Interview Südklang, HANIX No.33, Nov.2014

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SÜDKLANG ist ein DJ- und Veranstalter-Hybrid der sich aus vier jungen Männern zusammensetzt. Mit dem klar definierten Ziel, ihre eigenen Spuren in der elektronischen Musikszene zu hinterlassen gestartet, gelang es ihnen tatsächlich innerhalb von drei Jahren so einiges auf die Beine zu stellen. Durch ihren stark ausgeprägtem Ehrgeiz, ihre Liebe zum Detail und ihrer klar strukturierten Arbeitsweise, scheint ein Ende der Erfolgsstory längst nicht mehr absehbar. Wir trafen uns mit zwei der Mitglieder im Heilbronner Südklang-Studio und waren überrascht von dem Feuer, das in ihnen lodert. SÜDKLANG heißt feiern für die Sinne.

Südklang Heilbronn

HANIX – Das SÜDKLANG-Kollektiv besteht aus vier handelnden Personen. BUKALEMUN, DJANGO sowie LA MAKA und JORDI MATA.

SÜDKLANG – Exakt. Der Grundgedanke unserer Formation war selbst für den Sound, dem wir mit Haut und Haaren verfallen sind, zu sorgen. Wir haben alle unsere eigenen Stile und vereinen diese in unserem SÜDKLANG-Projekt. Somit ist ein ganz neuer Stil entstanden, den wir als Konsumenten bis dato auch nicht in vollem Umfang geliefert bekamen. Im Übrigen besteht SÜDKLANG auch nicht nur aus uns vier Leuten. Mittlerweile sehen wir die vielen Unterstützer dieser Geschichte als Teil der SÜDKLANG-Gemeinschaft.

HANIX – Wo findet euer Antrieb, selbst für die Veranstaltungen sowie den dazugehörigen Sound zu sorgen, seinen Ursprung?

SÜDKLANG – Das lässt sich sehr genau benennen. DJANGO hat im Jahr 2011 nach seinem Studium begonnen als Reiseleiter auf Ibiza zu arbeiten und ist wie so viele dem Charme der Insel und den dazugehörigen elektronischen Partys verfallen. Selbstverständlich liegt der Ursprung unseres Interesses an elektronischer Musik noch viele weitere Jahre zurück, jedoch war dieser Inselaufenthalt für ihn prägend. Als wir ihn dann im September 2011 bei seiner Rückkehr nach Deutschland vom Frankfurter Flughafen abholten, loderte in ihm schon dieses Feuer. Die Idee, dass man doch gemeinsam die Dinge selbst in die Hand nehmen sollte. Während dieser Autofahrt von Frankfurt nach Heilbronn entstand nahezu der komplette Plan, wie man diese Geschichte angehen und umsetzen wolle. Und so kam eines zum anderen.

HANIX – In dieser Hinsicht wurdet ihr auch musikalisch von der Insel beeinflusst?

SÜDKLANG – Im Kern ganz sicher. Jedoch bevorzugten wir nicht den Sound der Mainstream- oder Kommerzveranstaltungen dort, sondern fanden uns eher bei den Afterhours und deren Sounds gut aufgehoben. David Guetta, Swedish House Mafia und wie sie alle heißen … Das war noch nie unser Ding.

HANIX – Während eurer nunmehr dreijährigen Schaffenszeit habt ihr ja schon einiges bewegt und gemeinsam auf die Beine gestellt. Wie konnte der Schritt vom Konsumenten hin zum DJ und Veranstalter, seit neuestem auch Produzenten, innerhalb so kurzer Zeit von statten gehen?

SÜDKLANG – Da spielte uns selbstverständlich unsere langjährige Gastronomie Erfahrung und das dazugehörige Netzwerk enorm in die Karten. Wir hatten ja zum Beispiel in puncto Location sofort realistische Optionen. Die Entwicklung unserer Veranstaltungen mit der dazugehörigen Erschließung größerer und passenderer Locations vollzog sich in Windeseile. Die ersten Events fuhren wir in der Heilbronner MINIBAR, dann ging es direkt weiter mit dem RAY LEMON und dem ANNA K und sechs Monate später hatten wir unseren ersten Termin im CREME 21. Dieses Tempo war schon der Wahnsinn und für den einen oder anderen Außenstehenden sicher nicht zu erwarten. Für uns war indes immer klar, dass wir Gas geben werden.

HANIX – Mittlerweile seid ihr neben Heilbronn auch in Stuttgart aktiv. Wie würdet ihr das typische SÜDKLANG-Publikum beschreiben?

SÜDKLANG – Eine gewisse Lockerheit bei den Gästen setzen wir voraus. Der Besucher wird in der Regel keine bekannten Stücke bei uns hören, da wir ja unsere Musik nicht in den Charts oder bei BIG FM, sondern am Puls der Zeit, nämlich im Underground, für uns finden.

HANIX – Euer Heilbronner Zugpferd ist sicher die ELEKTRONISCHE MASKERADE im CREME 21. Eine Veranstaltung, die sich über ein Erlebnis definiert.

SÜDKLANG – Wir sind vier Jungs, die eben alles mit voller Leidenschaft und Hingabe machen. So agieren wir als Djs ebenso auch als Veranstalter. Bei der ELEKTRONISCHEN MASKERADE liegt unser Hauptaugenmerk, abseits der Masken, die wir traditionell stellen, auf dem Motto der Saison, auf das wir uns festlegen. Das bedeutet, wir legen unseren Fokus vermehrt auf die Dekoration und die dazu passenden Gimmicks. Bei unserer aktuellen Saison greifen wir zum Beispiel das Thema China auf. Große Vorhänge und Fächer, Lampen oder Glückskekse werden hierfür von uns verwendet. Wir versuchen immer, die Location voll und ganz als einen Teil des Mottos zu nutzen. Dieses Motto der Saison zieht sich dann als roter Faden durch die folgenden Events und die Dekoration wird dabei immer wieder in Stand gesetzt, erweitert oder in ihrer Wirkung anders platziert.

HANIX – Bei euren Veranstaltungen scheinen Menschen aus verschiedensten gesellschaftlichen Schichten miteinander zu feiern. Stirbt der sogenannte Dresscode aus?

SÜDKLANG – Das ist natürlich von der Location abhängig und von der jeweiligen Einlasspolitik des Clubs. Tatsächlich befindet sich die Feierkultur im Wandel, und das zum Positiven. Die junge Generation die nachkommt, möchte sich wohlfühlen. Dazu benötigt die Eine ihre Sneaker und die Andere eben High Heels. Der Eine trägt einen Kapuzenpulli und der Andere ein Hemd. Trotzdem wird nicht mehr in dem Maße wie früher differenziert. Bei unseren Veranstaltungen möchten wir in erster Linie mal eine entspannte Atmosphäre haben, spießig liegt uns fern.

HANIX – Müssen die Menschen die auf eure ELEKTRONISCHEN MASKERADEN kommen denn zwingend maskiert erscheinen?

SÜDKLANG – Nein, überhaupt nicht. Zum einen stellen wir selbst die Masken. Diese liegen am Eingangsbereich aus und deren Stückzahl ist begrenzt. Wir empfanden die Vorstellung maskiert an einer Veranstaltung teilzunehmen als verrucht, diese Anonymität als zusätzlichen Kick. Und die Masken werden auch genutzt, und vor allem als Erinnerungsstück gerne mit nach Hause genommen und durchgängig mit Respekt behandelt. Wir haben wirklich noch nie eine Maske auf dem Boden gefunden oder welche, die von den Leuten einfach weggeworfen wurden.

HANIX – Wie verhält sich dazu eure neue Veranstaltungsreihe im Stuttgarter Club Kowalski, dem REFORMHOUSE 69?

SÜDKLANG – Dort ist das Grundkonzept ein ganz anderes. Während wir bei der ELEKTRONISCHEN MASKERADE selbst für den Sound sorgen und unsere komplette Energie abseits davon in Dekoration und dem Umsetzen eines Mottos investieren, versuchen wir in Stuttgart beim REFORMHOUSE 69 bookingbezogen den Puls der Zeit zu treffen. Natürlich immer mit der Auflage, dass wir selbst uns mit dem Sound des gebuchten Headliners zu hundert Prozent identifizieren können. In der eigenen Heimat oder einer anderen Stadt zu veranstalten birgt riesige Unterschiede. Die gilt es zu beachten. Sich in einer Stadt wie Stuttgart einen Namen zu machen sehen wir als große Herausforderung. Aber uns zeichnet in dem was wir machen ein gewisses Maß an Perfektionismus aus. Es macht wirklich Spaß uns zu verbessern und zu lernen. Wir möchten sowohl als Künstler wie auch als Veranstalter und Promoter ein Optimum erreichen. Der Start in Stuttgart war vielversprechend und wir sind gespannt, wie es dort für uns weitergeht.

HANIX – Geht ihr abseits eurer eigenen Veranstaltung noch wie in den guten alten Tagen zusammen feiern?

SÜDKLANG – Absolut. Zum Einen ist uns dabei wichtig, auch gute Bookings von anderen Veranstaltern zu honorieren. Wir gehen ja grundsätzlich als Veranstalter nicht mit Scheuklappen oder gar ausgefahrenen Ellenbogen durch die Welt. Wir sind Teil einer Szene und suchen auch Gelegenheiten andere Menschen kennenzulernen. Andere Veranstalter. Andere Künstler. Es ist aber dann doch so, dass unsere Studio Aufenthalte ordentlich Zeit von unserem Freizeitkonto rauben. Wir verfügen über eine große Portion Ehrgeiz und mit der Zeit wuchsen auch die Aufgaben.

Das Ganze ist für uns keine Wochenendgeplänkel, sondern ein ernst zu nehmendes Projekt. Deshalb investieren wir unsere Freizeit auch sehr gerne in Arbeit, haben darüber hinaus aber sicher jede Menge Spaß zusammen. Wenn es nicht der gemeinsame Clubbesuch ist, dann eben die ausgeartete Studio-Session mit einigen Freunden und spontanen Gästen.

HANIX – 2011 habt ihr beschlossen, als ein DJ- und Veranstalter-Hybrid eigene Projekte zu verwirklichen. Heute habt ihr eine Firma mit tollen Events, seid zudem als Djs ordentlich unterwegs. Ihr sitzt gemeinsam im Studio und arbeitet an eigenen Stücken. Ein Label ist in Planung. Wie kann man diese enorme Entwicklung der Dinge innerhalb dieser kurzen Zeitspanne erklären?

SÜDKLANG – Wir sind der Überzeugung, dass du für eine Sache, die du Umsetzen willst, deine ganze Energie und dein ganzes Herzblut einsetzen musst. Ohne diese Attribute wirst du in der Regel keinen Erfolg haben. Wir sind immer darauf bedacht, in unser Projekt auch finanziell zu investieren. So steigerst du zum einen den Wert deiner Firma und zum anderen schaffst du dir neue Möglichkeiten. Der Schritt zum Produzieren eigener Stücke war zwangsläufig. Bis jetzt haben wir den einen perfekten Track noch nicht gehört. Immer wieder fallen uns Details eines Stückes auf, die wir anders gemacht hätten oder bei dem uns etwas fehlt. Also beschlossen wir, in Studioequipment zu investieren. Wir bringen uns das Ganze unter enormem Aufwand selbst bei und verzeichnen durchaus Erfolge, die uns motivieren, dranzubleiben. Keine Frage, wir stehen am Anfang. Aber wir haben den Biss und die entsprechenden Kontakte. Daraus möchten wir etwas machen. Den hauseigenen SÜDKLANG-Stil gewissermaßen.

HANIX – Tatsächlich befasst ihr euch seit geraumer Zeit intensiv und überaus ernsthaft mit dem Thema SÜDKLANG als Musiklabel.

SÜDKLANG – Wir arbeiten eigentlich sehr gerne mit der Zielsetzung, in jedem SÜDKLANG-Jahr etwas Neues zu erschaffen. So haben wir zum Beispiel in Heilbronn auch eine zweite Veranstaltungsreihe, nämlich IN BESTER GESELLSCHAFT, die am 28. November ihre Premiere im Mobilat gibt. Nun hat die neue SÜDKLANG-Saison frisch begonnen und unser Fokus liegt in diesem Jahr ganz klar auf der Gründung eines eigenen Labels. Dieses möchten wir primär als Plattform für Musik, die das SÜDKLANG-Gen in sich trägt, anbieten. Es ist ein zweiter Gedanke auch die eigenen Ergüsse darauf zu promoten. Aber wir möchten einfach unsere Spuren in dieser Szene hinterlassen und denken das du als Musiklabel nochmal ganz andere Möglichkeiten hast, am Geschehen teilzunehmen.

HANIX – Was inspiriert euch zum Gedanken an ein eigenes Musiklabel?

SÜDKLANG – Natürlich die Labels, die wir selbst seit Jahren feiern. Was sehr interessant ist: Unsere eigene Selektion wird heute von denselben Künstlern oder Labels geprägt, die es schon immer taten. Dabei sind CADENZA, COCOON, DC10 SOUNDS, TALE OF US und ART DEPARTMENT nur einige der Labels, denen wir aufgrund ihres musikalischen Outputs am Puls der Zeit, die Treue halten. Aber um nochmal etwas genauer auf die Frage zu antworten. Wir sind keine Full-Time-only Elektro-Musik Hörer. Musik ist frei, das ist eines unserer ganz wichtigen Credos. Du kannst ja durchaus in einem Hip-Hop-Stück Inspiration für deinen eigenen kreativen Prozess hin zu einem Elektro-Titel finden.

HANIX – Vielen Dank für das Gespräch. Zu guter Letzt eure Message an die HANIX-Leser …

SÜDKLANG – Fühlt euch recht herzlich zu unseren Veranstaltungen eingeladen und immer Willkommen.

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