Titelthema Marketing Mai 2014

Speedladies: Mit 280 übern Asphalt

Frauen auf Motorrädern kennen wir. Aber Frauen, die Motorrad auf Rennstrecken fahren – das ist echt was Besonderes. Denn es gibt noch nicht so viele von ihnen, die das machen. Zwölf Studenten der Hochschule Heilbronn haben für den Speedladies Cup 2014 ein Marketingkonzept auf die Beine gestellt. Wir haben mit ihnen gesprochen und erfahren, dass Gruppenarbeiten sehr spannend verlaufen können.

Heike Findeisen ist begeisterte Rennfahrerin. »Ich bin durch meinen Freund zum Motorradsport gekommen«, sagt die 27-Jährige. Was anfangs als gemeinsames Hobby galt, entwickelte sich zu einer großen Leidenschaft. Im Mai 2009 machte die akademische Mitarbeiterin der Hochschule Heilbronn ihren Motorradführerschein. Einen Monat später fuhr sie das erste Mal auf einer Rennstrecke. »Es macht mir unglaublich viel Spaß«, sagt sie und lächelt übers ganze Gesicht. Ein atemberaubendes Gefühl, schließlich donnern die Rennfahrerinnen mit bis zu 280 Kilometer pro Stunde über die Rennstrecken. Hat man da keine Angst? »Nein, sonst würde es niemand machen«, sagt sie. Das Gefühl von endloser Freiheit ist stärker. Findeisen selbst ist schon 252 Kilometer pro Stunde gefahren, gemäß der hochgenauen Messung über den GPS-Satelliten. Doch ihr größter Erfolg war ihr erstes Regenrennen 2012. Dort hatte sie ihren ersten Pokal erhalten, und gibt zu: »Es ist ein tolles Gefühl, wenn man in die Boxen einfährt und andere klatschen oder einem auf die Schulter klopfen.« Sie fährt gerne auf der Rennstrecke, auch wenn Männer dabei sind. »Von ihnen kann man so manches lernen.« Dennoch weiß sie es sehr zu schätzen, dass es im Motorradrennsport mittlerweile auch Events für Frauen gibt, wie den Ladies Cup von Aktionbike, Ladies Trophy von Michael Fiala oder den Speedladies Cup von Jura Racing. Mit Sandra Albrecht, der Gründerin des Speedladies Cups, ist sie befreundet. Aber wer sind eigentlich die Speedladies? Sie sind eine Gemeinschaft von Frauen, die hohe Geschwindigkeit, heiße Reifen und das Dröhnen ihrer Motorräder lieben. Es ist ein Lebensgefühl.

2007 gründete Sandra Albrecht die Gemeinschaft der Speedladies. Immer wieder wurde sie Ansprechpartnerin für Belange rund um das Motorradfahren auf Rennstrecken. Und so kam es, dass sie Frauen mit gleichen Interessen zusammenbrachte, die ihre Erfahrungen und Erlebnisse miteinander teilen konnten. Das Interesse an Frauenrennen ist groß, doch »Frauen gehen bei diesem Motorradsport unter«. Es gibt einfach noch zu wenig Veranstaltungen für Frauen. Und bei der Konkurrenz seien sie eher Mitläufer. Das missfiel der 40-jährigen Oberösterreicherin. »Mir war gleich klar, ich muss das selber in die Hand nehmen«, sagt Sandra Albrecht und suchte nach geeigneten Partnern. »Mein Ziel war es, etwas Besonderes zu machen. Einen Event, an dem man Frau sein darf und sich dabei wohlfühlt.« Mit großem Erfolg: 2013 rief Albrecht den Speedladies Cup ins Leben, der über Jura Racing veranstaltet wird. An diesem Event nahmen 29 Frauen aus fünf verschiedenen Ländern teil und qualifizierten sich bei insgesamt fünf Rennen. »Sandra setzt sich enorm für die Speedladies ein«, sagt Heike Findeisen, »da wird es Zeit, dass sie auch mal was zurückbekommt.«

Die Idee war geboren: Ein Marketingkonzept für den Speedladies Cup auszuarbeiten, um in Zukunft richtig durchzustarten. »Da sind mir gleich unsere Studenten eingefallen, die Marketing als Schwerpunkt studieren«, so Findeisen. Zustimmung gab es ebenfalls durch Professor Dr. Dirk Hass. Er ist Dozent im Studiengang Betriebswirtschaft, Marketing- und Medienmanagement sowie International Marketing and Communication am Campus Künzelsau und leitete das Wahlpflichtfach. Für die Studenten eine gute Möglichkeit, um Theorie und Praxis miteinander zu vereinen. Gut zwei Monate lang haben zwölf Studentinnen und Studenten intensiv am Projekt gearbeitet. »Mir hat es sehr gefallen, dass unsere Konzepte später noch verwendet werden«, sagt Marina Schwinger, eine der Studentinnen. Sie studiert Marketing mit der Vertiefung Kommunikations- und Medienmanagement. Bei der Aufteilung für die strategische Marketingkonzeption konnte sie sich zwischen zwei Gruppen entscheiden: Für die eine Gruppe, die ein Kommunikationskonzept ausarbeiten sollte, also wie sich die Speedladies präsentieren und von außen wahrgenommen werden. Oder für die andere Gruppe, die sich mit der Ausarbeitung eines Sponsorenkonzepts beschäftigte. »Mit Sponsoring kannte ich mich gar nicht aus«, beschreibt die 22-Jährige aus Blankenbach, nahe Aschaffenburg, »dort konnte ich am meisten lernen.« Herausfordernd fand sie manchmal die Gruppengröße und gemeinsame Termine zu finden. Einige Studenten haben andere Vorlesungszeiten, Nebenjobs und private Verpflichtungen. Das sei schon mal spannend gewesen, sich auf einen Termin zu einigen. Insgesamt habe ihr das Projekt »einen riesen Spaß gemacht«, so dass sie es gar nicht wirklich als Arbeit angesehen habe. Marinas Resümee: »Ein komplexes, aber irre spannendes Thema.« Ähnlich sieht das auch der Student Marc Rudolf aus Künzelsau. »Das Thema hat mich sofort angesprochen«, sagt er. Es sei auch praktisch gewesen, dass der Kurs in der vorlesungsfreien Zeit angeboten und ein großer Teil in dieser Zeit bearbeitet wurde. »Somit konnte ich mich ganz auf das Wahlpflichtfach konzentrieren«, ergänzt der 25-Jährige. Für sich erkannt hat Rudolf, dass es viel bringen kann, Situationen auch mal durch eine andere Perspektive zu betrachten. Und wie hat es der Speedladies-Initiatorin Albrecht gefallen? Die Zusammenarbeit war »super gut« und die Studenten haben sich toll vorbereitet. Durch das Projekt habe sie Schwachstellen erkennt, die behoben werden können. »Das fand ich großartig«, so Sandra Albrecht, »weil man irgendwann betriebsblind wird.« Für sie eine große Bereicherung: »Tolle Menschen haben wirklich sehr tolle Arbeit geleistet!«

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