Titelthema Wohlfühlen April 2013

Thomas Zimmermann: »Ich fühle mich hier pudelwohl«

 Der Schweizer Thomas Zimmermann ist Spa Manager im hohenlohischen Friedrichsruhe. Der aktuell beste Spa Manager Deutschlands im besten Spa in Deutschland empfing uns in seinen Wohlfühlhallen zum Interview. Wir sprachen mit dem Wellnessfachmann über die Freude mit Zahlen zu jonglieren, die langjährige Wartezeit für Menschen, die eine Jahresmitgliedschaft in Friedrichsruhe erwerben wollen, mountainbiken in den Waldenburger Bergen und wieso er sich als Schweizer im Schwäbischen schnell zurechtgefunden hat.

HANIX – Herr Zimmermann, zuerst einmal kurz zu ihrer Person. Erzählen sie uns kurz etwas über sich!

Thomas Zimmermann – Ich bin 45 Jahre alt und seit dem April 2008 in diesem Haus tätig. Im November 2008 hat der Spa-Bereich eröffnet. Ich bin somit ein halbes Jahr vor Eröffnung dazu gekommen und habe mich dann um sämtliche Bereiche, wie beispielsweise Rekrutierung von Mitarbeitern, Konzeptentwicklung und Markenaufbau gekümmert.

HANIX – Wann haben Sie das letzte Mal etwas für ihr Wohlbefinden getan?

Thomas Zimmermann – Heute Morgen um 7 Uhr war ich eine Weile im Fitnessstudio. Dies mache ich circa vier- bis fünfmal pro Woche. Meine zweite Leidenschaft ist das Mountain-Bike-Fahren. Mit meinem Rad flitze ich dann in aller Regel durch die hiesigen Wälder.

HANIX – Was macht für Sie aus persönlicher Wahrnehmung einen Spabesuch zu einem besonderen Erlebnis und wo haben Sie bisher ihr bestes Spa-Erlebnis erfahren?

Thomas Zimmermann – In allererster Linie ist es wichtig, dass die Gäste genügend Zeit mitbringen. Ich würde behaupten, dass man sechs bis acht Stunden einplanen sollte. Mein persönlich schönstes Spa-Erlebnis ist schwierig zu bestimmen. Was mir aber mit Sicherheit für immer in Erinnerung bleibt, ist ein Spa auf den Malediven, da dort einfach das Ambiente beeindruckend war und das Ganze noch unter freiem Himmel stattgefunden hat.

HANIX – Besuchen Sie privat auch Spa-Anlagen oder nur aus beruflichen Gründen?

Thomas Zimmermann – Generell besuche ich diese Anlagen natürlich aus beruflichem Hintergrund. Privat bin ich dann eher draußen in der Natur und wie eben erwähnt, meistens mit dem Mountainbike unterwegs.

HANIX – Sie sind beim »European HEALTH & Spa«-Award, dem wichtigsten Wettbewerb ihrer Branche, als bester Spamanager Deutschlands ausgezeichnet worden und im kontinentalen Vergleich in Europa auf Platz drei gelandet. Was macht Sie so gut?

Thomas Zimmermann – Das Team macht mich so gut. Das Wichtigste sind für mich die Mitarbeiter. Sie müssen funktionieren und, ganz wichtig, vor allen Dingen harmonieren. Natürlich gebe ich gewisse Richtlinien vor, aber die Arbeit am Gast liegt in der Verantwortung des Teams und somit kann ich die Lorbeeren auch nur an dieses weitergeben.

HANIX – Sind die Menschen, die hier arbeiten hauptsächlich aus der Region oder aus ganz Deutschland und vielleicht sogar Europa?

Thomas Zimmermann – Wir suchen gezielt Menschen aus der Region, da diese einfach die Gegend kennen und die Kenntnisse an die Gäste weitergeben können. Ein weiterer Vorteil ist, dass mit einheimischen Mitarbeitern die Fluktuation gering gehalten wird. Es ist in aller Regel auch so, dass Spas, die erfolgreich sind und bleiben möchten, genau diesen Weg gehen, da die Identifizierung der Mitarbeiter mit ihrer Region enorm wichtig ist. Hauptsächlich bekommen wir unsere Mitarbeiter von der sehr guten Sportschule Waldenburg. Das Berufskolleg Waldenburg ist eine der führenden, staatlich anerkannten Ausbildungsstätten und Fortbildungseinrichtungen für Sport-, Gymnastiklehrer und Physiotherapeuten

HANIX – Bis zum Spamanager in Friedrichsruhe ist es sicher ein weiter Weg. Wie sah ihre Ausbildung aus, dass Sie an diesen begehrten Job gekommen sind?

Thomas Zimmermann – Ursprünglich bin ich gelernter Koch und habe in diesem Beruf sechs Jahre lang auf einem guten Niveau gearbeitet. Anschließend habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht: Ich wurde Fitnesstrainer und habe einige Fitnesscenter in der Schweiz geführt. Dann bin ich eher durch Zufall in den Wellnessbereich geraten, weil ich hier eine leitende Funktion in einem Thermalbad übernommen hatte. Daraufhin habe ich mich immer mehr weitergebildet und, was mir sehr wichtig war, auch kaufmännische Einblicke erhalten, was mir unglaublichen Spaß bereitet hat. Ich könnte also einige Behandlungen an unseren Gästen selbst durchführen aber ehrlich gesagt sind die Zahlen eher meine Welt.

HANIX – Die Konkurrenz im Spa-Bereich ist groß. Wie hebt sich Ihr Spa vom üblichen Markt ab und was zeichnet einen erfolgreichen Spamanager aus?

Thomas Zimmermann – Was uns zuerst mal von anderen unterscheidet, ist die große Fläche. Unser Spa-Bereich umfasst 4400 m². Außerdem regulieren wir auch die Gästezahlen. Das heisst, dass wir je nach Auslastung des Hotels nur eine bestimmte Anzahl an Tagesgästen dazu nehmen. Für uns ist Qualität und nicht Quantität entscheidend. Weiterhin hebt uns unser Angebot von anderen ab. Wir haben ein authentisches und regionales Angebot. Und unsere klassischen Massagen und Gesichtsbehandlungen bieten wir auf einem sehr hohen Niveau an. Um auf ihre Frage, was einen erfolgreichen Spamanager auszeichnet, zurückzukommen: Ich bin der Meinung, dass man eine gewisse Ruhe mit sich bringen muss, vor allen Dingen, wenn es mal hektisch zugeht. Eine hohe Sozialkompetenz ist ebenfalls nötig, da Mitarbeiter eines Spas anders zu führen sind als klassische Hotelmitarbeiter. Spa-Mitarbeiter sind einfach sensibler und feinfühliger.

HANIX – Und was wird abseits der üblichen, genannten Dinge angeboten?

Thomas Zimmermann: Ich möchte es mal so sagen: Wir haben die Arroganz keine exotischen Behandlungen, wie beispielsweise Ayurveda, anzubieten, da es einfach nicht zu uns passt. Besonders machen uns einfach die Mitarbeiter und auch der Ort Friedrichsruhe, eben ein Ort des Friedens und der Ruhe.

HANIX – Als Spa- und Wellness-Laie kann man sich schwer vorstellen, worin ihre Tätigkeiten genau liegen. Sie selbst werden wahrscheinlich nicht Hand an ihre Gäste anlegen, obwohl Sie es, wie erwähnt, könnten. Welche Tätigkeit üben Sie tagtäglich aus und welche Hauptaufgaben ergeben sich daraus?

Thomas Zimmermann – In der Regel fange ich zwischen 7:30 Uhr und 8 Uhr an, zu arbeiten. Meine erste Aufgabe ist dann ein Kontrollgang durch alle Abteilungen und die gesamte Anlage. Anschließend checke ich meine Mails und schaue mir die Buchungssituation der nächsten zwei Tage aber auch der nächsten Wochen an. Das tue ich immer unter dem Aspekt und im Zusammenhang mit der Hotelauslastung. Danach kommen dann die klassischen Aufgaben wie Marketing, Controlling und Bestellungen. Mehrmals am Tag laufe ich durch den gesamten Spa-Bereich und unterhalte mich mit Gästen, um auch ein Feedback zu erhalten.

HANIX – Wie lange muss in der Regel gewartet werden, wenn man als Tagesgast kommen möchte, um einen Termin zu erhalten?

Thomas Zimmermann – Unter der Woche ist dies immer kurzfristig möglich. An den Wochenenden sind wir in der Regel drei bis vier Wochen im Voraus ausgebucht. Natürlich führen wir auch Wartelisten, und falls ein bereits gebuchter Termin abgesagt wird, werden die Gäste auf den Wartelisten angerufen. Unter der Woche lassen wir in der Regel 40 bis 50 Tagesgäste in den Spabereich und am Wochenende zwischen 30 und 40 Gästen. Wir haben 56 Prozent Tagesgäste, 30 Prozent Hotelgäste und 14 Prozent der Gäste sind unsere Member, sprich die Jahreskarteninhaber.

HANIX – Was kostet denn eine Tageskarte hier?

Thomas Zimmermann – Eine Tageskarte kostet in der Zeit von Montag bis Donnerstag 48 Euro. Wenn eine Behandlung dazu gebucht wird, erhält man zehn Prozent Ermäßigung auf den Eintrittspreis. Die Preise für die Behandlungen liegen zwischen 40 und 200 Euro.

HANIX – Wir haben bei der Recherche über Sie gelesen, dass ihr Motto einen mathematischen Hintergrund hat. Von Ihnen soll der Satz stammen: »Zahlen sind keine trockene Materie, sondern eine äußerst spannende und spaßige Angelegenheit«. Haben Sie Spaß beim Kalkulieren und Zahlen jonglieren? 

Thomas Zimmermann – Das Zahlenwerk macht mir, wie schon erwähnt, unheimlich Spaß. Vor allen Dingen sich mit anderen zu messen und Benchmarks, ein noch nicht so ganz ausgeprägter Bereich im Spa, zu erstellen und zu vergleichen. Zahlen lügen eben nicht, und wenn man richtig mit ihnen umgeht, weiß man genau, wo man steht.

HANIX – Ist ihre Erfahrung, dass sich andere Spamanager schwerer mit Zahlen tun?

Thomas Zimmermann – Ich denke ein großer Vorteil, den ich habe, ist, dass ich meine Zahlen selbst aus dem System ziehen kann. Viele Spamanager, die ich kenne, erhalten leider keine Zahlen. Man muss aber auch sagen, dass einige meiner Kollegen dies auch gar nicht wollen sondern lieber massieren. Wir haben hier in Friedrichsruhe schon eine gewisse Vorreiterrolle in diesem Bereich übernommen.

HANIX – Worin liegen aus ihrer persönlichen Sicht die größten Herausforderungen für einen Spamanager?

Thomas Zimmermann – Ganz klar in der Mitarbeiterführung. Auch das macht mir natürlich sehr viel Spaß, selbst wenn es manchmal ein bisschen zäh werden kann.

HANIX – Wie viele Mitarbeiter aus welchen Wohlfühl-Disziplinen sorgen dafür, dass sich Gäste in ihrem Spa rundum wohlfühlen können? 

Thomas Zimmermann – Insgesamt beschäftigen wir hier 28 Mitarbeiter, darunter sind fünf Männer. Unsere Mitarbeiter arbeiten in den »Disziplinen« Kosmetik, Massage, Sport, Spa-Desk und Poolaufsicht.

HANIX – Wieso sind nur so wenig Männer in ihrem Team?

Thomas Zimmermann – Ich denke, dass Männer nicht so oft ihren Beruf in der Wellnessbranche suchen, außer bei den Physiotherapeuten und Masseuren. Außerdem werden, vor allen Dingen von unseren internationalen Gästen, eher Frauen als Männer nachgefragt.

HANIX – Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Spamitarbeiter aus?

Thomas Zimmermann – Neben der Qualifikation sind für mich das Auftreten, die Sozialkompetenz und das Verhalten des Mitarbeiters sehr wichtig. Ob derjenige nur Bestnoten im Diplom oder Zeugnis hat, interessiert mich weniger. Es geht wirklich darum, wie der Mitarbeiter am Gast arbeitet. Das bedeutet für mich: Wie kann er oder sie massieren und wie ist das Handfeeling. Daher kommen die meisten Mitarbeiter in spe zunächst auch zu einem Schnuppertag zu uns, an dem die potenziellen Kandidaten in der Regel die Vorgesetzten massieren.

HANIX – Das Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe war bereits beides: Hotel und Spa des Jahres in Deutschland. Welche Philosophie steckt hinter ihrem so erfolgreichen Tun?

Thomas Zimmermann – Am meisten beeindrucken das Natürliche und die natürlichen Mitarbeiter. In vielen großen Hotelanlangen oder auch bei Hotelketten wird das Lächeln der Mitarbeiter vorgeschrieben, bei uns kommt das Lächeln der Belegschaft tatsächlich von innen, da wir authentisch und bodenständig sind.

HANIX – Ihre Tagesgäste kommen sicher nicht nur aus der Region Heilbronn-Franken. Können Sie festmachen, seit welchem Zeitpunkt ihr Spa auch überregionale Strahlkraft entwickelt hat?

Thomas Zimmermann – Das ging relativ schnell. Ich denke, in den ersten sechs Monaten nach Inbetriebnahme haben wir uns einen guten Ruf erarbeitet. Unsere Gäste kommen mittlerweile auch aus Stuttgart, Mannheim, Nürnberg oder Frankfurt. Ein Jahreskartenbesitzer kommt sogar aus Hamburg und eine Basis-Mitgliedschaft kostet immerhin 1490 Euro und geht hoch bis ungefähr 2100 Euro. Allerdings verkaufen wir momentan keine Mitgliedschaften mehr, da wir schon circa 200 Mitglieder haben. Allerdings stehen auf der Warteliste weitere 85 Personen, die gerne Mitglied werden möchten. Hier muss man aber eine Wartezeit von drei bis vier Jahren veranschlagen. Die Quote des Bleibens, die sogenannte Erneuerungsquote, liegt bei uns bei fantastischen 98 Prozent, was unsere Arbeitsweise natürlich auch bestätigt.

HANIX – Welche Spa-Angebote werden bei Ihnen am häufigsten gebucht?

Thomas Zimmermann – Am meisten werden die klassischen Teil- und Ganzkörpermassagen und die klassischen Gesichtsbehandlungen gebucht. Dies ist bei fast allen Spas der Fall.

HANIX – Welche zukünftigen Entwicklungen erwarten Sie in Ihrer Branche? Wo gibt es Herausforderungen, wo aber auch Wachstumspotentiale?

Thomas Zimmermann – Ich denke, es sind immer wieder Trends zu erkennen, die man aber nicht alle mitgehen muss, da ein Trend auch wieder schnell vorbei gehen kann. Wachstums- oder auch Zukunftsperspektiven sind, dass man, speziell im Spa-Bereich, international unterwegs sein kann. Das größte Potenzial liegt meiner Ansicht nach in der Weiterentwicklung der betriebswirtschaftlichen Zahlen. Ich höre auch von Headhuntern, die Spamanager suchen und vermitteln, dass dies noch viel zu wenig ausgeprägt ist und es viele Spamanager gibt, die keinerlei betriebswirtschaftlichen Hintergrund haben. Gute Spamanager werden momentan von Dubai bis in die USA händeringend gesucht, somit sind natürlich die Job-Möglichkeiten unendlich vielfältig.

HANIX – Was hält sie davon ab nach Dubai oder in die USA zu gehen, sondern hier im beschaulichen Hohenlohe zu bleiben?

Thomas Zimmermann – Mir gefällt es hier sehr und ich habe es nicht weit in die Schweiz um Eltern und Freunde zu besuchen. Dann kommt das gute Verhältnis mit meinem Arbeitgeber, der mir viele Freiheiten lässt, dazu.

HANIX – In einem Interview haben Sie gesagt, dass »Social Skills« Ihrer Mitarbeiter immer wichtiger werden, da Gäste immer anspruchsvoller werden. Wie meinen Sie das und woran machen Sie das gesteigerte Anspruchsdenken Ihrer Gäste fest?

Thomas Zimmermann – Die Gäste wollen heutzutage keine »normale« Massage mehr, sondern die Gäste wollen davon einen Nutzen beziehungsweise eine Wirkung haben. Die Gäste lassen sich nicht mehr durch wohlklingende Namen beeinflussen, sondern wollen einfach was Ehrliches, das ihnen gut tut.

HANIX – Waren ihre persönlichen »Social Skills« auch notwendig, um als Schweizer, der Sie sind, sich hier im schwäbischen Hohenlohe einzufinden? Oder anders gefragt: Kamen Sie schnell mit der schwäbischen Mentalität zurecht oder hat es seine Zeit gebraucht, bis Sie hier warm mit den Menschen geworden sind?

Thomas Zimmermann – Ich glaube, dass die Schwaben und die Schweizer gar nicht so unterschiedlich sind, von daher fand ich es ehrlich gesagt sehr einfach mich hier einzuleben. Wenn ich beispielsweise die Deutschen höre, die in der Schweiz leben, merkt man, dass sie sich nicht so richtig wohl und angenommen in der Schweiz fühlen. Umgekehrt, sprich als Schweizer in Deutschland, wird man sehr gut und respektvoll angenommen und man hat irgendwie automatisch einen hohen Stellenwert. Im Übrigen verstehe ich auch nicht, warum so viele Deutsche in die Schweiz gehen, denn in Deutschland ist es genauso schön. Man spricht zwar immer von den hohen Verdienstmöglichkeiten in der Schweiz, aber dafür ist das Leben dort um ein Vielfaches teurer. Wenn ich zum Beispiel sehe, was in der Schweiz ein normales Haus kostet, denke ich, dass man für diesen Preis in Deutschland einen Palast bekommt. Also nochmal: Ich fühle mich hier pudelwohl.

HANIX – Wo und wie relaxen Sie privat hier in der Region am liebsten und besten?

Thomas Zimmermann – Am liebsten auf dem Fahrrad irgendwo in den Waldenburger Wäldern und natürlich mit meiner Partnerin bei einem schönen Abendessen in einem guten Restaurant.

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