Titelthema Handarbeit März 2013

Handwerker – Menschen mit göttlichen Händen

 Unsere Hände und riesigen Daumen sind verantwortlich für unsere Entwicklung als Spezies. Die Hände der Menschen sind ein wichtiges Arbeitsinstrument, ein tolles Werkzeug. Die Hände sind der Kanal für unsere Kreativität. Mit den Händen bauen wir unsere Welt, produzieren wir unsere Nahrung, machen wir Kunst, nähen wir unsere Kleider und wir fördern den Fortschritt auf unserem Planeten. Durch Ihre Hände zerstören umgekehrt aber auch viele die Welt, bauen Aggression und vermitteln ihren Hass. Schade, denn es ist eine absolute Respektlosigkeit gegenüber diesen wunderschönen Werkzeugen des Körpers. Denn in Wahrheit sind Hände unsere Mittel um Liebe zu kommunizieren. Hände sind etwas Göttliches voller Kraft und Energie mit unglaublicher schöpferischer Kraft. Die Hände ermöglichen uns die Menschen zu begrüßen, den Kopf eines Kindes zu streicheln, geschundene Körper zu massieren und sogar zu heilen. Die Hände sind ein Mittel des Glaubens, denn in Religionen auf der ganzen Welt werden sie verwendet, um Gebete zu verrichten. Wir alle sind natürlich Handwerker, weil wir direkt oder indirekt durch die Hände erstellen, arbeiten und die Welt materialisieren. Seit Anbeginn des Planeten haben unsere Händen uns Erfolg gebracht! Deswegen gratuliere ich von ganzem Herzen allen, die ihre Hände benutzen, um die Welt zu verändern. Mein herzlicher Glückwunsch geht also auch an die primitiven Künstler aus den »Cueva De las Manos« in Argentinien, die noch in der Zeit, als Menschen ausschließlich in Höhlen hausen mussten, wussten, dass man die Macht der Hände zu verehren hat. Sie haben eine der bekanntesten Höhlenmalereien der Welt erschaffen.

Heutzutage findet man weltweit wunderbare Beispiele kultureller Ausdrucksformen und Wunder, die mit den Händen erschaffen wurden. Der Beruf eines Handwerkers ist so unglaublich vielfältig. Künstler, Ärzte, Physiotherapeuten, Schreiner, Mechaniker, Schriftsteller, Köche – sie sind alle Handwerker und wie alle diese Menschen haben wir Nicht-Handwerker auch unsere Hände um zu erschaffen, herzustellen und Freude zu vermitteln. Wir müssen unsere Hände nur dafür benutzen. Ich zum Beispiel bin eine Handwerkerin der Worte. Mit den Händen füge ich die Buchstaben zusammen, um Geschichten zu erzählen.

Die Deutschen sind weltberühmte Handwerker, bekannt für ihre Holzschnitte, Metallarbeiten und Glasbläsereien. In Heilbronn, während der Weihnachtszeit, finde ich für mich außergewöhnliche Handarbeiten. Ob Geschirr aus Keramik, bunte Kerzen oder technisch einwandfreie Nussknacker. Hier in der Region beeindrucken mich auch die Lebensmittelhandwerker, die aus einfachem Korn die unterschiedlichsten Brote backen können. Die schwäbischen Bäcker sind große Handwerker. Nirgendwo sonst in der Welt habe ich so viele leckere Backwaren gesehen. Ganz ähnlich verhält es sich mit den schwäbischen Metzgern.

Die Handwerker, die mich am meisten beeindrucken, sind diejenigen, die wahre Kunstwerke erschaffen, wie Gemälde und Skulpturen. Die Bauernmalerei ist ein rustikales deutsches Handwerk. Es stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist sehr bekannt in Brasilien. Es war für mich wunderbar hier im Landkreis Heilbronn diese Kunst dort zu entdecken, wo sie entsteht. In vielen Besenwirtschaften in der Region hängen Bilder im Stil der Bauernmalerei.

Last, but not least möchte ich Handwerkskunst aus meinem Heimatland Brasilien vorstellen. In Brasilien manifestiert sich Handwerkskunst in unendlich viele Ausdrucksformen. Ob in Form von farbigen Skulpturen den sogenannten »baianas«, die hübsche, kräftige Frauen aus dem Bundesland Bahia darstellen, bis hin zu einfachen Hüten aus Stroh, die gar nicht so einfach herzustellen sind. Die Besonderheit des brasilianischen Handwerks ist, dass fast alle Materialien, die verwendet werden, aus der Natur stammen und Naturprodukte im unbehandelten Sinne sind. Holz, Steine, Sand, Strohpalmen, Leder und Samen verwandeln sich in reinste Kunst. Durch handwerkliches Geschick, Technik und Kreativität verwandeln sich Naturprodukte in tolle Schmuckstücke, die ich nach meinen Brasilienbesuchen immer gerne mit nach Deutschland bringe, um meinen Freundinnen hier in Deutschland fantastische Federohrringe oder Körnerketten zu schenken. Sehr schön auch sind die Bilder von den talentierten Straßenkünstlern aus Pelourinho, so heißt die Altstadt meiner Heimatsstadt Salvador de Bahia. Die Leinwände sind wie die Anatomie meiner Stadt! Eine andere sensationelle Kunstform arbeitet mit farbigem Sand. Die brasilianischen Handwerker erschaffen Landschaften oder andere Bilder mit farbigem Sand in Gläsern, Flaschen oder Tassen aus Glas. Um mit farbigem Sand zu arbeiten, braucht man viel Konzentration und Inspiration, um das Design in den diversen Glasbehältern zu erstellen. Als mein jetziger Mann noch mein Freund war und mich in Brasilien besucht hatte, war er begeistert von den Hängematten-Handwerkern. Er hat sich sofort eine für seinen schwäbischen Garten gekauft. Unsere Gewohnheit in Hängematten zu schlafen haben wir Brasilianer von den Indianern geerbt, die ihr Leben in die Natur integriert haben. Für die Indianer bedeutet Kunsthandwerk zu produzieren den kollektiven Geist zu entwickeln. In dieser Weise fördern die brasilianischen Ureinwohner Entspannung, Schönheit und Ruhe in ihren Gemeinden.

Es ist wunderbar, einfach Körper und Seele baumeln zu lassen. Das kann der Schwabe bekanntlich nicht besonders gut mit seiner Schaffe-Schaffe-Mentalität. Mein schwäbischer Ehemann kann das inzwischen aber ganz gut. Dank eines brasilianischen Hängematten-Handwerkers.

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