Interview des Monats April 2013

Alexandra Kamp: »Je schlechter die Songtexte, desto komischer ist unsere Inszenierung«

Alexandra Kamp tourt momentan durch den »Wilden Süden«. Dabei wird die aus Film und Fernsehen bekannte Schauspielerin bei den SWR3-Live-Lyrix Musiktexte bekannter Hits auf der Bühne präsentieren. Wir unterhielten uns mit der gebürtigen Badenerin und Wahl-Berlinerin über Ohrwürmer, beknackte Songtexte und den Berliner Schwabenhass.

HANIX — Frau Kamp, in den kommenden Wochen touren Sie im Zuge der »Live-Lyrix«-Tour des SWR3 durch ihr Heimat-Bundesland. Sind Sie als Wahl-Hauptstädterin noch oft im Ländle zu Besuch?

ALEXANDRA KAMP — Da meine Familie noch in Baden-Württemberg lebt, verbringe ich schon noch sehr viel Zeit in Baden-Baden, meiner Heimatstadt.

HANIX — Was vermissen Sie eigentlich am meisten im großen Berlin, bezogen auf ihre Heimat?

ALEXANDRA KAMP — Meinen Heimatdialekt (lacht). Schwäbisch hört man an allen Ecken in Berlin, aber leider kaum badisch.

HANIX — Bei den »Live-Lyrix« des SWR3 werden berühmte Songs auf einer Schauspielbühne begreifbar gemacht. Im Pressetext heisst es: »Es geht darum, die Aussage eines Songs in seinen Tiefen zu entdecken und seine Bedeutung zu fühlen: von Gänsehaut, Tränen und Hoffnung bis zu Zynismus, Wut und Witz.« Ist es schwer, einen Song zu präsentieren?

ALEXANDRA KAMP — Ja (lacht)! Und genau das ist die Herausforderung. Irgendetwas scheinen Ronald Spiess, mein Bühnenkollege, und ich richtig zu machen, denn erfreulicherweise rennen die Zuschauer und Hörer uns die Bude ein (lacht schon wieder).

HANIX — Können Sie auch schon ein paar der Songs verraten, die Sie vor der sehr reduzierten Bühnenkulisse schauspielerisch umsetzen werden?

ALEXANDRA KAMP — Songs von Pink Floyd, Prince oder John Legends Titelmelodie aus »Django Unchained« werden genauso mit dabei sein wie Songs von Pink, Robbie Williams, den Boomtownrats, Lenka, Taylor Swift oder Aerosmith. Besonders freuen können sich die Zuschauer auf ein Medley der besten »James Bond«-Songs der letzten 50 Jahre!

HANIX — Welchen Song, der es nicht ins Programm geschafft hat, würden Sie persönlich gerne auf der Bühne präsentieren? Und wieso gerade diesen Song?

ALEXANDRA KAMP — Ich liebe das Lied »Sometimes it snows in April« von Prince. Ein Song, der mich sehr berührt,
mit fantastischen ernsten Liedzeilen. Dieses Stück würde ich sofort schauspielerisch auf einer Bühne umsetzen.

HANIX — Und welches Lied würden Sie im Gegensatz dazu nicht schauspielerisch umsetzen wollen?

ALEXANDRA KAMP — Wir haben schon einige Quatschsongs von Lady Gaga und den gruseligen brasilianischen Hit »Ai Se Eu Te Pego«, vielen besser bekannt unter »Nossa Nossa« von Michel Teló, schauspielerisch umsetzen können. Es gilt: Je schlechter die Songtexte, desto komischer ist unsere Inszenierung derselben. Das bringt natürlich einen Heidenspass! Sowohl dem Zuschauer als auch mir als Schauspielerin! Es gibt also keinen Song, dem wir nicht gewachsen wären (lacht).

HANIX — Wie bereiten Sie sich eigentlich auf die bevorstehende Tour vor? Sie leben in Berlin, ihre Bühnen-Kollegen Ronald Spiess und SWR3-Moderator Ben Streubel sind hier im Ländle beheimatet. Klingt kompliziert …

ALEXANDRA KAMP — Zu Beginn haben wir öfters geskyped, um uns abzustimmen. Danach probten wir tatsächlich vier 15-stundenlange Tage. Dafür bin ich dann immer extra nach Baden-Baden gereist.

HANIX — Wie oft haben Sie die einzelnen Lieder in den Wochen der Vorbereitung eigentlich gehört, beziehungsweise hören müssen?

ALEXANDRA KAMP — Ich bin zum Glück sehr schnell im Text lernen und habe prinzipiell ein gutes Timinggefühl. Nach fünfmaligem Hören ist ein Text eigentlich schon im Ohr.

HANIX — Ohrwürmer bei der Vorbereitung lassen sich sicher kaum vermeiden …

ALEXANDRA KAMP — Es war schon interessant festzustellen, wie mir ein anfänglich nichtssagender Song spätestens nach der Premiere gefallen hat. Ich verrate jetzt aber nicht, um welchen Song es sich handelt.

HANIX — Bekommen die Gäste der »Live-Lyrix« eigentlich auch Musik auf die Ohren oder ist es die erste musikalische Veranstaltung ganz ohne Musik?

ALEXANDRA KAMP — Wie bitte?!? Die Frage meinen Sie nicht ernst, oder? Der Originalsong läuft natürlich im Hintergrund und der Sound ist brillant, so dass nichts dem eigenen Kopfkino im Wege steht.

HANIX —  Hören Sie, seit Sie für die »Live-Lyrix« engagiert wurden, Musik inzwischen anders als zuvor? Hören Sie nun besser hin oder haben die Texte schon immer eine große Rolle für Sie beim Musikhören gespielt?

ALEXANDRA KAMP — Ich höre tatsächlich heute anders Musik als früher und achte inzwischen bewusster auf die Texte. Dadurch kann mir leider auch ein anfänglich eingängiger Song ganz plötzlich nicht mehr gefallen, wenn der Text beknackt ist, wie zum Beispiel »Blow my whistle« von Flo Rida.

HANIX — Die »Live-Lyrix«-Tour endet im Sommer. Welche Projekte stehen für die Zeit danach in ihrem Terminkalender?

ALEXANDRA KAMP — Ich freue mich auf den Hamburger Sommer, denn ich werde dort von Juni bis Ende Juli an den Hamburger Kammerspielen zu sehen sein.

HANIX — Wir haben es ja bereits erwähnt: Sie sind Wahl-Berlinerin. Immer wieder hört man vom Schwabenhass der Hauptstädter. Wie nehmen Sie diese Abneigung wahr? Gibt es die wirklich?

ALEXANDRA KAMP — Ich wohne nicht im Prenzlberg, wo tatsächlich die meisten Schwaben leben. Ich bekomme das also nicht mit! Und meinen badischen Dialekt kann ich in Berlin sehr gut im Zaum halten.

HANIX — Sie sind gebürtige Badenerin. Schlägt ihnen in der Hauptstadt auch Abneigung aufgrund ihrer süddeutschen Herkunft entgegen? Oder können Sie vielmehr als »Gelbfüßlerin« die Abneigung gegenüber Schwaben sogar sehr gut nachvollziehen und unterstützen die Berliner sogar in deren Antipathie gegen Linsen, Spätzle und Saitenwürschtle?

ALEXANDRA KAMP — Ach, so ein Quatsch! Ich sage: »Lebe und lebe lasse. Herrgottsack!« Ich lebe jedenfalls wunderbar in Berlin.

HANIX — Abschließend nochmals eine Frage zu den »Live-Lyrix«: Welche Songzeile hat ihnen als Schauspielerin am meisten Spaß gemacht?

ALEXANDRA KAMP — Aus der aktuellen Show: Die Frage »Tell me why i dont like mondays …« Die Antwort wird Gänsehaut erzeugen, versprochen!

HANIX — Frau Kamp, lieben Dank für das Gespräch und viel Erfolg auf der »Live-Lyrix«-Tour!

Zur Person:

Alexandra Kamp gewann bereits im Alter von elf Jahren einen nationalen Vorlese-Wettbewerb. Nach dem Abitur studierte die gebürtige Baden-Badenerin an der Schauspielschule »Les Cours Florent« in Paris und arbeitete international als Model für Designer wie Christian Dior und Calvin Klein. Ihr Kinodebüt feierte Alexandra Kamp 1998 an der Seite von Claudia Cardinale in dem französischen Arthouse-Kinofilm »Riches, Belles et Cruelles«. Ihr belgischer Dogmafilm »Vampires« gewann im April 2010 den Publikumspreis beim »International Fantastic Filmfestival« in Brüssel. Außerdem war sie Jurymitglied des Filmfestivals von Monte Carlo und für »The International Emmy Awards« 2010. Neben ihren Film- und Theaterprojekten hat sie eine große Vorliebe für Literatur. Sie verlieh der Hörbuch-Version von Henry Millers »Sexus« ihre Stimme und nahm damit erfolgreich beim internationalen Literaturfestival in Berlin und beim internationalen Theaterfestival in Bielefeld teil.

Ab Juni 2013 wird sie an den Hamburger Kammerspielen in dem Theaterstück »Die Geiselnahme« zu sehen sein.

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