Naherholung und Tourismus August 2014

ALLES SUPer IN HEILBRONN

SUP steht für Stand-Up-Paddling, ein Wassersport, der vor allem in Binnengewässern rasant an Fans gewinnt. Heilbronn eignet sich mit seinen zahlreichen Wasserstraßen ideal dafür. Zwei Surf-Cracks haben das kapiert und machen SUPen zum nächsten großen Ding in Heilbronn-City. Einfach mal so.

Kräftige Paddelschläge tönen vom Wasser hinüber zum Hagenbucher Biergarten. Dazu Anfeuerungsrufe und Stimmengewirr. Einige Besucher recken die Hälse, steigen auf ihre Bierbänke und schauen den Kanal hinab in Richtung Insel Hotel. Die Sonne steht tief, eine junge Frau reibt sich verwundert die Augen und ruft: »Da spazieren welche übers Wasser.« Und tatsächlich springen in Sichtweite zwei Kerle vom Wasser ans Ufer, klatschen sich ab und ziehen hinter sich mit der einen Hand ein mannshohes Paddel, in der anderen ein etwa drei Meter langes Brett an Land. Sandro, 34 und David, 30 sind leidenschaftliche Surfer und Stand-Up-Paddler. Seit kurzem lassen die Kumpels ihre SUP-Surfbretter nicht mehr nur an der Nordsee ins Wasser, sondern hier in Heilbronn, in Ihrer Heimat, direkt auf dem Neckar.

Im Sommer 2009 tauschten sie das erste Mal das Segel mit einem Stechpaddel, erzählt David, den seine Eltern schon im Alter von zehn Jahren zum Windsurfen an die Ostsee mitnahmen. Es war mal wieder windstill an der Küste und David und Sandro wollten die 800 Kilometer aus Heilbronn nicht wie so oft umsonst gefahren sein. Die ersten Meter im stehen paddeln waren ganz schön kippelig, erinnert sich David. Sobald sie die Grundtechniken und einen ordentlichen Paddelschlag verinnerlichten, war es aber das pure Vergnügen: »Wir hatten schon am ersten Tag Wellenreiten, ein Paddelwettrennen und eine Expedition in einer nahegelegene Flussmündung erlebt.«, beschreibt er die ungeahnte Vielseitigkeit des Stand-Up-Paddling. Diese Erlebnisse haben sie anschließend immer wieder gesucht: Auf Seen, Flüssen, Kanälen und auf dem Meer. So richtig als Sport betreiben sie es, seit es aufblasbare Surfbretter gibt, sogenannte Air-SUPs.

Sandro, der mit sanfter Stimme spricht und den sein Lausbuben-Lächeln noch jungenhafter wirken lässt, dreht am Ventil, die griffige Außenhaut seines Air-SUP legt sich in Falten und der Druck von bis zu 22 Psi, das sind 1,5 Bar, entweicht mit einem satten Zischen. Drei Handgriffe später liegt sein Board gefaltet in einer Tragetasche neben dem Paddel im Kofferraum seines Pkw. »Das ist der riesen Vorteil der Air-SUPs«, grinst Sandro, »die sind ruck-zuck verstaut und passen bei jedem Kleinwagen mit ins Handgepäck.«

Seit Jahren verbringen die beiden mindestens ein Wochenende im Monat gemeinsam im Auto. Ob in Holland, an der Ost- oder an der Nordsee, wenn der Wind an der Küste bläst, haben sie nur einen Gedanken: Rein ins Auto und raus aufs Wasser! Dabei sind sie nicht allein. Surfen ist zwar eine Einzeldisziplin, aber eben kein Solosport wie Joggen, Schwimmen oder Rudern. Hier ist man mit wildfremden Leuten sofort auf einer Wellenlänge. Gemeinschaft ist wichtig. Mehr noch, Surfen ist ein Lebensgefühl und das Spiel mit den Naturelementen Wasser und Wind verbindet. Mit Stand-Up-Paddling wollen Sandro und David dieses Surfer-Feeling und das chillige Beisammensein vor die eigene Haustür holen.

Für eine Betriebsfeier überreden sie im Sommer 2013 ihre Kollegen zu einer SUP Tour auf dem Neckar bei Heidelberg. Die Air-SUPs leihen sie bei einem ansässigen Kayakverein. Zu zehnt erleben sie einen der lustigsten Nachmittage im Kollegenkreis. Die Idee ihren Sport in Heilbronn und Umgebung bekannt zu machen, trugen sie schon eine Weile mit sich rum. Jetzt sind sie sich sicher, dass es klappen kann. Im Januar 2014 meldet Sandro unter dem Namen »Bronxsports« ein Gewerbe für SUP Touren und den Verkauf von Surfbrettern an. Kein Ladengeschäft, ihm und David schwebt eine Gemeinschaft von Surf-Begeisterten vor, die sich unter dem Dach von Bronxsports zusammenfinden.

Auf ihrer Webseite www.bronxsports.de informieren sie über die Termine und Locations ihrer Touren. Wer die Stichworte Stand-Up-Paddling und Heilbronn in eine Suchmaschine tippt, landet als erstes auf ihrem Angebot. Im Mai 2014 starteten sie die erste Tour auf dem Breitenauer See. Inzwischen folgen Ihnen etwa einhundert Freunde auf Facebook und über eintausend User schauen sich die aktuellen Bildergalerien der Rundfahrten an.

30 Euro pro Person kostet eine geführte Tour. Das deckt die Kosten, sagt Sandro. Dafür erhalten die Teilnehmer eine vernünftige Ausrüstung und jede Menge Tipps auf der zwei-stündigen Tour. »Die Leute, die zu uns kommen, sollen mit einem Lächeln wieder gehen. Es geht uns nicht ums Geld verdienen. Wir machen das, weil wir den Sport lieben«, sagen beide mit treuem Blick und man ist geneigt, ihnen das auch zu glauben.

In Heilbronn rennen Sandro und David mit Stand-Up-Paddling offene Türen ein. Wasser ist schon immer genug da, seit kurzem ist die Stadt auch bemüht die Kanäle und den Neckar mehr und mehr in das urbane Leben einzubinden. Das zeigt die lebendige Kaffeehaus- und Kneipenkultur entlang der Fußgänger-Promenade vom Eistadion bis zum Wertwiesenpark, die Pläne für die Bundesgartenschau 2019 und nicht zuletzt Veranstaltungen wie das Neckarfest, der Hamburger Fischmarkt oder der Schlager Süden.

Für eine klassische Stadtrundfahrt auf dem Wasser steigen Sandro und David am liebsten in der Nähe der Wasserschutzpolizei ein. Hier geht es ein Stück den Neckar hinunter und dann hinein in den Salzhafen mit seinen alten Silos und Lagerhallen, bevor sich die Innenstadt vom König-Ludwig-Kanal vorbei am Theaterschiff bis hoch in den Wilhelmskanal von ihrer attraktivsten Seite zeigt.

Entdeckertouren sind ein Angebot von Bronxsports, Fortgeschrittene nehmen die beiden gerne auch auf eine ihrer Fitnesstouren mit. Dafür haben sie auf dem Neckar einen Einstieg in Klingenberg entdeckt. Hier in der Strömung lassen sie die Boards laufen und in zwei Stunden legt die Gruppe mit und gegen den Strom zwischen sieben und zehn Kilometer zurück. Einsteiger führen die SUP-Lehrer Sandro und David am liebsten auf den Breitenauer See. Auch der wirkt vom Wasser aus viel entspannter, als auf der oftmals überfüllten Liegewiese. Das gemeinsame Bierchen und ein lockerer Plausch über das Erlebte, gehört zu jeder Bronxsport-Tour. Es muss eben menscheln, stellen auch hier die Surf-Buddies den Spaß und den Fun-Faktor über ihre Geschäftsidee.

Die findet man zum Schluss aber doch noch, als Online-Shop für Surfbretter auf ihrer Webseite www.bronxsports.de.

Wer Gefallen an den SUP-Touren durch Heilbronn gefunden hat, findet hier die passende Ausrüstung. Bronxsports bietet eine gute Auswahl an aufblasbaren Air-SUPs gängiger Markenhersteller. Ein Allround-Board in vernünftiger Qualität kostet etwa ab 700 Euro, ein Paddel ab 80 Euro. Für ein neues Hobby schon auch Geld. Sandro und David wissen das und bieten daher am Ende der Sommersaison ihre gebrauchten Air-SUPs zum Verkauf. »Die Gebrauchten sind in einem guten Zustand und höchsten ein Jahr gefahren. Wer hier zugreift, erhält Top-Qualität zu einem fairen Preis«, beschreibt Sandro das Angebot.

Und wo steht Bronxsport in einem Jahr? Mal abwarten, wissen beide um die Tücken einer Einzelunternehmung, die noch dazu überwiegend im Sommer Anhänger finden wird. Ein paar Ziele aber haben sie dann schon. Etwa die Bundesgartenschau 2019. Da sehen sie die Chance Bronxsports und Stand-Up-Paddling einer breiten Masse vorzustellen. Bis dahin wollen sie ihren Sport in Heilbronn etablieren und nebenbei Zeit für private Exkursionen finden. Diesen August etwa mit dem Air-SUP durch die ewige Stadt. Vom Tiber kann Rom keine Stadt das Wasser reichen, da sind sie optimistisch.

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