bleiben

An Tradiertem festzuhalten, ohne dass es zielführend sei, mache aber keinen Sinn. Aberle: „Auch in diesen Bereichen muss man seine Verhaltensweisen an die Firmenentwicklung anpassen, ohne seine Werte aufzugeben. Werte spielen im persönlichen Umgang eine große Rolle und müssen von der Unternehmensleitung vorgelebt werden.“ Dennoch habe es sich bewährt, dass man bei Aberle neue Branchen und Techniken nie gescheut hat. „Immer die neuesten Lösungen für unsere Kunden anbieten zu können, kommt gut an. Wir versuchen alle möglichen Wünsche unserer Kunden zu realisieren. Unser Ziel ist es, eine Lösung zu finden, die langfristig ihren Preis wert ist.“

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