Titelthema Handarbeit März 2013

Yasemin Lee:»Ich mache Monster, weil es zu viele Eulen gibt«

Die 30-jährige Yasemin Lee näht, seit sie ein kleines Mädchen war leidenschaftlich gerne. Auf ihrer Lotta, wie sie ihre Nähmaschine liebevoll nennt, hat sie schon immer ihre eigenen Klamotten umgenäht. Durch ihre Schwangerschaft kam die Türkin auf die Idee, lustige Monster für Babys zu entwerfen und zu nähen. Wir unterhielten uns mit »Leebelle« über gemeinsame Stunden mit ihrer Oma vor der Nähmaschine, wieso sie keine süßen Eulen näht und Produktionsauslagerung in die Türkei.

HANIX — Yasemin, Du nähst Krabbeldeckchen, Quietsche-Monster und Wickeltaschen für Babys beziehungsweise für deren Mütter. Wie bist Du dazu gekommen? Bist Du gelernte Schneiderin?

Yasemin Lee — Ich bin gelernte Werbekauffrau. Während meiner Schwangerschaft habe ich angefangen, für meinen kleinen Maddox zu nähen. Allerdings ist meine Oma gelernte Schneiderin und sie hat mir schon im Kindesalter nähen und stricken beigebracht. Ich habe das Schneidern also wieder neu für mich entdeckt.

HANIX — Du bist als kleines Mädchen also stundenlang mit deiner Oma hinter der Nähmaschine gesessen und hast mit ihr geschneidert?

Yasemin Lee — Genau. Ich bin gebürtige Türkin. In unserer Kultur ist es üblich, dass die Mädchen solch ein Handwerk beherrschen. Wir haben dann meistens zusammen diese typischen türkischen Platzdeckchen genäht oder Mützen gehäkelt. Da sie selbst Schneiderin war, kamen auch immer Aufträge zum Umsäumen oder Kürzen rein. Solche Sachen habe ich also schon als Kind gemacht.

HANIX — Du bist also keine Nähanfängerin. Wie lange hattest Du vor deiner Schwangerschaft keine Nähmaschine mehr angefasst?

Yasemin Lee — Meine Nähmaschine, die alte Lotta, war immer in Betrieb. Lotta habe ich zu meinem 17. Geburtstag geschenkt bekommen und sie ist auch deutlich älter als ich. Ich habe meine eigenen Klamotten umgenäht oder aufgepimpt. Als der Kleine dann unterwegs war und letztes Frühjahr auf die Welt kam, hatte ich auch einen Grund andere Dinge zu nähen und auch selbst zu entwerfen.

HANIX — Und wieso sind es ausgerechnet Monster geworden, die Du für Babys entwirfst?

Yasemin Lee — Ich wollte keine Eulen machen, da die gerade fast inflationär als Baby-Kuscheltiere hergestellt werden und so kam ich dann auf meine Monster, die übrigens mit Rasseln oder Quietschen gefüllt sind. Die Monster haben jeweils auch einen kleinen Henkel und einen Klettverschluss, damit man sie gut mitnehmen und tragen kann, oder zum Beispiel gut am MaxiCosi befestigen kann, wie ich es immer gemacht habe. Ich nähe aber auch Krabbeldecken, die ich ordentlich ausfülle. Meine Decken sind sehr dick, da ich als Mutter natürlich darauf bedacht bin, dass die Decken keine Bodenkälte durchlassen sollen. Die meisten Krabbeldecken, die zum Verkauf angeboten werden, sind meiner Meinung nach viel zu dünn. Als Mutter will man für sein eigenes Kind sowieso das Beste und Schönste.

HANIX — Mit welchen Materialien arbeitest Du am liebsten?

Yasemin Lee — Ich arbeite sehr gerne mit Fleece oder Volumenfleece. So werden die Monster schön kuschelig. Für die Gesichter der Monster verwende ich Knöpfe und verschiedenste Applikationen. Für die Krabbeldecken verwende ich meistens Baumwollstoffe. Als Füllmaterial verwende ich klassische Füllwatte. Die Wickeltaschen, die ich entworfen habe, sind aus Jeansstoff. Jeans ist auch mein Lieblingsmaterial, obwohl Fleece natürlich viel einfacher zu verarbeiten ist.

HANIX — Wer per Hand arbeitet, braucht Zeit. Wie lange sitzt Du an deinen Monstern, Taschen und Krabbeldecken?

Yasemin Lee — Für eine Krabbeldecke brauche ich mindestens zehn Stunden. Für ein kleines Monster-Set, das sind drei verschiedene Monster aus Fleece, benötige ich ungefähr sechs bis sieben Stunden Zeit. Es kommt natürlich auch darauf an, wie sehr mich mein Sohn beansprucht. Ich kann durch mein Mutter-Sein natürlich nicht immer nähen, wenn mir gerade danach ist.

HANIX — Hast Du viele Versuche gebraucht, bis Du mit deinen Monstern und Decken zufrieden warst, oder hat es auf Anhieb zufriedenstellend hingehauen?

Yasemin Lee — Dadurch, dass ich keine Nähanfängerin war, hat es eigentlich auf Anhieb gut geklappt.

HANIX — Erzähl uns vom Herstellungsprozess deiner Monster. Wie gehst Du vor?

Yasemin Lee — Es gibt zunächst die Planung. Ich überlege mir die Farben und die Gesichter der Monster und skizziere dies grob vor. Bisher gibt es drei Monsterformen, nur die Gesichter variieren. Aber natürlich gehe ich hier auch auf individuelle Kundenwünsche ein. Nach dem Skizzieren geht es eigentlich direkt an die Nähmaschine. Die Gesichter entstehen durch reine Handarbeit. Die Knöpfe und Applikationen nähe ich von Hand auf. Das geht mit der Maschine nicht.

HANIX — Wird es in Zukunft mehr als die drei bisherigen Monster-Formen geben?

Yasemin Lee — Bei den kleinen Monstern wird es bei den drei bestehenden Formen bleiben. Ich habe aber auch große Monster entwickelt und da wird es mehrere Varianten geben.

HANIX — Wie würdest Du deinen Zustand beim Nähen selbst beschreiben? Hat die Arbeit für dich etwas Meditatives oder bist Du dabei höchst angespannt und konzentriert?

Yasemin Lee — Dadurch, dass ich Fulltime-Mama bin, freue ich mich jedes Mal, wenn ich hier in mein kleines Näh-Kabuff komme und etwas anderes tun kann als Wäsche zu waschen, meinen Sohn zu füttern oder was man als Mutter eben sonst noch so zu tun hat. Für mich ist das Nähen total entspannend. Dazu gibt es mir ein gutes Gefühl, da ich etwas erschaffe und kreativ tätig bin und Kunden zufriedenstelle.

HANIX — Willst Du deine Produktpalette erweitern oder bleibt es bei den Monstern, Decken und Wickeltaschen?

Yasemin Lee — Zunächst soll es bei diesem Sortiment, das noch um kleine Taschen für Mädchen und Rucksäcke für Jungen erweitert wird, bleiben. Ich möchte auch weiterhin nur Sachen für Babys und Mütter nähen. Kürzlich hatte aber zum Beispiel eine Kundin angefragt, ob ich auch ein Nestchen für sie nähen würde. Das habe ich dann natürlich auch gemacht.

HANIX — Seit Mitte Januar firmierst Du mit deinen Näharbeiten unter dem Label »Leebelle«. Wie zufrieden bist Du mit dem Start?

Yasemin Lee — Bis jetzt bin ich sehr zufrieden. Ich habe bisher nur Flyer verteilt und es gibt eine »Leebelle«-Facebook-Seite. Und über Auftragsmangel kann ich mich eigentlich nicht beschweren. Ich habe immer etwas zu tun.

HANIX — Wie viel Geld muss man investieren, wenn man »Leebelle«-Produkte bestellen will?

Yasemin Lee — Das kleine Monster-Set, bestehend aus drei kleinen Monstern, kostet 20 Euro. Ein großes Monster kostet ebenfalls 20 Euro und eine Wickeltasche bekommt man für 30 Euro. Die Preise variieren aber auch ein bisschen. Das hängt von den individuellen Kundenwünschen ab. Ich denke, das sind faire Preise für Handgearbeitetes.

HANIX — Hast Du zukünftig auch einen Online-Shop geplant oder andere Vertriebsmöglichkeiten ins Auge gefasst?

Yasemin Lee — Es gibt ja »DaWanda«, ein Onlineportal für selbst gemachtes. Dort werde ich meine Sachen in Kürze auch anbieten. Irgendwann soll es auch eine eigene Homepage mit integriertem Shop geben. Aber ich wollte ganz bewusst zunächst klein anfangen, um überhaupt einschätzen zu können, ob Interesse an meinen Monstern, Decken und Wickeltaschen besteht. Sollten mir die Leute die Sachen aus den Händen reißen, wird die Produktion in die Türkei ausgelagert … (lacht).

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