Interview des Monats Juni-Juli 2014

»Fernsehen wird auf Dauer immer schlechter«

Bjarne Mädel ist aktuell einer der angesagtesten Schauspieler Deutschlands. Seinen Durchbruch schaffte er als Strombergs tolpatschiger Mitarbeiter »Ernie« Heisterkamp. Als Tatortreiniger »Schotty« erlangte er Kultstatus. In diesem Sommer spielt er nun bei den Burgfestspielen in Jagsthausen. Wir sprachen mit dem Hamburger über seinen HSV, das Schreckliche und gleichzeitig Wunderbare am Theater spielen und weshalb es in Ordnung ist, sich auch mal selbst zu loben.

HANIX — Herr Mädel, es ist bekannt, dass Sie HSV-Fan sind. Ein bisschen überspitzt formuliert könnte man sagen, der HSV hat alles getan, um sich für die 2. Liga zu qualifizieren. Sind sie traurig, dass es nicht geklappt hat, oder sagt man als Fan Hauptsache, der HSV ist drin geblieben? Oder hätte es ganz gut getan, ein Jahr mal eine Etage tiefer zu spielen?

Bjarne Mädel — Es wäre für den HSV fatal gewesen, in die 2. Liga oder noch weiter runtergereicht zu werden. Das Einzige, was man als HSV-Fan in den letzten Jahren hatte, war die Vergangenheit, die Tradition. Zurückzugucken und sagen zu können: Wir sind nie abgestiegen. Wir hätten im Fall des Abstieges auch ein neues Maskottchen gebraucht. Der HSV-Dino wäre dann nicht mehr so treffend gewesen. Also gut, dass es so geblieben ist.

HANIX — Marcell Jansen, der einzige HSV-Spieler, der für die DFB-Elf die Chance gehabt hätte, zur WM zu fahren, wurde aussortiert. Sind sie trotzdem im Fieber oder interessiert Sie das Turnier weniger?

Bjarne Mädel — Ich war nicht überrascht, dass Jansen nicht mitgenommen wird. Marcell Jansen war früher einer der besten Linksverteidiger, die wir hatten. Jogi Löw hat genug angeschlagene Spieler bei den Stammkräften, deshalb sollte er sich doch eher fitte Leute für die Bank suchen. Mich interessiert die Weltmeisterschaft aber sehr. Ich schaue wahnsinnig gern guten Fußball, ganz unabhängig vom HSV. Ich fiebere also mit und freue mich schon auf die WM. Ich hoffe, dass alle rechtzeitig fit werden, ob Khedira, Neuer oder Lahm und wie sie alle heißen. Ich bin sehr gespannt, wie weit die DFB-Elf kommen kann.

HANIX — Hat die DFB-Elf während eines großen Turniers für Sie eine ähnliche Bedeutung wie der HSV in der Bundesligasaison?

Bjarne Mädel — Ich sehe einfach gerne Fußball. Das ist für mich Zerstreuung und eine schöne Ablenkung. Das sind 90 Minuten, in denen ich an nichts anderes denken muss. Ich bin HSV-Fan, weil ich da das erste Mal als Kind im Stadion war. Seitdem freue ich mich, wenn der HSV gewinnt, und ärgere mich, wenn er verliert. Aber es gibt Wichtigeres im Leben als Fußball, finde ich – dennoch: Fußball ist ein sehr schöner Zeitvertreib.

HANIX — Wir erwischen sie gerade in einer Drehpause. Wofür stehen Sie gerade vor der Kamera?

Bjarne Mädel — Wir drehen gerade die dritte Staffel von »Mord mit Aussicht«.

HANIX — Sind Sie mit dem Sendeplatz und den anberaumten Drehtagen zufrieden?

Bjarne Mädel — Mit dem Sendeplatz bin ich mehr als zufrieden. »Mord mit Aussicht« wird um Viertel nach acht Dienstags in der ARD ausgestrahlt – es gibt kaum einen besseren Sendeplatz im deutschen Fernsehen. Das wird auch durch die hohe Einschaltquote dokumentiert. Immerhin schauen sieben Millionen Zuschauer regelmäßig zu. Wie könnte ich da unzufrieden sein? Und was die Drehtage angeht, da habe ich irgendwann gesagt, dass ich es generell immer schwerer finde, gute Qualität abzuliefern als Schauspieler, weil wir immer weniger Zeit bekommen. Das hängt mit wachsenden Kosten zusammen. Die Produktionsfirmen bekommen aber nicht mehr Geld vom Sender. Also wird dann oft an der Zeit gespart. Man kann bei künstlerischer Arbeit aber schwer an Zeit sparen. Wie soll man was probieren, wenn man keine Zeit dazu hat? Gerade bei Komik. Es ist nicht immer planbar, wann was komisch ist und was nicht. Das hat viel mit Timing zu tun, das hat mit Proben zu tun und mit Geduld und mit Liebe zum Detail. Wenn man aber die Zeit nicht hat, um diese Liebe zu entwickeln, dann wird es nicht besser. Das ist alles, was ich gesagt habe. Ich neige nicht grundsätzlich zum Nörgeln. Ich bin sehr dankbar, dass ich meinen Beruf ausüben kann, und ich habe auch viel Spaß an der Arbeit.

HANIX — Sehen Sie eine Chance, dass diese Spirale gestoppt wird und vielleicht ein Umdenken bei den Sendern eintritt?

Bjarne Mädel — Ich hoffe es sehr. Ich kenne mich auch mit den Finanzen viel zu wenig aus, um das beurteilen zu können. Beim »Tatortreiniger«, da haben wir es geschafft. Wir haben angefangen als kleines Experiment mit ganz wenig Zeit und wenig Geld. Dann wurde das Format ein Erfolg und wir haben alle gesehen, auch der Sender, wie viel Potenzial so ein Format und so eine Figur haben – und unsere Bedingungen sind immer besser geworden. Wir haben angefangen mit zwei Drehtagen pro Folge und haben jetzt fünf.

HANIX — Es kann also auch in die andere Richtung funktionieren.

Bjarne Mädel — Genau. Ich finde es gut, etwas auszuprobieren. Wenn man merkt, dass es funktioniert, lohnt es sich, mehr Geld zu investieren. Das als Sender zu erkennen finde ich ganz groß. Ich bin diesbezüglich im Moment sehr froh. Wir drehen im Sommer weitere Folgen vom »Tatortreiniger«, und da sind die Bedingungen auf jeden Fall verbessert worden. Man muss ins Gespräch kommen und dann ehrlich sagen, wenn es nicht mehr Geld gibt. Dann kann man zusammen an einer Lösung arbeiten. Aber man sollte nicht am falschen Ende sparen. Die Zeit sollte man nicht kürzen. Aber das ist ein sehr umfangreiches Thema, denn natürlich kostet jede Drehminute Geld, weil alle Gewerke Geld verdienen. Es ist ein komplexes, kompliziertes Thema. Meiner Meinung nach müssen alle Beteiligten miteinander ins Gespräch kommen. Mir geht es im Endeffekt darum, dass ich ein gutes Ergebnis abliefere.

HANIX — Dann schließen wir das Thema ab und kommen zu den Burgfestspielen in Jagsthausen. Im Sommer werden Sie zweimal bei den Burgfestspielen in Jagsthausen mit dem Gastspiel »Fettes Schwein« auftreten. Wird das ihre erste Jagsthausen- und Open-Air-Erfahrung als Schauspieler sein?

Bjarne Mädel — Ich habe tatsächlich noch nie auf Open-Air-Bühnen agiert. Ich habe als Kind, soweit ich mich erinnern kann, den »Götz von Berlichingen« in Jagsthausen gesehen. Das fand ich als Kind sehr beeindruckend. Aber das ist wahnsinnig lange her und ich war sehr klein.

HANIX — Freuen Sie sich auf die Erfahrung, unter freien Himmel zu spielen? Es ist ähnlich wie für Musiker, wenn sie auf ein Festival gehen etwas Besonderes.

Bjarne Mädel — Ich bin sehr gespannt. Das Stück, das wir zeigen, ist nicht für die Freilichtbühne entwickelt und inszeniert worden. Es war mehr eine verrückte Idee des Intendanten Axel Schneider. Wir haben »Fettes Schwein« in Hamburg siebzig Mal vor ausverkauftem Haus auf kleiner Bühne gespielt. Axel Schneider fragte uns also, ob wir nicht Lust hätten, damit in Jagsthausen aufzutreten. Wir wissen nicht, ob das auf die Entfernung und auf der großen Bühne überhaupt funktioniert. Wir müssen das Stück sicher noch etwas anpassen. An Pfingsten treten wir damit nochmals in Hamburg auf und werden dann darüber reden, was verändert werden muss. Es ist also ein Sprung ins kalte Wasser. Für uns ist das sehr aufregend, da draußen zu spielen. Ich finde es ein sehr gewagtes Experiment. Aber wir haben dem Axel Schneider einfach mal vertraut.

HANIX — Sie haben mal in einem Tagesspiegel-Interview gesagt: »Theater ist wegen der direkten Rückkopplung des Publikums viel schlimmer als Film und Fernsehen.« Ist Theater auf der anderen Seite wegen dieser unmittelbaren Resonanz des Publikums auch viel besser und befriedigender?

Bjarne Mädel — Das habe ich bestimmt auch gleichzeitig damit gemeint. Ich habe zehn Jahre lang nur Theater gespielt und wollte nie vor die Kamera. Ich wollte Theater spielen und nichts anderes und bin eigentlich durch Zufall, durch die Arbeit bei »Stromberg« immer mehr vor die Kamera gerutscht. Das Schöne am Theater ist natürlich dieser direkte Kontakt, die direkte Rückmeldung des Publikums. Ich glaube, in diesem Interview mit dem Tagesspiegel ging es darum, dass man sehr klar merkt, dass was funktioniert oder nicht. Beim Film muss man sich auch noch auf den Schnitt verlassen und auf Musik und viele weitere Sachen. Beim Theater merkt man direkt, wenn man den Satz versemmelt hat, dass er unten nicht gut ankommt. Dann muss man den am nächsten Abend anders setzen. Theater zu spielen ist eine wesentlich bessere Schule, was die eigene Wirkung angeht. Mir macht es unglaublichen Spaß, vor Menschen zu stehen. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich auf die Bühne darf.

HANIX — Sie haben durchaus auch Tiefpunkte am Theater durchlebt. Bei ihrem ersten Engagement in Rostock, einem großen Haus mit 600 Plätzen, saßen einmal nur 18 Zuschauer vor ihnen, von denen zur Pause auch noch fünf gegangen sind. Wie fühlt man sich als Künstler in solchen Momenten?

Bjarne Mädel — Elitär und irgendwie überflüssig. Man sagt sich: »Anscheinend braucht die Stadt uns hier nicht«. Das ist sehr traurig und brutal. Man stellt sich selbst in Frage. Man fragt sich, ob man was macht, was man selber wahnsinnig schön findet, was aber eigentlich nur eine Liebhaberei und ein Hobby ist. Ich finde Theater, und zwar nicht nur zur Unterhaltung, extrem wichtig. Es ist ein Ort, an dem man anders mit Zeit umgehen kann. Heiner Müller hat gesagt »Theater dient als Bremskraftverstärker einer Gesellschaft.« Es wird ja alles immer schneller und Zeit wird immer knapper. Das Theater ist ein Ort, an dem man auch mal anhalten kann, wo man Zeit auch mal dehnen und über Zeit nachdenken kann. Theater stellt Fragen anders als der Realismus im Fernsehen. Es ist selten, dass man im Fernsehen oder im Kino etwas sieht, was eine Realität irgendwie infrage stellt. Das kann Theater eben. Aber wenn dann unten nur 18 Leute sitzen, dann finden das viele offensichtlich nicht so wichtig wie ich.

HANIX — Kommt in solch ernüchternden Momenten Trotz auf? Nach dem Motto: »Und wenn es nur 18 sind, ich hau jetzt trotzdem alles raus, was in mir steckt! Dann sind die 580 Fehlenden selbst schuld!«?

Bjarne Mädel — Doch, selbstverständlich. Alles andere wäre ja Quatsch, da bräuchte ich den Beruf nicht ausüben. Ich hab auch schon ein Stück gespielt, bei dem nur ein Zuschauer kam. So einen Idealismus hatte ich schon immer. Das sind jetzt Allgemeinplätze, aber es ist doch logisch, dass man mehr Motivation spürt, wenn tausend Leute vor der Bühne sitzen als wenn es nur 18 sind. Aber auch für die 18 hab ich immer mein Bestes gegeben. Ich kann nicht gut so tun, als ob. Das mag ich nicht. Ich spiele immer, so gut ich kann, und wenn man sich entscheidet, rauszugehen, dann spielt man auch, wenn da nur eine Handvoll Zuschauer sitzen.

HANIX — Die Gefahr in Jagsthausen mit dem Gastspiel »Fettes Schwein« vor leeren Rängen zu spielen ist ausgeschlossen. Das Stück, das seit 2007 auf dem Spielplan der Hamburger Kammerspiele steht, wird als Kult angepriesen und das Ensemble von der Presse in höchsten Tönen gefeiert. Macht es immer noch Spaß, so einen Selbstläufer im nun siebten Jahr zu spielen? Die Gefahr, dass es sich abnutzt, ist doch sicher da?

Bjarne Mädel — Nein, das kann sich gar nicht abnutzen, weil wir es jetzt anderthalb Jahre nicht gespielt haben. Wir haben es zwar sechzig Mal gespielt, aber über sieben Jahre verteilt ist das dann auch nicht so viel. Es ist immer wieder so gewesen, dass wir in Hamburg Dernière hatten, also die letzte Vorstellung und dann standen wir hinterher verschwitzt auf der Hinterbühne, und Herr Schneider kam und sagte: »Also wenn ihr wollt, ich hätte noch Termine frei.« Es hat so einen Spaß gemacht, dass wir jedes Mal gesagt haben: »Ja, wir kommen noch mal wieder.« Das war für alle eine freie Entscheidung, weil wir Lust haben, das zu spielen. So war das jetzt auch ein bisschen mit Jagsthausen. Das ist ein Abenteuer, ein Versuch, dieses Stück auf so eine Bühne zu bringen. Aber man muss ja auch mal was riskieren. Für uns ist es aufregend. Wenn ich in das Textbuch schaue, merke ich, dass ich den Text nicht mehr kann. Ich hab in der Zwischenzeit so viele andere Sachen im Kopf behalten müssen, dass ich echt noch mal ran muss, um ihn zu lernen. Also von Abnutzung oder Routine kann keine Rede sein. Aber vor allem freue ich mich auf die Kollegen!

HANIX — In der Komödie geht es um Helen, die ihre Freundin spielt. Eigentlich eine Traumfrau, aber eben sehr sehr dick. Deshalb schämt sich Tom, der von ihnen dargestellt wird, Helen seinen Kollegen oder seiner Ex-Freundin vorzustellen. Denn das Verständnis für eine so dicke Freundin hält sich bei diesen in Grenzen. Kennen Sie die Situation aus eigene Erfahrung? Sich für jemanden, den Sie gut finden, zu schämen, weil die Reaktion der Umwelt auf diese Person ihnen nicht gefallen könnte?

Bjarne Mädel — Ich kann das Problem von Tom in soweit nachvollziehen, dass ich es spielen kann. Zum Glück. Das ist mir persönlich aber völlig fremd. Menschen neigen dazu, reflexartig schnell in einem Bewertungsreflex zu fallen, wenn Leute anders sind als die Norm. Wenn ein übergewichtiger Mensch die Treppe hochgeht, denkt man schnell »Ja, mach ruhig mal ein bisschen Sport,« Und wenn der dicke Mensch die Rolltreppe nimmt, denkt man »Der hätte ruhig mal die Treppe nehmen können.« Ich denke darüber aber nicht nach. Wenn ich mit jemandem befreundet bin, dann ist mir das eigentlich ziemlich egal, was andere Leute denken. Ich habe da ein ganz gesundes Selbstbewusstsein. Wenn es den Leuten nicht gefällt, dann haben sie eben Pech gehabt. Wenn ich mich in eine sehr dicke Frau verlieben würde, oder in eine ganz große oder eine ganz kleine, dann würde ich das privat voller Stolz tun können.

HANIX — Helen selbst ist in dem Stück mit sich und ihrer Körperfülle im Reinen. Ihre Umwelt ist es nicht. Wie wichtig ist es Ihnen, wie ihr äußeres Erscheinungsbild von anderen wahrgenommen wird?

Bjarne Mädel — Es wäre natürlich falsch, zu sagen, das ist mir völlig egal. Wenn ich, wie gerade, »Mord mit Aussicht« drehe, dann bin ich wesentlich dicker als ich es sonst bin und ich habe auch noch eine blöde Frisur und einen Bart. Ich muss eben aussehen, wie meine Figuren aussehen. Beim »Tatortreiniger« laufe ich mit einem Schnurrbart rum, das würde ich mir privat auch nicht aussuchen. Insofern habe ich mir das ein bisschen abgewöhnt, ob mir mein privates Aussehen gefällt oder nicht. Aber ich bin auch nicht ganz frei von Eitelkeit. Ich verliere hinten so ein bisschen die Haare. Da freue ich mich jetzt nicht drüber, aber ich kann es nicht ändern. Ich finde, das ist ein bisschen wie mit dem Wetter. Ich kann natürlich ein bisschen Sport machen und auf mich achten, aber ich bin nicht unzufrieden mit dem, was ich im Spiegel sehe. Ich kann damit ganz gut leben.

HANIX — Anfang des Jahres sagten Sie, dass Sie dabei seien, eine gesunde Selbstliebe und Eitelkeit für sich zu entdecken, obwohl Sie es früher eher befremdlich fanden, wenn sich zum Beispiel Schauspielerkollegen selbst gefeiert haben. Sind Sie seit Beginn des Jahres vorangekommen, bezüglich ihrer Selbstliebe und Eitelkeit? Was gefällt ihnen an ihnen am besten?

Bjarne Mädel — Wenn ich das jetzt höre, dass ich mir eine Eitelkeit antrainieren möchte, kriegt das eine ganz andere Bedeutung als in dem Gespräch, in dem ich das gesagt hatte. Da ging es zum Beispiel darum, ob Künstler sich schlecht fühlen müssen, um gut zu sein. Man hat als Künstler immer die Angst, dass Zufriedenheit die Weiterentwicklung hemmt. Das wäre dann der Anfang von Stagnation. Und in diesem Zusammenhang habe ich gesagt, dass man auch das Eigenlob braucht und sich selbst mal sagen können muss »Mensch, das habe ich jetzt echt klasse hingekriegt, die Szene ist echt gut geworden.« Dann soll man sich auch über sich selbst freuen dürfen.

HANIX — Also ist es ein Prozess der Persönlichkeitsentwicklung, sich als Künstler zugestehen zu können: »Hey, das hab ich jetzt gut gemacht«?

Bjarne Mädel — Ja, und vor ein paar Jahren habe ich mich das nicht getraut, weil ich dachte, ich werde dann eitel. Ich finde, ein schlimmer Feind von gutem Schauspiel ist diese Eitelkeit. Wenn ich Kollegen sehe, die anfangen, ihre Eitelkeit vor die Rolle oder vor den Inhalt des Stückes oder der Szene zu stellen, langweilt mich das sehr schnell. Insofern mag ich immer Schauspieler lieber, die sich hinterfragen, die zweifeln, die sagen »Vielleicht kann ich es nächstes Mal noch besser machen.« Schauspieler, die mit sich selbst hadern, sind mir wesentlich näher und angenehmer. Aber das kann ja auch wieder eine Koketterie werden. So wie die Leute früher in der Schule, die gesagt haben sie hätten nicht gelernt und können nichts, um dann doch eine Eins zu schreiben. Solche Streber haben ja auch genervt. Ich finde aber, dass man sich auch einfach mal freuen kann, wenn etwas gut gelungen ist. Wenn man sich im Film sieht und denkt »Das ist jetzt richtig klasse geworden«, dann hat man auch das Recht, sich darüber zu freuen. Man soll sich aber nicht, um zurück zum Fußball zu kommen, zu früh über die Meisterschaft freuen. Denn sonst verliert man die notwendige Spannung.

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