Robert-Mayer-Festjahr, HANIX No.33, Nov.2014

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»Robert Mayer in der Stadt verankern«

Michaela Ruof vom Schul-, Kultur- und Sportamt der Stadt Heilbronn war mitverantwortlich für die Organisation des Robert-Mayer-Festjahres zu Ehren des 200. Geburtstages des Arztes und Physikers. Wir sprachen mit Frau Ruof über ihr gut gefülltes Überstundenkonto, was sie neues über Robert Mayer erfahren hat und über die Sonderbriefmarke, die in Gedenken an den berühmtesten Sohn Heilbronns aufgelegt wird.

Michaela Ruof

HANIX – Frau Ruof, Sie sind mitverantwortlich für die Organisation der Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag von Robert Mayer, die am 25. November, dem Tag seines Geburtstages, ihren Höhepunkt finden. Los ging es am 20. Februar diesen Jahres mit einem Festakt. Sind Sie inzwischen etwas feiermüde nach fast zehn Monaten Geburtstagsparty für den berühmtesten Sohn der Stadt?

MICHAELA RUOF – Es hat natürlich superviel Spaß gemacht – beziehungsweise macht es das momentan ja immer noch – das Jubiläumsjahr zu organisieren und mit den Kollegen zusammenzuarbeiten, die ihre eigenen Ideen mit einbringen. Aber ehrlich gesagt: Ja, zwischendrin war es auch mal gut, durchschnaufen zu können und zu realisieren, dass das Ende in Sicht ist (lacht). Ich freue mich aber natürlich wahnsinnig, dass ich das Ganze mitorganisieren konnte!

HANIX – So ein Partymarathon erfordert eine gute Planung und Organisation. Wann haben Sie und ihre Kollegen damit begonnen, sich mit dem Robert-Mayer-Festjahr zu beschäftigen?

MICHAELA RUOF – Die Briefmarke zum Jubiläumsjahr musste schon im Januar 2012 angegangen werden, da es dafür ein Antragsverfahren gab. Erste Gespräche mit Bürgermeister Harry Mergel, dem damaligen Kulturdezernenten, fanden sogar schon 2011 statt. Damals gab es auch erste Überlegungen, sich mit Heilbronn für den Wettbewerb »Stadt der jungen Forscher« zu bewerben und hierfür den 200. Geburtstag Mayers und seine wissenschaftlichen Erkenntnisse als Basis zu nehmen. Für die Eröffnung im Theater im Februar hatten wir auch eine dreivierteljährige Vorlaufzeit, da unter anderem die Texte für die drei dargestellten Szenen aus Mayers Leben geschrieben werden mussten. Genauso haben wir für die Broschüre zum Jubiläumsjahr eine Vorlaufzeit benötigt. Im Grunde genommen arbeiten wir also seit 2011 am Veranstaltungskonzept.

HANIX – Und wie viel Mann- und Amtspower steckt hinter den Feierlichkeiten?

MICHAELA RUOF – Ein großer Partner ist die experimenta, ebenso das Stadtarchiv und das Stadttheater, das für den Festakt zuständig war. Viele Helfer, die ich jetzt gar nicht einzeln beziffern könnte, rekrutieren sich beispielsweise aus den Vereinsmitgliedern der Robert-Mayer-Sternwarte, die dieses Jahr spezielle Vorträge zu dem Thema angeboten haben. Auch einige Lehrer, die sich mit ihren Schülern am Familien-Forscher-Tag beteiligt haben, sowie die Referenten der Wissenspause. Zusätzlich waren das Hochbauamt und das Museum involviert sowie Galerist Manfred Rieker. Wenn wir alle Kollegen und Helfer dazurechnen, kommen wir sicher in den dreistelligen Bereich, was die Zahl an Beteiligten betrifft.

HANIX – Ihr Überstundenkonto ist wahrscheinlich üppig gefüllt?

MICHAELA RUOF – (lacht) Genau! Die Überstunden haben sich enorm gesteigert. Allerdings habe ich nächstes Jahr leider nicht komplett frei! Schließlich haben wir ja schon wieder eine Menge neuer, interessanter Sachen in petto. Die Belastung durch das Festjahr ist schon zu spüren, gerade wenn noch Termine am Wochenende oder abends dazukommen.

HANIX – Robert Mayer hat schon zu Lebzeiten um Anerkennung seiner Leistungen ringen müssen. Seine Strahlkraft endet deshalb auch an der Stadtgrenze. In Physikerkreisen mag er auch noch bekannt sein. Durch welche Konzepte und Veranstaltungen haben Sie und die Organisatoren versucht, dies etwas aufzubrechen?

MICHAELA RUOF – Ein Schwerpunkt war sicherlich, Robert Mayer noch einmal in der Stadt zu »verankern« – um es salopp auszudrücken: »Warum sitzt der denn da jetzt als Denkmal auf dem Marktplatz?« Denn so bekannt ist er hier eben auch nicht. Der Name ist vielen ein Begriff, aber was er genau geleistet hat und warum er diese Anerkennung erfährt, ist vielen Leuten nicht so sehr bewusst. Wie schon erwähnt wurde, ist er in Physikerkreisen natürlich immer noch ein Thema. Damit sein Name aber über die Stadt- oder vielleicht sogar Landesgrenze bekannter wird, sorgt jetzt eine Sonderbriefmarke des Bundesministeriums der Finanzen. Mit der Briefmarke wird der Name Robert Mayer ab dem 3. November also symbolisch wieder in die Welt hinausgeschickt. Zusätzlich haben wir das Jahresprogramm und weitere Informationen zur Person Mayer in der extra für das Festjahr entstandenen Homepage veröffentlicht. Einen wichtigen Anteil haben sicherlich auch Mayers Nachfahren, die in ganz Europa verstreut leben. 35 dieser Nachfahren werden zur Vorstellung der Briefmarke kommen. Darüber hinaus hatte ich Kontakt mit einem schweizer Wissenschaftler, der sich intensiv mit Mayer beschäftigt und an einem Buch zum Thema Energie arbeitet. Natürlich trägt auch der Name des Robert-Mayer-Gymnasiums zum Bekanntheitsgrad bei den Menschen bei. Zusätzlich zur Briefmarke wird es eine Ausgabe des Geschichtsmagazins »Damals Plus« mit Sonderseiten zum Thema und der Stadt geben, welches bei der Briefmarkenpräsentation verteilt werden wird. Ansonsten hoffen wir natürlich auf eine gewisse Nachhaltigkeit dieser Aktionen; so sollen die Inhalte der Robert-Mayer-Homepage dann in die des Stadtarchivs eingegliedert werden, um Robert Mayer noch fester im kollektiven Gedächtnis der Stadt zu verankern.

HANIX – Ist es aus ihrer Sicht gelungen? Oder bleibt Mayer auch nach seinem Festjahr nur hier in der Stadt und unter Physikcracks eine Größe?

MICHAELA RUOF – Das ist natürlich nicht leicht zu beziffern, aber unbekannter als vor dem Festjahr wird er garantiert nicht sein (lacht)!

HANIX – Am 3. November erscheint zu Mayers Ehren eine Sonderbriefmarke. Dass es die Marke überhaupt gibt, ist schon ein Erfolg. Jährlich werden nur zwei bis drei Wissenschaftler so geehrt. Das Motiv ruft trotzdem Kritik hervor. Philatelisten halten das Motiv für missraten. Die Darstellung des Wärmeäquivalents als Strichcode kann man mit einem Barcode verwechseln, wie er auf allen Waren gedruckt ist. Man bräuchte einen Beipackzettel, um aus dem Motiv schlau zu werden. Wie groß ist die Enttäuschung über das grafische Motiv bei den Organisatoren des Festjahres? Denn in die Briefmarke wurde viel Hoffnung gesetzt, dass durch sie das Physikgenie Mayer etwas bekannter wird.

MICHAELA RUOF – Also ich persönlich hatte jetzt gar nicht mit seinem Portrait auf der Marke gerechnet. Wenn man sich mit den verschiedenen »Stationen« die so ein Antrag durchlaufen muss, beschäftigt, dann wird schnell klar, dass auch Fragen zum grafischen Layout auftauchen und die Marke ja in die heutige Zeit passen muss. Deshalb hatten wir keinerlei Einfluss auf das Motiv der Marke, weil nur anhand des Themas entschieden wird. Eine Kleinigkeite konnte Herr Professor Schrenk, der Leiter des Stadtarchivs, am Siegerentwurf allerdings abändern lassen. Jedoch steckt natürlich auch eine Menge künstlerischer Arbeit in dem Design. Und die Entscheidung über den Siegerentwurf liegt allein beim Bundesministerium der Finanzen.

HANIX – Kam der Zeitpunkt der Enthüllung des Entwurfs für ihren persönlichen Geschmack etwas zu früh?

MICHAELA RUOF – Nein, wir hatten von vornherein schon geplant, dass der Erscheinungstag der Marke – also der 3. November – das Datum für die Veranstaltung sein sollte. Diesen Tag wollen wir auch noch einmal für zusätzliche Publicity und das Zeigen des Werdegangs der Marke nutzen; hierzu zählt beispielsweise der sogenannte Erstausgabestempel für die Briefmarke. Zusätzlich besagt das Reglement auch, dass die Marke schon sechs Wochen vor ihrer Veröffentlichung gezeigt werden kann. Das hat den Vorteil, dass die Marke dann schon in aller Munde ist.

HANIX – Ein erstes Zwischenresümee können Sie sicherlich schon ziehen, auch wenn der Höhepunkt noch aussteht. War das Festjahr aus städtischer Sicht ein Erfolg oder wird man in 50 Jahren vieles anders machen, wenn Mayers Geburtstag ein Vierteljahrhundert zurückliegt?

MICHAELA RUOF – Ich glaube, dass das Festjahr ein voller Erfolg war. Besonders spannend waren für mich die Beteiligung der Bevölkerung und die Menge an Informationen, die wir bekommen haben. Die hohe Anzahl an Besuchern des Films über Robert Mayer hat uns natürlich auch positiv überrascht. Genauso hat uns das Feedback zur neuen Veranstaltungsreihe Wissenspause gefreut. Diese Aktion lässt sich ein bisschen mit dem Prinzip eines Adventskalenders vergleichen: Jeden Tag gibt es ein neues Gesprächsthemamit verschiedenen Referenten während der Mittagspause. Hier zeigt sich, dass neue Formate gut angenommen und besucht werden. Gleichermaßen verhielt es sich mit der experimenta, dort waren viele Schulklassen zu Gast und so wurde auch ein jüngeres Publikum erreicht. Zusätzlich trug der Familien-Forscher-Tag im Robert-Mayer-Gymnasium dazu bei, die Thematik zu verbreiten. Wir hoffen natürlich, dass diese Veranstaltungen einen Anteil daran haben, dass man nicht erst wieder in 50 Jahren über Robert Mayer spricht. Wie ich schon erwähnte, tragen auch Robert Mayers Nachfahren dazu bei, dass der Name nicht in Vergessenheit gerät. Das Stadtarchiv hat bereits einige Dokumente, Fotos und Gegenstände aus Familienbesitz erhalten und zur Briefmarkenveröffentlichung hat eine Familie geplant, weitere Dokumente von Mayer an Professor Schrenk zu übergeben.

HANIX – Am 25. November jährt sich Mayers Geburtstag zum 200. Mal. Was ist an diesem Tag neben dem großen, abendlichen Fest geplant?

MICHAELA RUOF – Die Stadtverwaltung hat sich bewusst dafür entschieden, die Planung für den Abend dem Robert-Mayer-Gymnasium zu überlassen. So können die Schüler und Pädagogen gemeinsam den Namensgeber ihrer Schule feiern. Für das Fest, das in der Harmonie stattfindet, ist neben einer musikalischen Umrahmung des Abends auch eine Präsentation des Festjahres in Bildern geplant.

HANIX – Wird es nach den Feierlichkeiten auch eine Feier der Mitarbeiter, die an der Organisation und Umsetzung des Festjahres beteiligt waren, geben?

MICHAELA RUOF – (lacht) Darüber haben wir noch gar nicht nachgedacht!

HANIX – Also das hätten sie sich auf jeden Fall verdient! Was haben Sie eigentlich im Rahmen des Mayer-Festjahres über das einst verkannte Heilbronner Genie Neues erfahren?

MICHAELA RUOF – Was ich jetzt viel bewusster empfinde – sei es durch die Vorträge oder den Film – ist das, was Robert Mayer eigentlich geleistet hat. Er war ja selbst sehr zuversichtlich, dass der bahnbrechende erste Hauptsatz der Thermodynamik, den er aufstellte, stimmte. Umso bedenklicher ist es dann natürlich, wenn man realisiert, dass die fehlende Anerkennung einen Menschen auch über Monate hinweg zermürben kann. Glücklicherweise hatte Mayer immer den Rückhalt seiner Frau und seiner Familie. Besonders beeindruckt hat mich aber natürlich sein Entdeckergeist und die damit verbundene Willenskraft: So heuerte er beispielsweise, allen Gefahren zum Trotz, in jungem Alter als Arzt auf einem Schiff nach Jakarta an, was ihn ja dann später über Umwege auf seine wegweisenden Entdeckungen brachte.

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