Titelthema Die 11 wichtigsten Heilbronner Juni-Juli 2014

»Die Platzierungen 4-7 der 11 wichtigsten Heilbronner«

Platz 4: Dieter Schwarz

Ein einfacher Kaufmann

Mehr als auf alles andere ist Dieter Schwarz darauf bedacht, sein Privatleben privat zu lassen und jedem Fotoapparat großräumig aus dem Weg zu gehen. Es existieren nur zwei öffentliche Fotografien des Heilbronners, der unter dem Dach der Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland Deutschlands größtes Handelsunternehmen schuf. Der bescheidene Milliardär ist Heilbronns Stadtmäzen, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, Heilbronn auf dem Weg zur Bildungs- und Wissensstadt tat- und finanzkräftig unter die Arme zu greifen.

In wenigen Monaten wird Dieter Schwarz, der Gottvater von Lidl und Kaufland, seinen 75. Geburtstag feiern. Mit großer Sicherheit wird der gelernte Kaufmann, wie er es seit Jahrzehnten pflegt, auf viel Tamtam verzichten. Große Auftritte sind seine Sache nämlich nicht. Sei es privat oder geschäftlich. Schwarz tritt bescheiden und bodenständig auf, speist ab und an sogar in der Mensa des Bildungscampus und kauft, von den meisten unerkannt, auf dem Heilbronner Wochenmarkt sein Gemüse ein. Seine Anzüge sind von der Stange, auf eine Yacht, Luxusuhren oder anderes Milliardärs-Gedöns verzichtet der Ur-Heilbronner geflissentlich.

Seine Medien- und Öffentlichkeitsscheu ist in einem unangenehmen Erlebnis in den 70er Jahren begründet, so heißt es. Dabei ist Schwarz aber kein zurückgezogen lebender Eremit, wie überregionale Medien oft vermuteten. Der Handelsmann sei »alles andere als ein Sonderling«, wie viele Weggefährten und Bürger der Stadt bestätigen können. Im Gegenteil: Schwarz kenne keine Berührungsängste und pflege einen großen Freundeskreis. Er tritt freundlich, verständnisvoll und bodenständig auf. Auch deshalb respektieren die Heilbronner Schwarz´ Wunsch, nicht fotografiert zu werden. In all den Jahrzehnten ist nicht ein Paparazzi-Foto aufgetaucht, was schon als außergewöhnlich bezeichnet werden kann. Auch aus diesem Grund fühlt sich der Ehrenbürger der Stadt in seinem Heilbronn so wohl. Hier kann er Mensch sein, ohne Angst haben zu müssen, dass er verraten wird. Er kann ungestört Konzerten in der Harmonie lauschen und niemand hat ihn behelligt, wenn er Kabarett im Alten Theater genoss. Die Heilbronner sind loyal gegenüber Schwarz und der Mann, der Anfang der 70er Jahre den ersten Lidl-Markt in Ludwigshafen eröffnete, dankt es ihnen durch großzügiges Engagement für die Stadt. »Nach Heilbronn brauchen Sie gar nicht erst zu fahren, da werden Sie keine Informationen bekommen. Die Stadt hüllt sich in Schweigen«, musste eine Reporterin der Süddeutschen Zeitung erfahren, als Sie über den superreichen »Geheimniskrämer« schreiben wollte. Mit wenig brauchbarem Material hat die Schreiberin Heilbronn wieder verlassen müssen. Heilbronn und seine Bürger beschützen den Frankreichfan Dieter Schwarz wie ein Neugeborenes. Denn sie wissen, was sie an ihm haben. 2007 wurde Schwarz zum Heilbronner Ehrenbürger ernannt. Schwarz ist in der Nachkriegszeit der erste »Mann der Wirtschaft«, der mit der höchsten Auszeichnung gewürdigt wurde, die die Stadt Heilbronn zu vergeben hat. Anlass für diese Ehrung war allerdings weniger die von Schwarz geschriebene Erfolgsstory des Unternehmens Lidl&Schwarz, sondern sein außergewöhnliches Engagement als Heilbronner Mäzen. In der Laudatio, gehalten von Helmut Himmelsbach, hieß es damals: »Schwarz habe sich auf wohl einmalige Weise verdient gemacht, er ist nicht nur dem Wohnsitz nach, sondern auch dem Herzen nach ein Bürger seiner Heimatstadt geblieben – und hat dieses so nachdrücklich unter Beweis gestellt wie kaum ein anderer.« Beispiele des Engagements von Dieter Schwarz für seine Stadt gibt es genug und an fast jeder Heilbronner Ecke zu sehen. Ob der Bildungscampus, der aktuell erweitert wird, oder die experimenta, die bald ein architektonisches Aushängeschild als Zusatzbau erhält, oder den Zukunftsfonds Heilbronn. Dieter Schwarz treibt Heilbronns Entwicklung maßgeblich voran. Unvergessen auch sein Einsatz für die Sanierung des Kilianskirchturmes, für die Musikstadt und für die Skulpturenstadt Heilbronn.

Schwarz ist, das darf ohne Umschweife behauptet werden, mit Leib und Seele Heilbronner. Und, wie es Helmut Himmelsbach in seiner Lobhudelei 2007 beschrieb, trotz des enormen beruflichen Erfolges bescheiden, verständnisvoll und sympathisch geblieben. Sein Helfersyndrom wollte der »einfache Kaufmann«, typisch schwäbisch, nie an die große Glocke hängen: »Wichtig war für mich aber, dass dies stets anonym blieb, denn ich wollte nie als der große Gönner erscheinen, sondern in gleicher Weise Hilfe leisten, wie mir früher geholfen wurde.« Eine Erinnerung an seine Jugendzeit, als er über den American-Field-Service ein Jahr in den USA verbringen konnte und nach seiner Rückkehr als Leiter des Heilbronner American-Field-Service-Komitees auch mit der Aufgabe betraut war, Geld für einen Schüleraustausch aufzutreiben, prägte sein soziales Handeln maßgeblich. Die Großzügigkeit von zwei Heilbronner Unternehmern bei dieser Aktion habe ihn nachhaltig beeindruckt. Und so kam er auch zu dem Schluss und der Entscheidung, dass die Dieter-Schwarz-Stiftung sich auf den Förderschwerpunkt Bildung im Raum Heilbronn konzentrieren solle: »Es ist meine tiefe Überzeugung, dass ich damit am meisten für die Zukunft meiner Heimat leisten kann.«

Platz 5: Sibel Kekilli

Für uns ist sie Superwoman

Sibel Kekilli ist eine Frau, die mit zahlreichen Talenten gesegnet ist. Oder vielleicht nur mit einem ganz großen: Wandlungsfähigkeit. Das passt auch sehr gut zu ihrem Beruf als Filmschauspielerin. Talent allein reicht oft nicht aus. Es ist meistens die Mischung aus guten Gaben und dem, was man daraus macht. Kekilli hat ihre Fähigkeiten am Schopf gepackt und sie genutzt. So arbeitete sie um 2002 als Verkäuferin, Türsteherin, Reinigungskraft, Geschäftsführerin eines Nachtclubs, Pornodarstellerin und Kellnerin. All diese Berufe zeigen eine echt wandlungsfähige Lebenskünstlerin, die für uns ganz klar zu den elf wichtigsten Heilbronnern gehört. Sich so durchs Leben zu boxen, dazu gehört schon was. Und vor allem auch den Mut zu haben und Veränderungen zu wagen. Davor besuchte sie die Fritz-Ulrich-Schule in Heilbronn-Böckingen. Als Klassenbeste und mit einem Notendurchschnitt von 1,7 verließ sie die Schule mit der Mittleren Reife in der Tasche. Ihr Plan war es, das Abitur zu machen, um später Jura oder Medizin zu studieren. Doch im Leben kommt es oft anders, als man denkt. Ihren Eltern schmeckte die Idee weniger, so dass sich die junge Sibel für eine Ausbildung entschieden hat. Von 1997 bis 2000 lernte sie den Beruf der Verwaltungsfachangestellten bei der Heilbronner Stadtverwaltung. Danach bearbeitete sie noch zwei Jahre lang die Müllgebührenbescheide bei den städtischen Entsorgungsbetrieben, bis sie merkte, dass das nicht ganz ihrem Lebenstraum entspricht. Sie kündigte und zog nach Essen. Diesen Mut schätzen wir an ihr. Der und ein Quäntchen Glück haben sie nämlich auch richtig weit gebracht. Noch im selben Jahr, im August 2002, wurde Sibel Kekilli in einem Köllner Café von einer Casterin angesprochen, ob sie nicht Lust hätte im Film »Gegen die Wand« des deutsch-türkischen Regisseurs Fatih Akin mitzuspielen. Sie sagte zu und bekam unter 350 Mitbewerberinnen die Hauptrolle. Für ihre darstellerischen Leistungen erhielt sie mehrere Auszeichnungen, darunter zwei Deutsche Filmpreise als beste Hauptdarstellerin, den Bambi und den Preis der deutschen Filmkritik. Außerdem wurde Kekilli beim Tribeca Film Festival als beste Schauspielerin ausgezeichnet.

Ihr Weg als internationale Filmschauspielerin war geebnet. Schade, dass ihr Heilbronn »irgendwie zu spießig« und irgendwie »zu klein« war. Wir hätten sie gerne öfter bei uns. Aber man sieht, Mut wird belohnt und wir freuen uns mit ihr. Am 16. Juni feiert Sibel Kekilli übrigens ihren 34. Geburtstag. Wenn nur aus der Ferne, aber auch von uns, die besten Wünsche und weiterhin viel Erfolg. Und auch wenn sie’s von uns selten hört: Sibel, wir sind unheimlich stolz auf dich!

Platz 6: DORIS HAUG

DIE MUTTER DES CANCAN

Dies ist eine wundervolle Geschichte eines Heilbronner Mädchens, das ohne Wissen ihrer Eltern Tanzstunden nahm und zu Miss Doris wurde, der berühmten Choreografin des Pariser Moulin Rouge. Doris Haug entwickelte unvergessliche Shows und trainierte die Tänzerinnen des Moulin Rouge mit milder Strenge und schwäbischer Akribie.

Wenn Doris Haug das Foyer des Moulin Rouge an der Place Blanche betritt, winkt ihr das Personal des wohl berühmtesten Cabarets der Welt herzlich zu. Die Kellner grüßen respektvoll, und der Empfangschef fragt nach den Wünschen von Miss Doris. Ein Direktor geleitet die Deutsche an ihren Ehrenplatz im Saal. Von 1957 bis vor wenigen Jahren war sie die Ballettmeisterin der Roten Mühle. Noch heute berät sie die Truppe. Ohne Doris Haug wäre Moulin Rouge nicht das, was es heute darstellt: Der Tempel einer spritzigen, typisch pariserischen Schau mit funkelnden Kostümen und ständig wechselnden Bühnenbildern. Ihr Publikum waren die Queen von England, Präsidenten der Französischen Republik, die Fürstenfamilie von Monaco – und Millionen Paris-Touristen. Für Josephine Baker entwarf Miss Doris zwei Revuen und sie reiste unermüdlich in aller Welt auf Talentsuche herum, um die besten und schönsten Mädchen für die Show zu finden. Mit einigen Tänzerinnen und Tänzern unterhält sie noch heute einen regen Kontakt. Es sind meist die Älteren. Vor ein paar Jahren zog sich die rüstige Heilbronnerin nach Rambouillet bei Paris zurück – doch sie ist dem populären Etablissement als gern gesehener Ehrengast treu geblieben. Mächtig stolz ist Doris Haug auf ihre Leistung, auf ihre historischen Verdienste, auf eine Karriere als Zugereiste, die von nur einem Gedanken beseelt war: Tanzen. Paris war für sie schon in jungen Jahren das Mekka der Ballettkunst. Die »Doriss Girls« und die »Doriss Dancers« sind ihr Vermächtnis: Hervorragend gewachsene Tänzerinnen und Tänzer aus 19 Ländern. Der Name der multikulturellen Truppe beruht eigentlich auf einem Fehler. Beim Andruck eines Werbeplakats für eine neue Revue vor beinahe 40 Jahren verschrieb sich der Texter. Er meinte, Doriss mit doppeltem s passe grafisch besser ins Bild. Miss Doris, wie die Deutsche gerufen wird, hatte nichts einzuwenden.

Madame Doris ist eine resolute Schwäbin. Und sie gilt als die Autorität schlechthin für den French Cancan. Madame Doris, die einst selbst den Cancan tanzte, war über 50 Jahre Mutter der schönen »Doriss Girls and Dancers«, der ständigen Truppe des Moulin-Rouge. Ihre Shows waren kostspielige Produktionen. Die Kosten sind weniger für die künstlerische Konzeption als für die Ausstattung angefallen. Allein die Federboas aus Marabuflaum, die hinter der Bühne von der Decke hängen, kosten ein Vermögen pro Stück. Dazu kamen tausend Kostüme, Millionen handvernähte Pailletten und zig Bühnendekorationen. Für den French Cancan wurden blau-weiß-rote Unterröcke geliefert in der Damengarderobe liegen neben Wattepads und »Nivea Visage« passenderweise auch Strumpfbänder in den Farben der Trikolore. Der Champus-Normalverbrauch ist unglaublich hoch im berühmtesten Kabarett der Welt. Man war und ist eben der Belle Époque verpflichtet, im Vergleich zur Konkurrenz im »Lido«, wo man aus dem Bilderfundus von Las Vegas, Broadway und Hollywood schöpft, ging es hier gemächlich zu. Im Moulin Rouge vertrat Madame Doris das solide Handwerk. Ohne das wäre dieses berühmte Revuetheater wie viele andere längst gestorben. Da das Bedürfnis nach Amüsement eine der konservativsten menschlichen Regungen ist, das englische Königshaus gehört seit den Jugendtagen Edwards VII. zu den treuen Bewunderern des Moulin Rouge, darf man eine traditionsreiche Revue nur behutsam modernisieren. Natürlich legen die Mädels nach drei Minuten die Kleider ab und sind die restlichen anderthalb Stunden im Wesentlichen mit Strass und Straußengefieder bekleidet: Nackte Brüste sind die »exception française« im internationalen Showgewerbe. Die zwei Shows am Abend halten die »Doriss Girls« dank eines speziellen Nudelgerichts durch, das sie jeden Nachmittag um fünf verschlingen. Sie ernähren sich wie Spitzensportler auf der Tour de France. Vertraglich haben sie sich auf Einhaltung ihres Gewichts plus minus zwei Kilo verpflichtet. Ihre Größe ist auf 1,77 plus minus zwei Zentimenter festgelegt. Es war lange Madame Doris, die Show, Gewicht und Größe mit milder Strenge überwachte. Diese Madame Doris, in Stuttgart geboren, in Heilbronn aufgewachsen, heißt mit bürgerlichem Namen Doris Haug. Als kleines Mädchen sah Doris Haug im Heilbronner Stadttheater eine schlechte Operette mit Tanzeinlage, »Die Perle von Toka«. Von da an wollte sie zum Ballett. Der Vater, Ingenieur, war dagegen. Also nahm Doris heimlich Ballettstunden, mit selbst verdientem Geld. Nach dem Notabitur schloss sie sich in Karlsruhe einer Truppe versprengter Künstler an. Die Eltern versöhnte sie mit einem Diplom für Heilgymnastik. »Das klang besser.« Mit 25 ging sie nach Paris und fand ein Engagement beim legendären Tabarin, wo Doris den French Cancan von der Pike auf lernte, dann wechselte sie zum Nouvelle Eve. Den Eltern in Schwaben schwindelte sie vor, sie arbeite im Operettentheater. »Weil ich mich anfangs schämte, in einer Oben-ohne-Truppe zu sein.« Aber dann schlug die Stunde der Wahrheit: »Meine Eltern besuchten eine Vorstellung. Zuerst waren die Tänzerinnen angezogen, dann immer weniger. Meine Eltern wurden immer kleiner. Dann kam ich als Solistin. Angezogen.« Denn ausgebildeten Tänzerinnen blieb es damals erspart, topless aufzutreten. Von da an kamen die Eltern eisern jedes Weihnachten, mit einem schwäbischen Christstollen im Gepäck. Zu Hause erzählte die Mutter unbeirrt, das Kind sei beim Ballett. Mit den Stars vom Nouvelle Eve gründete Doris 1954 die »Doriss Girls« und nahm die Compagnie mit ins Moulin Rouge, wo sie 1957 zur Beaufsichtigung des Cancan angeworben wurde. 1961 konzipierte sie ihre erste eigene Show »Cancan«, viele andere folgten. Und weil man im Showbusiness abergläubisch ist, bekamen von nun an alle Revuen einen Namen mit F: Fascination, Fantastic, Follement. Zuletzt eben Féerie. Immer dabei: der French Cancan, bei dem man zu Offenbachs Musik die Beine hinter die Ohren schleudern muss, und der seinen Namen wegen des damit verbundenen Gejohls trägt. Eine besondere Attraktion war die Delfinshow, die Greenpeace gestoppt hat. Oder der Affe, den die Polizei einfing. Oder die Papageien, die die Gespräche in den Logen nachplapperten. Aus anfangs vier wurden bald sechzig »Doriss Girls«, und Doris Haug wurde zur weltweit gefragten Cancan-Managerin. Doris Haug hat sich mit ihren Revuen in eine illustre Geschichte eingeschrieben. 1889 aus einem Vergnügungsetablissement im verrufenen Armenviertel Montmartre hervorgegangen, wurde der »Bal du Moulin Rouge« durch die Plakate von Henri de Toulouse-Lautrec berühmt. Die Originale zieren das Foyer. Besonders bekannt ist die Zeichnung von Louise Weber alias »La Goulue« im Rausch ihrer Unterröcke und davor die Bohnenstangen-Silhouette von »Valentin, dem Mann ohne Knochen«. La Goulue, durch ihren Cancan und ihre Unflätigkeit berühmt, war die erste in einer langen Reihe berühmter Femmes fatales im Moulin Rouge. Das Etablissement gedenkt all dieser Damen beim Diner: Zum Menu »Toulouse-Lautrec« gehören Flusskrebse »Jane Avril«, das Entrée von »French Cancan« ist kalter Hasenbraten »Gavroche«, und die Champagnercreme zu Seebarsch im Menü »Belle Époque« heißt natürlich nach »La Goulue«. Doris Haug inszenierte Anfang der Nullerjahre mit »Féerie« ihre wohl letzte Show im Moulin Rouge. Vielleicht wird sie ja auch mal auf der Speisekarte verewigt.

Platz 7: Ralf Klenk

Der Zukunftsmaler

Wir hatten das Glück, den Unternehmer Ralf Klenk auf einen Kaffee in seinen Geschäftsräumen in der Heilbronner Allee anzutreffen. Und: Wir waren begeistert. Wie kann ein Mensch so viel Gutes tun und dabei so im Verborgenen bleiben? Für uns unerklärlich. Deshalb unser Anliegen, zumindest ein paar Facetten dieser Persönlichkeit kundzutun.

Als die weiße Tür des Besprechungszimmers aufgeht, tritt ein großer schlanker Mann herein. Er trägt Jeans, ein blaues, kurzärmeliges Hemd und eine knallrote Krawatte. Seine Augen sind wach, aber freundlich. Ralf Klenk ist einer von uns. Bodenständig, wertschätzend, ein waschechter »Schwob«. Sein Abitur absolvierte er am Robert-Mayer-Gymnasium und studierte anschließend Maschinenbau an der Hochschule Heilbronn. »Ich hatte einfach Glück, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort zu sein«, sagt der Unternehmer, der aus einem Zwei-Mann-Betrieb einen international erfolgreichen Konzern mit 6219 Mitarbeitern und Milliardenumsätzen aufgebaut hat: Die Bechtle AG in Neckarsulm. Der Erfolg bestätigt die enorme fachliche Kompetenz von Ralf Klenk, der sich ebenfalls stark für soziale Projekte einsetzt. Er wollte »Gutes tun«. Dieser Wunsch verstärkte sich und brachte ihn 2009 dazu, seinen Posten als Vorstandschef im eigenen Unternehmen aufzugeben. Der heute 55-Jährige wollte sich ausschließlich der Stiftungsarbeit widmen. Vielleicht gerade deshalb, weil er auch die Schattenseite des Lebens kennt. Die Diagnose Krebs, an der sein Sohn vor fast elf Jahren gestorben ist, prägt. Ralf Klenk gründete die Stiftung »Große Hilfe für kleine Helden«, ein Dachverband für zahlreiche gemeinnützige Projekte in Heilbronn und Umgebung. »Herzenswünsche« ist eines dieser Projekte, in dem schwerkranken Kindern ihr größter Wunsch erfüllt wird. Oder die »Reittherapie« als wichtiger Schritt, vernachlässigten oder beeinträchtigten Kindern und Jugendlichen wieder soziales Verhalten, Einfühlungsvermögen oder schlichtweg Lebensfreude näherzubringen. Ralf Klenk berichtet von weiteren Projekten, die er unterstützt, von denen man aber eher selten liest. Wohin zum Beispiel mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen mit hohen Aggressionspotenzial, die von zu Hause ausreißen oder im Vollrausch nachts von der Straße aufgelesen werden? Wohin mit ihnen, wenn nicht gleich nach Hause? Die Diakonische Jugendhilfe Region Heilbronn e.V., auch als Kinderheimat Kleingartach bekannt, bietet den Kindern und Jugendlichen ihre Hilfe an. Sei es für Gespräche, gemeinsame Zeit oder ein vorübergehendes Dach über dem Kopf.

Warum Ralf Klenk für uns einer der wichtigsten Heilbronner ist? Es ist wohl einfach der Mensch, der sich hinter diesem Namen verbirgt. Einer, der mit anpackt und Projekte fördert, aber auch fordert, wenn er sie für gut befunden hat. Einer, der nicht viel redet, sondern die Zukunft mit-gestaltet.

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