Titelthema Naherholung und Tourismus August 2014

»WIR STELLEN DIE BIOMECHANISCHE BALANCE WIEDER HER«

Eine Oase der Erholung ist selbstverständlich das Spa in Friedrichsruhe. Wir sprachen mit Sven Huckenbeck, dem neuen Spa-Manager des besten deutschen Wellnesshotels über sein neues Konzept: Bio-Balance. Hierbei geht es darum dem arbeitsgeplagten Menschen, der sich fast das ganze Leben lang in der Sitzhaltung befindet, zu betreuen. Es wird eine ganz bestimmte Behandlungsmethode eingesetzt, bei der die biomechanische Balance, also das Zusammenspiel der Muskulatur, wieder hergestellt wird.

HANIX – Herr Huckenbeck, Sie sind Relax- und Erholungsprofi. Seit Februar sind Sie als Spa-Manager am Wald & Schlosshotel Friedrichsruhe tätig. Kamen Sie in den letzten Wochen und Monaten eigentlich dazu sich auch mal selbst zu erholen?

Sven Huckenbeck – In der Tat lege ich sehr viel Wert auf einen Ausgleich zum Berufsleben. Natürlich ist der Job, besonders am Anfang, sehr arbeitsintensiv. Aber glücklicherweise ist ein Golfplatz gleich nebenan und nichts liegt näher, als am Abend noch ein paar Bälle zu schlagen und dabei zu entspannen.

HANIX – Wie und wo kommen Sie, außer beim Golfen, runter? Haben Sie schon einige schöne und erholsame Ecken hier in der Region ausfindig machen können?

Sven Huckenbeck – Neben dem Golfen habe ich mit Kendo noch ein zweites Hobby, was ich seit Februar in Schwäbisch Hall betreibe.

HANIX – Sie haben die Nachfolge von Thomas Zimmermann angetreten, der maßgeblich dafür verantwortlich war, dass das Wald & Schlosshotel Friedrichsruhe zum besten deutschen Wellness-Hotel mit einem mehrfach ausgezeichneten Spa wurde. Geht man an so eine neue Herausforderung mit großer Demut oder ist Ihnen sozusagen egal, was vor Ihrer Zeit war?

Sven Huckenbeck – Ich weiß die Arbeit von Thomas Zimmermann natürlich sehr zu schätzen. Es gehört schon was dazu, mehrfach zum besten Spa Deutschlands gewählt zu werden. Meine Aufgabe war es nicht nur das Ganze hier weiterzuführen, sondern eben auch ein neues Produktangebot zu platzieren. In den letzten zehn Jahren habe ich immer wieder »Medical-Spa«-Projekte im internationalen Bereich betreut und in den letzten vier Jahren ein Konzept mitentwickelt, welches wir hier in großen Teilen adaptiert haben. Grundsätzlich kann man sagen, dass die gesamte Qualität und das Umfeld in diesem Hause hervorragende Bedingungen bieten, um auch Neueinführungen umzusetzen.

HANIX – War diese Herausforderung und das eben erwähnte Umfeld auch das Reizvollste an der neuen Aufgabe?

Sven Huckenbeck – Thomas Zimmermann und ich kennen uns schon lange und ehrlich gesagt bin ich gar nicht von selbst darauf gekommen, mich hier zu bewerben. Vielmehr wurde ich von Thomas Zimmermann angesprochen. Der Reiz liegt natürlich darin, ein tolles Haus zu führen, aber eben auch neue Dinge zu implementieren.

HANIX – Als neuer Mann in einem so renommierten Betrieb hat man es bestimmt nicht einfach, einen ausgewogenen Mix zu finden aus Altbewährtem und neuen Impulsen. Wie lautete hier ihre Philosophie und wie sind Sie vorgegangen, um diese umzusetzen?

Sven Huckenbeck – So ein Prozess ist anfangs natürlich immer eine gewisse Gradwanderung, da sich auch die Mitarbeiter an das vorherige Management gewöhnt haben. Dadurch, dass ich diese Erfahrung aber nicht zum ersten Mal mache, ist mir auch klar, wie das funktioniert. In den ersten Monaten geht es vor allem darum, das Gute zu bestätigen, und da gibt es in diesem Haus sehr vieles. Jetzt schauen wir, wo es Lücken, vor allen Dingen im Sinne des neuen Konzeptes, zu schliessen beziehungsweise zu füllen gibt. Selbstverständlich werden diese Themen auch im Team aktiv diskutiert. Gerade der Bereich der Luxus-Hotellerie lebt von sehr hohen und ausgeprägten Standards, speziell im Sektor der Dienstleistung. Hier ist der relativ große persönliche Freiraum der Mitarbeiter auch ausdrücklich von der Geschäftsführung gewünscht, weil wir auch die persönlichen Erfahrungen und Kompetenzen der einzelnen Teammitglieder zum Vorschein bringen wollen. Das ist auch das Spannende an dem ganzen Prozess: hohe Standards halten und zusätzlich individuelle Qualitäten fördern. Dieser große Freiraum der Mitarbeiter entspricht letztendlich auch meiner Philosophie. In jeder meiner vorherigen Stationen habe ich versucht dies vorzuleben, gerade im therapeutischen Umfeld ist dies zwingend notwendig, da sich ansonsten kein Erfolg einstellen wird. Das Besondere an der Führung eines Spas ist auch, dass man Mitarbeiter führen muss, die ich in der Regel in 80 Prozent der Arbeitszeit nicht sehe. Von daher ist dies ein sehr sensibles Geschäft. Ein Feedback erhalten sie hier auch nur von den Gästen. Man kann sich als Vorgesetzter auch selbst behandeln lassen aber die Behandlung wird dann natürlich etwas anders ausfallen und kann nur schwer als Massstab genommen werden. Ich habe mich übrigens auch einige Male hier behandeln lassen, bevor ich die Stelle angetreten habe, und ohne dass es meine damals zukünftigen Mitarbeiter wussten.

HANIX – Die Gäste wird interessieren, welche Neuerungen Sie hier im Friedrichsruher Spa eingeführt haben und was an Altbekanntem und Bewährtem beibehalten wurde?

Sven Huckenbeck – Der Schwerpunkt des Hauses, der auch bewährt und bekannt ist, ist die Eigenmarke »SanVino«. Eine Spa-Marke, die hier im Hohenlohischen entstanden ist, mit sehr authentischen Produkten wie beispielsweise dem Traubenkernöl aus der Region. Dieser Schwerpunkt im kosmetischen Bereich wird natürlich auch von anderen Marken gestützt und bestimmte Aussagen der Eigenmarke werden ergänzt. Hier ist beispielsweise aus dem Bereich der klassischen Hochleistungskosmetik die Marke »Reviderm« zu nennen, eine Marke, die durch die Inhaltsstoffe alles tut, um Erfolg auf der Haut zu zeigen. Des weiteren ist die Firma »comfort zone« zu nennen, die vor allen Dingen im Bereich der Düfte Maßstäbe setzt. Dies sind Angebote, auf die wir auch weiterhin setzen werden. Hinzu kommen die Körperbehandlungen im Spa, die auch beibehalten werden. Das neue Produkt ist das sogenannte »Bio-Balance«-Konzept, dass hier seit Februar entsteht.

HANIX – Sie haben das »Bio Balance«-Konzept mitentwickelt und legen hierauf den Fokus bei ihrem Tun und der Konzeptionierung des Spa-Angebotes. Erzählen Sie uns vom »Bio Balance«-Konzept.

Sven Huckenbeck – Es geht darum, dem arbeitsgeplagten Menschen, der sich fast das ganze Leben lang in der Sitzhaltung befindet, zu betreuen. Hierbei setzen wir eine ganz bestimmte Behandlungsmethode ein, bei der wir die biomechanische Balance, heißt, das Zusammenspiel der Muskulatur, wiederherstellen. Der Körper wird wieder für das fit gemacht, für was er eigentlich gemacht ist, nämlich das Gehen. Der Vorteil ist, dass sich durch diese Behandlung sehr viele Zivilisationskrankheiten positiv beeinflussen lassen und die Bewegungsökonomie im sportlichen Bereich gesteigert wird.

HANIX – Was passiert denn genau mit mir als Gast, wenn ich mich für das Bio-Balance-Konzept interessiere?

Sven Huckenbeck – Das Einstiegskonzept besteht aus drei Behandlungen. Als Erstes ist die Bio-Balance-Behandlung zu nennen. Hierbei werden die Muskeln, die durch die typische Sitzhaltung verkürzt werden, wieder reguliert. Somit erhalten Gäste Bewegungsspielräume, die sie lange nicht mehr hatten, beziehungsweise nicht wahrgenommen haben. Da diese Behandlung auch eine Wirkung im energetischen Verlauf hat, setzen wir anschließend mit dem Friedrichsruher Fango nach. Dabei handelt es sich um eine Fango-Behandlung, die in energetischer Flussrichtung aufgetragen wird. Das Ganze findet auf einer warmen Schwebeliege statt. Meine Kollegin hatte diese Behandlung vor Kurzem und sie war sehr überrascht, als sie sich danach im Spiegel angeschaut hat. Ihre Körperhaltung war eine ganz andere als vorher, viel aufrechter und die Füsse standen sehr gerade und flächiger als vor der Behandlung. Die anschließende Fango-Behandlung war dann für sie wie ein schöner Traum. Letztendlich liegt man dabei ohne Druckstellen und es kommt einem vor als würde man tatsächlich schweben. Die Muskulatur wird in der ersten Behandlung geöffnet und dies wird durch die Fango-Behandlung noch verstärkt. Man hat das Gefühl als würden sich energetische Schleusen im Körper öffnen, von denen man teilweise nicht wusste, dass sie vorhanden sind. Nach den ersten zwei Behandlungsstufen nutzt man dann unseren Spa, der viele Möglichkeiten bietet, sich zurückzuziehen. Sei es zum Lesen, zum Saunieren oder um zu schwimmen. Nach einigen Stunden kommt dann der dritte Part, das sogenannte Bio-Balance-Training. Dies ist nicht als sportliches Training zu verstehen, viel mehr gehen wir hier in die Tiefe der ganz feinen muskulären Strukturen, die die körperliche Aufrechterhaltung mehr oder weniger fixieren.

HANIX – Sollte man, das es auch funktioniert, alle drei Behandlungsschritte an einem Tag machen?

Sven Huckenbeck – Dies ist unsere Maximalempfehlung, unserer Meinung nach sollte man sich diesen einen Tag komplett nehmen, um das ganzheitliche Konzept zu genießen. Das Ganze kostet inklusive Eintritt in unser Spa circa 200 Euro und damit haben sie einen tollen Tag und ein nachhaltiges Erlebnis, das sie so wahrscheinlich noch nicht erlebt haben. Inwieweit dann eine Wiederholung oder Regelmässigkeit der Behandlung stattfindet, hängt natürlich ganz von der einzelnen Person und den Umständen ab, die sie im Alltag hat.

HANIX – Sie selbst sind Diplom-Sportwissenschaftler und haben zahlreiche heilpraktische Ausbildungen absolviert. Beispielsweise als Therapeut für Akkupunkturmassage nach Penzel oder als Myoreflex-Therapeut sowie als Experte für Ernährungsfragen. Legen Sie auch selbst Hand an ihre Gäste an, oder übernimmt das ihr Team für Sie. Sie werden sicher auch viele koordinative und administrative Aufgaben haben?

Sven Huckenbeck – Momentan behandle ich die Bio-Balance-Behandlung selbst. Im Rahmen der Einführung des Konzepts ist es natürlich das Ziel, dass ich die Behandlungsmethoden weitergebe, um eben diesen Standard einzuführen. Natürlich habe ich als Sportwissenschaftler auch einen sehr intensiven Zugang zur Biomechanik und damit zum Menschen im dynamischen Kontext.

HANIX – Welche Neuerungen wird es in näherer Zukunft hier in Friedrichsruhe noch geben oder sind ihre neuen Impulse bereits alle implementiert?

Sven Huckenbeck – Diesen Standard zu etablieren ist der erste Schritt, da wir hier nicht therapeutisch, sondern leistungsoptimierend tätig sind. Im nächsten Schritt werden wir dann höchstwahrscheinlich mit einem Mediziner kooperieren, um gewisse Synergien zu nutzen.

HANIX – Wie sollte aus ihrer professionellen Sicht ein Tag im Friedrichsruher Spa ablaufen? Wie viel Zeit sollte man mitbringen und welche Behandlungen sollte man sich gönnen, um die größtmögliche Erholung für sich zu generieren?

Sven Huckenbeck – Zeit sollte man sich nehmen, soviel man kann. Idealerweise einen kompletten Tag von morgens bis abends. Das Behandlungskonzept liegt natürlich auch an den persönlichen Vorlieben. Möchte man beispielsweise etwas für seine Haut tun, liegt der Schwerpunkt sicherlich im kosmetischen Bereich, wobei hier ganz klar die Beratung im Vordergrund steht. Hier sollte auch der Gast sagen, was er erreichen möchte, damit die Beratung dementsprechend ausgelegt werden kann. Generell entscheiden sich Gäste oft, teilweise auch aus Unwissenheit, für die Klassiker. Würde der Gast aber das Ziel definieren kann von unserer Seite aus eine für ihn geeignete Behandlung vorgenommen werden, die noch nicht mal mehr kosten müsste.

HANIX – Wie ist denn das Verhältnis zwischen Buchung von Klassikern und Buchung von speziell abgestimmten Behandlungen?

Sven Huckenbeck – Wenn jemand bereit ist, seine Wünsche und Bedürfnisse zu äußern, sind es meistens Behandlungen, die nicht zu den Klassikern gehören, weil wir eben das Ziel sinnvoller ansteuern können.

HANIX – Ist es auch eines Ihrer Ziele die Kunden dazu zu animieren mehr individuell abgestimmte Behandlungen zu buchen?

Sven Huckenbeck – Ich möchte natürlich nicht unsere Gäste erziehen. Vielmehr geht es um die Schulung der Beratungskompetenz an der Rezeption, wobei es dabei darum geht, mehr nachzufragen und dies noch dazu am Telefon. Das Personal an der Rezeption erhält beispielsweise auch eine Bio-Balance-Behandlung um ein Gefühl zu entwickeln, was man dem Kunden anbieten kann und welche Effekte die Behandlung bewirken kann.

HANIX – Abschließend vielleicht ein Tipp an unsere Leser: Nicht immer hat man die Zeit einen ganzen oder halben Tag in ein Spa zu fahren und es sich gutgehen zu lassen. Haben Sie einen Tip, wie man sich in einer halben Stunde zuhause etwas Powerwellness einverleiben kann, um entspannter ins Büro zu kommen?

Sven Huckenbeck – Auch hier gibt es natürlich Unterschiede aufgrund der verschiedenen Bedürfnisse. Generell kann man aber sagen, dass das Thema »Speedwellness« nicht funktioniert. Sie brauchen einfach eine gewisse Muße um den Körper runter zu fahren. Natürlich kann man aber kleine Übungen wie beispielsweise das Reiben der Fingerkuppen, das Stimulieren der Ohren und gewisse Atemübungen machen, die etwas weiterhelfen. Prinzipiell gilt: Es ist schon sehr viel wert, wenn man Zeit damit verbringt, sich selbst etwas Gutes zu tun.

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